- Strecke 4312 soll zur S-Bahn für 16.000 Dietenbach-Bewohner werden
- Getrennte Planung gefährdet Integration in die Rheintalbahn-Sanierung
- 6 Fragen an die Bundesregierung zu Zeitplan und Synergien
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7410 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Im Zuge der neuen Güterumfahrung Freiburg wird die bisherige innerstädtische Güterumgehungsbahn (Strecke 4312) für den Schienenpersonennahverkehr frei. Die Strecke verläuft durch das dicht besiedelte westliche Stadtgebiet Freiburgs und erschließt unter anderem das Neubaugebiet Dietenbach, das Raum für 16.000 Menschen bietet, sowie das Industriegebiet Nord mit 15.000 Arbeitsplätzen. Parallel dazu läuft die Generalsanierung der Rheintalbahn (Strecke 4000), an die die Westbahn nördlich bei Gundelfingen und südlich bei Leutersberg angebunden werden muss. Laut Anfrage soll die Rheintalbahn mittelfristig 8,5 Fahrten pro Stunde und Richtung aufweisen.
Im Detail
Wird das Projekt der Westbahn nicht rechtzeitig in die Planungen integriert, besteht das Risiko, dass notwendige Trassen, Verknüpfungspunkte und Infrastrukturmaßnahmen nicht berücksichtigt werden.
— Vorbemerkung, BT-Drs. 21/7410
Im Freiburger Westen liegt eine Bahnstrecke, die bislang dem Güterverkehr dient und künftig zur S-Bahn für Zehntausende Pendler und Anwohner werden könnte. Die Rede ist von der Güterumgehungsbahn Freiburg, Strecke 4312 — im Volksmund bereits als Westbahn Freiburg bekannt. Mit dem Bau der neuen Güterumfahrung Freiburg werden auf dieser Trasse Kapazitäten frei, die der Schienenpersonennahverkehr nutzen könnte. Die Grünen-Fraktion im Bundestag fragt in der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7410 vom 29. Juli 2026, ob diese Chance rechtzeitig in die laufenden Planungen integriert wird.
Westbahn Freiburg: Potenzial und Risiko
Die Strecke liegt zentral im dicht besiedelten Freiburger Westen und führt an zahlreichen pendleraufkommensstarken Zielen vorbei: dem entstehenden Neubaugebiet Dietenbach mit Wohnraum für 16.000 Menschen, dem Industriegebiet Nord mit rund 15.000 Arbeitsplätzen, der Universität, dem Universitätsklinikum und der Freiburger Messe. Ein Betriebskonzept des VCD sieht vor, die Westbahn in den Schienenpersonennahverkehr zu integrieren und so bestehende Verkehrsachsen zu entlasten.
Das Problem: Damit die Westbahn sinnvoll in das Gesamtnetz eingebunden werden kann, sind höhenfreie Abzweigstellen an der Rheintalbahn (Strecke 4000) notwendig — sowohl nördlich bei Gundelfingen als auch südlich bei Leutersberg. Ohne diese Anbindungen würde ein dichter S-Bahn-Betrieb erhebliche betriebliche Konflikte mit dem Fernverkehr auf der Rheintalbahn erzeugen, die laut Zukunftsfahrplan Baden-Württemberg mittelfristig auf 8,5 Fahrten pro Stunde und Richtung ausgebaut werden soll.
Was gilt aktuell?
Derzeit läuft die Planung der Generalsanierung der Rheintalbahn (Strecke 4000) in den Planfeststellungsabschnitten 8.5 bis 8.9. Die Westbahn wird nach Kenntnis der Fragesteller in diesen Planungen bislang nicht ausreichend berücksichtigt. Die aktuelle Planung der Abzweigstelle Leutersberg sieht nur einen eingleisigen Anschluss vor, und Personenzüge müssten in beiden Fahrtrichtungen das Richtungsgleis Freiburg-Basel der Rheintalbahn befahren — was zu erheblichen Betriebskonflikten führen würde.
