- 133.900 Grundsicherungsfälle im Alter in Niedersachsen (Ende 2025)
- Bundesweit fast 1,28 Millionen Grundsicherungsempfänger — Anstieg seit 2016
- Frauen über 65 haben laut Paritätischem Bericht 21,3 % Armutsquote
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7359 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Altersarmut ist in Deutschland ein wachsendes Problem. Laut dem Paritätischen Armutsbericht 2026 lag die Zahl der Armutsbetroffenen im Jahr 2025 bei über 13,3 Millionen Menschen. Personen über 65 Jahre sind dabei überdurchschnittlich häufig betroffen. Die Fraktion Die Linke hatte mit der Kleinen Anfrage (BT-Drs. 21/7102) ein umfassendes statistisches Bild zur Situation in Niedersachsen und Deutschland angefordert. Die Antwort der Bundesregierung basiert auf Daten der Deutschen Rentenversicherung, der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Bundesamtes und enthält Zeitreihen ab 2015.
- 133.900 — Grundsicherungsempfänger im Alter und bei Erwerbsminderung in Niedersachsen Ende 2025 (Anstieg von 107.814 im Jahr 2016).
- 1.282 Euro/Monat — Durchschnittlicher Gesamtrentenzahlbetrag in Niedersachsen am 1.7.2025 (Einzelrentner Männer: 1.429 Euro, Frauen: 950 Euro).
- 3,2 % — Anteil der Grundsicherungsempfänger ab Regelaltersgrenze an der Bevölkerung in Niedersachsen Ende 2024 (2016 waren es noch 3,1 %).
- 94,6 % — Anteil der Erwerbsminderungsrenten mit Abschlägen im Rentenzugang 2025 in Niedersachsen; durchschnittliche Abschlagshöhe: 127 Euro/Monat.
- 34.454.705 — Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung bundesweit am 31.12.2024 bei 19.837.506 Rentnern (Verhältnis 1,74).
Im Detail
Der beste Schutz gegen Altersarmut sind eine gute Ausbildung, durchgehende Erwerbsbiografien mit anständigen Löhnen und die Absicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung flankiert durch betriebliche Altersversorgung und private Zusatzvorsorge.
— Bundesregierung, Antwort zu Frage 19, BT-Drs. 21/7359
Altersarmut in Niedersachsen und Deutschland nimmt weiter zu: Ende 2025 bezogen bundesweit knapp 1,28 Millionen Menschen Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung — ein Anstieg von rund 25 Prozent gegenüber 2016, als es noch etwa 1,03 Millionen waren. In Niedersachsen stieg die Zahl der Grundsicherungsempfänger im gleichen Zeitraum von 107.814 auf 133.900. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 21/7359, veröffentlicht am 27. Juli 2026) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor.
Altersarmut in Niedersachsen: Zahlen und Trends
In Niedersachsen kamen Ende 2025 auf einen Pflichtversicherten 0,58 Rentner — das Verhältnis von Pflichtversicherten zu Rentnern liegt bei 1,72 und damit geringfügig unter dem Bundesdurchschnitt von 1,74. Die durchschnittliche Altersrente im Rentenbestand 2025 lag für Männer in Niedersachsen bei 1.505 Euro, für Frauen jedoch nur bei 925 Euro pro Monat. Dieser erhebliche Abstand von rund 580 Euro spiegelt die Folgen unterbrochener Erwerbsbiografien und Teilzeitarbeit wider, die vor allem Frauen betreffen, die Sorgearbeit übernahmen.
Besonders aussagekräftig ist der Blick auf langjährig Versicherte: In Niedersachsen erhalten von den Männern mit mindestens 45 Versicherungsjahren knapp 21 Prozent (78.603 von 374.205) eine Altersrente unter 1.446 Euro — also unterhalb einer häufig als Schwellenwert diskutierten Grenze. Bei Frauen mit mindestens 45 Versicherungsjahren liegt dieser Anteil sogar bei 55 Prozent (83.092 von 150.376). Das zeigt: Auch lange Erwerbsbiografien schützen Frauen häufig nicht vor niedrigen Renten, da beitragsfreie Zeiten und Teilzeitarbeit in die Berechnung einfließen.
Was gilt aktuell?
Wer im Alter die eigene Rente nicht zum Lebensunterhalt ausreicht, hat Anspruch auf Grundsicherung im Alter nach dem 4. Kapitel SGB XII. Diese ergänzt die Rente auf das soziokulturelle Existenzminimum. Laut Bundesregierung sind Ältere, die durch ihre Alterseinkommen den Lebensunterhalt nicht bestreiten können, durch dieses System geschützt. Bundeslandspezifische Maßnahmen zur aktiven Bekämpfung der Altersarmut sind nach Angaben der Regierung nicht vorgesehen.
Auffällig ist die Entwicklung beim Wohngeldbezug: Die Zahl der wohngeldberechtigten Rentner und Pensionäre in Niedersachsen stieg von rund 17.300 im Jahr 2015 auf fast 69.000 im Jahr 2024 — getrieben vor allem durch die Wohngeldreform 2023. Der Anteil der Wohngeldempfänger unter den über 65-Jährigen in Niedersachsen lag 2024 bei 3,71 Prozent.
