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Home Themen Recht & Inneres

Amtsmissbrauch: AfD will neuen Straftatbestand ins StGB

durch Redaktion Bundestag
27. Juli 2026
in Recht & Inneres
6
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/7261

KI-generiertes Titelbild zur Bundestagsdrucksache 21/7261

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VerfahrensstandGesetzentwurf
Eingebracht
1
Gesetzesinitiative
Eingebracht von der Bundesregierung, dem Bundesrat oder aus der Mitte des Bundestages (mind. 1 Fraktion oder 5 % der Abgeordneten).
22.07.2026 · Drs. 21/7261
2
Erste Lesung
Vorstellung im Plenum; der Entwurf wird meist zur Beratung an zuständige Ausschüsse überwiesen.
⋮ 7 weitere Schritte anzeigen
3
Ausschussberatungen
Fachausschüsse prüfen den Entwurf, hören Sachverständige an und können Änderungen vorschlagen.
4
Zweite Lesung
Erneute Plenarberatung und Abstimmung über Änderungsanträge.
5
Dritte Lesung & Schlussabstimmung
Endgültige Abstimmung im Bundestag. Bei Annahme gilt das Gesetz als beschlossen.
6
Bundesrat
Zustimmungsgesetze erfordern Bundesratsmehrheit; bei Einspruchsgesetzen kann der Bundesrat Einspruch einlegen.
?
Vermittlungsausschuss (falls nötig)
Bei Uneinigkeit sucht ein gemeinsamer Ausschuss einen Kompromiss zwischen Bundestag und Bundesrat.
8
Ausfertigung
Unterzeichnung durch den Bundespräsidenten nach Gegenzeichnung durch die zuständigen Minister.
9
Verkündung im Bundesgesetzblatt
Offizielle Veröffentlichung — erst damit wird das Gesetz rechtlich verbindlich bekannt gemacht.
10
Inkrafttreten
Zum gesetzlich genannten Zeitpunkt; ohne Regelung am 14. Tag nach der Verkündung.
Vorgang VO337723 →

📄 Quelle: Deutscher Bundestag / DIP — BT-Drs. 21/7261 | Gesetzentwurf | Original-PDF | dip.bundestag.de

⏱ 6 Min. Lesezeit

⚡ Auf einen Blick
  • Neuer § 354 StGB soll Amtsmissbrauch mit bis zu 5 Jahren bestrafen
  • Derzeit fehlt ein Straftatbestand für Nachteile durch Amtsträger ohne Bestechung
  • Gesetzentwurf orientiert sich am Schweizer Recht (Art. 312 StGB Schweiz)

Hintergrund

Das deutsche Strafrecht kennt mit den §§ 331 ff. StGB eine Reihe von Amtsdelikten, die sich auf Bestechung und Vorteilsannahme konzentrieren. Einen eigenständigen Tatbestand für den gezielten Missbrauch eines Amtes zum Nachteil Dritter ohne persönliche Bereicherung gibt es bislang nicht. Die Fraktion benennt in der Begründung konkrete Vorgänge der Jahre 2021 bis 2025 aus ihrer Sicht als Anlass: darunter die Einstufung der AfD durch das Bundesamt für Verfassungsschutz im Mai 2025, den Ausschluss eines AfD-Landtagsabgeordneten von einer Oberbürgermeisterwahl sowie staatlich geförderte Meldestellen für legale Meinungsäußerungen. Diese Vorgänge werden von der Fraktion als Belege für einen politisch motivierten Amtsmissbrauch gewertet; ob sie dies rechtlich sind, ist strittig und Gegenstand politischer Auseinandersetzung.

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Infografik BT-Drs. 21/7261
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Im Detail

„Ein Amtsträger, ein Europäischer Amtsträger oder ein für den öffentlichen Dienst besonders Verpflichteter, der sein Amt unter erheblicher Verletzung seiner Amtspflichten missbraucht, um einem anderen einen Nachteil zuzufügen, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.“

— Gesetzentwurf BT-Drs. 21/7261, Artikel 1 (vorgeschlagener § 354 StGB)

Das deutsche Strafrecht stellt Bestechlichkeit und Vorteilsannahme unter Strafe — also Fälle, in denen Amtsträger für ihr Verhalten einen persönlichen Nutzen ziehen. Was fehlt, laut dem Gesetzentwurf der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/7261 vom 22. Juli 2026): ein Tatbestand für den gezielten Amtsmissbrauch, bei dem kein Eigennutz vorliegt, aber ein Dritter bewusst geschädigt wird.

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Was der Gesetzentwurf vorsieht

Die Fraktion schlägt vor, den bislang im Strafgesetzbuch als „weggefallen“ geführten § 354 StGB mit neuem Inhalt zu belegen. Der vorgeschlagene Tatbestand lautet: Amtsträger, Europäische Amtsträger oder für den öffentlichen Dienst besonders Verpflichtete, die ihr Amt unter erheblicher Verletzung ihrer Amtspflichten missbrauchen, um einem anderen einen Nachteil zuzufügen, sollen mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft werden. In minder schweren Fällen sieht der Entwurf Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor.

