- Vollsperrung Rosenheim–Salzburg vom 7. Februar bis 9. Juli 2027
- 86 km Oberleitung mit Zustandsnote vier oder schlechter betroffen
- 70 Dieselbusse und 175 Fahrer als Schienenersatzverkehr geplant
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7715 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Generalsanierung Rosenheim–Salzburg ist Teil des bundesweiten Korridorsanierungsprogramms der DB InfraGO AG, das stark belastete und sanierungsbedürftige Strecken in kurzer Zeit umfassend erneuert. Das Bundesministerium für Verkehr führte Anfang 2026 eine übergreifende Wirtschaftlichkeitsuntersuchung durch, die einen Kostenvergleich mit konventioneller Sanierung vornahm — ein separater Wirtschaftlichkeitsnachweis für diesen Korridor erfolgte nicht. Die Strecke Rosenheim–Salzburg (Strecke 5703) ist eine bedeutende internationale Verbindung zwischen Deutschland und Österreich, auf der auch wesentliche Teile des österreichischen Fernverkehrs verkehren.
- 7. Februar – 9. Juli 2027 — Dauer der Vollsperrung der Strecke Rosenheim–Salzburg (ca. 5 Monate)
- 40.000 m Gleise — werden im Rahmen der Generalsanierung ersetzt (Bestand: 145.241 m)
- 86 km Oberleitung — weisen eine Netzzustandsnote von vier oder schlechter auf; 97 km Oberleitung werden erneuert
- ca. 70 Busse / 175 Fahrer — sind für den Schienenersatzverkehr geplant, darunter rund 25 Gelenkbusse; alle mit Dieselantrieb
- 24.501 Verspätungsminuten — durch Anlagen der Leit- und Sicherungstechnik im Jahr 2025, höchster Wert der letzten fünf Jahre
Im Detail
Nein, der Streckenabschnitt ist für den gesamten Zeitraum (07. Februar – 09. Juli 2027) voll gesperrt.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7715, S. 3
Die Bahnstrecke zwischen Rosenheim und Salzburg — eine der wichtigsten internationalen Schienenverbindungen in Süddeutschland — wird vom 7. Februar bis 9. Juli 2027 vollständig gesperrt. Fünf Monate lang fährt kein Zug auf dem Abschnitt Rosenheim–Freilassing. Das Bundesministerium für Verkehr hat am 24. August 2026 in BT-Drs. 21/7715 auf 73 Fragen der Grünen-Fraktion geantwortet und dabei den Umfang, den Zustand und die Logistik der Generalsanierung Rosenheim–Salzburg detailliert dargelegt.
Generalsanierung Rosenheim–Salzburg: Warum jetzt?
Der Infrastrukturzustand auf dem Korridor hat sich in den vergangenen Jahren nicht wesentlich verbessert. Die Gesamtzustandsnote der DB InfraGO AG lag zwischen 2021 und 2025 konstant zwischen 3,5 und 3,7 — auf einer Skala, bei der niedrigere Werte einen besseren Zustand anzeigen. Besonders kritisch ist der Bereich der Leit- und Sicherungstechnik: Die durch diese Anlagen verursachten Verspätungsminuten stiegen von 12.560 im Jahr 2021 auf 24.501 im Jahr 2025 — nahezu eine Verdoppelung. Zudem weisen rund 86 km der insgesamt 238 km Oberleitung auf dem Korridor eine Netzzustandsnote von vier oder schlechter auf. Die aktuelle Pünktlichkeitsquote für den Schienenpersonenfernverkehr liegt laut Antwort der Bundesregierung bei nur 61,9 Prozent beim Ausbruch aus dem Korridor.
Was wird konkret erneuert?
Laut Drucksache werden im Rahmen der Generalsanierung Rosenheim–Salzburg unter anderem 40.000 Meter Gleise, 35 Weichen, 97 km Oberleitung mit 1.272 Masten sowie sämtliche 771 Signale und 460 Achszähler ersetzt. Sieben Bahnhöfe zwischen Rosenheim und Freilassing werden nach einem ganzheitlichen Qualitätsstandard modernisiert, mit Schwerpunkt auf barrierefreiem Ausbau. Zusätzlich entstehen 1.300 Meter neue Schallschutzwände. Eine Erhöhung der Streckengeschwindigkeit auf den durchgehenden Hauptgleisen ist nicht vorgesehen; im Bahnhof Bad Endorf wird die Einfahrgeschwindigkeit ins Überholgleis von 60 auf 80 km/h erhöht.
Für die Vorbereitung auf das europäische Zugsicherungssystem ETCS werden vorbereitende Maßnahmen durchgeführt, darunter Kabeltiefbau auf Glasfaserbasis. Die eigentliche ETCS-Ausrüstung mit Level 2 erfolgt jedoch nachgelagert; die Inbetriebnahme ist laut Bundesregierung für das Jahr 2030 geplant. Die Strecke ist Teil des Großprojekts Korridor ScanMed, das eine durchgängige ETCS-Fähigkeit zwischen Hamburg und Salzburg bis 2035 anstrebt.
