- Kreißsäle in Deutschland haben sich in 35 Jahren halbiert
- Rund 40 Prozent aller Krankenhäuser sind heute in privater Hand
- 19 Fragen zu Schließungen, Geburtshilfe und Schwangerschaftsabbrüchen in Bayern
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7211 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Anzahl der Krankenhäuser in Deutschland ist laut Statistischem Bundesamt in den vergangenen 35 Jahren um mehr als 20 Prozent gesunken. Gleichzeitig stieg der Anteil privater Träger: Rund 40 Prozent der Kliniken befinden sich inzwischen in privater Hand. Besonders spürbar ist dieser Rückgang im ländlichen Raum, wo Abteilungen geschlossen, Standorte zusammengelegt und medizinische Angebote abgebaut werden. Die Zahl der Kreißsäle hat sich in diesem Zeitraum halbiert. Die aktuell umgesetzte Krankenhausreform verfolgt nach Angaben der Bundesregierung das Ziel weiterer Spezialisierung, was aus Sicht der Fragesteller zu weiteren Schließungen führen wird.
- Über 20 % — um diesen Anteil hat sich die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland in den letzten 35 Jahren verringert (Destatis).
- Rund 40 % — der Krankenhäuser befinden sich heute in privater Trägerschaft.
- Weniger als ein Drittel — der Krankenhäuser boten 2023 noch eine Geburtshilfe an; 1991 war es fast die Hälfte.
- 35 Jahre — Beobachtungszeitraum, in dem sich die Zahl der Kreißsäle halbiert hat.
- 19 Fragen — stellt Die Linke zur stationären Versorgung, Geburtshilfe und Schwangerschaftsabbrüchen in Bayern.
Im Detail
Es werden künftig die Kliniken am Netz bleiben, die auch wirtschaftlich arbeiten können.
— Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, zitiert in BT-Drs. 21/7211
In Bayern schließen Krankenhäuser, Kreißsäle werden aufgegeben, und Frauen auf dem Land müssen für einen Schwangerschaftsabbruch immer weitere Strecken zurücklegen. Diese Entwicklung ist kein lokales Phänomen: Bundesweit hat sich die Zahl der Krankenhäuser in den vergangenen 35 Jahren um mehr als 20 Prozent verringert, wie das Statistische Bundesamt in seinen Grunddaten der Krankenhäuser 2024 dokumentiert. Gleichzeitig ist der Anteil privater Träger auf rund 40 Prozent gestiegen. Die Fraktion Die Linke hat mit der Drucksache 21/7211 vom 17. Juli 2026 eine Kleine Anfrage eingebracht, die 19 Fragen zur medizinischen Versorgungslage im ländlichen Raum Bayerns stellt.
Krankenhausschließungen in Bayern: Was die Anfrage konkret fragt
Im Zentrum steht die zahlenmäßige Entwicklung der Krankenhauslandschaft in Bayern. Die Fragesteller wollen wissen, wie viele Kliniken in den vergangenen zehn Jahren geschlossen, zusammengelegt oder in ihrer Versorgungsstufe herabgestuft wurden – aufgeschlüsselt nach Jahren, Landkreisen, kreisfreien Städten und Trägerschaft. Daneben erkundigt sich die Anfrage nach der Bettendichte je 100.000 Einwohner im Vergleich zum Bundesdurchschnitt sowie nach dem Anteil der Schließungen im ländlichen Raum. Konkret werden Landkreise wie Weilheim-Schongau, Roding und Tirschenreuth genannt, wo Krankenhäuser bereits geschlossen haben.
Geburtshilfe: Kreißsäle halbiert in 35 Jahren
Besonders gravierend ist die Entwicklung bei der Geburtshilfe. Während 1991 noch fast die Hälfte aller Krankenhäuser eine geburtshilfliche Abteilung führte, war es 2023 weniger als ein Drittel – die Zahl der Kreißsäle hat sich also in diesem Zeitraum faktisch halbiert. Die Anfrage fragt, wie viele geburtshilfliche Abteilungen in Bayern seit 2010 geschlossen wurden und wie viele Landkreise sowie kreisfreie Städte derzeit über gar keine Geburtshilfe mehr verfügen. Auch die Erreichbarkeit vom Wohnort aus und deren Entwicklung sind Gegenstand der Fragen. Für werdende Mütter in dünn besiedelten Regionen kann das im Ernstfall lebensrelevant sein.
Schwangerschaftsabbrüche: Versorgungsengpässe im Fokus
Ein weiterer Schwerpunkt der Anfrage betrifft den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen. Die Fragesteller wollen wissen, wie viele Kliniken in Bayern im Jahr 2025 Schwangerschaftsabbrüche angeboten haben und wie sich diese Zahl gegenüber 2015 und 2020 entwickelt hat. Gefragt wird auch nach durchschnittlichen Fahrzeiten und regionalen Unterschieden sowie nach bekannten Versorgungsengpässen in diesem Bereich.
Was gilt aktuell?
