- 19 Fragen zur Lage christlicher Gemeinden im Libanon gestellt
- Asylbewerberzahlen aus Libanon seit 2017 nach Religion angefragt
- Über 1 Million Menschen im Libanon von Ernährungsunsicherheit betroffen
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7318 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Libanon durchläuft seit 2019 eine schwere Wirtschafts- und Staatskrise, die durch die Hafen-Explosion in Beirut im August 2020 weiter verschärft wurde. Militärische Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah belasten vor allem den Süden des Landes. Nach Angaben internationaler Beobachter sind über eine Million Menschen im Libanon von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Der Anteil christlicher Bevölkerungsgruppen ist seit Jahrzehnten rückläufig, was auf Abwanderung und demografische Verschiebungen zurückgeführt wird.
Im Detail
Vor diesem Hintergrund stellt sich den Fragestellern die Frage, wie die Bundesregierung die Lage der christlichen Gemeinden im Libanon bewertet und welche politischen Schlussfolgerungen sie daraus zieht.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7318
Christliche Gemeinden im Libanon stehen unter wachsendem Druck: Wirtschaftskrise, Staatszerfall und militärische Konflikte gefährden ihre Infrastruktur und treiben Teile der Bevölkerung zur Auswanderung. Die AfD-Fraktion hat dazu am 30. Juni 2026 eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gerichtet (BT-Drs. 21/7318), die 19 Einzelfragen umfasst — von der humanitären Lage vor Ort bis hin zu Asylbewerberzahlen in Deutschland.
Christen im Libanon: Historische Rolle, sinkender Anteil
Der Libanon ist eines der wenigen Länder des Nahen Ostens mit einer historisch starken christlichen Bevölkerung. Maroniten, griechisch-orthodoxe und andere christliche Gemeinschaften spielen im konfessionell strukturierten politischen System des Landes eine zentrale Rolle — der Staatspräsident muss per Verfassungsgewohnheit ein Christ sein. Doch ihr Bevölkerungsanteil ist seit Jahrzehnten rückläufig. Als Ursachen gelten Abwanderung, niedrigere Geburtenraten im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen sowie die instabile Sicherheitslage. Die Anfrage erkundigt sich nach den Erkenntnissen der Bundesregierung zu Umfang und Ursachen dieser Abwanderung.
Militärkonflikte und Schäden an kirchlichen Einrichtungen
Die militärischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah haben insbesondere den Süden des Libanon getroffen. Medienberichte dokumentieren dabei auch Schäden an religiösen Gebäuden, darunter Kirchen und Klöster. Die Anfrage fragt die Bundesregierung, welche belastbaren Daten zu Schäden an christlichen Einrichtungen vorliegen und welcher Konfliktpartei diese zuzurechnen sind. Darüber hinaus werden Erkenntnisse über die Auswirkungen der Hisbollah-Aktivitäten auf die Sicherheitslage christlicher Gemeinden im Süden des Landes angefragt.
Humanitäre Lage und deutsche Unterstützung
Laut internationalen Berichten sind über eine Million Menschen im Libanon von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Die Anfrage thematisiert, inwieweit deutsche humanitäre Hilfsmaßnahmen auch christlichen Gemeinden oder kirchlichen Organisationen zugutekommen. Gefragt wird zudem, ob die Bundesregierung die besondere Rolle christlicher Einrichtungen — etwa Schulen und Krankenhäuser — bei der Stabilisierung des Landes berücksichtigt. Solche Einrichtungen versorgen häufig konfessionsübergreifend die Bevölkerung und gelten als wichtige Säulen der Zivilgesellschaft. Thematisch verwandt sind auch Fragen zur Kirchenfinanzierung aus deutschen Haushaltsmitteln, zu der die Bundesregierung zuletzt keine vollständige Auskunft erteilte.
Asylbewerber aus dem Libanon: Religionszugehörigkeit und Rückführung
Ein eigener Fragenkomplex betrifft die Asylmigration aus dem Libanon nach Deutschland. Die AfD fragt nach der Anzahl der Asylbewerber aus dem Libanon seit 2017, aufgeschlüsselt nach Jahren, sowie nach deren Religionszugehörigkeit, Alters- und Geschlechtsstruktur. Besonders detailliert ist die Frage zur Rückführungsquote: Sie soll nach Religionszugehörigkeit und Jahren aufgegliedert werden. Diese Differenzierung zielt darauf ab, festzustellen, ob christliche Asylbewerber aus dem Libanon häufiger oder seltener zurückgeführt werden als Angehörige anderer Religionsgruppen. Einen weiteren Zusammenhang zum Thema Abwanderung und demografischer Entwicklung stellt die Frage nach den Auswirkungen der syrischen Flüchtlingssituation auf das konfessionelle Gleichgewicht im Libanon her — denn der Libanon beherbergt im Verhältnis zur Einwohnerzahl weltweit eine der größten Flüchtlingspopulationen. Vergleichbare Fragen zu Abwanderungsdynamiken stellt auch die Anfrage zur Frauenabwanderung in Ostdeutschland.
