- 155 antichristliche Vorfälle in Israel und Ost-Jerusalem im Jahr 2025 dokumentiert
- 743 Asylanträge aus den Palästinensischen Gebieten im Jahr 2023 — bisheriger Höchststand
- 10,64 Mio. Euro Förderung für Kirchenarbeit in Palästina im Jahr 2025
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7634 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Das Auswärtige Amt hat die Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/7224) mit Schreiben vom 17. August 2026 beantwortet. Der Anfrage lagen unter anderem Berichte des Rossing Center for Education and Dialogue zugrunde, das für 2025 insgesamt 155 antichristliche Vorfälle in Israel und Ost-Jerusalem dokumentiert hat. Hinzu kommt ein tätlicher Angriff auf eine französische Ordensschwester am 28. April 2026 auf dem Berg Zion in Jerusalem, den die israelische Polizei als mutmaßlich religiös oder rassistisch motiviert eingestuft hat. Im weiteren regionalen Kontext steht der langfristige demografische Rückgang christlicher Gemeinden im gesamten Nahen Osten, der unter anderem durch Kriegsfolgen in Syrien und im Irak bedingt ist.
- 155 Vorfälle — Antichristliche Übergriffe in Israel und Ost-Jerusalem im Jahr 2025 laut Rossing Center, davon 61 physische Angriffe, 52 auf Kirchenbesitz, 28 verbale Belästigungen.
- 743 Asylanträge (2023) — Bisheriger Höchststand bei Anträgen aus den Palästinensischen Gebieten; 2017 waren es noch 125 Anträge.
- 10,64 Mio. Euro (2025) — Förderung der Kirchenarbeit in den Palästinensischen Gebieten durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
- 134 Asylanträge (Januar–Juni 2026) — Davon 130 von Muslimen und 1 von einem Christen; Angaben zur Religionszugehörigkeit beruhen auf freiwilligen Angaben.
- Wenige Hundert Christen im Gazastreifen — Laut Vorbemerkung der Fragesteller (aus internationalen Berichten) sank die Zahl von mehreren Tausend seit der Hamas-Machtübernahme 2007 auf heute nur noch wenige Hundert.
Im Detail
Die Bundesregierung beobachtet generell eine tendenzielle Verschlechterung dieser Aspekte vor Ort, die teils auch in Zusammenhang mit der regionalen Sicherheitslage steht.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7634, Antwort zu Frage 8
Christliche Minderheiten in Israel, der Westbank und dem Gazastreifen stehen zunehmend unter Druck — das bestätigt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/7634, beantwortet am 17. August 2026). Zugleich räumt das Auswärtige Amt ein, dass es über keine eigene statistische Erfassung von Übergriffen verfügt. Belastbare Zahlen liefert die Drucksache vor allem zu Asylanträgen aus den Palästinensischen Gebieten: 743 Anträge im Jahr 2023 markierten bislang den Höchststand.
Religionsfreiheit für Christen in Israel und Palästina
Zur Sicherheitslage christlicher Minderheiten erklärt die Bundesregierung, sie stehe im engen Austausch mit kirchlichen Akteuren, die eine wachsende Gewaltbereitschaft verschiedener Akteure beschreiben. Eine eigene Datenerfassung zu Einzelvorfällen nimmt die Bundesregierung nicht vor. Zu einer Reihe von Vorfällen — darunter Angriffen auf die christliche Gemeinde Tayhbe im Westjordanland — hat sie sich nach eigenen Angaben öffentlich geäußert.
Zur Entwicklung der Religionsfreiheit hält die Bundesregierung fest, sie beobachte generell eine tendenzielle Verschlechterung der Sicherheit für Geistliche, des Schutzes religiöser Einrichtungen, des Zugangs zu heiligen Stätten und der strafrechtlichen Verfolgung von Tätern in der Region — teils im Zusammenhang mit der allgemeinen Sicherheitslage. Zu Tätermotiven, Verurteilungsquoten oder demografischen Entwicklungen der christlichen Bevölkerung seit dem Jahr 2000 liegen der Bundesregierung nach eigenen Angaben keine eigenen Erkenntnisse vor.
Lage im Westjordanland: Siedlergewalt nimmt zu
Einen konkreten Befund liefert die Bundesregierung zur Westbank: Statistiken der Vereinten Nationen, von Nichtregierungsorganisationen und Medienberichte berichten laut Drucksache von einem deutlichen Anstieg der Siedlergewalt im Westjordanland seit dem 7. Oktober 2023, die sich auch — aber nicht ausschließlich — gegen Christen richtet. Zur Lage im Gazastreifen verweist die Bundesregierung auf fehlende eigene Erkenntnisse. International bekannte Berichte nennen einen drastischen Rückgang der christlichen Bevölkerung dort seit der Hamas-Machtübernahme 2007.
