- 3 von 7 Vorhaben mit Verzögerungen von bis zu 5 Jahren
- Kostendaten zu allen Projekten als Verschlusssache eingestuft
- 100 Prozent des Lieferantenpools stammt aus dem Schnellläuferprogramm
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6745 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Das Schnellläuferprogramm (SLP) startete 2020 mit dem Ziel, Digitale Stellwerke verschiedener Hersteller unter realen Bedingungen zu erproben und den Stellwerksmarkt breiter aufzustellen. Bislang dominieren wenige etablierte Systemhersteller diesen sicherheitskritischen Markt. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat mit der Kleinen Anfrage (BT-Drs. 21/6084) nach rund sechs Jahren Programmlaufzeit eine systematische Bestandsaufnahme aller sieben Pilotvorhaben verlangt. Das Bundesministerium für Verkehr hat die Antwort am 24. Juni 2026 übermittelt.
- 4 Vorhaben — Kleve–Kempen, Finnentrop, Wörth–Germersheim und Ansbach–Triesdorf sind vollständig in Betrieb.
- 3 Vorhaben — Zwieseler Spinne, Gera–Weischlitz und Lichtenfels–Coburg sind noch nicht in Betrieb; alle mit erheblichem Zeitverzug.
- bis zu 5 Jahre Verzug — Vorhaben Lichtenfels–Coburg: ursprünglich 12/2023, Baustufe 2 jetzt für 12/2028 geplant.
- 5 von 6 — SLP-Lieferanten sind in den Rahmenverträgen für Stellwerke enthalten; ein Hersteller hat seine Produktstrategie geändert.
- ca. 50 Projekte — betreut der stärkste SLP-Hersteller (Vorhaben Finnentrop) derzeit in Planung oder Bau in Deutschland.
Im Detail
Bei Informationen nach den Kosten der Vorhaben handelt es sich um Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der DB InfraGO AG. Die Offenlegung der Informationen kann wirtschaftliche und finanzielle Nachteile der DB AG zur Folge haben.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/6745, S. 7
Das Schnellläuferprogramm für Digitale Stellwerke zeigt eine gemischte Bilanz: Vier der sieben Pilotvorhaben laufen, drei stecken mit teils jahrelangem Verzug fest. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 21/6745) auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor, die das Bundesministerium für Verkehr am 24. Juni 2026 übermittelt hat.
Digitale Stellwerke: Was funktioniert, was nicht
Vier Vorhaben sind nach Angaben der Deutschen Bahn AG vollständig in Betrieb. Das Stellwerk Kleve–Kempen ging im November 2022 in Betrieb – plangemäß war September 2022 avisiert, die Verzögerung ist damit gering. Nach der Inbetriebnahme traten Störungen durch Probleme mit der Übertragungstechnik auf, die durch den Ersatz von Verkabelungen behoben wurden. Das Stellwerk Finnentrop lief bereits im Mai 2022 an und damit sogar pünktlich nach ursprünglichem Plan. Das Vorhaben Wörth–Germersheim ging im Dezember 2022 in Betrieb, zwei Monate nach dem anvisierten Oktober 2022. Die Komplexität dieses Vorhabens war laut Bundesregierung hoch: Schnittstellen nach Frankreich, zu privaten Infrastrukturbetreibern und eine hohe Zahl betroffener Eisenbahnverkehrsunternehmen erforderten intensive Abstimmung und eine dreistufige Inbetriebnahme. Das Stellwerk Ansbach–Triesdorf ging schließlich im Februar 2026 in Betrieb – ursprünglich war April 2022 geplant, ein Verzug von fast vier Jahren.
Drei Vorhaben mit erheblichem Rückstand
Die übrigen drei Pilotvorhaben liegen deutlich hinter dem Zeitplan. Im Vorhaben Zwieseler Spinne sind zwar die Außenanlagen abgeschlossen, die Innenanlage steht jedoch noch aus. Die Inbetriebnahme ist nun für Dezember 2028 geplant – ursprünglich war Dezember 2023 vorgesehen. Ursache ist laut DB AG die veränderte Produktstrategie des Lieferanten: Dieser agiert inzwischen nur noch als Komponentenlieferant für Systemhersteller, nicht mehr als eigenständiger Stellwerkslieferant. Beim Vorhaben Gera–Weischlitz sind Hoch- und Tiefbau abgeschlossen, die Außen- und Innenanlage des Stellwerks steht noch aus. Die Inbetriebnahme ist für Dezember 2027 geplant, ursprünglich war April 2024 avisiert. Beim Vorhaben Lichtenfels–Coburg sind ebenfalls nur die Außenanlagen fertig. Baustufe 1 ist für September 2027, Baustufe 2 für Dezember 2028 geplant – ursprünglich war Dezember 2023 das Ziel. In allen drei letzten Vorhaben nennt die DB AG den schwierigen Markteintritt neuer Stellwerkslieferanten als wesentliche Ursache der Verzögerungen.
