- 10 Mrd. Euro Investitionsvolumen für Hyphen-Wasserstoffprojekt in Namibia geplant
- Keine Menschenrechtsprüfung vor Unterstützungsschreiben vom März 2024
- 1,7 Mio. Euro für Verträglichkeitsstudien zugesagt, aber noch nicht ausgezahlt
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7199 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Im November 2021 wählte die namibische Regierung Hyphen Hydrogen Energy als bevorzugten Bieter für ein großskaliges Grüner-Wasserstoff-Projekt im Tsau-IlKhaeb-Nationalpark nahe Lüderitz aus. Im März 2024 übergab das damalige Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz dem Unternehmen ENERTRAG SE, das laut eigenen Angaben Hauptanteilseigner von Hyphen ist, ein qualifiziertes Unterstützungsschreiben. Das Projektgebiet liegt auf dem angestammten Gebiet der indigenen Nama und in unmittelbarer Nähe von Shark Island, dem Standort eines deutschen Konzentrationslagers aus der Kolonialzeit (1905–1907). Eine frühere Kleine Anfrage (BT-Drs. 20/13918) hatte bereits Fragen zur Rolle deutscher Einrichtungen aufgeworfen.
- ~10 Mrd. Euro — Geplantes Gesamtinvestitionsvolumen des Hyphen-Projekts laut Bundesregierung
- 1,7 Mio. Euro — Über die SADC-Fazilität (PPDF) für Umwelt- und Sozialverträglichkeitsstudien zugesagt; bisher nicht ausgezahlt
- 30 Mio. Euro — Investitionsgarantie mit dieser Kapitaldeckung für ein Wasserstoffprojekt in Namibia seit 2021 übernommen
- 299.410 Euro — Öffentlicher Beitrag für den Aufbau lokaler Dienstleister gemeinsam mit ENERTRAG im Rahmen einer integrierten Entwicklungspartnerschaft
- 30 % lokale Wertschöpfung — Zielvorgabe des Hyphen-Projekts, laut Bundesregierung Grundlage für die Erwartung substantieller Beschäftigungseffekte
Im Detail
In Vorbereitung auf die Übergabe des unverbindlichen Unterstützungsschreibens wurde gemäß dem üblichen Vorgehen keine vertiefte projektbezogene Prüfung zu Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsaspekten durchgeführt.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7199, Antwort zu Fragen 20–22
Ein geplantes Grüner-Wasserstoff-Projekt mit einem Investitionsvolumen von rund 10 Mrd. Euro im südlichen Namibia steht im Mittelpunkt einer parlamentarischen Auseinandersetzung über Menschenrechte, Kolonialverantwortung und die Grenzen staatlicher Exportförderung. Die Bundesregierung hat am 16. Juli 2026 auf 68 Fragen der Fraktion Die Linke geantwortet (BT-Drs. 21/7199) — und dabei ein zentrales Eingeständnis gemacht: Vor der Übergabe des qualifizierten Unterstützungsschreibens im März 2024 fand keine vertiefte Prüfung zu Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsaspekten statt.
Das Hyphen-Wasserstoffprojekt: Was geplant ist
Hyphen Hydrogen Energy soll im Tsau-IlKhaeb-Nationalpark nahe Lüderitz jährlich bis zu 350.000 Tonnen grünen Wasserstoff produzieren, der in rund 2 Millionen Tonnen Ammoniak umgewandelt und nach Europa exportiert werden soll. Im Mai 2023 unterzeichneten Namibia und Hyphen das maßgebliche Umsetzungsabkommen. Das in Deutschland ansässige Unternehmen ENERTRAG SE ist nach eigenen Angaben Hauptanteilseigner von Hyphen. Im März 2024 übergab das damalige Bundeswirtschaftsministerium ENERTRAG ein qualifiziertes Unterstützungsschreiben — ein Signal, dass das Projekt als strategisches Auslandsprojekt grundsätzlich in Betracht kommt.
Indigene Nama: Rechte ungeklärt
Das Projektgebiet liegt auf angestammtem Gebiet der !Aman-Nama, einer indigenen Bevölkerungsgruppe, die Rechte auf Selbstbestimmung, kulturelle Teilhabe und freie, vorherige sowie informierte Zustimmung (FPIC-Prinzip) geltend macht. Die Bundesregierung erklärt dazu, dass eine rechtskonforme Umsetzung Aufgabe der beteiligten Unternehmen sei und ihr keine Rechtsverstöße bekannt seien. Hyphen habe gegenüber der Bundesregierung zugesichert, die IFC Performance Standards anzuwenden, zu denen auch das FPIC-Prinzip zähle. Eine eigenständige Überprüfung dieser Zusicherung hat die Bundesregierung jedoch nicht vorgenommen. Auf die Frage, ob die Nama-Vertretungen konsultiert wurden, verweist die Antwort lediglich auf einen allgemeinen regelmäßigen Austausch auf allen Ebenen — ohne konkrete Angaben zu Terminen oder Gesprächsinhalten.
Kolonialgeschichte als politischer Kontext
Die Debatte um das Hyphen-Projekt ist von der deutschen Kolonialgeschichte in Namibia nicht zu trennen. Das Projektgebiet liegt in unmittelbarer Nähe von Shark Island (Lüderitz), wo von 1905 bis 1907 ein deutsches Konzentrationslager bestand, in dem Tausende Nama und Ovaherero unter unmenschlichen Bedingungen starben. Die Bundesregierung bestätigt diese historischen Fakten und bekennt sich zu ihrer politischen, moralischen und historischen Verantwortung. Sie verweist auf die 2021 mit Namibia paraphierte Gemeinsame Erklärung, die die andauernde wirtschaftliche, soziale und psychologische Entbehrung der betroffenen Gemeinschaften ausdrücklich anerkennt. In Deutschland und Namibia hat es zuletzt im April 2026 Proteste gegen das Hyphen-Projekt gegeben.
