- 100 Mrd. Euro deutsche Ukraine-Unterstützung insgesamt
- Bundesregierung verweigert Auskunft zu CIA-Moskau-Treffen
- Wadephul traf Lawrow am 26. September 2026 bei VN-Generalversammlung
Hintergrund
Im August 2026 besuchte CIA-Direktor John Ratcliffe Moskau und traf den Leiter des russischen Auslandsnachrichtendienstes SWR. Der Besuch wurde öffentlich bestätigt; zu konkreten Gesprächsinhalten machten weder die US-amerikanische noch die russische Seite öffentliche Angaben. Medienberichten zufolge standen Warnungen vor NATO-Angriffen, der Ukraine-Krieg und die russisch-iranische Zusammenarbeit auf der Agenda. Parallel nimmt Deutschland im sogenannten E3-Format gemeinsam mit Frankreich und dem Vereinigten Königreich an Gesprächen zum Ukraine-Krieg teil. Die EU verhängte am 23. Juli 2026 ihr 21. Sanktionspaket gegen Russland.
- ca. 100 Mrd. Euro — Gesamtkosten der deutschen militärischen und finanziellen Ukraine-Unterstützung laut Vorbemerkung der Fragesteller.
- 23. Juli 2026 — Beschluss des 21. EU-Sanktionspakets gegen Russland.
- 26. September 2026 — Bilaterales Gespräch von Bundesaußenminister Wadephul mit Außenminister Lawrow am Rande der VN-Generalversammlung.
- 24. Februar 2022 — Beginn des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, seitdem fortlaufende EU-Sanktionen.
Im Detail
Die Bundesregierung vertritt dabei die klare Position, dass Fragen der europäischen Sicherheit nicht ohne Beteiligung der Europäer verhandelt werden können.
— Vorbemerkung der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8657
Deutschlands Ukraine-Diplomatie und seine Einbindung in nachrichtendienstliche Gesprächskanäle zwischen den USA und Russland sind Gegenstand der Bundestagsdrucksache 21/8657 vom 16. Oktober 2026. Die Bundesregierung beantwortet darin eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/8041) — und verweigert bei den zentralen Fragen zur Ukraine-Diplomatie die Auskunft.
CIA-Besuch in Moskau: Ukraine-Diplomatie hinter verschlossenen Türen
Ausgangspunkt der Anfrage ist ein Besuch des CIA-Direktors in Moskau im August 2026. Laut Medienberichten, auf die die Fragesteller verweisen, standen dabei Warnungen der USA vor NATO-Angriffen, der Ukraine-Krieg und die russisch-iranische Zusammenarbeit auf der Agenda. Unklar blieb öffentlich, in welchem Umfang Berlin vorab informiert oder konsultiert wurde. Genau das wollte die AfD-Fraktion in 19 Einzelfragen wissen.
Die Bundesregierung beantwortet die Fragen 1 bis 7 sowie 8 und 12 bis 16 — also den Kern der Ukraine-Diplomatie-Anfrage — nicht inhaltlich. Sie verweist stattdessen auf ihre Vorbemerkung, in der sie darlegt, dass die Vertraulichkeit diplomatischer Gespräche auf höchster politischer Ebene für den Schutz der deutschen Außenpolitik unerlässlich sei. Eine Offenlegung würde Gesprächspartner künftig zu weniger offenem Austausch veranlassen und die außenpolitische Handlungsfähigkeit Deutschlands einschränken.
BND-Schutz als Grenze parlamentarischer Kontrolle
Für Fragen mit nachrichtendienstlichem Bezug geht die Bundesregierung noch weiter: Angaben über eine mögliche Zusammenarbeit des Bundesnachrichtendienstes (BND) mit Dritten würden Rückschlüsse auf Methoden und Fähigkeiten des BND ermöglichen, heißt es in der Antwort. Eine VS-Einstufung und Hinterlegung bei der Geheimschutzstelle des Bundestages reiche im vorliegenden Fall nicht aus, da die angefragten Inhalte die Arbeitsweisen des BND so detailliert beschreiben würden, dass selbst eine eingeschränkte Weitergabe das Schutzbedürfnis nicht wahre. Das Fragerecht der Abgeordneten müsse gegenüber dem Geheimhaltungsinteresse der Bundesregierung ausnahmsweise zurückstehen.
Was gilt aktuell? Deutschlands Rolle in der Ukraine-Diplomatie
Trotz der weitgehenden Auskunftsverweigerung bestätigt die Bundesregierung einige Fakten: Deutschland unterhält etablierte diplomatische Kanäle zur Russischen Föderation über die deutsche Botschaft in Moskau und die russische Botschaft in Berlin. Am 26. September 2026 führte Bundesaußenminister Dr. Johann Wadephul am Rande der VN-Generalversammlung ein bilaterales Gespräch mit dem russischen Außenminister Sergei Lawrow. Deutschland nimmt zudem gemeinsam mit Frankreich und dem Vereinigten Königreich im E3-Format an Gesprächen zum Ukraine-Krieg teil. Die Bundesregierung betont, dass Fragen der europäischen Sicherheit nicht ohne Beteiligung der Europäer verhandelt werden können.
