- 101,6 Mio. Euro Kosten für GIZ-SAP-Umstellung, davon 60,2 Mio. für externe Berater
- Zahlungsstörungen betrafen alle GIZ-Länder, Rechnungsvolumen weiterhin unklar
- 36 Fragen zu Schäden, Kündigungen und Konsequenzen für Entwicklungsprojekte
Hintergrund
Die GIZ stellte ihre weltweite IT-Systemlandschaft zum 1. Januar 2026 auf SAP S/4HANA um — ein Vorhaben, das laut früherer Regierungsantwort (BT-Drs. 21/4936) 101,6 Mio. Euro kostete. Bereits im Frühjahr 2026 bestätigte die Bundesregierung erhebliche Störungen bei Rechnungsbearbeitung und Zahlungsabwicklung in sämtlichen GIZ-Einsatzländern. Eine zweite Anfrage (BT-Drs. 21/5899) ergab, dass kritische Fehler zwar behoben, Einschränkungen bei der Bearbeitungsgeschwindigkeit aber weiterhin vorhanden waren. Medien berichteten über Hotels, die GIZ-Buchungen verweigerten, sowie über eine zeitweise Einstellung von DHL-Lieferungen an die GIZ-Zentrale in Eschborn.
- 101,6 Mio. Euro — Gesamtkosten der SAP-S/4HANA-Transformation bei der GIZ laut BT-Drs. 21/4936
- 60,2 Mio. Euro — Anteil für externe Berater und Dienstleister an den Transformationskosten
- 1. Januar 2026 — weltweiter Go-live der neuen SAP-Plattform bei der GIZ
- 36 Fragen — Umfang der aktuellen Kleinen Anfrage zu Folgeschäden und Konsequenzen
- 3 Anfragen — Anzahl parlamentarischer Nachfragen zur GIZ-SAP-Umstellung seit Frühjahr 2026
Im Detail
Die Fragesteller fragen die Bundesregierung daher nach dem aktuellen Stand zum 1. Oktober 2026 und insbesondere nach den inzwischen feststellbaren Schadensfällen, Folgekosten, Vertragskündigungen, Projektverzögerungen und Auswirkungen auf externe Partner der GIZ.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/8713
101,6 Millionen Euro hat die Umstellung der weltweiten IT-Infrastruktur der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) auf SAP S/4HANA nach Angaben der Bundesregierung gekostet — davon allein 60,2 Millionen Euro für externe Berater und Dienstleister. Trotz dieser Investition kam es nach dem Go-live am 1. Januar 2026 zu monatelangen Zahlungsstörungen, die alle Länder betrafen, in denen die GIZ Projekte umsetzt. Mit BT-Drs. 21/8713, eingereicht am 19. Oktober 2026, legt die AfD-Fraktion nun eine dritte parlamentarische Nachfrage vor und stellt 36 Detailfragen zu Schadensumfang, Folgekosten und Konsequenzen.
SAP S/4HANA-Umstellung: Was bisher bekannt ist
Die GIZ-Probleme sind seit dem Frühjahr 2026 öffentlich dokumentiert. In einer ersten Kleinen Anfrage (BT-Drs. 21/4936) bestätigte die Bundesregierung Einschränkungen bei Zahlungen in sämtlichen GIZ-Einsatzländern, vereinzelte Vertragskündigungen durch Dienstleister sowie Projektverzögerungen. Eine Bezifferung der betroffenen Rechnungsvorgänge war zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Eine zweite Anfrage (BT-Drs. 21/5899) ergab, dass kritische technische Fehler zwar behoben worden waren, aber weiterhin Einschränkungen bei der Bearbeitungsgeschwindigkeit verschiedener Geschäftsprozesse bestanden — verursacht unter anderem durch Verzögerungen bei der komplexen Datenmigration und die erstmalige vollständige Integration von Zentrale und Außenstruktur.
Medienberichte von WDR und WELT belegten zusätzliche Konsequenzen: Hotels sollen Buchungen der GIZ verweigert haben, DHL soll die Paketzustellung an die GIZ-Zentrale in Eschborn zeitweise eingestellt haben. Laut einem WELT-Bericht vom 6. Mai 2026 konnte die GIZ zu diesem Zeitpunkt weder die Anzahl noch die Gesamthöhe offener Rechnungen beziffern. Für lokale Auftragnehmer in Krisenregionen, die auf pünktliche Zahlungen existenziell angewiesen sind, beschrieb ein betroffener Dienstleister die Verzögerungen als existenzbedrohend.