Staatliche Fördermittel im Überblick
Laut BT-Drs. 21/7199 wurden für das Hyphen-Projekt keine Exportkreditgarantien vergeben. Für ein nicht namentlich genanntes Wasserstoffprojekt in Namibia wurde seit 2021 eine Investitionsgarantie mit 30 Mio. Euro Kapitaldeckung übernommen. Über die SADC-Projektvorbereitungsfazilität wurden dem Projekt Hyphen Hydrogen im Jahr 2024 1,7 Mio. Euro für Umwelt- und Sozialverträglichkeitsstudien zugesagt — ausgezahlt wurde bisher nichts. Darüber hinaus flossen 299.410 Euro in den Aufbau lokaler Dienstleister gemeinsam mit ENERTRAG. Ein Förderantrag für eine Machbarkeitsstudie im Umfang von 30 Mio. Euro wurde aus inhaltlichen Gründen abgelehnt.
Offene Fragen zur Projektunterstützung
Auf die Frage, ob die Bundesregierung erwogen habe, ihre Unterstützung auszusetzen, teilt die Antwort mit: „Laufende Erwägungen der Bundesregierung haben noch zu keiner Entscheidung geführt.“ Eine politische Einordnung der Beteiligung eines chinesischen Unternehmens, an das Hyphen ein Front-End-Engineering-Paket vergeben hat, lehnt die Bundesregierung ab — es liege keine Bewertung vor. Die Fragen zu den Entwicklungsindikatoren Namibias seit 1990 (Armut, Energie, Gesundheit, Umwelt) beantwortet die Bundesregierung nicht mit eigenen Daten, sondern verweist pauschal auf öffentlich zugängliche Statistiken der Weltbank und der namibischen Statistikbehörde. Für Bürgerinnen und Bürger, die mehr über Menschenrechtsstandards bei deutschen Auslandsprojekten oder die Strafjustizpraxis in Deutschland erfahren möchten, bietet drucksachlich.de weitere Einordnungen — etwa zu Datenlücken in der Strafjustiz oder zu Korruptionsprävention auf Bundesebene.
Weiterlesen:
- Ernährungssicherheit: Bundesregierung sieht kein akutes Risiko
- Strafjustiz: Datenlücken bei Verfahrensdauer und Untersuchungshaft
- Korruptionsprävention: AfD plant Bundesintegritätsbehörde
Unmittelbar betroffen sind die indigenen Nama in Namibia, die Rechte auf ihr angestammtes Land und kulturelle Selbstbestimmung geltend machen. Mittelbar betroffen sind Steuerzahler in Deutschland, da staatliche Förderinstrumente wie Investitionsgarantien und Entwicklungsmittel eingesetzt werden. Das deutsche Unternehmen ENERTRAG SE ist als Hauptanteilseigner von Hyphen Hydrogen Energy direkt in das Projekt eingebunden.
Die Bundesregierung verweist bei einem Großteil der 68 Fragen pauschal auf frühere Drucksachen (21/6145, 20/14426) oder auf Sammelantworten innerhalb der Drucksache, ohne die konkret erbetenen Auflistungen zu liefern. Fragen zu einzelnen Kontakten, Kosten von Sonderbeauftragten und Detailangaben zu Garantieverhältnissen bleiben mit Verweis auf Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse oder fehlende Zeit unbeantwortet.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Hyphen-Wasserstoffprojekt Namibia: Indigene Rechte und Kolonialverantwortung →
- FPIC-Prinzip
- Free, Prior and Informed Consent — das Recht indigener Gemeinschaften auf freie, vorherige und informierte Zustimmung bei Projekten, die ihr Land oder ihre Lebensweise betreffen. Es ist in IFC Performance Standard 7 verankert.
- Letter of Interest (qualifiziert)
- Ein unverbindliches Unterstützungsschreiben der Bundesregierung, das signalisiert, dass ein Projekt grundsätzlich als strategisches Auslandsprojekt geeignet erscheint. Es begründet noch keine finanzielle Förderung.
- IFC Performance Standards
- Acht Standards der International Finance Corporation (Weltbankgruppe) zu Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsrisiken, die als Maßstab für deutsche Außenwirtschaftsförderinstrumente wie Exportkredit- und Investitionsgarantien gelten.
Was ist das Hyphen-Wasserstoffprojekt in Namibia?
Hyphen Hydrogen Energy plant im Tsau-IlKhaeb-Nationalpark nahe Lüderitz die Produktion von jährlich bis zu 350.000 Tonnen grünem Wasserstoff, umgewandelt in rund 2 Mio. Tonnen Ammoniak für den Export nach Europa. Das geplante Investitionsvolumen beträgt laut Bundesregierung rund 10 Mrd. Euro.
Hat Deutschland das Projekt offiziell finanziell gefördert?
Exportkreditgarantien wurden nicht vergeben. Für ein Wasserstoffprojekt in Namibia wurde eine Investitionsgarantie mit 30 Mio. Euro Kapitaldeckung übernommen. Über die SADC-Fazilität wurden 1,7 Mio. Euro für Verträglichkeitsstudien zugesagt, aber noch nicht ausgezahlt. Zudem wurden 299.410 Euro für den Aufbau lokaler Dienstleister gefördert.
Wurden die Rechte der indigenen Nama geprüft?
Laut Bundesregierung fand vor der Übergabe des 'Letter of Interest' im März 2024 keine vertiefte Prüfung zu Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsaspekten statt. Hyphen hat gegenüber der Bundesregierung zugesichert, das FPIC-Prinzip (freie, vorherige und informierte Zustimmung) zu beachten.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7199 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































