- Deutschland gibt Ölreserven im Herbst 2026 erneut frei
- US-Drohung eines Diesel-Exportstopps gefährdet Versorgungssicherheit
- Grüne fragen nach Reservestand, Kosten und Schutzmaßnahmen
Hintergrund
Die strategischen Mineralölreserven Deutschlands werden vom Erdölbevorratungsverband (EBV) verwaltet und dienen der Absicherung der Energieversorgung im Krisenfall. Seit Frühjahr 2026 steht die Versorgungssicherheit bei Diesel erneut unter Druck: Im März 2026 gab Deutschland erstmals Mengen frei, nun folgt im Herbst 2026 eine weitere Freigaberunde im Rahmen einer G7-Koordination. Parallel dazu hat die US-Regierung unter Präsident Trump laut Vorbemerkung der Fragesteller einen möglichen Exportstopp für Diesel angedeutet, was die Abhängigkeit Europas von amerikanischen Kraftstofflieferungen in den Fokus rückt.
Im Detail
„Freigaben unter anderem zulässig zur Verhütung unmittelbar drohender oder zur Behebung eingehender Störungen in der Energieversorgung; Abwehr eines beträchtlichen und plötzlichen Rückgangs der Lieferungen von Erdöl oder Erdölerzeugnissen […]“
— Bundeswirtschaftsministerium, zitiert in der Vorbemerkung zu BT-Drs. 21/8711
Die Energieversorgungssicherheit Deutschlands steht erneut unter Druck: Im Herbst 2026 sollen weitere Mengen der strategischen Rohöl- und Mineralölproduktreserve freigegeben werden – auf Druck der USA und im Rahmen einer G7-Absprache. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat dazu am 19. Oktober 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/8711 beim Bundestag eingereicht. In 19 Fragen erkundigt sich die Fraktion bei der Bundesregierung nach dem aktuellen Stand der Ölreserven, den Kosten einer Wiederbefüllung und den Schutzmaßnahmen für den Fall, dass die USA tatsächlich einen Diesel-Exportstopp verhängen.
G7-Freigabe und US-Druck: Was steckt dahinter?
Hintergrund der Anfrage ist eine Verabredung unter den G7-Staaten zur koordinierten Freigabe strategischer Öl- und Dieselreserven. Die USA verzeichnen laut Vorbemerkung der Fragesteller hohe Dieselpreise, die unter anderem durch die Blockade der Straße von Hormus entstanden sind. US-Präsident Trump hatte demnach Druck auf die Partnerländer ausgeübt, große Mengen Rohöl und Diesel freizugeben. Gleichzeitig deutete die US-Regierung laut der Anfrage einen möglichen Lieferstopp für Diesel nach Europa an – ein Szenario, das die Grünen als politisch brisant einordnen. Sie fragen die Bundesregierung direkt, ob sie sich durch diesen Druck „einem unfairen Druck ausgesetzt oder gar erpresst“ sieht.
Ölreserven in Deutschland: Was gilt aktuell?
Der Erdölbevorratungsverband (EBV) hält gesetzlich vorgeschriebene strategische Reserven an Rohöl, Diesel, Benzin und Kerosin. Eine Freigabe ist laut Bundeswirtschaftsministerium unter anderem zulässig zur Verhütung drohender Störungen in der Energieversorgung oder zur Abwehr eines plötzlichen Rückgangs von Lieferungen. Deutschland hatte bereits im März 2026 Mengen aus dieser Reserve auf den Markt gebracht. Ob diese seitdem wieder aufgefüllt wurden, ist eine der zentralen Fragen der Anfrage. Die Grünen wollen außerdem wissen, für wie viele Tage die verbleibenden Reserven rechnerisch ausreichen und welche Mengen in der neuen Freigaberunde konkret auf den Markt kommen.
