- 487.000 offene Stellen trotz gedämpfter Wirtschaftslage
- 21-Punkte-Plan für digitale Fachkräfte-Schnellvisa
- Work-and-Stay-Agentur soll alle Verfahren bündeln
Fachkräftemangel: Grüne fordern 21-Punkte-Plan für Einwanderung
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6346 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Deutschland kämpft mit einem gravierenden Fachkräftemangel von rund 487.000 offenen Stellen laut Institut der Deutschen Wirtschaft. Der demografische Wandel verschärft die Situation strukturell, da mehr Menschen aus dem Erwerbsleben ausscheiden als nachrücken. Arbeitsmarktforscher gehen davon aus, dass Deutschland eine Nettozuwanderung von 400.000 Personen pro Jahr benötigt. Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag bereits eine Work-and-Stay-Agentur angekündigt, konkrete Fortschritte sind jedoch noch nicht sichtbar.
- 487.000 offene Stellen — aktuelle Fachkräftelücke laut Institut der Deutschen Wirtschaft, zum zweiten Mal in Folge gesunken
- 400.000 Personen jährlich — benötigte Nettozuwanderung zur Stabilisierung des Arbeitskräfteangebots
- 220.000 Personen mehr — Anstieg ausländischer Beschäftigung im Vergleich zum Vorjahr
- 16,1 Prozent — Anteil ausländischer Beschäftigter 2024, Verdopplung seit 2010
- 6-12 Monate — aktuelle Wartezeiten bei deutschen Botschaften für Terminvergaben
Im Detail
Deutschland langfristig eine Nettozuwanderung von rund 400.000 Personen pro Jahr benötigt, um das Arbeitskräfteangebot stabil zu halten.
— BT-Drs. 21/6346
Deutschland steht vor einer doppelten Herausforderung: Trotz konjunktureller Schwäche verschärft sich der Fachkräftemangel weiter. Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft vom Februar 2025 sind aktuell 487.000 Stellen unbesetzt. Die Grünen-Fraktion hat einen umfassenden 21-Punkte-Plan zur Reform der Arbeits- und Fachkräfteeinwanderung vorgelegt.
Was gilt aktuell?
Anerkennungsverfahren für ausländische Abschlüsse dauern oft 12 bis 18 Monate. Deutsche Botschaften haben Wartezeiten von sechs bis zwölf Monaten für Visa-Termine. Fachkräfte müssen durchschnittlich acht bis zwölf verschiedene Behörden kontaktieren, wobei dieselben Dokumente mehrfach einzureichen sind. Viele qualifizierte Bewerber nehmen daher Jobs in konkurrierenden Ländern wie Kanada oder den Niederlanden an.
Der demografische Wandel verschärft die Situation strukturell. Jedes Jahr scheiden mehr Menschen aus dem Erwerbsleben aus als nachrücken. Arbeitsmarktforscher rechnen damit, dass Deutschland eine Nettozuwanderung von 400.000 Personen jährlich benötigt, um das Arbeitskräfteangebot stabil zu halten.
Kernforderungen der Grünen
Zentral ist die Forderung nach vollständig digital beantragbaren Fachkräfte-Schnellvisa mit maximal sechs Wochen Bearbeitungszeit. Eine zentrale bundesweite Anlaufstelle soll das beschleunigte Fachkräfteverfahren auf weitere Berufsgruppen ausweiten.
Die bereits im Koalitionsvertrag angekündigte Work-and-Stay-Agentur soll alle Prozesse der Erwerbsmigration und Anerkennung von Berufs- und Studienabschlüssen bündeln. Bund und Länder haben vereinbart, einheitliche Anerkennungsverfahren innerhalb von acht Wochen einzuführen. Konkrete Ergebnisse sind jedoch noch nicht sichtbar.
Weitere zentrale Punkte umfassen englischsprachige Behördenwebsites und Sachbearbeitung. Hinzu kommen steuerliche Erleichterungen für Mitarbeiterwohnungen sowie ein staatlich gefördertes ‚Welcome-Mentoring‘-Programm für neu zugewanderte Fachkräfte.
Schutz vor Diskriminierung
Die Grünen fordern eine umfassende Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG). Studien zeigen, dass internationale Fachkräfte auf dem Wohnungsmarkt strukturelle Benachteiligungen erfahren. Eine AGG-Reform steht bereits auf der politischen Agenda.
Kleine Unternehmen im Fokus
Besonders kleine und mittlere Unternehmen sollen gezielt unterstützt werden. Sie verfügen oft nicht über die Ressourcen für eigenständige internationale Rekrutierung. Niedrigschwellige Beratungs- und Vermittlungsangebote können Abhilfe schaffen. Gemeinsame Rekrutierungsmissionen sind geplant.
Die Westbalkanregelung soll auf weitere EU-Beitrittskandidaten wie die Türkei und Georgien ausgeweitet werden. Dies soll legale Arbeitsmigration stärken und irreguläre Migration reduzieren.
Aktuelle Zahlen belegen Handlungsbedarf
Die Beschäftigung ausländischer Staatsangehöriger stieg im Vergleich zum Vorjahr um 220.000 Personen, während die Gesamtbeschäftigung um 98.000 gesunken ist. Ohne ausländische Arbeitskräfte wäre sie um 318.000 Personen gesunken. Der Anteil ausländischer Beschäftigter hat 2024 bei 16,1 Prozent gelegen – eine Verdopplung seit 2010.
Ein unabhängiges Monitoring-System soll die Umsetzung der Maßnahmen regelmäßig evaluieren. Dem Bundestag soll jährlich Bericht erstattet werden.
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Betroffen sind alle Branchen mit Fachkräftemangel, insbesondere in Ostdeutschland. Arbeitgeber, vor allem kleine und mittlere Unternehmen, könnten von vereinfachten Anwerbeverfahren profitieren. Zugewanderte Fachkräfte würden bessere Bedingungen für Integration und Familiennachzug erhalten.
Der Antrag wird zunächst den zuständigen Ausschüssen zur Beratung überwiesen. Nach der Ausschussberatung erfolgt die abschließende Abstimmung im Bundestag. Die Grünen-Fraktion drängt auf zeitnahe Umsetzung, da die Koalition bereits entsprechende Pläne im Koalitionsvertrag angekündigt hat.
- Work-and-Stay-Agentur
- Geplante zentrale digitale Behörde für alle Fragen der Erwerbsmigration und Anerkennung ausländischer Abschlüsse.
- Fachkräfte-Schnellvisum
- Vollständig digital beantragbares Visum mit maximal sechs Wochen Bearbeitungszeit für qualifizierte Arbeitskräfte.
- Westbalkanregelung
- Sonderregelung für erleichterte Arbeitsmigration aus Westbalkan-Staaten, soll auf weitere EU-Beitrittskandidaten ausgeweitet werden.
Was ist die Work-and-Stay-Agentur?
Eine geplante digitale Behörde, die alle Prozesse der Erwerbsmigration und Anerkennung von Abschlüssen bündeln und beschleunigen soll.
Wie sollen Visa beschleunigt werden?
Durch vollständig digital beantragbare Fachkräfte-Schnellvisa mit maximal sechs Wochen Bearbeitungszeit.
Warum braucht Deutschland mehr Fachkräfte?
Wegen des demografischen Wandels scheiden jährlich mehr Menschen aus dem Erwerbsleben aus als nachrücken.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6346 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