Was die neue Anfrage im Detail fragt
Die aktuelle Anfrage zielt auf den Stand zum 1. Oktober 2026 — neun Monate nach dem Go-live. Die 36 Fragen lassen sich in fünf Themenbereiche gliedern: Erstens den aktuellen Systemzustand und noch offene Rechnungen (Fragen 1–4, 18–20). Zweitens die konkreten Auswirkungen auf externe Partner — von Mahnungen über Vertragskündigungen bis zu Vorkasse-Forderungen (Fragen 5–16). Drittens die finanziellen Folgekosten wie Verzugszinsen, Schadenersatz und Stornierungsgebühren sowie die Gesamtkosten der SAP-Transformation einschließlich Nachbesserungen (Fragen 10, 21–22). Viertens die Projektsteuerung: Wurde ein Readiness Check durchgeführt? Welche Risikoanalysen lagen vor dem Go-live vor? Warum wurde die Umstellung trotz bekannter Risiken nicht verschoben (Fragen 23–27, 33)? Fünftens personelle und rechtliche Konsequenzen: Wurden Führungskräfte zur Verantwortung gezogen? Wurden Bonuszahlungen mit dem Projekterfolg verknüpft? Und hat die GIZ Schadensersatzansprüche gegenüber der SAP SE geprüft (Fragen 28–29, 35–36)?
Politischer Kontext der GIZ-SAP-Umstellung
Das Thema steht im Zusammenhang mit der breiteren Debatte über die Steuerung großer IT-Projekte in bundeseigenen Organisationen. Die GIZ verwaltet als größte deutsche Durchführungsorganisation der Entwicklungszusammenarbeit jährlich Mittel in Milliardenhöhe. Eine dysfunktionale Zahlungsabwicklung gefährdet nicht nur Vertragsbeziehungen, sondern auch die Glaubwürdigkeit deutscher Entwicklungspolitik in den Partnerländern — ein Aspekt, den Frage 30 der Anfrage explizit aufgreift. Zur GIZ-Kontrolle hatte der Bundestag bereits früher Fragen gestellt, etwa zu externen Beratern im Umfeld des serbischen Präsidenten, worüber dieser Beitrag zu GIZ-Beratern in Serbien berichtet. Auch die Frage nach der Rolle von UNIDO-Führungspersonal bei der Kontrolle internationaler Organisationen ist ein wiederkehrendes parlamentarisches Thema, wie der Bericht zu Kontrollfragen zu Gerd Müllers UNIDO-Amtszeit zeigt.
Frage 32 der Anfrage verlangt zudem, dass die Bundesregierung dem Bundestag nach Abschluss der Aufarbeitung einen umfassenden Bericht vorlegt — eine Forderung, die unterstreicht, dass die parlamentarische Kontrolle des IT-Projekts noch nicht abgeschlossen ist. Die Antwort der Bundesregierung auf BT-Drs. 21/8713 steht noch aus.
Direkt betroffen sind externe Dienstleister, Berater, Lieferanten und lokale Partnerorganisationen der GIZ in zahlreichen Entwicklungsländern, die auf pünktliche Zahlungen angewiesen sind. Mittelbar betroffen sind Empfänger deutscher Entwicklungshilfeprojekte weltweit, da Zahlungsverzögerungen Projektumsetzungen verlangsamen oder stoppen können.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/8713) ist am 19. Oktober 2026 eingegangen. Die Bundesregierung hat die Anfrage noch nicht beantwortet; die schriftliche Antwort steht aus. Nach § 104 GO-BT ist grundsätzlich eine Beantwortung innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vorgesehen.
- SAP S/4HANA
- Aktuelle Generation der ERP-Software des Unternehmens SAP SE, die Buchhaltung, Zahlungsabwicklung und Beschaffung in einem integrierten System zusammenführt.
- Go-live
- Inbetriebnahme eines neuen IT-Systems; bezeichnet den Zeitpunkt, ab dem das System produktiv eingesetzt wird.
- GIZ
- Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH — bundeseigenes Unternehmen, das im Auftrag der Bundesregierung Projekte der Entwicklungszusammenarbeit in rund 120 Ländern umsetzt.
Was kostete die SAP-Umstellung bei der GIZ insgesamt?
Laut früherer Regierungsantwort (BT-Drs. 21/4936) entstanden Kosten von 101,6 Mio. Euro, davon 60,2 Mio. Euro für externe Berater und Dienstleister. Die aktuelle Anfrage fragt nach möglichen Zusatzkosten durch Folgeprobleme.
Welche konkreten Störungen gab es nach der SAP-Umstellung?
Laut Vorbemerkung der Fragesteller kam es zu Zahlungsverzögerungen gegenüber Lieferanten und Hotels, vereinzelten Vertragskündigungen, einer zeitweisen Einstellung von DHL-Lieferungen an die GIZ-Zentrale sowie Projektverzögerungen in allen GIZ-Einsatzländern.
Wurden Schadensersatzansprüche gegenüber SAP SE geprüft?
Dies ist Gegenstand von Frage 36 der Kleinen Anfrage. Eine Antwort der Bundesregierung liegt noch nicht vor.
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