- 785 Vollzeitstellen können durch das Stellwerkersatzprogramm eingespart werden
- Standortlisten bleiben aus Sicherheitsgründen geheim — VS-VERTRAULICH eingestuft
- Ab 2028 sollen jährlich 60 bis 70 Altstellwerke abgelöst werden
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6741 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Deutsche Bahn AG hat 2024 ein umfangreiches Programm zur Modernisierung alter Stellwerke angekündigt. Im Fokus stehen Anlagen mit hohem Personaleinsatz, die durch modernere Technik ersetzt werden sollen. Für 2025 war der Austausch von 50 Altstellwerken kommuniziert worden, bis Ende 2027 sollten insgesamt 200 Stellwerke erneuert sein. Der Deutsche Bundestag hat am 28. Januar 2026 in einem Entschließungsantrag (BT-Drs. 21/3906) verschärfte Transparenzregeln zum Schutz Kritischer Infrastrukturen von der Bundesregierung eingefordert.
- 50 Stellwerke — waren für das Jahr 2025 zum Ersatz kommuniziert worden
- 200 Stellwerke — ursprüngliches Ziel bis Ende 2027
- 785 VzP — Personalkapazitäten, die durch das Gesamtportfolio eingespart werden können
- 60 Altstellwerke — für 2028 geplante Ablösung, steigend auf 65 (2029) und 70 (2030)
Im Detail
Bei den angefragten Informationen zu den konkreten Stellwerken handelt es sich aus Gründen der öffentlichen Sicherheit um schutzbedürftige Informationen der DB InfraGO AG.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/6741, S. 1
Veraltete Stellwerke gelten als einer der Hauptgründe für Verspätungen im deutschen Schienennetz. Das Stellwerkersatzprogramm der Deutschen Bahn AG soll das ändern — doch wie weit die Modernisierung tatsächlich vorankommt, bleibt aus Sicherheitsgründen weitgehend im Verborgenen. Die Bundesregierung hat auf die Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion (BT-Drs. 21/6083) am 25. Juni 2026 mit BT-Drs. 21/6741 geantwortet — allerdings nur teilweise.
Standortlisten bleiben geheim
Die zentralen Fragen der Anfrage — welche konkreten Stellwerke ersetzt werden sollen, wie der aktuelle Umsetzungsstand ist, welche Anlagen neu aufgenommen und welche aus dem Programm gestrichen wurden — beantwortet die Bundesregierung nicht öffentlich. Laut Drucksache handelt es sich dabei um schutzbedürftige Informationen der DB InfraGO AG. Die Begründung: In Anbetracht der sich verschärfenden Sicherheitslage würde eine Veröffentlichung der Standortdaten gezielte Sabotage und Angriffe auf die Verkehrsinfrastruktur ermöglichen. Die entsprechenden Informationen sind als „VS-VERTRAULICH“ eingestuft und in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages hinterlegt, wo sie für berechtigte Abgeordnete einsehbar sind.
Grundlage für diese restriktive Handhabung ist auch ein Beschluss des Bundestages vom 28. Januar 2026: In einem Entschließungsantrag (BT-Drs. 21/3906) hatte das Parlament verschärfte Transparenzregeln zum Schutz Kritischer Infrastrukturen eingefordert. Die Verkehrsinfrastruktur gilt demnach als wichtiger Baustein der Resilienz im Krisen- und Katastrophenfall.
Stellwerkersatzprogramm: Was bisher bekannt ist
Trotz der weitreichenden Geheimhaltung liefert die Antwort einige konkrete Zahlen. Nach Angaben der DB AG können durch das gesamte Stellwerkersatz-Portfolio insgesamt rund 785 Vollzeitstellen eingespart werden. Das Gesamtfinanzvolumen des Programms wird laut Bundesregierung noch ermittelt — ein abschließender Betrag lag zum Zeitpunkt der Antwort nicht vor.
Das Programm startete mit dem Ziel, im Jahr 2025 zunächst 50 alte Stellwerke zu ersetzen. Bis Ende 2027 waren insgesamt 200 Stellwerke für die Ablösung eingeplant. Für die Folgejahre plant die DB AG eine Beschleunigung: Für 2028 sind 60 Altstellwerke vorgesehen, für 2029 rund 65 und für 2030 weitere 70 Anlagen der Alttechnik.