Schutzmaßnahmen: Israel und Palästinensische Behörde
Zum Schutz christlicher Einrichtungen in Israel hält die Bundesregierung fest: Vandalismus und Übergriffe auf religiöse Stätten sind nach israelischem Recht strafbewehrt. In der Altstadt von Jerusalem ist ein dichtes Netz an Überwachungskameras installiert, und Kirchenvertreter koordinieren Sicherheitskonzepte direkt mit lokalen Polizeikommandanten. Im April 2026 ernannte der israelische Außenminister den Botschafter George Deek zum Sondergesandten für die christliche Welt. Die Palästinensische Behörde bindet Christen nach Angaben der Bundesregierung in Regierungsstrukturen ein: Drei christliche Politiker gehören dem Kabinett an, und per Präsidialdekret ist in neun christlich geprägten Ortschaften — darunter Bethlehem und Ramallah — ein christliches Bürgermeisteramt vorgesehen.
Förderung: 10,64 Mio. Euro für Kirchenarbeit in Palästina
Direkte Projektförderungen für christliche Gemeinschaften im Heiligen Land aus Bundesmitteln existieren nach Angaben der Bundesregierung nicht. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fördert jedoch die Arbeit der Kirchen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit in den Palästinensischen Gebieten — zuletzt mit insgesamt 10,64 Mio. Euro im Jahr 2025.
Asylanträge aus den Palästinensischen Gebieten seit 2017
Die umfangreichsten Zahlen enthält die Drucksache zu Asylanträgen. Personen aus den Palästinensischen Gebieten stellten in Deutschland 2017 noch 125 Anträge, 2023 bereits 743 — ein Anstieg um knapp das Sechsfache. 2024 sank die Zahl auf 634, 2025 auf 358. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 134 Anträge registriert. Die große Mehrheit der Antragstellenden ist muslimischen Glaubens; Christen sind in den Jahreszahlen mit ein bis drei Personen vertreten. Die Angaben zur Religionszugehörigkeit beruhen auf freiwilligen Angaben der Antragstellenden. Zu Rückführungsquoten liegen der Bundesregierung keine Daten vor; für aufenthaltsbeendende Maßnahmen sind die Bundesländer zuständig.
Der Kontext der Lage von Christen im gesamten Nahen Osten wird auch in einem früheren Parlamentsbeitrag zur Situation der Christen im Irak deutlich, wo die Zahl von 1,5 Millionen auf rund 170.000 gesunken ist. Vergleichbare Dynamiken beschäftigen den Bundestag auch mit Blick auf humanitäre Unterstützung; das Auswärtige Amt hat zuletzt auch zu islamischen Hilfsorganisationen in der Region Stellung genommen.
Betroffen sind christliche Gemeinden in Israel, der Westbank und dem Gazastreifen sowie Personen aus den Palästinensischen Gebieten, die in Deutschland Asyl beantragt haben. Mittelbar betroffen sind auch Kirchenorganisationen, die in der Region tätig sind und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert werden.
Die Bundesregierung weicht bei einem Großteil der Detailfragen aus, indem sie auf fehlende eigene Erkenntnisse verweist oder pauschal auf die Antwort zu Frage 1 verweist. Bei Fragen zu Tätermotiven, Verurteilungsquoten, demografischer Entwicklung und Tätergruppen gibt sie an, keine eigenen Daten zu besitzen. Substanzielle Antworten mit Zahlen liefert sie nur zu Asylanträgen (Frage 22) und zur staatlichen Förderung (Frage 17).
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Christen in Israel und Gaza: 155 Vorfälle 2025 dokumentiert →
- Rossing Center
- Das Rossing Center for Education and Dialogue ist eine israelische Nichtregierungsorganisation, die antichristliche Vorfälle in Israel und Ost-Jerusalem systematisch dokumentiert und jährlich auswertet.
- Siedlergewalt
- Bezeichnet Gewalthandlungen israelischer Siedler gegen palästinensische (und teils auch christliche) Bewohner der Westbank, die nach dem 7. Oktober 2023 laut UN-Statistiken und NGO-Berichten deutlich zugenommen hat.
- § 55 AsylG
- Regelt die Aufenthaltsgestattung für Asylbewerber während des laufenden Asylverfahrens in Deutschland; aufenthaltsbeendende Maßnahmen obliegen den Bundesländern.
Wie viele antichristliche Vorfälle gab es 2025 in Israel?
Laut dem Rossing Center, dessen Bericht der Bundesregierung bekannt ist, wurden 2025 insgesamt 155 Vorfälle dokumentiert, darunter 61 physische Angriffe, 52 auf Kirchenbesitz und 28 verbale Belästigungen. Eigene Zahlen erhebt die Bundesregierung nicht.
Wie viele Asylanträge stellten Palästinenser in Deutschland?
Die Zahl der Asylanträge aus den Palästinensischen Gebieten stieg von 125 im Jahr 2017 auf einen Höchststand von 743 im Jahr 2023 und sank danach auf 358 im Jahr 2025. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 134 Anträge registriert.
Fördert Deutschland christliche Gemeinden im Heiligen Land?
Direkte Projektförderungen für christliche Gemeinschaften aus Bundesmitteln existieren laut Bundesregierung nicht. Allerdings fördert das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die Kirchenarbeit in den Palästinensischen Gebieten mit zuletzt 10,64 Mio. Euro im Jahr 2025.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7634 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































