Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8101 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- Bis 2023 flossen 137,7 Mio. Euro in 581 Computerspiel-Projekte
- Verkaufszahlen geförderter Spiele werden nicht systematisch erhoben
- Für 2027 sind 123,8 Mio. Euro plus 171,1 Mio. Verpflichtungsermächtigungen geplant
Hintergrund
Die Bundesrepublik fördert seit Oktober 2019 die Entwicklung von Computerspielen durch nicht rückzahlbare Zuschüsse. Zuständig war zunächst das Bundeswirtschaftsministerium, dann das Bundesministerium für Digitales und Verkehr; seit der Neuordnung liegt die Zuständigkeit beim Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Administration übernimmt der DLR Projektträger. Der Bundesrechnungshof hatte in einer Prüfungsmitteilung vom 16. Mai 2024 Mängel bei der Erfolgskontrolle und die fehlende Prüfung bedingt rückzahlbarer Darlehen als Alternative bemängelt. Die Bundesregierung hat nach eigenen Angaben auf Basis dieser Kritik eine begleitende Erfolgskontrolle eingeführt und eine Evaluation durch das Fraunhofer-Institut ISI beauftragt.
- 137,7 Mio. Euro — Gesamtbetrag der Games-Förderung von 2019 bis 2023 an 581 Vorhaben
- 123,8 Mio. Euro — Veranschlagter Förderbetrag für das Haushaltsjahr 2027, dazu 171,1 Mio. Euro Verpflichtungsermächtigungen
- 40,7 Mio. Euro / 26,4 Mio. Euro — Tatsächlicher Mittelabfluss in den Jahren 2024 bzw. 2025
- 299.109 Euro — Bewilligter Betrag für die Initiative Womenize! im Jahr 2026, davon 192.675 Euro für 2027 vorgesehen
- 1.141.239 Euro — Größte Einzelrückforderung (m2p Entertainment GmbH), gegen die eine Klage anhängig ist
Im Detail
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor. Im Rahmen der Erfolgskontrolle werden Umfragen bei einem zufällig ausgewählten Teil der Zuwendungsempfänger durchgeführt und anonymisiert ausgewertet.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8101, Antwort zu Fragen 4–5c
Rund 238 Millionen Euro Steuergelder hat der Bund seit 2019 für die Entwicklung von Computerspielen aufgewendet — doch wie viele der geförderten Spiele überhaupt verkauft wurden, ob sie Gewinn einbrachten oder auf welchen Plattformen sie erhältlich sind, kann die Bundesregierung nicht sagen. Das geht aus BT-Drs. 21/8101 hervor, der Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion vom 22. September 2026.
Games-Förderung: Umfang und Struktur
Seit Oktober 2019 fördert der Bund die Entwicklung von Computerspielen mit nicht rückzahlbaren Zuschüssen von bis zu 50 Prozent der Entwicklungskosten. Bis 2023 flossen nach Angaben der Bundesregierung rund 137,7 Mio. Euro an 581 Vorhaben. Hinzu kommen die Auszahlungen der Folgejahre: 2024 waren es 40,7 Mio. Euro, 2025 nochmals 26,4 Mio. Euro. Für das Haushaltsjahr 2027 sind 123,8 Mio. Euro veranschlagt — plus Verpflichtungsermächtigungen von 171,1 Mio. Euro, die zwischen 2028 und 2032 fällig werden sollen.
Die Drucksache enthält als Anlage eine detaillierte Liste aller seit 2019 geförderten Vorhaben. Darunter finden sich bekannte Spieleentwickler wie Ubisoft Blue Byte GmbH (u. a. Anno 117: Pax Romana, 5,7 Mio. Euro), Deck 13 Interactive GmbH (Foxtrott, 5 Mio. Euro) und King Art GmbH (mehrere Projekte). Die Förderquoten reichen von unter 10 Prozent bis zu 70 Prozent bei frühen De-minimis-Vorhaben.
Was gilt aktuell?
Die geltende Förderrichtlinie „Games-Förderung des Bundes“ vom 27. Dezember 2024 verpflichtet Empfänger zur Veröffentlichung des fertigen Spiels und zu einem Verwendungsnachweis mit Sachbericht und Zahlungsnachweis. Verkaufszahlen, Umsatzerlöse und Vertriebskanäle müssen dagegen nicht nachgewiesen werden — Vorgänge nach Projektabschluss gelten zuwendungsrechtlich als nicht relevant. Die Bundesregierung begründet dies damit, dass die Erreichung des Zuwendungszwecks anhand der Projektergebnisse beurteilt werde, nicht anhand kommerzieller Kennzahlen.
Eine begleitende Erfolgskontrolle gibt es erst seit 2025: Der DLR Projektträger führt seitdem jährliche Befragungen bei einem zufällig ausgewählten Teil der Geförderten durch, deren Ergebnisse anonymisiert ausgewertet werden. Parallel wurde das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI mit einer begleitenden Evaluation beauftragt — ein direktes Ergebnis der Kritik des Bundesrechnungshofs aus dem Jahr 2024.
