- 617 hitzebedingte Infrastrukturstörungen in sechs Tagen bei der Bahn
- Storno-Zahlen und Rückerstattungsvolumen als Geschäftsgeheimnis gesperrt
- DB Regio: rund 2 Prozent fahrzeugbedingte Ausfälle während der Hitzewelle
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7716 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Deutsche Bahn AG hat im Zeitraum vom 25. bis 30. Juni 2026 eine sogenannte Hitze-Sonderkulanz angeboten. Fahrgäste, die bis zum 23. Juni 2026 Fernverkehrstickets — einschließlich Spar- und Supersparpreise — gekauft hatten, konnten diese kostenfrei stornieren. Die Hitzewelle führte zu technischen Störungen an Fahrzeugen und der Infrastruktur, da anhaltend hohe Temperaturen auch nachts eine ausreichende Abkühlung von Elektronik- und Klimasystemen verhinderten. Die AfD-Fraktion stellte daraufhin die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7486, um Ausmaß und Kosten der Aktion zu klären.
- 617 — Störungen mit angegebenem Hitzebezug und Auswirkungen auf den Bahnbetrieb im Zeitraum 25.–30. Juni 2026 (Summe aller Tage laut Tabelle in BT-Drs. 21/7716)
- 252 — Störungen am 27. Juni 2026 (Tageshöchstwert der Hitzewoche)
- ca. 2 % — Anteil fahrzeugbedingter Ausfälle bei DB Regio während der Hitzeperiode
- unter 1 % — Ausfallquote bei DB Regio nach Ende der Extremhitze
- VS-Vertraulich — Einstufung der Stornierungszahlen, des Rückerstattungsbetrags und der Fernverkehrsausfälle; öffentliche Angaben nicht möglich
Im Detail
Unter Abwägung zwischen dem parlamentarischen Auskunftsanspruch einerseits und dem Schutz von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen unter Berücksichtigung möglicher nachteiliger Wirkungen für die betroffenen privaten Unternehmen andererseits sind die von den Fragestellern erbetenen Informationen daher als „VS-Vertraulich“ eingestuft und in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages zur Einsicht hinterlegt.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7716, S. 1–2
Eine Hitzewelle Ende Juni 2026 traf die Deutsche Bahn AG mit voller Wucht: Innerhalb von sechs Tagen (25. bis 30. Juni) wurden insgesamt 617 Störungen mit Hitzebezug und Auswirkungen auf den Bahnbetrieb erfasst, den Höchstwert von 252 Störungen verzeichnete der 27. Juni. Gleichzeitig hat die Bahn eine Hitze-Sonderkulanz angeboten, die Fahrgästen die kostenfreie Stornierung auch preisreduzierter Tickets ermöglichte. Wie viele Menschen diese Möglichkeit nutzten und was sie die DB gekostet hat, bleibt geheim — die Bundesregierung hat diese Zahlen in ihrer Antwort (BT-Drs. 21/7716 vom 24. August 2026) als VS-Vertraulich eingestuft.
Hitze-Sonderkulanz: Was gilt bei Extremwetter?
Die DB AG bot die Hitze-Sonderkulanz für Tickets im Schienenpersonenfernverkehr an, die bis zum 23. Juni 2026 gekauft worden waren. Auch Spar- und Supersparpreise — sonst nicht erstattungsfähig — konnten kostenfrei storniert werden. Laut Drucksache hat die Bundesregierung keine Kenntnis von vorsorglichen Planungen für eine teilweise Einstellung des Bahnbetriebs: Auf die entsprechende Frage antwortete das Bundesministerium für Verkehr schlicht mit „Nein.“
Stornierungszahlen als Geschäftsgeheimnis gesperrt
Die Anzahl stornierter Tickets, der gesamte Rückerstattungsbetrag sowie die Zahl ausgefallener Regelverbindungen im Fernverkehr — all das verweigert die Bundesregierung der Öffentlichkeit. Als Begründung führt sie an, eine Offenlegung dieser Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse könnte Wettbewerbern der DB ermöglichen, ihr Verhalten bei künftigen Hitzeereignissen gezielt zu Lasten der Bahn auszurichten. Auch könnten Marktteilnehmer animiert werden, in den Markt einzutreten, wenn sie die internen Kosten solcher Kulanzaktionen kennen würden. Die Daten sind daher als VS-Vertraulich eingestuft und in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages hinterlegt; Abgeordnete können sie dort einsehen, aber nicht öffentlich weitergeben. Welche Verbindungen besonders stark von Stornierungen betroffen waren, lässt sich laut DB AG zudem gar nicht rekonstruieren, weil diese Daten nicht strukturiert erfasst werden.
