- Zementindustrie muss bis 2045 klimaneutral werden
- CO₂-Abscheidung und Kreislaufwirtschaft als Schlüsseltechnologien
- 52 Fragen zu Investitionsförderung und Infrastruktur
Zementindustrie: Grüne erkundigen Dekarbonisierungs-Pläne
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6388 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Zementproduktion verursacht etwa zwei Drittel ihrer CO₂-Emissionen prozessbedingt durch die chemische Entsäuerung von Kalkstein. Das verbleibende Drittel ist energiebedingt. Aufgrund der schwachen Baukonjunktur steht die Branche unter wirtschaftlichem Druck, während gleichzeitig Investitionen in die Dekarbonisierung erforderlich sind.
Im Detail
Die Zementindustrie ist zentraler Bestandteil der industriellen Wertschöpfung in Deutschland und unverzichtbar für die Umsetzung zentraler Investitionsvorhaben – vom Wohnungsbau bis zur Modernisierung der öffentlichen Infrastruktur.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/6388
Die deutsche Zementindustrie steht vor einer umfassenden Transformation: Bis 2045 soll sie klimaneutral werden. Die Grünen-Fraktion fragt mit einer Kleinen Anfrage (BT-Drs. 21/6388) vom 11. Juni 2026 bei der Bundesregierung nach, wie dieser Umbau gelingen soll.
Warum wird dieses Thema gerade diskutiert? Die Zementproduktion verursacht hohe CO₂-Emissionen. Etwa zwei Drittel davon entstehen prozessbedingt durch die chemische Entsäuerung von Kalkstein. Gleichzeitig bleibt Zement unverzichtbar für den Wohnungsbau und die Infrastruktur-Modernisierung, während die schwache Baukonjunktur die Branche zusätzlich unter Druck setzt.
52 Fragen zur Dekarbonisierung
Die Anfrage umfasst 52 detaillierte Fragen zu CO₂-Abscheidungstechnologien (CCUS), dem Aufbau einer Transportinfrastruktur für abgeschiedenes CO₂ und Kreislaufwirtschaft im Bausektor. Konkrete Fördermaßnahmen stehen ebenfalls im Fokus. Die Fraktion erkundigt sich nach dem Stand von CCS-Projekten wie CO2LLECT, CAP2U und catch4climate.
CCS steht für Carbon Capture and Storage – die Abscheidung und dauerhafte Speicherung von CO₂, meist in unterirdischen Gesteinsschichten.
Was gilt aktuell?
Derzeit können Zementunternehmen ihre Emissionen nur durch konventionelle Maßnahmen senken. Energieeffizienz-Verbesserungen gehören dazu. Alternative Brenn- und Rohstoffe sowie klinkereffiziente Zemente sind weitere Optionen. Die Dekarbonisierung durch Elektrifizierung oder Wasserstoff ist nur begrenzt möglich, während für unvermeidbare prozessbedingte Emissionen noch keine flächendeckenden Lösungen existieren.
Infrastruktur als Knackpunkt
Ein zentraler Punkt der Anfrage betrifft die CO₂-Transportinfrastruktur. Ohne sie funktionieren CCS-Projekte nicht. Pipelines werden benötigt, ebenso Schiffs- und Bahntransporte für abgeschiedenes CO₂. Die Grünen fragen nach konkreten Zeitplänen und Anschlussplänen an internationale Projekte wie den Delta Rhine Corridor, wobei auch die Speicherkapazitäten in der deutschen Nordsee und onshore im Fokus stehen.
Kreislaufwirtschaft und Recycling
Neben der CO₂-Abscheidung erkundigt sich die Fraktion nach Kreislaufwirtschaft-Ansätzen. Recycling-Beton aus Bau- und Abbruchabfällen kann eine Option darstellen. Die Wiederverwendung ganzer Betonbauteile und Materialsubstitution durch Holzbau reduzieren den absoluten Bedarf an neuem Zement und verringern damit den Primärrohstoffabbau.
Förderung und Finanzierung
Die Anfrage thematisiert auch konkrete Förderinstrumente: CO₂-Differenzverträge (CCfD), europäische Finanzierungsinstrumente wie den Innovation Fund und die Rolle der öffentlichen Beschaffung beim Aufbau grüner Leitmärkte. Kleine und mittlere Zementunternehmen sollen beim Zugang zu CCS-Technologien unterstützt werden.
Die Bundesregierung hat bis zum 2. Juli 2026 Zeit, die 52 Fragen zu beantworten. Die Antworten werden zeigen, wie konkret die Pläne für die klimaneutrale Zementproduktion bereits sind.
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Betroffen sind Zementunternehmen, die Bauwirtschaft sowie Verbraucher durch mögliche Kostenauswirkungen beim Wohnungsbau und bei Infrastrukturprojekten.
Die Bundesregierung hat 21 Tage Zeit zur Beantwortung der Kleinen Anfrage. Nach der schriftlichen Antwort kann das Thema in den zuständigen Ausschüssen vertieft werden.
- CCUS
- Carbon Capture, Utilization and Storage bezeichnet Technologien zur Abscheidung, Nutzung und Speicherung von CO₂.
- Zementklinker
- Zwischenprodukt der Zementherstellung, dessen Produktion die meisten CO₂-Emissionen verursacht.
- CCfD
- Carbon Contracts for Difference sind CO₂-Differenzverträge zur Förderung klimafreundlicher Industrietechnologien.
Warum ist die Zementindustrie für den Klimaschutz wichtig?
Zwei Drittel der CO₂-Emissionen entstehen prozessbedingt durch die Entsäuerung von Kalkstein und sind nur begrenzt vermeidbar.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6388 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