Die Krankenhausplanung liegt in Deutschland verfassungsrechtlich bei den Ländern; die Bundesregierung kann über gesetzliche Rahmenbedingungen und Förderprogramme – etwa den Krankenhausstrukturfonds – Einfluss nehmen. Die laufende Krankenhausreform unter Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) setzt auf Spezialisierung und Zentralisierung. Warken erklärte laut Drucksache:
„Es werden künftig die Kliniken am Netz bleiben, die auch wirtschaftlich arbeiten können.“
Die Anfrage hinterfragt, ob damit bedarfsnotwendige, aber wirtschaftlich schwache Kliniken bewusst in Kauf genommen werden sollen zu schließen.
Krankenhausstrukturfonds und Förderung in Bayern
Frage 19 der Anfrage verlangt eine detaillierte Aufschlüsselung der Mittel aus dem Krankenhausstrukturfonds, die zwischen 2016 und 2025 für bayerische Vorhaben bewilligt wurden – nach gefördertem Vorhaben, Fördertatbestand, Antragsteller, Zeitraum, Höhe und Ergebnis. Diese Daten könnten erstmals ein vollständiges Bild darüber liefern, welche Umstrukturierungen der Bund in Bayern mitfinanziert hat. Eine ähnliche Informationslücke thematisiert auch die Antwort der Bundesregierung zu Pflegekapazitäten, die zeigt, dass bundesweit belastbare Daten zur stationären Versorgung häufig fehlen – wie zuletzt in der Kleinen Anfrage zur Pflegepolitik (BT-Drs. 21/7125) deutlich wurde.
Bayern ist als flächenmäßig größtes Bundesland von Versorgungsdisparitäten zwischen Städten und ländlichen Landkreisen besonders betroffen. Längere Fahrzeiten zu Kliniken bedeuten im Notfall einen Zeitverlust, der medizinisch kritisch sein kann. Parallel zu dieser Anfrage verteidigt Gesundheitsministerin Warken ihren Reformkurs mit dem Argument, das Finanzierungssystem der gesetzlichen Krankenversicherung zu stabilisieren. Wie sich Wirtschaftlichkeit und flächendeckende Versorgung vereinbaren lassen, bleibt ein zentraler politischer Konflikt. Die Bundesregierung hat bis zum 7. August 2026 Zeit, auf die 19 Fragen zu antworten.
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Betroffen sind vor allem Menschen in ländlichen Regionen Bayerns, die bei Notfällen, Geburten oder Schwangerschaftsabbrüchen längere Fahrzeiten in Kauf nehmen müssen. Konkret genannt werden die Landkreise Weilheim-Schongau, Roding und Tirschenreuth als Orte, in denen Krankenhäuser bereits geschlossen wurden. Schwangere Frauen und Gebärende zählen zu den besonders vulnerablen Gruppen, da sich die geburtshilfliche Versorgung in Bayern zunehmend auf wenige Standorte konzentriert.
CDU: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat Klinikschließungen als Teil der Krankenhausreform verteidigt. Sie erklärte, künftig würden die Kliniken am Netz bleiben, die wirtschaftlich arbeiten könnten. Pressemitteilung lesen →
Die Kleine Anfrage wurde am 5. Juli 2026 eingereicht und am 17. Juli 2026 als Drucksache 21/7211 veröffentlicht. Die Bundesregierung hat ab Einreichung 21 Tage Zeit für eine schriftliche Antwort; die Antwortfrist läuft bis zum 7. August 2026. Nach Eingang der Antwort kann die Anfrage als beantwortet gelten.
- Krankenhausstrukturfonds
- Ein Bundesfonds, der Investitionen zur Umstrukturierung der Krankenhauslandschaft fördert, etwa Zusammenlegungen oder Umwidmungen von Klinikstandorten.
- Leistungsgruppen
- Im Rahmen der Krankenhausreform definierte Kategorien medizinischer Leistungen, die Krankenhäuser erbringen dürfen – Grundlage für die künftige Finanzierung und Standortplanung.
- Sicherstellungsauftrag
- Die gesetzliche Pflicht der Bundesländer, eine flächendeckende, bedarfsgerechte Krankenhausversorgung für die Bevölkerung sicherzustellen.
Wie viele Krankenhäuser wurden in Deutschland zuletzt geschlossen?
Laut Drucksache hat sich die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland in den vergangenen 35 Jahren um mehr als 20 Prozent verringert. Konkrete aktuelle Zahlen für Bayern sind Gegenstand der Anfrage.
Was hat die Krankenhausreform mit Schließungen zu tun?
Die laufende Krankenhausreform zielt laut Drucksache auf weitere Zentralisierung und Spezialisierung ab, was nach Einschätzung der Fragesteller weitere Schließungen bewirken wird.
Warum ist die Geburtshilfe besonders betroffen?
Die Zahl der Kreißsäle hat sich in den letzten 35 Jahren halbiert. Während 1991 noch fast die Hälfte aller Krankenhäuser eine Geburtshilfe anboten, waren es 2023 weniger als ein Drittel.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7211 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.






























