Vollsperrung statt schrittweiser Sanierung
Die Bundesregierung begründet die vollständige Sperrung damit, dass alternative Konzepte wie das Bauen unter rollendem Rad Bautätigkeiten über mehrere Jahre zur Folge gehabt hätten und in der Summe zu deutlich höheren Gesamtbeeinträchtigungen geführt hätten. Alle vorbereitenden Maßnahmen sind laut Bundesregierung rechtzeitig abgeschlossen; andere Projekte werden durch die Generalsanierung nicht verzögert. Die Gesamtkosten wurden als Betriebs- und Geschäftsgeheimnis der DB AG klassifiziert und sind als VS-VERTRAULICH in der Geheimschutzstelle des Bundestages hinterlegt.
Ersatzverkehr: 70 Busse, ausschließlich Diesel
Für den Schienenpersonennahverkehr werden rund 70 Busse und etwa 175 Fahrer benötigt, davon rund 25 Gelenkbusse. Alle eingesetzten Fahrzeuge fahren mit Dieselantrieb — weder Elektro- noch Wasserstoffbusse sind vorgesehen. Elf Buslinien werden eingerichtet, darunter Expressvarianten auf der Hauptrelation Rosenheim–Freilassing. Alle Busse sind barrierefrei ausgestattet. Im Fernverkehr werden Züge über die Passauer Achse, die Giselabahn Salzburg–Schwarzach/St. Veit–Innsbruck sowie die Brennerachse umgeleitet. Mehrere Nahverkehrslinien fallen vollständig aus, darunter die RB 52 Prien–Aschau und die RB 59 Traunstein–Waging.
Für das Zementwerk in Rohrdorf, das über einen Gleisanschluss an die gesperrte Strecke angebunden ist, sieht das noch nicht abgeschlossene Bedienkonzept Rangierfahrten in den Nachtrandbereichen zwischen 20:30 und 07:00 Uhr vor — mit aktuell zwei Zugpaaren täglich als Planungsgröße.
Die Bundesregierung erwartet nach Abschluss der Korridorsanierung eine Verbesserung der Pünktlichkeitswerte. Die Fahrpläne für den Ersatzverkehr sollen im Herbst 2026 in den Auskunftsmedien einsehbar sein. Mehr zu laufenden Bahnsanierungen und Bundeswehr-Infrastruktur gibt es auch in der Übersicht zu den wichtigsten Drucksachen vom 29. August 2026.
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Direkt betroffen sind Bahnreisende zwischen dem Raum München/Rosenheim und Salzburg sowie weiter nach Österreich. Für den Güterverkehr, insbesondere das Zementwerk in Rohrdorf, werden Sonderregelungen getroffen. Auch Reisende auf Fernverkehrsrelationen wie Wien–München, dem Nightjet oder der Westbahn müssen mit Umleitungen oder Zugausfällen rechnen. Im Nahverkehr entfallen mehrere Regionalbahn-Linien vollständig oder werden ausgedünnt.
Die Bundesregierung hat den überwiegenden Teil der Fragen beantwortet. Gesamtkosten (Fragen 5 und 28) sowie Detailinformationen zur Leit- und Sicherungstechnik (Fragen 12, 18, 19, 32, 33, 36, 41, 43) wurden als VS-VERTRAULICH klassifiziert und nur in der Geheimschutzstelle hinterlegt, da die Veröffentlichung nach Einschätzung der Bundesregierung Sabotagerisiken für kritische Infrastruktur begründen würde.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Generalsanierung Rosenheim–Salzburg: 73 Fragen zur Bahnsperrung 2027 →
- Korridorsanierung
- Intensivierte Generalsanierung eines stark belasteten Streckenabschnitts, bei der alle wesentlichen Anlagen in kurzer Zeit während einer Vollsperrung erneuert werden, statt über viele Jahre in kleinen Schritten.
- ETCS (European Train Control System)
- Europäisches Zugsicherungssystem, das Züge aller Länder einheitlich überwacht und steuert. Soll auf der Strecke Rosenheim–Salzburg bis 2030 eingebaut werden.
- LuFV (Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung)
- Vertrag zwischen dem Bund und der DB InfraGO AG, der die Finanzierung der Instandhaltung und Erneuerung des Schienennetzes regelt.
Wann wird die Strecke Rosenheim–Salzburg gesperrt?
Die Vollsperrung dauert vom 7. Februar 2027 bis zum 9. Juli 2027 — insgesamt rund fünf Monate.
Was wird bei der Generalsanierung erneuert?
Laut Bundesregierung werden unter anderem 40.000 Meter Gleise, 35 Weichen, 97 km Oberleitung und 771 Signale ersetzt oder saniert. Sieben Bahnhöfe werden modernisiert.
Wie komme ich während der Sperrung von Rosenheim nach Salzburg?
Im Nahverkehr ersetzt überwiegend ein Busersatzverkehr die gesperrte Strecke. Im Fernverkehr erfolgen Umleitungen über die Passauer Achse, die Giselabahn und die Brennerachse.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7715 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































