- 98.026 Straftaten an Bahnhöfen und in Zügen im ersten Halbjahr 2026
- 14.049 Gewaltdelikte, 1.104 Sexualdelikte, 141 Messerangriffe an Bahnhöfen
- 204 verletzte Bundespolizisten, 44 Personen in Gleisbereich gestoßen
Hintergrund
Die Anfrage setzt eine fortlaufende Datenerhebung zur Bahnhofskriminalität fort, die mit BT-Drs. 21/1095 begonnen wurde. Die Bundespolizei ist für die Sicherheit an Bahnhöfen und in Zügen zuständig und erfasst Straftaten in diesem Bereich systematisch. Die Halbjahresberichte ermöglichen Trendanalysen und den Vergleich zwischen verschiedenen Bahnhöfen und Deliktsgruppen. Das Bundesministerium des Innern übermittelte die Antwort am 12. Oktober 2026.
- 98.026 — Straftaten insgesamt (ohne Massendelikte) an Bahnhöfen und in Zügen im ersten Halbjahr 2026
- 14.049 — Gewaltdelikte, davon 5.596 mit deutschen und 4.631 mit nichtdeutschen Tatverdächtigen
- 141 — Messerangriffe an Bahnhöfen; weitere 54 in Zügen
- 44 — Fälle, in denen Personen in den Gleisbereich gestoßen wurden
- 204 — im Einsatz verletzte Bundespolizistinnen und -polizisten, 20 davon vorübergehend dienstunfähig
Im Detail
Im Sinne der Fragestellung wurden insgesamt 204 Vollzugsbeamtinnen und Vollzugsbeamte der Bundespolizei bei Angriffen verletzt. Davon waren 20 Vollzugsbeamtinnen und Vollzugsbeamte der Bundespolizei in Folge des Angriffs, zumindest vorübergehend, dienstunfähig.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8523, S. 3
Bahnhöfe und Züge bleiben kriminelle Brennpunkte im deutschen Sicherheitsgefüge. Im ersten Halbjahr 2026 erfasste die Bundespolizei an diesen Örtlichkeiten 98.026 Straftaten (ohne Massendelikte wie Schwarzfahren). Darunter fallen 14.049 Gewaltdelikte, 1.104 Sexualdelikte, 24.162 Eigentumsdelikte sowie 4.476 Betäubungsmittel- und 796 Waffendelikte. Die Daten entstammen der Antwort der Bundesregierung auf BT-Drs. 21/8523 vom 13. Oktober 2026.
Bahnhofskriminalität: Wo die Belastung am höchsten ist
Bei den Straftaten insgesamt liegen der Kölner Hauptbahnhof (2.664 Fälle) und der Hamburger Hauptbahnhof (2.662 Fälle) nahezu gleichauf an der Spitze, gefolgt von Frankfurt (Main) Hbf (2.226), Hannover Hbf (1.873) und Leipzig Hbf (1.783). Bei Gewaltdelikten führt Leipzig Hbf mit 397 Fällen, bei Betäubungsmitteldelikten Dortmund Hbf mit 139 Fällen. Die meisten Waffendelikte wurden in Gelsenkirchen Hbf (24) registriert. Die Bundesregierung stellt fest, dass an Hamburg, Frankfurt und Leipzig die Fallzahlen stagnieren, während Köln und Hannover im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2025 einen Rückgang verzeichneten.
Messerangriffe und Gleisstoßfälle
Ein besonders beunruhigendes Bild zeigt die Statistik zu Messerangriffen: An Bahnhöfen registrierte die Bundespolizei 141 Gewaltdelikte mit dem Tatmittel Messer, in Zügen weitere 54. Bei den Bahnhofs-Messerangriffen waren 48 der identifizierten Tatverdächtigen nichtdeutsch, 32 deutsch und 30 unbekannt. Unter den nichtdeutschen Tatverdächtigen führen syrische (10), afghanische (8) und türkische (6) Staatsangehörige. Hinzu kommen 44 Fälle, in denen Personen in den Gleisbereich gestoßen wurden — in 23 Fällen blieben die Tatverdächtigen vollständig unbekannt. Bekannte Tatverdächtige hatten in neun Fällen die deutsche und in vier Fällen die türkische Staatsangehörigkeit.
Verletzte Beamte und Angriffe auf Bahn-Personal
Die Bahnhofskriminalität trifft auch die Einsatzkräfte selbst: 204 Bundespolizistinnen und -polizisten wurden im Berichtszeitraum bei Angriffen verletzt, 20 von ihnen vorübergehend dienstunfähig. Bei den Angreifern auf Beamte waren 81 deutsch, 71 nichtdeutsch und 19 unbekannt. Unter den nichtdeutschen Angreifern stammten die meisten aus Polen (11), der Ukraine (9) und Syrien (8). Für Gewaltdelikte gegen Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG wurden 1.507 Tatverdächtige erfasst — 636 deutsch, 567 nichtdeutsch und 297 unbekannt. Eine Differenzierung, ob die Taten im Dienst begangen wurden, ist laut Bundesregierung aufgrund der Datenlage nicht möglich. Wie sich die Personalstruktur bei Sicherheitsbehörden auf die Einsatzfähigkeit auswirkt, ist ein breiteres politisches Thema.
