- 2.600 km Bahnstrecken in Ostdeutschland seit 1990 stillgelegt
- 40 Prozent aller deutschen Streckenstilllegungen entfallen auf den Osten
- 160 km Reaktivierungspotenzial in Ostdeutschland bis 2035 laut Allianz pro Schiene
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7722 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Seit der deutschen Wiedervereinigung 1990 wurden im Osten Deutschlands nach Angaben der Fragesteller über 2.600 Kilometer Bahnstrecken stillgelegt — ein überproportional hoher Anteil von rund 40 Prozent aller Stilllegungen in Deutschland. Die Ministerpräsidentenkonferenz Ost hat am 11. Juni 2026 in einem Beschluss die Reaktivierung stillgelegter Strecken gefordert. Gleichzeitig kündigen neue Anbieter wie der italienische Bahnbetreiber Italo an, in den deutschen Schienenpersonenfernverkehr einzusteigen, was die Finanzierungsbasis für den Betrieb von Nebenstrecken beeinflussen könnte.
- über 2.600 km — In Ostdeutschland stillgelegte Bahnstrecken seit der Wiedervereinigung 1990 (laut Fragesteller).
- 40 Prozent — Anteil der ostdeutschen Streckenstilllegungen an allen deutschen Stilllegungen seit 1990 (laut Fragesteller).
- rund 900 km — Bundesweit reaktivierbare Streckenkilometer bis 2035 laut Allianz pro Schiene.
- knapp 160 km — Davon entfallen auf Ostdeutschland (laut Allianz pro Schiene).
- weniger als 1 Prozent — Anteil der bisher in Kohleregionen für Schieneninfrastruktur abgeflossenen Investitionsgesetzmittel (laut Fragesteller, bezogen auf BT-Drs. 21/2700).
Im Detail
Seit der Wiedervereinigung wurden in Ostdeutschland über 2 600 Kilometer Bahnstrecken stillgelegt. Das entspricht rund 40 Prozent aller Streckenstilllegungen in ganz Deutschland seit 1990.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7722
Ostdeutschland hat seit der Wiedervereinigung einen außergewöhnlich hohen Anteil seiner Schieneninfrastruktur verloren: Über 2.600 Kilometer Bahnstrecken wurden nach Angaben der Fragesteller seit 1990 stillgelegt — das entspricht rund 40 Prozent aller Streckenstilllegungen in ganz Deutschland. Die Fraktion Die Linke hat am 25. August 2026 mit BT-Drs. 21/7722 eine Kleine Anfrage mit 27 Einzelfragen an die Bundesregierung eingereicht, die dieses strukturelle Defizit umfassend beleuchtet.
Schieneninfrastruktur in Ostdeutschland: Reaktivierungspotenzial begrenzt
Laut Allianz pro Schiene können in Deutschland bis 2035 rund 900 Kilometer stillgelegter Strecken reaktiviert werden — davon aber nur knapp 160 Kilometer in Ostdeutschland. Das ist angesichts von mehr als 2.600 stillgelegten Kilometern ein vergleichsweise kleiner Anteil. Die Ministerpräsidentenkonferenz der ostdeutschen Bundesländer hat sich beim MPK-Ost am 11. Juni 2026 ausdrücklich für die Reaktivierung stillgelegter Strecken ausgesprochen. Die Fraktion Die Linke fragt die Bundesregierung nun, welche Strecken sie selbst als potenziell reaktivierbar einstuft — sowohl im Bundesschienennetz als auch bei nichtbundeseigenen Eisenbahnen (NE-Bahnen).
Finanzierung und Mittelabfluss im Fokus
Ein weiterer Schwerpunkt der Anfrage betrifft die Finanzierung von Schieneninfrastruktur. Die Fragesteller verweisen auf den Bericht zum Investitionsgesetz Kohleregionen (BT-Drs. 21/2700), dem zufolge in den betroffenen Regionen bisher weniger als 1 Prozent der Mittel für Schieneninfrastrukturprojekte abgeflossen sind — während es bei Autobahn- und Bundesfernstraßenprojekten rund 90 bzw. 58 Prozent sind. Die Anfrage fragt nach den Gründen für dieses Ungleichgewicht und danach, ob die Bundesregierung Maßnahmen plant, um den Mittelabfluss bei Schienenprojekten zu beschleunigen. Auch die Frage nach inflationsbedingten Kostensteigerungen, die Schieneninfrastrukturprojekte in dieser Legislaturperiode gefährdet oder verzögert haben, wird gestellt. Zudem erkundigt sich die Anfrage nach einer möglichen Erhöhung der GVFG-Bundesmittel vor dem Hintergrund aussichtsreicher Reaktivierungen.
