- Ca. 20 Active Clubs in Deutschland bekannt — Anstieg besonders 2026
- Ursprung in den USA, Inspiration durch Robert Rundo und Denis Kapustin
- Detailangaben zu Mitgliedern und Regionen aus Staatswohl-Gründen verweigert
Hintergrund
Das Phänomen der Active Clubs hat seinen Ursprung in den USA und wurde maßgeblich von den Rechtsextremisten Robert Rundo und Denis Kapustin aus Russland geprägt. Seit Anfang 2024 beobachten deutsche Sicherheitsbehörden die Gründung regionaler Ableger in Deutschland. Der Verfassungsschutzbericht 2025 nennt Active Clubs ausdrücklich als Beispiel für eine zunehmend junge Radikalisierung. International zählte die NGO GPAHE im Juni 2025 weltweit 187 aktive Ortsgruppen in 27 Ländern — ein Zuwachs von 25 Prozent gegenüber Ende 2023. In NRW wurden im Jahr 2024 drei Active Clubs gegründet; eine Razzia im Oktober 2025 gegen den AC Ostwestfalen förderte Messer, eine Machete, eine Armbrust und eine scharfe Pistole zutage.
- ca. 20 — regionale Active Clubs in Deutschland nach aktuellem Kenntnisstand der Bundesregierung (Stand: Oktober 2026)
- 187 in 27 Ländern — weltweite Ortsgruppen laut GPAHE im Juni 2025, Zuwachs von 25 % gegenüber Ende 2023
- 19 neue Gruppen — allein in Deutschland seit 2023 hinzugekommen (laut GPAHE)
- ca. 30 Teilnehmer — Active-Club-Block beim Gedenkmarsch zum 80. Jahrestag der Bombardierung Dresdens im Jahr 2025
- seit 2023 — befassen sich BfV und BKA mit dem Phänomen Active Clubs in Deutschland
Im Detail
Die Bundesregierung bewertet das von 'Active Clubs' ausgehende Gewalt- und Bedrohungspotenzial nach wie vor als vorhanden. Es ist weiterhin eine hohe Konspirativität bei gleichzeitig starken Rekrutierungsbemühungen junger Männer für das gewaltorientierte rechtsextremistische Spektrum festzustellen.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8714, Antwort zu Frage 9
Rund 20 rechtsextreme Kampfsportgruppen — sogenannte Active Clubs — sind der Bundesregierung in Deutschland bekannt. Das geht aus der Antwort des Bundesministeriums des Innern vom 16. Oktober 2026 auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hervor (BT-Drs. 21/8714). Gegenüber dem Stand von Frühjahr 2024, als noch von ‚etwa einem Dutzend‘ die Rede war, ist die Zahl laut Bundesregierung insbesondere im Verlauf des Jahres 2026 deutlich gestiegen.
Was sind Active Clubs und woher kommen sie?
Das Konzept der Active Clubs stammt aus den USA und geht auf die Rechtsextremisten Robert Rundo (USA) und Denis Kapustin (Russland) zurück. Es sieht die Gründung lokaler Fitness- und Kampfsportgruppen vor, die nach außen bewusst unpolitisch auftreten, intern jedoch rechtsextremes Gedankengut verbreiten. Seit Anfang April 2024 sind auf Telegram und teilweise Instagram zahlreiche Kanäle deutscher Active Clubs aktiv. Der Kanal ‚Active Club Germania‘ fungiert dabei als übergeordnete virtuelle Präsenz und teilt Inhalte aus dem In- und Ausland. International verzeichnete die NGO GPAHE im Juni 2025 bereits 187 aktive Ortsgruppen in 27 Ländern — ein Zuwachs von 25 Prozent gegenüber Ende 2023.
Rekrutierung: Kampfsport als Einstiegsangebot
Active Clubs nutzen soziale Medien gezielt zur Rekrutierung. Mit Themen wie Selbstoptimierung, Körperkult und ‚Hypermaskulinität‘ sprechen sie vor allem männliche Jugendliche und junge Erwachsene an. Rechtsextremistisches Gedankengut wird dabei laut Bundesregierung teils offen, teils unterschwellig eingeflochten. Bislang entfalten die veröffentlichten Inhalte nach Einschätzung der Behörden keine strafrechtliche Relevanz, weshalb Löschersuchen an Plattformbetreiber nicht gestellt wurden. Das BfV beobachtet die Aktivitäten im Rahmen seines Internetmonitorings.
Verbindungen zu etablierten rechtsextremen Strukturen sind dokumentiert: Auf Telegram-Kanälen der Active Clubs werden Aktivitäten der Partei ‚Die Heimat‘ und ihrer Jugendorganisation beworben. Doppelmitgliedschaften werden vonseiten der Active Clubs ausdrücklich befürwortet. Personelle Überschneidungen mit der Identitären Bewegung, den ‚Jungen Nationalisten‘ und der bis März 2025 bestehenden ‚Jungen Alternative‘ sind laut NGO GPAHE ebenfalls dokumentiert.