Bahnhofskriminalität: Tatverdächtige nach Staatsangehörigkeit
Bei Eigentumsdelikten — mit 24.162 Fällen die zweitgrößte Deliktsgruppe — führen unter den nichtdeutschen Tatverdächtigen polnische (1.302), ukrainische (667) und rumänische (593) Staatsangehörige. Bei Gewaltdelikten stehen syrische (581), polnische (575) und ukrainische (439) Staatsangehörige an der Spitze. Die Bundesregierung verweist für eine Erklärung der Überrepräsentation bestimmter Gruppen auf ihre frühere Antwort auf BT-Drs. 20/12511. Zur Frage nach organisierter Kriminalität an Brennpunkt-Bahnhöfen teilt sie mit, keine konkreten Erkenntnisse zu Gruppierungen zu haben, und verweist auf das Bundeslagebild Organisierte Kriminalität 2025.
Was gilt aktuell?
Die Bundespolizei ist auf Basis des Bundespolizeigesetzes für die Sicherheit im Bahnbereich zuständig und erhebt die Daten eigenständig. Eine gesonderte gesetzliche Regelung zur Bahnhofssicherheit besteht nicht; die Maßnahmen der Bundespolizei basieren auf allgemeinen polizeilichen Befugnissen. Die halbjährlichen Abfragen durch den Bundestag ermöglichen eine kontinuierliche parlamentarische Kontrolle der Sicherheitslage. Ähnliche Transparenzfragen stellen sich auch in anderen Sicherheitsbereichen, etwa bei der Erfassung extremistischer Gruppen.
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Betroffen sind alle Fahrgäste der Deutschen Bahn und anderer Bahnunternehmen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG sowie Bundespolizistinnen und Bundespolizisten im Einsatz an Bahnhöfen und in Zügen. Besonders exponiert sind Reisende an Großbahnhöfen wie Köln, Hamburg, Frankfurt, Hannover und Leipzig, die in der Statistik regelmäßig unter den führenden Standorten erscheinen.
Die Bundesregierung beantwortet die statistischen Fragen vollständig mit detaillierten Tabellen. Bei zwei Fragen (Ursachen für Staatsangehörigkeitsverteilung, Entwicklungstendenzen einzelner Bahnhöfe) verweist sie auf frühere Antworten auf BT-Drs. 20/12511 bzw. 20/773. Zur organisierten Kriminalität an Bahnhöfen erklärt sie, keine Erkenntnisse zu haben.
Die Anfrage ist mit der Antwort der Bundesregierung vom 12. Oktober 2026 abgeschlossen. Die Daten fließen in die parlamentarische Beobachtung der Sicherheitslage im Bahnbereich ein; weitere gesetzgeberische Schritte sind aus dieser Drucksache nicht abzuleiten.
- Massendelikte
- Straftaten, die in sehr großer Zahl auftreten und statistisch gesondert behandelt werden, z. B. Erschleichen von Leistungen (Schwarzfahren). Sie sind in der Gesamtzahl 98.026 nicht enthalten.
- Bundespolizei
- Bundesbehörde, die u. a. für die Sicherheit an Bahnhöfen, in Zügen und an Bundesgrenzen zuständig ist. Sie erfasst Straftaten in ihrem Zuständigkeitsbereich eigenständig.
- Gewaltdelikt
- Sammelkategorie für Straftaten mit körperlicher Gewalt, in dieser Statistik einschließlich einfacher Körperverletzung.
Welcher Bahnhof ist am stärksten belastet?
Bei Straftaten insgesamt führt der Kölner Hauptbahnhof mit 2.664 Fällen, knapp vor Hamburg Hbf (2.662). Bei Gewaltdelikten liegt Leipzig Hbf mit 397 Fällen vorn, bei Eigentumsdelikten Hamburg Hbf mit 1.408 Fällen.
Wie viele Messerangriffe gab es an Bahnhöfen?
Die Bundespolizei registrierte im ersten Halbjahr 2026 an Bahnhöfen 141 Gewaltdelikte mit dem Tatmittel Messer, in Zügen waren es 54.
Wie viele Personen wurden in den Gleisbereich gestoßen?
Im ersten Halbjahr 2026 erfasste die Bundespolizei 44 Delikte, bei denen Personen in den Gleisbereich gestoßen wurden. In 23 Fällen blieben die Tatverdächtigen unbekannt.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8523 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.




































































