Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8181 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- 6.000 Seeleute auf 500 Schiffen sitzen hinter der Straße von Hormus fest
- 17 Seeleute seit Kriegsbeginn bei Angriffen getötet
- 15 Schiffe mit Deutschlandbezug im Persischen Golf – keine unter deutscher Flagge
Hintergrund
Seit Ende Februar 2026 besteht ein militärischer Konflikt in der Golfregion, der den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus – eine der meistbefahrenen Meerengen der Welt – nahezu vollständig zum Erliegen brachte. Ein am 17. Juni 2026 unterzeichnetes Memorandum of Understanding in Islamabad sah eine 60-tägige Öffnung der Straße vor, scheiterte jedoch nach erneuten Angriffen auf Handelsschiffe am 7. Juli 2026. Parallel dazu kündigten Huthi-Milizen eine Blockade saudischer Schiffe in der Straße von Bab al-Mandab an, was einen zweiten Gefahrenherd im Roten Meer schuf. Der Deutsche Bundestag hatte am 23. April 2026 mit BT-Drs. 21/5478 die Bundesregierung aufgefordert, sich bei der ILO für bessere Arbeitsbedingungen von Seeleuten einzusetzen.
- ~6.000 Seeleute auf etwa 500 Schiffen sitzen laut IMO weiterhin hinter der Straße von Hormus fest (Stand: Anfang August 2026).
- 17 Tote unter Seeleuten seit Beginn der Kampfhandlungen, mehrheitlich durch iranische Angriffe.
- 93 Besatzungsmitglieder wurden laut UN-Hochkommissariat für Menschenrechte von mindestens 9 Schiffen ohne Heuer und Heimschaffung zurückgelassen.
- 15 Schiffe mit Bezug zu Deutschland befinden sich noch im Persischen Golf, keines davon unter deutscher Flagge.
- 11.000 Seeleute sollten ursprünglich durch die IMO-Evakuierungsaktion aus dem Persischen Golf geholt werden; die Aktion musste am 25. Juni 2026 ausgesetzt werden.
Im Detail
Die Bundesregierung bewertet die vorhandenen Instrumente des Seearbeitsgesetzes und des Seearbeitsüberkommens als ausreichend.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8181, S. 7
Tausende Seeleute sitzen seit Monaten unter gefährlichen Bedingungen im Persischen Golf fest. Nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) befinden sich rund 6.000 Seeleute auf etwa 500 Schiffen weiterhin hinter der Straße von Hormus, nachdem militärische Auseinandersetzungen seit Ende Februar 2026 den Schiffsverkehr durch die Meerenge fast vollständig zum Erliegen gebracht haben. 17 Seeleute sind bislang bei Angriffen ums Leben gekommen. Mit BT-Drs. 21/8181 vom 24. September 2026 hat die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/7875) geantwortet.
Lage der Seeleute im Persischen Golf
Die humanitäre Situation der gestrandeten Besatzungen ist nach den in der Anfrage genannten Berichten extrem belastend: Viele Seeleute haben seit fast einem halben Jahr ihr Schiff nicht verlassen können, verfügen kaum über Internetzugang und haben eingeschränkten Kontakt zu ihren Familien. Laut UN-Hochkommissariat für Menschenrechte haben mindestens neun Reedereien ihre Schiffe aufgegeben und mindestens 93 Besatzungsmitglieder ohne Heuer, Unterstützung und Heimschaffung in der Krisenzone zurückgelassen. Eine IMO-Evakuierungsaktion für ursprünglich 11.000 Seeleute musste am 25. Juni 2026 nach Beschuss auf ein Handelsschiff ausgesetzt werden.
Parallel zur Krise in der Straße von Hormus ist ein zweiter Gefahrenherd im Roten Meer entstanden: Huthi-Milizen haben nach der erneuten Eskalation vom 7. Juli 2026 eine Blockade saudischer Schiffe in der Meerenge von Bab al-Mandab angekündigt. Am 11. August 2026 wurden bei einem Angriff auf ein ägyptisches Frachtschiff sechs Menschen getötet, darunter zwei Rettungskräfte.
Was gilt aktuell für Seeleute auf Schiffen mit Deutschlandbezug?
Laut Bundesregierung befinden sich seit Beginn der Kampfhandlungen keine Schiffe unter deutscher Flagge im Persischen Golf. Es halten sich jedoch 15 Schiffe mit Bezug zu Deutschland in der Region auf, vorrangig für den internen Liniendienst. Der Großteil der Schiffe mit deutschem Bezug, die sich seit Februar in der Region befunden hatten, konnte die Region in den vergangenen Monaten verlassen. Das Auswärtige Amt und weitere Behörden stehen mit betroffenen Reedereien in Kontakt; die Lage der Besatzungen wurde dabei laut Regierungsangaben thematisiert.
Die Marineschifffahrtleitung der Bundeswehr hat für die Straße von Bab al-Mandab die Warnstufe nach der Blockadeankündigung der Huthi-Rebellen von MEDIUM/MODERATE auf „SUBSTANTIAL“ erhöht. Für die Straße von Hormus gilt die höchste Warnstufe „SEVERE“. Die Bundesregierung erklärt, Anpassungen erfolgten stets nach Auswertung der allgemeinen Lage für Schiffe, insbesondere solche mit deutschem Bezug.