Gewaltpotenzial: Professionalisierung beobachtet
Das Gewalt- und Bedrohungspotenzial der Active Clubs bewertet die Bundesregierung nach wie vor als vorhanden. Regelmäßige Kampfsporttrainings und die gezielte Inszenierung von Wehrhaftigkeit durch martialische Videos und Posts lassen nach Einschätzung der Behörden auf eine Professionalisierung der Gewaltkompetenz schließen. Direkte Auseinandersetzungen mit dem politischen Gegner sind zum aktuellen Zeitpunkt jedoch nicht feststellbar. Das reale Potenzial zeigte sich bei einer Razzia am 1. Oktober 2025 gegen den AC Ostwestfalen, bei der Messer, eine Machete, eine Armbrust, ein Luftgewehr und eine scharfe Pistole sichergestellt wurden. Die Zuständigkeit liegt bei den nordrhein-westfälischen Behörden; die Bundesregierung nimmt zu Länderverfahren keine Stellung.
Welche Antworten verweigert die Bundesregierung?
Detaillierte Angaben zu regionaler Verteilung, Mitgliederzahlen, Altersstruktur sowie zu konkreten Personen verweigert die Bundesregierung — auch in eingestufter Form, die nur in der Geheimschutzstelle des Bundestages einsehbar wäre. Die Begründung: Selbst ein begrenzter Empfängerkreis könnte operative Methoden des BfV kompromittieren. Angaben zu Gefährdern und Haftbefehlen liegen nach eigenen Angaben mangels gefestigter Strukturen und strafrechtlicher Auffälligkeit derzeit nicht vor. Zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren kann der Generalbundesanwalt keine Auskunft erteilen, da ‚Active Clubs‘ in seinen Registern nicht als statistisches Kriterium erfasst ist. Ein direkter Austausch des Bundes mit Sportverbänden und Kampfsportvereinen über das Phänomen findet aktuell nicht statt.
Als Ausstiegsmöglichkeit verweist die Bundesregierung auf das BfV-Programm ‚Wendepunkt‘, das Personen beim Ausstieg aus der rechtsextremistischen Szene begleitet. Active-Club-Mitglieder gehören grundsätzlich zur Zielgruppe. Zum Thema Rechtsextremismus und Sicherheitspolitik im Bundestag finden sich weitere Hintergründe auch im Überblick der wichtigsten Drucksachen vom 24. Oktober 2026.
Weiterlesen:
- Force de frappe für Deutschland? Bundestag fragt nach Atomschutz
- UN-Friedenseinsätze: Reform-Review und Deutschlands Position
Betroffen sind vor allem männliche Jugendliche und junge Erwachsene, an die Active Clubs gezielt über Kampfsport- und Fitnessangebote in sozialen Medien herantreten. Doppelmitgliedschaften mit rechtsextremen Parteien wie ‚Die Heimat‘ oder Organisationen wie der Identitären Bewegung sind nach Angaben der Bundesregierung bekannt. Mittelbar sind Kampfsportvereine und -verbände betroffen, deren Strukturen für eine Unterwanderung anfällig sein könnten.
Die Bundesregierung beantwortet zentrale Fragen zu Mitgliederzahlen, regionaler Verteilung und konkreten Personen nicht — weder offen noch eingestuft — und begründet dies mit dem Schutz nachrichtendienstlicher Methoden des BfV sowie dem Staatswohl. Fragen zu Ermittlungsverfahren werden mit Zuständigkeit der Länder oder unzumutbarem Aufwand abgewehrt. Damit bleiben die wichtigsten quantitativen Fragen unbeantwortet.
Die Anfrage ist mit der Antwort des Bundesministeriums des Innern vom 16. Oktober 2026 (BT-Drs. 21/8714) abgeschlossen. Da zentrale Detailfragen aus Staatswohl-Gründen nicht beantwortet wurden, bleibt der parlamentarische Informationsanspruch in wesentlichen Punkten unerfüllt. Weitere parlamentarische Nachfragen oder Ausschussbefassung sind möglich, aber nicht angekündigt.
- Active Clubs
- Lokale Fitness- und Kampfsportgruppen mit rechtsextremer Ideologie, die über soziale Medien wie Telegram rekrutieren und ursprünglich aus den USA stammen.
- GETZ-R
- Gemeinsames Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum Rechtsextremismus — ein Kooperationsformat von Bundes- und Landesbehörden zum Informationsaustausch.
- Staatswohl-Vorbehalt
- Rechtliche Grundlage, auf der die Bundesregierung parlamentarische Auskunftspflichten einschränken kann, wenn die Offenlegung nachrichtendienstliche Methoden oder laufende Operationen gefährden würde.
Was sind Active Clubs?
Active Clubs sind lokale Fitness- und Kampfsportgruppen mit rechtsextremer Ideologie. Das Konzept stammt aus den USA und wurde von den Rechtsextremisten Robert Rundo (USA) und Denis Kapustin (Russland) geprägt.
Wie viele Active Clubs gibt es in Deutschland?
Laut Bundesregierung sind derzeit rund 20 regionale Active Clubs bekannt. Die Zahl ist gegenüber 'etwa einem Dutzend' aus dem Frühjahr 2024 deutlich gestiegen, insbesondere im Laufe des Jahres 2026.
Warum veröffentlicht die Regierung keine Details?
Die Bundesregierung verweigert Detailauskünfte — auch in eingestufter Form — mit dem Argument, dass Angaben zu regionaler Zuordnung oder Mitgliederzahlen Rückschlüsse auf Methoden und Erkenntnisstand des BfV ermöglichen würden.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8714 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.




































