Nahverkehr: rund 2 Prozent Ausfälle bei DB Regio
Für den Nahverkehr liefert die Bundesregierung konkrete Zahlen: Bei DB Regio lag der Anteil fahrzeugbedingter Ausfälle während der Hitzeperiode bei rund zwei Prozent der erbrachten Leistung. Ursache war vor allem die anhaltende Hitze auch in den Nachtstunden, die verhinderte, dass sich Elektronik- und Klimasysteme ausreichend abkühlen konnten. Nach dem Ende der Extremhitze sank die Ausfallquote zügig auf deutlich unter ein Prozent. DB Regio prüft nach eigenen Angaben technische Anpassungen zur Steigerung der Klimaresilienz der Fahrzeugflotte.
617 Infrastrukturstörungen in sechs Tagen
Besonders aufschlussreich ist die tagesweise Übersicht der Infrastrukturstörungen mit angegebenem Hitzebezug: Am 25. Juni waren es 82, am 26. Juni 168, am 27. Juni 252, am 28. Juni 77, am 29. Juni 21 und am 30. Juni 17 Störungen. Die Bundesregierung betont dabei ausdrücklich, dass eine exakte Zuordnung einzelner Störungen zur Hitze als alleiniger Ursache nicht möglich ist — Temperaturen wirken häufig als verstärkender Faktor, der mit dem Anlagenzustand, der Bauform und der räumlichen Lage (etwa sonnige Exposition) zusammenwirkt. Tropennächte ohne nächtliche Abkühlung verstärken die Belastung zusätzlich.
Der parlamentarische Konflikt, der hinter dieser Anfrage steht, ist grundsätzlicher Natur: Das Spannungsfeld zwischen dem Auskunftsanspruch des Parlaments einerseits und dem Schutz von Geschäftsgeheimnissen eines Unternehmens, an dem der Bund mehrheitlich beteiligt ist, andererseits. Öffentlich finanzierte Infrastruktur, aber privatwirtschaftliche Datenpolitik — dieses Dilemma zeigt sich bei der DB AG regelmäßig. Auch der Bericht zur Rüstungsindustrie in Ostdeutschland und die Debatte über die Einheitswippe mit 17 Mio. Euro Kosten zeigen, wie parlamentarische Anfragen Transparenzlücken bei staatlich mitfinanzierten Projekten aufdecken.
Weiterlesen:
- Bundestag 29.08.2026: Die wichtigsten Drucksachen
- Energy Sharing: Grüne stellen 22 Fragen zur Bürgerenergie
Betroffen sind Bahnfahrgäste, die im Juni 2026 Fernverkehrstickets kostenfrei stornierten, sowie mittelbar alle Steuerzahler als indirekte Eigentümer der DB AG. Für den Nahverkehr waren Fahrgäste von DB Regio betroffen, wo rund zwei Prozent der Leistung während der Hitzewoche ausfielen.
Die Bundesregierung beantwortet die zentralen Fragen zu Stornierungszahlen, Rückerstattungsbetrag und ausgefallenen Fernverkehrsverbindungen nicht öffentlich, sondern verweist auf die Geheimschutzstelle. Die Frage zur streckenweisen Verteilung der Stornierungen bleibt ebenfalls unbeantwortet, da die DB AG diese Daten nach eigener Auskunft nicht strukturiert erfasst.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Deutsche Bahn Hitze-Sonderkulanz: 8 Fragen zu Stornierungen Juni 2026 →
- VS-Vertraulich
- Einstufung nach der Verschlusssachenanweisung: Informationen, deren Bekanntgabe die Interessen Deutschlands oder verbündeter Staaten schädigen kann. Abgeordnete können solche Dokumente in der Geheimschutzstelle des Bundestages einsehen, aber nicht öffentlich darüber berichten.
- SPFV / SPNV
- Schienenpersonenfernverkehr (SPFV) bezeichnet Zugreisen über längere Strecken, typischerweise ICE und IC. Schienenpersonennahverkehr (SPNV) umfasst Regional- und S-Bahnen für kürzere Strecken.
- Hitze-Sonderkulanz
- Freiwillige Kulanzregelung der Deutschen Bahn, die Fahrgästen ausnahmsweise die kostenfreie Stornierung auch von nicht erstattungsfähigen Spar- und Supersparpreistickets ermöglicht, wenn extreme Hitze erwartet wird.
Warum veröffentlicht die Bahn die Storno-Zahlen nicht?
Nach Angaben der Bundesregierung handelt es sich um Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse, deren Offenlegung die DB AG im Wettbewerb benachteiligen könnte. Die Daten sind als VS-Vertraulich eingestuft.
Wie viele Störungen gab es auf der Bahninfrastruktur?
Laut Drucksache 21/7716 wurden im Zeitraum 25. bis 30. Juni 2026 insgesamt 617 Störungen mit angegebenem Hitzebezug und Auswirkungen auf den Bahnbetrieb erfasst. Den Höchststand verzeichnete der 27. Juni mit 252 Störungen.
Gab es Pläne, den Bahnbetrieb wegen Hitze einzustellen?
Nein. Die Bundesregierung verneint ausdrücklich, dass es vorsorgliche Pläne für eine teilweise Einstellung des Bahnbetriebs wegen der Hitzewelle Ende Juni 2026 gab.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7716 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