Sechs Fragen an die Bundesregierung
Die Abgeordneten Matthias Gastel, Chantal Kopf, Tarek Al-Wazir, Victoria Broßart und Swantje Henrike Michaelsen stellen der Bundesregierung sechs konkrete Fragen: Sie wollen wissen, ob die Deutsche Bahn bereits einen Planungsauftrag der Kommune zu Strecke 4312 erhalten hat. Außerdem fragen sie nach den geplanten Einreichungsterminen der Planfeststellungsunterlagen für die Abschnitte 8.5 bis 8.9 und dem erwarteten Zeitpunkt der Planfeststellungsbescheide. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf möglichen Synergieeffekten bei Kosten, Planungszeitraum und Bauumfang, wenn die Westbahn-Planung integriert wird. Schließlich fragen sie, welches Risiko für den zukünftigen S-Bahn-Betrieb entsteht, wenn beide Planungen weiterhin getrennt laufen.
Aus Sicht der Fragesteller drohen bei fehlender Integration dauerhafte Nachteile: Spätere Anpassungen wären mit erheblichen Mehrkosten verbunden oder ließen sich nur noch eingeschränkt realisieren. Langfristig würden so wichtige Potenziale für den öffentlichen Verkehr und den Ausbau der Breisgau-S-Bahn verloren gehen.
Eine Antwort der Bundesregierung ist bis zum 19. August 2026 zu erwarten. Der aktuelle Stand der Planungen für die Güterumfahrung Freiburg und verwandte Förderthemen im Bereich Schieneninfrastruktur finden sich auch in der Übersicht der wichtigsten Drucksachen vom 2. August 2026.
Weiterlesen:
- Bundestag 02.08.2026: Die wichtigsten Drucksachen
- Wohnungsbaugenossenschaften: 109 Mio. Euro KfW-Förderung seit 2022
- Vernichtungsverbot Textilien: Umsetzung in Deutschland ab Juli 2026
Direkt betroffen sind Bewohnerinnen und Bewohner des Freiburger Westens sowie künftige Anwohner des Neubaugebiets Dietenbach (geplant für 16.000 Menschen). Pendler zu den rund 15.000 Arbeitsplätzen im Industriegebiet Nord, Beschäftigte und Studierende an Universität und Universitätsklinikum sowie Messebesucher würden von einer neuen S-Bahn-Verbindung profitieren.
Die Kleine Anfrage wurde am 29. Juli 2026 eingereicht. Die Bundesregierung hat bis zum 19. August 2026 Zeit zu antworten. Nach Eingang der Antwort kann die Fraktion die Ergebnisse parlamentarisch auswerten und gegebenenfalls weitere Schritte einleiten.
- Planfeststellungsverfahren
- Behördliches Genehmigungsverfahren für große Infrastrukturprojekte wie Bahnstrecken, das Bau- und Betriebsrecht erteilt und Einwendungen Betroffener prüft.
- Höhenfreie Abzweigstelle
- Verknüpfungspunkt zwischen zwei Bahnstrecken ohne niveaugleiche Kreuzung, sodass Züge verschiedener Strecken sich nicht gegenseitig behindern.
- DB InfraGO
- Die DB InfraGO AG ist die Infrastruktursparte der Deutschen Bahn, die das Schienennetz plant, baut und betreibt.
Was ist die Westbahn Freiburg?
Die Westbahn Freiburg ist die bisherige innerstädtische Güterumgehungsbahn (Strecke 4312), die nach Fertigstellung der neuen Güterumfahrung für den Schienenpersonennahverkehr genutzt werden soll.
Warum ist die Koordination mit der Rheintalbahn so wichtig?
Ohne höhenfreie Abzweigstellen würde ein dichter S-Bahn-Betrieb auf der Westbahn erhebliche Konflikte mit dem Fernverkehr auf der Rheintalbahn erzeugen. Diese Infrastruktur muss frühzeitig mitgeplant werden.
Wann muss die Bundesregierung antworten?
Die gesetzliche Antwortfrist für Kleine Anfragen beträgt 21 Tage ab Einreichung. Die Anfrage wurde am 29. Juli 2026 eingereicht, die Frist läuft damit bis zum 19. August 2026.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7410 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