Erwerbsminderungsrenten mit Abschlägen
Ein weiteres Problem zeigt die Statistik zu Erwerbsminderungsrenten: In Niedersachsen trugen 2025 rund 94,6 Prozent aller neu zugehenden Erwerbsminderungsrenten Abschläge — mit einem Durchschnittsbetrag von 127 Euro pro Monat brutto. Bundesweit liegt der Anteil bei 95,2 Prozent. Diese Abschläge entstehen, weil Betroffene vor der regulären Regelaltersgrenze in Rente gehen müssen. Trotz langjähriger politischer Diskussion hat sich dieser Anteil seit 2016 kaum verändert, wenngleich die absolute Höhe der Abschläge gestiegen ist.
Für die politische Debatte relevant sind auch die Fragen zur Alterssicherungskommission: Die Fragesteller erkundigten sich nach den Auswirkungen einer möglichen Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung — ein Vorschlag, der laut Linken besonders in Niedersachsen problematisch wäre, da die fernere Lebenserwartung 65-jähriger Männer und Frauen dort in den vergangenen zehn Jahren gesunken ist. Die Bundesregierung antwortete, eine pauschale Abschätzung sei nicht möglich, da die konkrete Ausgestaltung noch offen sei. Vertiefende Einordnungen zur Rentenpolitik und Beschäftigung finden sich auch im Beitrag zu KI und Arbeitsmarkteinstieg sowie zur KfW-Klimastrategie.
Altersarmut und geringfügige Beschäftigung im Alter
Rund 175.065 Niedersachsen im Alter ab 60 Jahren gehen ausschließlich einer geringfügigen Beschäftigung nach (Stand 30. Juni 2025). Das entspricht 7,0 Prozent der über 60-Jährigen im Bundesland — etwas über dem Bundesdurchschnitt von 6,5 Prozent. Der Anteil ist bei Personen unterhalb der Regelaltersgrenze mit 8,2 Prozent höher als bei jenen oberhalb davon (6,5 Prozent), was darauf hindeutet, dass viele ältere Beschäftigte Minijobs als Ergänzung zur Rente nutzen. Politische Hintergründe zur Infrastruktur und Versorgung in der Breite des Landes beleuchtet auch der Beitrag zum Schienengüterverkehr.
Die Drucksache 21/7359 ist eine der umfangreichsten Antworten der Bundesregierung zur Altersarmut in dieser Wahlperiode. Die dazugehörigen Tabellen umfassen Zeitreihen von 2015 bis 2025 und sind auf der Webseite des Deutschen Bundestages abrufbar. Weitere Hintergründe zu staatlichen Förderprogrammen und ihrer Wirkungskontrolle finden sich im Beitrag zur Entwicklungszusammenarbeit.
Weiterlesen:
- Kinder-Psychotherapie: 34 Fragen zur Versorgungslage 2026
- KI und Arbeitsmarkteinstieg: 9 Fragen an die Bundesregierung
- Entwicklungszusammenarbeit: GIZ und KfW unter Kostenkontrolle
Betroffen sind vor allem ältere Menschen in Niedersachsen und bundesweit, die ausschließlich auf die gesetzliche Rente angewiesen sind. Besonders Frauen sind überproportional von Altersarmut betroffen, da unterbrochene Erwerbsbiografien und Teilzeitarbeit infolge von Sorgearbeit zu niedrigeren Rentenansprüchen führen. Auch Erwerbsminderungsrentner stellen eine besonders vulnerable Gruppe dar: Rund 95 Prozent ihrer Renten sind mit Abschlägen belastet.
Die Bundesregierung hat die statistischen Fragen weitgehend vollständig beantwortet und umfangreiche Tabellen vorgelegt. Bei Fragen zu länderspezifischen Maßnahmen (Frage 19) und zu Auswirkungen der Rentenkommissionsempfehlungen (Frage 20) verweist sie auf fehlende Datenlage oder grundsätzliche Ablehnung bundeslandspezifischer Maßnahmen. Länderdaten zur Kumulation von Alterssicherungsleistungen (Fragen 7 und 15) liegen laut Regierung nicht vor.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Altersarmut in Niedersachsen: 21,3 % der Frauen ab 65 betroffen →
- Armutsrisikoquote (ARQ)
- Statistisches Maß für den Anteil der Bevölkerung mit einem Nettoeinkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens. Sie misst relative Einkommensunterschiede, nicht absolute Bedürftigkeit.
- Grundsicherung im Alter
- Sozialleistung nach dem 4. Kapitel SGB XII für Menschen ab Regelaltersgrenze, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestreiten können.
- Erwerbsminderungsrente
- Rentenleistung für Versicherte, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr oder nur eingeschränkt arbeiten können. Sie wird häufig mit Abschlägen gewährt.
Wie viele Menschen beziehen in Niedersachsen Grundsicherung im Alter?
Ende 2025 waren es laut Drucksache 21/7359 insgesamt rund 133.900 Personen — davon 65.795 Männer und 68.105 Frauen.
Wie hoch ist die durchschnittliche Altersrente in Niedersachsen?
Im Rentenbestand 2025 erhielten männliche Einzelrentner im Schnitt 1.429 Euro und weibliche 950 Euro pro Monat (laut Tabelle 2 zu Frage 6).
Plant die Bundesregierung Maßnahmen gegen Altersarmut in Niedersachsen?
Nein. Die Bundesregierung erklärt in ihrer Antwort ausdrücklich, dass bundeslandspezifische Maßnahmen gegen Altersarmut grundsätzlich nicht vorgesehen sind.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7359 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