Heizöl, Tankrabatt und Energiearmut
Die Anfrage greift auch sozialpolitische Dimensionen auf: Angesichts gestiegener Heizölpreise fragt die Fraktion nach möglichen finanziellen Entlastungsmaßnahmen für einkommensschwache Haushalte, die von Energiearmut bedroht sind. Zudem werden die Auswirkungen zweier früherer Tankrabatt-Episoden – Sommer 2022 und Frühjahr 2026 – sowie eines neu aufgelegten Tankrabatts auf den Kraftstoffverbrauch thematisiert. Die Bundesregierung soll dabei monatliche Verbrauchszahlen sowie Rohölkosten und Verbraucherpreise an der Zapfsäule aufschlüsseln. Die Anfrage berührt damit auch die Frage, ob staatliche Preissubventionen überhaupt eine wirksame Reaktion auf Versorgungsengpässe darstellen – eine Debatte, die auch den Strommarkt und die Diskussion über Preiszonen prägt.
Diversifizierung und Notfallmaßnahmen
Ein weiterer Schwerpunkt der Anfrage betrifft die Frage, welche Gegenmaßnahmen die Bundesregierung plant, falls US-Diesellieferungen tatsächlich ausbleiben. Die Grünen fragen nach Diversifizierungsstrategien auf dem Weltmarkt und danach, ob diese in Abstimmung mit europäischen Partnern erfolgen. Außerdem wird erfragt, ob die Bundesregierung bereit wäre, die im Winter 2022/23 geltenden Notfallmaßnahmen nach dem Energiesicherungsgesetz (EnSiG) – insbesondere die Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung (EnSiKuMaV) und die mittelfristige Energieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung (EnSiMiMaV) – in angepasster Form wieder einzuführen. Vergleichbare Fragen zur Versorgungssicherheit bei Infrastruktur stellen sich auch bei anderen Energieträgern, wie der Streit um das LNG-Terminal Mukran mit 70 Mio. Euro Kostenstreit zeigt.
Die Bundesregierung hat die Anfrage noch nicht beantwortet. Nach den Regeln des Bundestages sieht § 104 GO-BT grundsätzlich eine Antwortfrist von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vor.
Direkt betroffen sind Haushalte mit Ölheizung, die angesichts gestiegener Heizölpreise in die Energiearmut zu geraten drohen, sowie Transportunternehmen und Pendler mit Dieselfahrzeugen. Auch die Binnenschifffahrt und der Luftverkehr (Kerosin) sowie die gesamte LKW-Logistik sind von einer möglichen Verknappung betroffen.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/8711) ist am 19. Oktober 2026 eingegangen. Nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt sieht § 104 GO-BT grundsätzlich eine Antwort innerhalb von 14 Tagen vor. Die Antwort der Bundesregierung steht noch aus.
- Erdölbevorratungsverband (EBV)
- Staatliche deutsche Einrichtung, die gesetzlich vorgeschriebene strategische Rohöl- und Mineralölreserven hält und im Versorgungsnotfall auf Anordnung freigeben kann.
- EnSiG / EnSiKuMaV
- Energiesicherungsgesetz und zugehörige Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung – gesetzliche Grundlagen für staatliche Eingriffe bei drohenden Energieversorgungsengpässen.
- Straße von Hormus
- Wichtige Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman, über die ein großer Teil der weltweiten Ölexporte transportiert wird. Eine Blockade hätte globale Auswirkungen auf Energiepreise.
Warum gibt Deutschland strategische Ölreserven frei?
Laut Vorbemerkung der Anfrage geschieht dies im Rahmen einer G7-Vereinbarung, insbesondere auf Druck der USA, die durch die Blockade der Straße von Hormus hohe Dieselpreise verzeichnen.
Was ist der Erdölbevorratungsverband?
Der Erdölbevorratungsverband (EBV) ist die deutsche Behörde, die gesetzlich vorgeschriebene strategische Rohöl- und Mineralölproduktreserven hält und im Krisenfall freigeben kann.
Was passiert, wenn die USA keinen Diesel mehr nach Europa exportieren?
Die Anfrage erkundigt sich genau danach: Die Grünen fragen nach Gegenmaßnahmen, Preisfolgen und möglichen Diversifizierungsstrategien für den Fall eines US-Exportstopps.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8711 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.




































































