- Jährliches Anlagevolumen der Kapitalrente: rund 30 bis 35 Milliarden Euro
- Globale Finanzmärkte wären durch den Fonds kaum merklich beeinflusst
- KENFO gilt als Vorbild für den geplanten öffentlichen Rentenfonds
Gesetzliche Kapitalrente: Anlagevolumen und Auswirkungen auf die Finanzmärkte
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat im September 2026 eine Analyse zu Einzelfragen der geplanten gesetzlichen Kapitalrente vorgelegt. Im Mittelpunkt stehen das voraussichtliche jährliche Anlagevolumen sowie mögliche Auswirkungen auf die globalen Finanzmärkte.
Empfehlung der Rentenkommission
Grundlage der Analyse ist die Empfehlung 28 der Rentenkommission 2026. Diese spricht sich für eine obligatorische kapitalgedeckte Rentenkomponente innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung aus. Vorgesehen ist ein zusätzlicher Beitragssatz von zwei Prozent, der paritätisch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragen werden soll. Die Einführung soll idealerweise ab 2028 schrittweise in jährlichen Schritten von 0,5 Prozentpunkten erfolgen. Für die Kapitalanlage soll ein öffentlicher Fonds nach dem Vorbild des KENFO eingerichtet werden.
Jährliches Anlagevolumen
Da die konkrete Ausgestaltung der Kapitalrente noch nicht feststeht, stützt sich die Analyse auf öffentlich zugängliche Daten der Deutschen Rentenversicherung. Im Jahr 2025 lagen die Pflichtbeitragseinnahmen der Allgemeinen Rentenversicherung bei rund 284,9 Milliarden Euro. Zwei Beitragssatzpunkte entsprächen daraus abgeleitet rund 30,6 Milliarden Euro im Jahr 2025. Bei vollständiger Einführung ab 2031 und einer angenommenen jährlichen Lohnsteigerung von drei Prozent läge das Anlagevolumen bei mehr als 35 Milliarden Euro jährlich. Diese Größenordnung wird auch in der medialen Berichterstattung überwiegend genannt.
Anlagestrategie: Vergleichsfonds im Überblick
Da die Anlagestrategie des künftigen Rentenfonds noch unbekannt ist, zieht die Analyse drei Vergleichsfonds heran. Der norwegische Staatsfonds investiert bis zu 70 Prozent in Aktien und 30 Prozent in Anleihen und erzielte eine Durchschnittsrendite von rund 6,6 Prozent pro Jahr. Der schwedische AP7 Aktienfonds setzt zu 96 Prozent auf globale Aktien und erzielte seit seiner Auflegung im Jahr 2000 eine jährliche Rendite von rund elf Prozent. Der KENFO als deutsches Vorbild verteilt sein Portfolio auf Aktien, Anleihen sowie nicht börsennotierte Anlagen und erzielte 2025 eine Rendite von 6,2 Prozent.
Volumen der Finanzmärkte
Zum Vergleich benennt die Analyse die Größenordnung der relevanten Märkte. Die weltweite Marktkapitalisierung börsennotierter Unternehmen belief sich 2025 auf rund 141,3 Billionen US-Dollar. Das globale Anleihemarkvolumen wird für 2025 auf rund 160,7 Billionen US-Dollar geschätzt.
Auswirkungen auf die Finanzmärkte
Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass konkrete Aussagen zu Marktauswirkungen derzeit nicht möglich sind, da die Anlagestrategie noch nicht feststeht. Rechnerisch würde eine jährliche Investition von 35 Milliarden Euro in global gestreute Aktien lediglich rund 0,026 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung ausmachen. Bei einer breiten Streuung über mehrere Assetklassen wären die jährlichen Kapitalzuflüsse in den globalen Aktien- und Anleihemarkt jeweils auf rund 0,008 Prozent begrenzt. Selbst wenn der Fonds in 20 bis 30 Jahren ein Volumen von zwei Billionen Euro erreichen sollte, bliebe sein Anteil am weltweiten Wertpapierbestand unter einem Prozent. In einzelnen Marktsegmenten könnten jedoch gewisse Nachfrageeffekte entstehen.



































