Wettbewerb im Fernverkehr als Risiko für Flächenanbindung
Die Anfrage thematisiert auch einen aktuellen verkehrspolitischen Konflikt: Neue Wettbewerber wie der italienische Bahnbetreiber Italo kündigen an, in lukrative Fernverkehrsstrecken in Deutschland einzusteigen. Bislang subventioniert die Deutsche Bahn mit den Einnahmen aus stark frequentierten Strecken den Betrieb auf weniger rentablen Nebenstrecken. Fällt diese Quersubventionierung weg, könnten ostdeutsche Städte ihren Fernverkehrsanschluss verlieren. Die Fragesteller wollen wissen, welche Orte konkret betroffen sein könnten und welche Gegenmaßnahmen die Bundesregierung plant — etwa durch Anpassung der Regionalisierungsmittel. Ähnliche Fragen zur strukturellen Benachteiligung Ostdeutschlands bei Bundesinvestitionen tauchen in verschiedenen parlamentarischen Initiativen auf.
Beschäftigte und Sicherheit im ÖPNV
Neben infrastrukturellen Fragen adressiert die Anfrage auch soziale und arbeitsrechtliche Aspekte. Die Fraktion fragt, wie die Bundesregierung das Risiko von Arbeitsplatzverlusten für Beschäftigte im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) und im ÖPNV durch Betriebsübergänge bewertet und ob die aktuelle Rechtslage ausreicht, um Jobverluste zu verhindern. Zusätzlich wird nach geplanten Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten vor Übergriffen gefragt — ein Thema, das den öffentlichen Nahverkehr bundesweit beschäftigt.
Langfristbedarf: Erneuerung und Wirtschaftlichkeit
Die Anfrage richtet den Blick auch auf die nächsten zwei Jahrzehnte: Wie viele Kilometer des Schienennetzes müssen in den nächsten 20 Jahren erneuert werden? Welche Bruttowertschöpfung erwartet der Bund durch Erhalt und Ausbau? Wie hoch ist der Personalbedarf im Schienenpersonenverkehr bis 2030? Diese Fragen berühren die langfristige Tragfähigkeit des deutschen Eisenbahnsystems insgesamt. Der infrastrukturelle Entwicklungsbedarf in Ostdeutschland ist dabei ein wiederkehrendes politisches Thema.
Die Bundesregierung hat die 27 Fragen der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7722 noch nicht beantwortet.
Betroffen sind vor allem Menschen in ländlichen Regionen Ostdeutschlands, die auf Bahnverbindungen für Arbeit, Bildung und Mobilität angewiesen sind. Auch Industrie- und Logistikstandorte ohne Schienennetzanschluss sowie Beschäftigte im Schienenpersonennahverkehr stehen im Fokus der Anfrage.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7722) ist am 25. August 2026 eingegangen. Die Bundesregierung hat die Fragen noch nicht beantwortet. Grundsätzlich sieht § 104 GO-BT eine Antwort innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vor.
- GVFG
- Das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz regelt Finanzhilfen des Bundes an die Länder für Investitionen in den öffentlichen Personennahverkehr, etwa für Schienenstrecken.
- Reaktivierung
- Wiederinbetriebnahme stillgelegter Bahnstrecken für den Personenverkehr, häufig nach Ertüchtigung der Gleisanlagen.
- AEG § 23
- Paragraph 23 des Allgemeinen Eisenbahngesetzes regelt die Entwidmung von Bahnstrecken, d.h. deren endgültige Herausnahme aus dem Eisenbahnnetz.
Wie viele Bahnkilometer wurden in Ostdeutschland stillgelegt?
Laut Angaben der Fragesteller wurden seit der Wiedervereinigung über 2.600 Kilometer Bahnstrecken in Ostdeutschland stillgelegt, was rund 40 Prozent aller deutschen Streckenstilllegungen seit 1990 entspricht.
Wie viele Kilometer könnten reaktiviert werden?
Die Allianz pro Schiene geht laut der Anfrage davon aus, dass bundesweit rund 900 Kilometer bis 2035 reaktivierbar sind, davon knapp 160 Kilometer in Ostdeutschland.
Was ist das GVFG?
Das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) regelt Bundesfinanzhilfen für den kommunalen Verkehr, unter anderem für den Ausbau und die Reaktivierung von Schienenstrecken.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7722 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