Verzögerungen durch Finanznot und Doppelprüfungen
Als häufigste Ursachen für Verzögerungen im Programm nennt die DB AG die angespannte Finanzlage sowie fehlende Ressourcen. Diese führen laut Antwort zu verzögerten Inbetriebnahmen und zu Verschiebungen der notwendigen Sperrpausen. Um das Programm zu beschleunigen, fordert die Bahn eine Stärkung der Prüforganisationen, die bereits bei der Inbetriebnahme von Leit- und Sicherheitstechnik tätig sind — damit sollen Doppelprüfungen vermieden werden. Ähnliche Herausforderungen durch Bau- und Planungsverzögerungen im Schienenbereich sind auch aus anderen Projekten bekannt, wie etwa die Baustelle an der Eisenbahnbrücke Herford zeigt, die den Fernverkehr zwischen Hamm und Hannover beeinträchtigt.
Parlamentarische Transparenz vs. Sicherheitsinteressen
Die Entscheidung, die Standortinformationen zu klassifizieren, illustriert ein grundlegendes Spannungsfeld: Parlamentarische Kontrollrechte auf der einen, Schutzinteressen der öffentlichen Infrastruktur auf der anderen Seite. Abgeordnete können die eingestuften Informationen zwar in der Geheimschutzstelle einsehen — eine öffentliche Debatte über Fortschritt und Schwachstellen des Programms ist damit jedoch kaum möglich. Fragen nach dem tatsächlichen Umsetzungsstand bleiben für die Öffentlichkeit unbeantwortet. Debatten über den richtigen Umgang mit Infrastrukturthemen und öffentliche Mittel beschäftigen den Bundestag auch an anderer Stelle, etwa beim sozialen Wohnungsbau oder der Infrastrukturpolitik der Koalition.
Für Bahnreisende bedeutet das Stellwerkersatzprogramm langfristig mehr Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit — sofern die gesteckten Ziele auch erreicht werden. Der aktuelle Stand des Programms bleibt aber der öffentlichen Kontrolle weitgehend entzogen.
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Betroffen sind in erster Linie Bahnreisende in ganz Deutschland, deren Verbindungen von der Zuverlässigkeit der Stellwerkstechnik abhängen. Daneben sind rund 785 Stellen bei der DB InfraGO AG und ihren Beschäftigten betroffen, die durch die Modernisierung eingespart werden sollen. Für Mitarbeiter im Stellwerksbetrieb bedeutet das Programm einen erheblichen strukturellen Wandel.
Die Bundesregierung beantwortet die Kernfragen 1 bis 4 zu konkreten Stellwerksstandorten, Umsetzungsständen und Programmänderungen nicht öffentlich und verweist auf eine VS-VERTRAULICH-Einstufung in der Geheimschutzstelle. Fragen zu Personaleinsparungen und Ersatzzahlen werden hingegen konkret beantwortet.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 25.06.2026) Grüne kontrollieren Bahn-Stellwerk-Modernisierung →
- VS-VERTRAULICH
- Einstufung nach deutschem Geheimschutzrecht für Informationen, deren Bekanntwerden die Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik schädigen könnte. Eingestufte Unterlagen werden in der Geheimschutzstelle des Bundestages verwahrt.
- VzP (Vollzeitäquivalent)
- Maßeinheit für Personalkapazitäten: Eine VzP entspricht einer Vollzeitstelle. Teilzeitstellen werden anteilig berechnet.
- DB InfraGO AG
- Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn AG, die seit 2024 das Schienennetz betreibt und für Erhalt sowie Modernisierung der Bahninfrastruktur zuständig ist.
Warum werden die Stellwerksstandorte geheim gehalten?
Die Bundesregierung begründet dies mit der Sicherheitslage: Eine Veröffentlichung der Standortdaten könnte gezielte Sabotage und Angriffe auf die Verkehrsinfrastruktur ermöglichen.
Wie viele Stellwerke sollen bis 2027 ersetzt werden?
Laut der ursprünglichen Planung waren bis Ende 2027 insgesamt 200 Stellwerke für den Ersatz vorgesehen; für 2025 waren 50 Stellwerke kommuniziert worden.
Wann wird das Finanzvolumen des Programms bekannt?
Der Gesamtwertumfang wird nach Angaben der DB AG derzeit noch ermittelt und war zum Zeitpunkt der Antwort (Juni 2026) nicht bezifferbar.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6741 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