Seeleute im Persischen Golf: Wissensdefizite eingeräumt
Zu einem erheblichen Teil der 18 Fragen der Fraktion Die Linke antwortet die Bundesregierung, ihr lägen keine Kenntnisse oder Informationen vor. Das betrifft unter anderem Fragen zu gezahlten Gefahrenzulagen und Kriegsgebietszuschlägen an Besatzungsmitglieder, zu möglichen Passagegebühren an Iran sowie zu Vertragsverlängerungen und ausgesetzten Besatzungswechseln auf Schiffen mit deutschem Bezug. Bei seearbeitsrechtlichen Inspektionen seien seit dem 28. Februar 2026 keine Mängel hinsichtlich tarifvertraglich geschuldeter Zuschläge festgestellt worden; seearbeitsrechtliche Beschwerden von Besatzungsmitgliedern mit Bezug zum betreffenden Fahrtgebiet lägen nicht vor.
Den deutschen Beitrag zur IMO-Evakuierungsaktion beschreibt die Bundesregierung als „aktive Teilnahme an Organen und Ausschüssen der IMO durch diplomatische Unterstützung“. Konkrete finanzielle oder logistische Beiträge nennt sie nicht. Zur Frage, ob Kriegsrisikozuschläge – Hapag-Lloyd erhob laut Anfrage zunächst 1.500 US-Dollar je TEU – teilweise den Seeleuten als Gefahrenzulage zugutekamen, erklärt die Bundesregierung: „Der Bundesregierung liegen keine diesbezüglichen Erkenntnisse vor.“
Auf die Frage, wie die Rechte der Besatzungen nach dem Seearbeitsübereinkommen auch in Kriegsgebieten sichergestellt werden sollen, antwortet die Bundesregierung: Sie bewertet „die vorhandenen Instrumente des Seearbeitsgesetzes und des Seearbeitsübereinkommens als ausreichend.“ Konsularische Nothilfe für drittstaatsangehörige Besatzungsmitglieder auf deutsch bereederten Schiffen wurde bislang weder erbeten noch gewährt; das Konsulargesetz richtet sich grundsätzlich an deutsche Staatsangehörige sowie an nicht anderweitig vertretene EU-Bürger.
Die Anfrage wurde im Kontext eines am 23. April 2026 vom Bundestag angenommenen Antrags zur deutschen Seewirtschaft (BT-Drs. 21/5478) gestellt, der die Bundesregierung u. a. auffordert, sich bei der ILO für bessere Arbeitsbedingungen für Beschäftigte in Krisenregionen einzusetzen. Die Bundesregierung erklärt dazu, sie setze sich bei den regelmäßigen Überarbeitungen des Seearbeitsübereinkommens auf ILO-Ebene für verbesserte Arbeits- und Lebensbedingungen ein.
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Direkt betroffen sind Zehntausende Seeleute – überwiegend aus dem Globalen Süden, insbesondere aus den Philippinen und Indien –, die auf Handelsschiffen in der Krisenregion festsitzen oder diese befahren. Indirekt sind Unternehmen und Verbraucher in Deutschland und weltweit betroffen, da 90 Prozent des globalen Handels nach Volumen über den Seeweg abgewickelt werden.
Zu einem Großteil der Detailfragen – darunter Gefahrenzulagen, Passagegebühren an Iran, Besatzungswechsel und Kriegsgebietszuschläge – erklärt die Bundesregierung pauschal, ihr lägen keine Kenntnisse oder Informationen vor. Konkrete Zahlen zu Seeleuten nach Staatsangehörigkeit oder Bordaufenthaltsdauer werden nicht genannt.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Seeleute im Persischen Golf: 6.000 auf 500 Schiffen gestrandet →
- Seearbeitsübereinkommen 2006 (MLC)
- Internationales Abkommen der ILO, das Mindeststandards für Arbeitsbedingungen, Heuer, Ruhezeiten und Heimschaffung von Seeleuten festlegt.
- Flaggenstaatsverwaltung
- Die Behörde des Staates, unter dessen Flagge ein Schiff fährt, ist für die Überwachung der Einhaltung internationaler Seearbeits- und Sicherheitsstandards an Bord zuständig.
- Straße von Hormus
- Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman; strategisch bedeutsam, da ein erheblicher Teil des globalen Ölexports diese Route passiert.
Wie viele Seeleute sitzen im Persischen Golf fest?
Laut IMO befinden sich rund 6.000 Seeleute auf etwa 500 Schiffen hinter der Straße von Hormus. Insgesamt waren zeitweise bis zu 20.000 Seeleute in der Region gestrandet.
Sind deutsche Schiffe direkt betroffen?
Seit Beginn der Kampfhandlungen befinden sich laut Bundesregierung keine Schiffe unter deutscher Flagge im Persischen Golf. Allerdings halten sich 15 Schiffe mit Bezug zu Deutschland dort auf.
Was unternimmt die Bundesregierung für die Seeleute?
Die Bundesregierung beteiligt sich diplomatisch an der IMO-Evakuierungsinitiative und steht über das Auswärtige Amt mit betroffenen Reedereien in Kontakt. Direkte finanzielle oder logistische Beiträge zur Evakuierung nennt sie nicht.

































