Zur Sanktionspolitik erklärt die Bundesregierung, das am 23. Juli 2026 beschlossene 21. EU-Sanktionspaket ziele darauf ab, Russland zu Verhandlungen über einen Waffenstillstand zu bewegen. Bei der Umgehung von Exportbeschränkungen für Dual-Use-Güter — etwa über Kasachstan, Kirgisistan oder Georgien — gehe Deutschland konsequent gegen beteiligte Akteure vor und setze sich im EU-Kreis für weitere Sanktionen ein. Konkrete Erkenntnisse über das Ausmaß der Umgehung nennt die Antwort nicht. Die außenpolitischen Debatten im Bundestag zeigen: Das Parlamentarische Fragerecht stößt in sicherheitspolitisch sensiblen Bereichen regelmäßig an Grenzen.
100 Milliarden Euro: Deutschlands Engagement und seine Grenzen
Laut Vorbemerkung der Fragesteller belaufen sich die deutschen Kosten für die Ukraine-Unterstützung auf insgesamt rund 100 Mrd. Euro. Die Bundesregierung argumentiert, diese fortgesetzte Unterstützung versetze die Ukraine in die Lage, sich wirksam zu verteidigen, und verbessere ihre Verhandlungsposition für einen gerechten und dauerhaften Frieden. Friedensverhandlungen könnten aus Sicht der Bundesregierung erfolgreich nur zwischen der Ukraine und Russland geführt werden — mit aktiver Beteiligung der USA und Europas.
Zur Frage 9 nach Deutschlands Rolle bei einer künftigen Sicherheitsarchitektur für die Ukraine verweist die Bundesregierung auf Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz beim Treffen der Koalition der Willigen am 13. Juli 2026. Zur Frage 11 nach dem Risiko, dass die USA Verhandlungsergebnisse ohne europäisches Einvernehmen erzielen könnten, verweist sie auf Reden des Bundeskanzlers beim Weltwirtschaftsforum in Davos (22. Januar 2026), vor dem Bundestag (29. Januar 2026) und bei der Münchner Sicherheitskonferenz (13. Februar 2026). Weitere Einblicke in aktuelle Sicherheits- und Infrastrukturthemen bietet auch der Bericht zur Investitionsplanung für kritische Infrastruktur.
Weiterlesen:
Die Drucksache betrifft die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik im Kontext des Ukraine-Krieges und damit mittelbar alle EU-Bürgerinnen und -Bürger, die von der europäischen Sicherheitsarchitektur abhängen. Unmittelbar betroffen sind Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, da Deutschland rund 100 Mrd. Euro an Unterstützung für die Ukraine aufgewendet hat. Auch Unternehmen, die mit Dual-Use-Gütern handeln, sind durch die diskutierten Exportbeschränkungen und deren mögliche Umgehung über Drittstaaten betroffen.
Die Bundesregierung weicht bei den Kernfragen (Fragen 1–7 zu CIA-Moskau-Gespräch, Fragen 8 und 12–16 zu Deutschlands Einbindung in US-russische Verhandlungen) vollständig auf ihre Vorbemerkung aus und verweigert inhaltliche Antworten. Bei Frage 10 zu diplomatischen Kanälen antwortet sie konkret. Bei Fragen 17–19 zu Sanktionen und Ukraine-Unterstützung erfolgen knappe inhaltliche Aussagen ohne detaillierte Erkenntnisse.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/8041) ist mit der Antwort des Auswärtigen Amts vom 15. Oktober 2026 (BT-Drs. 21/8657) beantwortet. Das Verfahren ist damit abgeschlossen. Weitergehende parlamentarische Kontrolle über vertrauliche Gespräche bleibt aufgrund der Geheimhaltungsentscheidung der Bundesregierung auf die einschlägigen Geheimschutzgremien des Bundestages beschränkt.
- Dual-Use-Güter
- Waren und Technologien, die sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke genutzt werden können und daher besonderen Exportbeschränkungen unterliegen.
- SWR
- Russischer Auslandsnachrichtendienst (Sluschba Wneschnei Raswedki), vergleichbar mit dem deutschen BND.
- VS-Einstufung
- Verschlusssachen-Einstufung: behördliche Kennzeichnung von Dokumenten, die besonders schutzbedürftige Informationen enthalten und nur einem eingeschränkten Personenkreis zugänglich gemacht werden.
Warum beantwortet die Bundesregierung viele Fragen nicht?
Die Bundesregierung beruft sich auf Staatswohlerwägungen, den Schutz nachrichtendienstlicher Methoden des BND sowie die Vertraulichkeit diplomatischer Gespräche. Das parlamentarische Informationsrecht müsse dahinter zurückstehen.
Wie hoch ist Deutschlands Ukraine-Unterstützung insgesamt?
Laut Vorbemerkung der Fragesteller belaufen sich die Kosten für die militärische und finanzielle Unterstützung der Ukraine durch Deutschland auf insgesamt ca. 100 Mrd. Euro.
Hat Deutschland direkten Kontakt zur russischen Führung?
Ja. Die Bundesregierung unterhält diplomatische Kanäle über die deutsche Botschaft in Moskau und die russische Botschaft in Berlin. Bundesaußenminister Wadephul führte am 26. September 2026 ein Gespräch mit Lawrow am Rande der VN-Generalversammlung.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8657 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































