Bundesregierung im parlamentarischen Dialog: Acht aktuelle Verfahren im Überblick
Eine Analyse aktueller parlamentarischer Drucksachen zeigt die Bandbreite der Themen, mit denen sich die Bundesregierung derzeit auseinandersetzen muss. Von Gesetzgebungsverfahren bis hin zu detaillierten Anfragen der Oppositionsfraktionen spiegeln die Dokumente die politischen Schwerpunkte und Konfliktlinien wider.
Schuldnerberatung: Vermittlungsausschuss angerufen
Das Schuldnerberatungsdienstegesetz durchlief bereits mehrere Stationen im Bundestag mit den Drucksachen 21/1847, 21/2458, 21/2774 und 21/5883. Nach der Verabschiedung am 14. November 2025 rief die Bundesregierung den Vermittlungsausschuss an, was auf unterschiedliche Auffassungen zwischen Bundestag und Bundesrat hindeutet.
AfD-Anfragen zu Gesundheits- und Sozialthemen
Die AfD-Fraktion reichte mehrere detaillierte Anfragen ein, die gesellschaftspolitische Bereiche betreffen. Bei der Geschlechtsdysphorie bei Jugendlichen verweist die Fraktion auf einen Anstieg der Diagnosen von 2013 bis 2022 um das Achtfache auf über 24.600 Fälle. Die AfD fordert von der Regierung Daten zu Komorbiditäten und Transitionsmaßnahmen.
Im Bereich der Therapieplatzverteilung thematisiert die AfD den bundesweiten Anstieg von Autismusdiagnosen und die damit verbundenen längeren Wartelisten. Gleichzeitig hätten sich die Kosten für Heilmittelverordnungen innerhalb von zehn Jahren verdoppelt, so die Fraktion.
Zur EVZ-Stiftung fragt die AfD nach der Förderung von NGO-Projekten ohne NS-Bezug. Die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ wurde 2000 zur Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern gegründet und verwendet nach Abschluss der Individualzahlungen 2007 ihre Zinserträge für andere Projekte.
Eine weitere AfD-Anfrage in Drucksache 21/5607 vom 27. April 2026 behandelt die Berichterstattungspraxis der Bundesregierung im Ausschuss für Forschung, Technologie und Technikfolgenabschätzung, insbesondere Fälle, in denen Regierungsberichte ohne Vorab-Unterlagen präsentiert wurden.
Klimaschutz und Digitalisierung
Eine Anfrage der Linken deckt Defizite bei der Klimatransparenz von Bundesrechenzentren auf. Von 167 Bundesrechenzentren sind nur sieben im Klimaregister erfasst. Rechenzentren machen etwa vier Prozent des deutschen Gesamtstromverbrauchs aus, was die Relevanz für die Klimaziele unterstreicht.
Grüne: Rettung des Mikrokreditfonds
Die Grünen-Fraktion kämpft um den Erhalt des Mikrokreditfonds Deutschland, der zum 30. Juni 2026 eingestellt werden soll. Ihre entsprechende Anfrage wurde am 7. Mai 2026 von der Bundesregierung beantwortet.
Jugendhilfe: Erkenntnislücken bei Security-Einsatz
Eine Anfrage der Linken zum Einsatz privater Sicherheitsdienste in der Jugendhilfe offenbarte, dass die Bundesregierung kaum Erkenntnisse über Security-Unternehmen in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe besitzt. Die Antwort erfolgte am 7. Mai 2026.
Parlamentarische Bilanz
Die analysierten Drucksachen zeigen ein aktives parlamentarisches Geschehen mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Anfragen der AfD-Fraktion, die vier der acht Verfahren initiierte. Die Linke stellte zwei Anfragen, die Grünen eine. Lediglich ein Gesetzgebungsverfahren – das Schuldnerberatungsgesetz – befindet sich im Vermittlungsausschuss.
Status der Verfahren: Drei Anfragen wurden bereits beantwortet (Mikrokreditfonds, Security in Jugendhilfe, Forschungsausschuss-Berichte), die übrigen befinden sich noch in der Bearbeitung. Das Schuldnerberatungsgesetz wartet auf die Entscheidung des Vermittlungsausschusses zwischen Bundestag und Bundesrat.























