Als Vorbild nennt der Entwurf ausdrücklich das Schweizer Recht: Artikel 312 des Schweizer Strafgesetzbuches stellt vergleichbares Verhalten bereits seit Langem unter Strafe. In Deutschland gibt es einen solchen eigenständigen Amtsmissbrauch-Tatbestand bisher nicht.

Was gilt aktuell?

Nach geltendem deutschem Recht greift das Strafrecht bei Amtsträgern vor allem dann, wenn diese sich für ihr Handeln persönlich bereichern — etwa durch Bestechlichkeit (§ 332 StGB) oder Vorteilsannahme (§ 331 StGB). Verletzt ein Amtsträger seine Dienstpflichten, ohne einen Vorteil zu fordern oder anzunehmen, steht dem Betroffenen in der Regel der Verwaltungsrechtsweg offen — ein strafrechtliches Risiko für den Amtsträger selbst entsteht dabei grundsätzlich nicht. Diese Lücke soll der neue § 354 StGB schließen.

Amtsmissbrauch: Die Begründung der Fraktion

Aus Sicht der AfD-Fraktion zeigt eine Reihe konkreter Vorgänge der letzten Jahre, dass diese Lücke praktische Relevanz hat. Sie benennt in der Begründung des Entwurfs drei Beispiele: erstens die Einstufung der AfD durch das Bundesamt für Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ im Mai 2025, die die Fraktion als politisch motiviert bewertet; zweitens den Ausschluss des AfD-Landtagsabgeordneten Joachim Paul von der Oberbürgermeisterwahl in Ludwigshafen im Sommer 2025; drittens die staatliche Förderung von Organisationen, die nach Einschätzung der Fraktion legale Meinungsäußerungen aus dem öffentlichen Diskurs entfernen wollen. Ob diese Vorgänge tatsächlich einen strafwürdigen Amtsmissbrauch darstellen, ist Gegenstand politischer und rechtlicher Auseinandersetzung und wird von den betreffenden Behörden und anderen Parteien anders bewertet.

Das zentrale Argument des Entwurfs lautet: Selbst wenn sich eine behördliche Maßnahme nach Jahren gerichtlich als rechtswidrig herausstellt, trägt der verantwortliche Amtsträger abgesehen von einem möglichen Reputationsverlust kein persönliches rechtliches Risiko. Der Schaden für den Betroffenen hingegen tritt sofort ein und ist oft nicht wiedergutzumachen. Eine Strafdrohung soll daher präventiv wirken und Amtsträger zur Zurückhaltung disziplinieren.

Kein Erfüllungsaufwand, kein Haushaltsbedarf

Der Entwurf verursacht laut Gesetzentwurf weder für Bürger noch für Wirtschaft oder Verwaltung einen Erfüllungsaufwand. Haushaltsausgaben entstehen nicht. Eine Befristung oder Evaluierung ist nicht vorgesehen. Das Gesetz soll am Tag nach der Verkündung in Kraft treten.

Die Abgrenzung von einer bloßen Dienstpflichtverletzung — die nach wie vor kein strafwürdiges Verhalten darstellt — gegenüber dem strafbaren Amtsmissbrauch ist dabei ein zentrales rechtliches Problem, das die parlamentarischen Beratungen beschäftigen dürfte. Der Deutsche Richterbund hatte in seiner Stellungnahme Nr. 33/2023 zur EU-Antikorruptionsrichtlinie die Einführung eines solchen Tatbestands als nicht zwingend erforderlich bezeichnet und den Anwendungsbereich neben den bestehenden Korruptionstatbeständen als „kaum existent“ eingestuft. Der Entwurf weist diese Kritik zurück: Er zielt auf Fälle ab, in denen gerade keine Bereicherung vorliegt, sondern der Schaden für Dritte das eigentliche Ziel des Handelns ist.

Ähnliche Fragen zur Reichweite staatlicher Befugnisse und strafrechtlicher Kontrolle diskutiert der Bundestag auch in anderen Zusammenhängen. So beschäftigt sich die Drucksache zum Paralleljustiz-Verbot ebenfalls mit einer Erweiterung des Strafgesetzbuchs durch die AfD-Fraktion.

Weiterlesen:

  • Disziplinarverfahren in Bundesbehörden: 2.650 Fälle bei der Bundespolizei
  • Bundesförderung für Gewerkschaften: Regierung verweigert Auskunft
👥 Wen betrifft das?

Von dem vorgeschlagenen Tatbestand wären potenziell alle Amtsträger, Europäischen Amtsträger und für den öffentlichen Dienst besonders Verpflichteten betroffen. Als geschützte Personengruppe benennt der Entwurf Bürger, Unternehmen und andere Dritte, die durch amtliche Handlungen gezielt benachteiligt werden.

