- 34 Fragen zur Leistungsfähigkeit des Auswärtigen Amts gestellt
- Cyber-Angriffe, Botschafterposten und IT-Investitionen seit 2017 im Fokus
- Strukturreform und Stellenabbau beim Auswärtigen Amt auf dem Prüfstand
Hintergrund
Das Auswärtige Amt steht seit mehreren Jahren unter öffentlichem Reformdruck. Berichte über unbesetzte Botschafterposten, veraltete IT-Systeme und strukturelle Defizite haben die Debatte über die Leistungsfähigkeit der deutschen Diplomatie angeheizt. Medienberichte aus dem Jahr 2025 deuteten auf eine geplante Umstrukturierung des Amts hin, deren Ausgestaltung und Konsequenzen für Personal und Haushalt zum Zeitpunkt der Anfrage noch nicht abschließend öffentlich kommuniziert worden waren.
Im Detail
„Für die Erfüllung dieser Aufgaben muss das Auswärtige Amt nach Auffassung der Fragesteller strategisch geführt werden und die notwendigen Ressourcen und Strukturen besitzen.“
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/8782, AfD-Fraktion
Die Leistungsfähigkeit des Auswärtigen Amts steht im Mittelpunkt der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/8782, die die AfD-Fraktion am 23. Oktober 2026 eingebracht hat. In 34 Einzelfragen erkundigt sich die Fraktion nach dem Zustand der deutschen Diplomatie – von unbesetzten Botschafterposten über IT-Investitionen bis hin zur geplanten Strukturreform des Ministeriums.
Auswärtiges Amt unter Reformdruck
Das Auswärtige Amt steht seit Jahren vor organisatorischen Herausforderungen. Medienberichte aus dem Jahr 2025 hatten eine umfassende Umstrukturierung des Hauses in den Fokus gerückt, darunter neue Regionalabteilungen und eine Abteilung für Sicherheitspolitik. Die Anfrage thematisiert, ob im Zuge dieser Reform Stellen eingespart oder neu geschaffen werden und welche Einsparungen konkret erzielt werden sollen. Auch die Frage, ob eine Fachkommission zur Begleitung eines möglichen Review-Prozesses eingesetzt werden soll, wird gestellt.
Personal: Vakanzen, Seiteneinsteiger und Diversität
Mehrere Fragen widmen sich der Personalstruktur. Die Anfrage will wissen, wie viele Botschafterposten seit 2017 unbesetzt waren und ob derzeit Posten mit sogenannten Seiteneinsteigern besetzt sind – also Personen, die nicht die klassische Diplomatenausbildung des Auswärtigen Amts durchlaufen haben. Darüber hinaus fragt die AfD nach der Entwicklung des Frauenanteils und des Anteils von Deutschen mit Migrationshintergrund im gehobenen, mittleren und höheren Dienst seit 2017. Auch der Wissenstransfer bei Amtsübergaben und die Vorbereitung auf neue Posten werden thematisiert.
IT, Cybersicherheit und Digitalisierung
Ein weiterer Schwerpunkt der Anfrage liegt auf der technischen Infrastruktur. Die Fragesteller wollen wissen, welche Investitionen seit 2017 in das IT-System des Auswärtigen Amts geflossen sind, aufgeschlüsselt nach Jahren und Haushaltstiteln. Zugleich fragt die Anfrage nach der Zahl der Cyber-Angriffe auf das Ministerium seit 2017 sowie danach, ob ein vollständiger Aktenzugriff der Länderrreferate auf Botschaftsakten sichergestellt ist. Diese Fragen berühren die operative Handlungsfähigkeit des diplomatischen Apparats unmittelbar – ein Aspekt, der auch im Kontext der Ukraine-Diplomatie und internationaler Sicherheitsdebatten Relevanz besitzt.
Klimadiplomatie, Tech Ambassador und neue Strukturen
Die Anfrage greift auch neuere außenpolitische Konzepte auf. Gefragt wird nach der Zahl der sogenannten Klimabotschaften – deutschen Auslandsvertretungen mit Schwerpunkt Klimadiplomatie – und deren Entwicklung seit ihrer Einrichtung. Darüber hinaus fragt die AfD, ob die Bundesregierung die Einrichtung eines Tech Ambassadors nach dänischem Vorbild für sinnvoll hält, der den Kontakt zu US-IT-Unternehmen und die Beobachtung von KI-Entwicklungen übernehmen soll. Fragen zum Austausch mit anderen Ministerien und zur Förderung wissenschaftlicher Forschung zur deutschen Diplomatie runden das Bild ab.
Beratungsleistungen und Auslandsfinanzierungen
Ein sensibler Themenkomplex betrifft externe Dienstleister und Auslandsberatung: Die Anfrage erkundigt sich, ob das Auswärtige Amt seit 2017 externe Beratungsunternehmen oder Denkfabriken beauftragt hat und welche Kosten dabei entstanden sind. Außerdem wird gefragt, ob Deutschland in anderen Staaten Berater von Regierungen oder Staatschefs finanziert – ein Bezug auf Medienberichte über deutsche Mittelflüsse im Zusammenhang mit serbischer Regierungsberatung.
Eine Antwort der Bundesregierung liegt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht vor. Nach § 104 GO-BT ist grundsätzlich eine Beantwortung innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vorgesehen.
Weiterlesen:
Betroffen sind in erster Linie die rund 11.000 Beschäftigten des Auswärtigen Amts im In- und Ausland sowie alle deutschen Staatsangehörigen, die konsularische Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Mittelbar sind auch Partnerstaaten und internationale Organisationen betroffen, mit denen Deutschland durch sein diplomatisches Netz zusammenarbeitet.
Die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/8782 ist am 23. Oktober 2026 beim Bundestag eingegangen. Die schriftliche Antwort der Bundesregierung steht noch aus; nach § 104 GO-BT ist grundsätzlich eine Beantwortung innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vorgesehen.
- Agrément
- Formelle Zustimmung des Empfangsstaats zur Ernennung eines ausländischen Botschafters. Ohne Agrément kann ein Botschafter nicht offiziell akkreditiert werden.
- Auswärtiger Dienst
- Der Auswärtige Dienst umfasst die Beamten und Angestellten des Auswärtigen Amts, die sowohl in der Berliner Zentrale als auch an deutschen Auslandsvertretungen tätig sind.
- Redteam-Übung
- Eine Methode der strategischen Planung, bei der eine Gruppe gezielt die eigene Position hinterfragt und Schwachstellen aufdeckt, um Entscheidungsprozesse zu verbessern.
Was sind Klimabotschaften?
Als Klimabotschaften werden deutsche Auslandsvertretungen bezeichnet, die einen inhaltlichen Schwerpunkt auf Klimadiplomatie legen. Die Anfrage erkundigt sich nach ihrer Anzahl und Entwicklung seit ihrer Einrichtung.
Was ist ein Seiteneinsteiger im diplomatischen Dienst?
Als Seiteneinsteiger gelten Botschafter, die nicht die klassische Diplomatenausbildung des Auswärtigen Amts durchlaufen haben, sondern aus anderen Bereichen – etwa Wirtschaft oder Wissenschaft – in den Dienst gewechselt sind.
Was ist ein Review-Prozess im Auswärtigen Amt?
Ein Review-Prozess ist eine systematische Überprüfung von Strukturen, Zielen und Ressourcen des Auswärtigen Amts. Die Anfrage fragt, wann ein solcher Prozess wieder stattfinden soll.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8782 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