Politische Positionierung der Bundesregierung gefragt
Neben konkreten Datenfragen enthält die Anfrage auch grundsätzlichere Fragen zur außenpolitischen Haltung der Bundesregierung. Gefragt wird, ob die Bundesregierung eine eigene Positionierung zur langfristigen Entwicklung des konfessionellen Gleichgewichts im Libanon erarbeitet hat und ob sie ihre Unterstützung für das Land von Fortschritten beim Schutz religiöser Vielfalt abhängig macht. Auch die Frage, welche internationalen Berichte — etwa von Human Rights Watch, Open Doors oder den Vereinten Nationen — die Bundesregierung zur Lagebeurteilung heranzieht, ist Gegenstand der Anfrage.
Die Bundesregierung hat nun 21 Tage Zeit, die 19 Fragen zu beantworten. Die Antwort wird als separate Drucksache veröffentlicht.
Weiterlesen:
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Unmittelbar betroffen sind christliche Gemeinden im Libanon, darunter Maroniten, griechisch-orthodoxe und andere Kirchen. Mittelbar betroffen sind auch Asylbewerber aus dem Libanon in Deutschland, über deren Religionszugehörigkeit und Rückführungsquoten die Anfrage Auskunft verlangt.
Berlin, 22. Juli 2026. Zum Inkrafttreten der ersten Phase des Abkommens für den Südlibanon teilt der AfD-Bundestagsabgeordnete Tobias Teich, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und Berichterstatter der AfD-Fraktion für den Libanon, mit: „Die AfD-Bundestagsfraktion wünscht dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun für die laufenden Gespräche in den USA viel Erfolg. Das Inkrafttreten… …
Berlin, 20. Juli 2026. Zum aktuellen Vorschlag von Außenminister Johann Wadephul, nach dem Ende der UNIFIL-Mission im Libanon eine neue Stabilisierungsmission mit europäischem Mandat ins Leben zu rufen, erklärt der verteidigungspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Jan Nolte:„Der Vorstoß des Außenministers für eine EU-Nachfolgemission im Libanon ist der falsche Weg. Ganze 48… …
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7318) wurde am 30. Juni 2026 eingereicht und am 24. Juli 2026 als Drucksache veröffentlicht. Die Bundesregierung hat eine gesetzliche Antwortfrist von 21 Tagen. Die Antwort wird als separate Drucksache veröffentlicht.
- Konfessionelles System
- Im Libanon werden staatliche Machtpositionen nach Religionsgruppen aufgeteilt. Dieses System geht auf den Nationalpakt von 1943 zurück.
- Hisbollah
- Schiitische Miliz und politische Partei im Libanon, die von der EU als Terrororganisation eingestuft wird und über eigene Streitkräfte verfügt.
- Rückführungsquote
- Anteil der abgelehnten Asylbewerber, die tatsächlich in ihr Herkunftsland zurückgeführt werden, im Verhältnis zu allen abgelehnten Anträgen.
Was ist das konfessionelle System im Libanon?
Im Libanon sind staatliche Ämter und politische Macht nach Religionszugehörigkeit aufgeteilt — Christen (vor allem Maroniten) stellen traditionell den Staatspräsidenten, Muslime den Regierungschef.
Warum wandern Christen aus dem Libanon ab?
Laut den Fragestellern spielen wirtschaftlicher Druck, Sicherheitsrisiken durch Konflikte und die wachsende Bedeutung nichtstaatlicher bewaffneter Gruppen wie der Hisbollah eine Rolle.
Welche Asyl-Daten werden konkret angefragt?
Die AfD fragt nach Anzahl, Religionszugehörigkeit, Alters- und Geschlechtsstruktur sowie Rückführungsquoten von Asylbewerbern aus dem Libanon seit 2017, jeweils aufgeschlüsselt nach Jahren.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7318 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