📅 Parlamentarischer Fahrplan

Der Gesetzentwurf wurde am 22. Juli 2026 als Drucksache 21/7261 beim Deutschen Bundestag eingebracht. Als nächste Schritte stehen die Überweisung an den zuständigen Ausschuss — voraussichtlich den Rechtsausschuss — sowie die parlamentarischen Beratungen und abschließende Abstimmung im Plenum an.

⚖️ Erwähnte Gesetze
  • Strafgesetzbuch (StGB)
📖 Begriffe erklärt
Amtsträger
Personen, die ein öffentliches Amt bekleiden, also Beamte, Richter, Soldaten oder für den öffentlichen Dienst besonders Verpflichtete. Der Begriff ist in § 11 Abs. 1 Nr. 2 StGB definiert.
Amtsdelikte
Straftaten, die nur von Amtsträgern begangen werden können, weil sie eine amtliche Stellung voraussetzen — z. B. Bestechlichkeit (§ 332 StGB) oder Körperverletzung im Amt (§ 340 StGB).
§ 354 StGB
Die Paragrafennummer war bislang im Strafgesetzbuch als 'weggefallen' gekennzeichnet. Der Gesetzentwurf sieht vor, sie für den neuen Tatbestand des Amtsmissbrauchs zu nutzen.
❓ Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zu bestehenden Amtsdelikten?

Das geltende Strafrecht erfasst Bestechlichkeit und Vorteilsannahme, also Fälle, in denen ein Amtsträger für sein Verhalten einen Vorteil erhält. Ein Tatbestand, der das gezielte Schaden ohne Eigennutz unter Strafe stellt, existiert laut dem Entwurf bisher nicht.

Welche Strafe sieht der neue Tatbestand vor?

Im Regelfall sind Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren vorgesehen. In minder schweren Fällen drohen Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

Welches Vorbild hat der Entwurf?

Der Entwurf orientiert sich an Artikel 312 des Schweizer Strafgesetzbuches, der eine vergleichbare Regelung bereits kennt.

Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7261 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

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Tags: AfDAmtsdelikteAmtsmissbrauchBeamteDrucksache 21/7261GesetzentwurfRechtsstaatlichkeitStGBStrafrechtVO337723

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Bundestag 20.10.2026: Die wichtigsten Drucksachen

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Aus den Ausschüssen – KW23/2026

Aus den Ausschüssen – KW23/2026

12
Plenarsaal des Deutschen Bundestages

Heute im Bundestag – 24.09.2026

12
Aus den Ausschüssen – KW41/2026

Aus den Ausschüssen – KW41/2026

12
Bundesförderung im Bundestag: Kontrolle, Transparenz und Millionenbeträge

Bundesförderung im Bundestag: Kontrolle, Transparenz und Millionenbeträge

11
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8573

Iran-Diplomatie 2026: Rahmenabkommen abgelaufen

26. Oktober 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8592

IFG-Reform: 35.173 Anfragen, kaum Kostendaten

26. Oktober 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8574

Gasversorgung Winter 2026/2027: 149 TWh in Speichern

26. Oktober 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8593

Schienengüterverkehr: Prognosen verfehlt auf Neubaustrecken

26. Oktober 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8571

BKA-Datenankauf: Bundesregierung verweigert Auskunft

26. Oktober 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8567

Biomasse: Keine Strategie, 2,02 Mio. Hektar Anbaufläche

26. Oktober 2026

Meistgelesen

Wirtschaft & Finanzen

Invest in Germany Summit: 5 Mio. Euro, 550 Einladungen

10. Oktober 2026
Rente & Alterssicherung

Altersteilzeit-Blockmodell: Reform und Fakten 2026

26. August 2026
Verkehr & Infrastruktur

Generalsanierung Rosenheim–Salzburg: 73 Fragen zur Bahnsperrung 2027

20. Juli 2026
Wirtschaft & Finanzen

ELStAM-Verfahren: Datenlücken bei PKV-Kinderbeiträgen

19. Oktober 2026

Neueingänge

  • Iran-Diplomatie 2026: Rahmenabkommen abgelaufen
  • IFG-Reform: 35.173 Anfragen, kaum Kostendaten
  • Gasversorgung Winter 2026/2027: 149 TWh in Speichern
  • Schienengüterverkehr: Prognosen verfehlt auf Neubaustrecken
  • BKA-Datenankauf: Bundesregierung verweigert Auskunft
  • Biomasse: Keine Strategie, 2,02 Mio. Hektar Anbaufläche
  • Dobrindt-Pläne: Regierung schützt Aktionäre statt Mieter*innen
  • Deutsche Darlehen nur für deutsche Interessen
  • ME/CFS: 118 Mio. Euro Förderung, nur vier Off-Label-Mittel
  • Bundestag 25.10.2026: Die wichtigsten Drucksachen
  • Flächenkonkurrenz: Landwirtschaft vs. Infrastruktur- und Naturschutzrecht

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