Kostendaten bleiben unter Verschluss
Alle sieben Fragen nach den ursprünglichen und finalen Kosten der Vorhaben beantwortet die Bundesregierung nicht öffentlich. Die Kostendaten gelten als Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der DB InfraGO AG. Eine öffentliche Nennung könnte nach Einschätzung der Bundesregierung potenzielle Auftragnehmer in künftigen Verhandlungen bevorzugen und damit das fiskalische Interesse des Bundes schädigen. Die Informationen sind als Verschlusssache VS-VERTRAULICH eingestuft und in der Geheimschutzstelle des Bundestages hinterlegt, soweit sie der Bundesregierung vorliegen.
Wettbewerb im Stellwerksmarkt: begrenzte Fortschritte
Ein zentrales Ziel des Schnellläuferprogramms war die Verbreiterung des Herstellermarkts. Das Ergebnis ist laut Bundesregierung zweigeteilt: Fünf der sechs am Programm beteiligten Lieferanten sind in den Rahmenverträgen für Elektronische Stellwerke (ESTW) und Digitale Stellwerke (DSTW) enthalten. Der sechste hat seine Produktstrategie geändert. Nach Angaben der DB AG besteht der Lieferantenpool für beide Vertragsarten damit zu 100 Prozent aus Herstellern, die im Schnellläuferprogramm aufgebaut wurden. Dabei dominieren einzelne Anbieter: Der stärkste SLP-Lieferant betreut bundesweit rund 50 laufende Stellwerksprojekte, ein anderer nur rund 5. Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) setzt laut Bundesregierung auf standardisierte Schnittstellen, damit Komponenten verschiedener Hersteller kombiniert werden können, und wirkt im Rahmen seiner Prüfverfahren auf eine effiziente Mittelverwendung hin.
Die technischen Anforderungen für neue Digitale Stellwerke haben sich seit Programmbeginn weiterentwickelt. Der aktuelle Volumenvertrag für Stellwerke der Generation 3 basiert auf dem sogenannten „Basisrelease +“, das unter anderem Anforderungen zum Schutz kritischer Infrastruktur vor Cyberangriffen berücksichtigt. Mehr zur Eisenbahninfrastruktur in Deutschland: Eisenbahnbrücke Herford: Baustelle verzögert Fernverkehr Hamm–Hannover.
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Betroffen sind Bahnreisende, die von einer zuverlässigeren und kapazitätsstarken Schieneninfrastruktur profitieren sollen. Darüber hinaus sind Stellwerkshersteller und Eisenbahnverkehrsunternehmen direkt betroffen, die auf die Verfügbarkeit moderner Steuerungstechnik angewiesen sind. Verzögerungen in einzelnen Projekten wirken sich auf die gesamte Ausbauplanung der Digitalen Schiene Deutschland aus.
Die Kostenfragen (Fragen 3, 9, 15, 21, 27, 33 und 39) beantwortet die Bundesregierung nicht öffentlich, sondern stuft die Informationen als VS-VERTRAULICH ein und hinterlegt sie in der Geheimschutzstelle des Bundestages. Alle inhaltlichen Sachstandsfragen zu den einzelnen Vorhaben werden hingegen vollständig beantwortet.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 25.06.2026) Grüne prüfen Millionen-Programm für digitale Bahnstellwerke →
- Digitales Stellwerk (DSTW)
- Moderne, software-basierte Steuerungszentrale für Weichen und Signale im Bahnnetz. Ersetzt ältere elektronische und mechanische Stellwerke und ermöglicht flexiblere Fernsteuerung.
- Schnellläuferprogramm (SLP)
- Seit 2020 laufendes Förderprogramm der Deutschen Bahn, das neue Hersteller beim Markteintritt für Digitale Stellwerke unterstützt und so den Wettbewerb im Lieferantenmarkt stärken soll.
- VS-VERTRAULICH
- Geheimhaltungsstufe nach der Verschlusssachenanweisung des Bundes. Als VS-VERTRAULICH eingestufte Dokumente sind nur in der Geheimschutzstelle des Bundestages für berechtigte Personen einsehbar.
Welche Vorhaben des Schnellläuferprogramms sind in Betrieb?
Vier Vorhaben sind vollständig in Betrieb: Kleve–Kempen (seit 11/2022), Finnentrop (seit 05/2022), Wörth–Germersheim (seit 12/2022) und Ansbach–Triesdorf (seit 02/2026).
Warum verzögern sich manche Projekte so stark?
Bei den Vorhaben Zwieseler Spinne, Gera–Weischlitz und Lichtenfels–Coburg bereitet der Markteintritt neuer Stellwerkslieferanten große Schwierigkeiten. Mindestens ein Hersteller hat seine Produktstrategie zwischenzeitlich grundlegend geändert.
Warum nennt die Bundesregierung keine Kosten?
Die Kostendaten gelten als Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der DB InfraGO AG. Eine öffentliche Nennung könnte Auftragnehmer in zukünftigen Verhandlungen bevorzugen und das fiskalische Interesse des Bundes schädigen. Die Daten sind als VS-VERTRAULICH eingestuft.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6745 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