Förderanträge und Bewilligungen im Überblick
Die Nachfrage nach Fördergeldern war in den Anfangsjahren groß: Allein 2020 wurden 228 Anträge bewilligt (Fördervolumen: 49,1 Mio. Euro), 2021 waren es 117 (46,2 Mio. Euro). In der Mitte des Jahres 2023 und im gesamten Jahr 2024 bestand keine Möglichkeit zur Einreichung neuer Förderanträge — entsprechend wurden 2024 null Anträge bewilligt. 2025 wurden dann wieder 146 Anträge mit einem bewilligten Volumen von 37,8 Mio. Euro genehmigt, bei 11 Ablehnungen und 33 zurückgezogenen Anträgen.
Nur dreimal wurde ein Antrag mit der Begründung abgelehnt, das Vorhaben würde auch ohne Förderung durchgeführt — ein Kriterium, das laut Bundesrechnungshof stärker geprüft werden sollte. Die Regierung verweist auf verpflichtende Entwurfsberatungen im Vorfeld, die solche Fälle frühzeitig herausfiltern sollen.
Rückforderungen und Projektabbrüche
Mehrere Vorhaben wurden vor Abschluss eingestellt. Die größte Rückforderung betrifft m2p Entertainment GmbH mit 1.141.239 Euro — gegen den Widerrufsbescheid ist eine Klage anhängig. Piranha Bytes GmbH (530.724 Euro, Projekt WIKI6) und Daedalic Entertainment GmbH (617.937 Euro) sind weitere nennenswerte Fälle. Bei zahlreichen weiteren Vorhaben erfolgten einvernehmliche Widerrufe ohne ausgezahlte Gelder.
Die Zahl der noch offenen Verwendungsnachweise steigt: Zum Stichtag 30. Juni 2026 waren 31 Nachweise aus dem laufenden Haushaltsjahr 2026 noch nicht abschließend geprüft, 10 aus 2025. Aus den Jahren 2019 bis 2024 sind dagegen alle Nachweise geprüft.
Für den parlamentarischen Umgang mit staatlichen Förderprogrammen und deren Erfolgskontrolle ist diese Antwort ein aufschlussreiches Beispiel: Trotz dreistelliger Millionenbeträge fehlen bis heute zentrale Kennzahlen zum wirtschaftlichen Erfolg. Die Fraunhofer-Evaluation soll das künftig ändern — ihre Ergebnisse lagen zum Zeitpunkt der Drucksache noch nicht vor.
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Betroffen sind in erster Linie kleine und mittlere Spieleentwickler in Deutschland, die Zuschüsse von bis zu 50 Prozent ihrer Entwicklungskosten erhalten können. Steuerzahler tragen das finanzielle Risiko, da die Förderung als nicht rückzahlbarer Zuschuss gewährt wird und wirtschaftlicher Misserfolg einzelner Projekte keine automatische Rückzahlungspflicht auslöst. Indirekt betrifft die Förderung auch die Games-Branche als Arbeitgeber und Innovationsträger.
Bei zentralen Fragen zu Verkaufszahlen, Umsatzerlösen und Vertriebsplattformen verweist die Bundesregierung darauf, keine Erkenntnisse zu haben. Die Begründung — nur stichprobenartige, anonymisierte Umfragen statt systematische Erfassung — lässt die Kernfrage nach dem wirtschaftlichen Erfolg der Förderung offen. Förderdaten zu einzelnen Vorhaben wurden in umfangreichen Anlagen offengelegt.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Games-Förderung: 137,7 Mio. Euro und offene Erfolgskontrolle →
- Verpflichtungsermächtigung
- Haushaltsmittel, die der Bund zwar noch nicht ausgibt, aber bereits für künftige Haushaltsjahre verbindlich einplant. Für 2027 sind 171,1 Mio. Euro vorgesehen, fällig zwischen 2028 und 2032.
- De-minimis-Beihilfe
- EU-rechtlich zulässige staatliche Beihilfe unterhalb eines Schwellenwerts (200.000 Euro in drei Jahren), für die keine EU-Genehmigung nötig ist. Die ersten Games-Förderungen 2019 liefen über dieses Instrument mit bis zu 70 Prozent Förderquote.
- Verwendungsnachweisprüfung
- Pflichtprüfung, bei der Zuwendungsempfänger nachweisen müssen, dass Fördermittel zweckgemäß eingesetzt wurden. Ergibt die Prüfung Abweichungen, kann es zu Kürzungen oder Rückforderungen kommen.
Wie viel Geld hat der Bund seit 2019 für Games ausgegeben?
Bis Ende 2023 flossen laut Bundesregierung rund 137,7 Mio. Euro an 581 Vorhaben. Für 2024 und 2025 wurden zusätzlich 40,7 Mio. bzw. 26,4 Mio. Euro ausgezahlt.
Wie viele geförderte Spiele wurden tatsächlich veröffentlicht?
Laut einer früheren Antwort (BT-Drs. 20/14603) hatten von 174 noch laufenden Vorhaben mindestens 39 bis Dezember 2024 Marktreife erreicht. Eine vollständige Übersicht liegt nicht vor, da Veröffentlichungsdaten nicht flächendeckend erfasst werden.
Warum erfasst der Bund keine Verkaufszahlen?
Laut Bundesregierung sind Vorgänge nach Abschluss des Förderprojekts zuwendungsrechtlich nicht relevant. Absatz und Umsatz werden daher nicht systematisch erhoben, sondern nur im Rahmen anonymisierter Stichproben-Umfragen bei einem Teil der Geförderten.


































































