- 1,28 Millionen Menschen in Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung (2025)
- Berlin: 7,4 % der Rentner ab Regelaltersgrenze auf Grundsicherung angewiesen
- Frauen ab 65 haben laut Paritätischem Bericht Armutsquote von 21,3 Prozent
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7353 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Altersarmut ist ein strukturelles Problem in Deutschland. Der Paritätische Armutsbericht 2026 beziffert die Zahl der Armutsbetroffenen insgesamt auf über 13,3 Millionen Menschen. Die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) bildet gerade in Ostdeutschland das zentrale Standbein der Alterssicherung: Laut Alterssicherungsbericht 2024 entfallen dort 79 Prozent aller Alterseinkommen auf GRV-Leistungen, rund drei Viertel der ostdeutschen Rentnerinnen und Rentner beziehen ausschließlich GRV-Leistungen. Die Fraktion Die Linke hatte mit Drucksache 21/7093 eine Kleine Anfrage zu umfassenden Daten über Altersarmut und Alterssicherung in Berlin und Deutschland gestellt.
- 1.283.860 — Menschen bezogen Ende 2025 bundesweit Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung.
- 764.065 — Davon erhielten diese Zahl ab der Regelaltersgrenze Grundsicherung im Alter (2025).
- 7,4 % — Anteil der Berliner Rentnerinnen und Rentner ab Regelaltersgrenze in Grundsicherung (2025); bundesweiter Schnitt: 3,1 %.
- 1.531 Euro / 1.025 Euro — Durchschnittliche monatliche Altersrente (Bestand 2025) für Männer bzw. Frauen bundesweit.
- 7.914.008 — Geringfügig Beschäftigte in Deutschland (Stichtag 30.06.2025), davon 1.573.421 mit vollem Rentenversicherungsbeitrag.
Im Detail
Der beste Schutz gegen Altersarmut sind eine gute Ausbildung, durchgehende Erwerbsbiografien mit anständigen Löhnen und die Absicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung flankiert durch betriebliche Altersversorgung und private Zusatzvorsorge.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7353, Antwort zu Frage 19
In Deutschland beziehen immer mehr ältere Menschen staatliche Unterstützung, weil ihre Rente zum Leben nicht ausreicht. Ende 2025 waren es bundesweit 1.283.860 Personen, die Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung erhielten — 2016 waren es noch rund 1.026.000. Besonders stark gestiegen ist die Zahl der Menschen, die ab der Regelaltersgrenze auf diese Leistung angewiesen sind: von 525.595 im Jahr 2016 auf 764.065 im Jahr 2025.
Diese Zahlen gehen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor (BT-Drs. 21/7353, beantwortet am 24. Juli 2026). Die Anfrage umfasste 19 Fragen zu Rentenhöhen, Grundsicherungsfällen, Erwerbsminderungsrenten und Armutsgefährdungsquoten in Berlin und Deutschland.
Altersarmut: Berlin besonders betroffen
Berlin sticht im Bundesvergleich deutlich hervor: 7,4 Prozent der Rentnerinnen und Rentner ab Regelaltersgrenze in der Hauptstadt bezogen Ende 2025 Grundsicherung im Alter. Bundesweit lag dieser Wert bei 3,1 Prozent. Auch Hamburg (8,1 Prozent) und Bremen (7,0 Prozent) liegen weit über dem Schnitt. Ostdeutsche Flächenländer wie Sachsen (1,2 Prozent) oder Thüringen (1,0 Prozent) weisen dagegen deutlich niedrigere Quoten auf — unter anderem weil dort durch vollständige Erwerbsbiografien in der DDR-Zeit höhere GRV-Ansprüche entstanden sind.
Gleichzeitig zeigen die Rentenzahlbeträge ein deutliches Gefälle zwischen den Geschlechtern: Im Rentenbestand zum 31. Dezember 2025 erhielten Männer im Bundesdurchschnitt 1.531 Euro monatlich als Altersrente, Frauen dagegen nur 1.025 Euro. In Ostdeutschland sind die Rentenzahlbeträge der Frauen teils höher als im Westen — auch dies eine Folge der höheren Vollzeitbeschäftigungsquoten in der DDR.
Was gilt aktuell?
Wer im Alter seinen Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestreiten kann, erhält Grundsicherung im Alter nach dem 4. Kapitel SGB XII. Diese Leistung ist keine Rentenart, sondern eine bedarfsgeprüfte Sozialhilfe. Sie setzt nicht voraus, dass Kinder oder andere Angehörige zunächst in Anspruch genommen werden — ein wichtiger Unterschied zur früheren Sozialhilfe. Das Rentenniveau und mögliche Reformen der Rentenkommission — etwa eine Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung — könnten die Zahl der Grundsicherungsempfängerinnen und -empfänger künftig weiter erhöhen.
Erwerbsminderungsrenten mit Abschlägen
Auch Menschen mit Erwerbsminderungsrenten sind von Altersarmut bedroht. Laut den übermittelten Daten trugen im Jahr 2025 bundesweit 95,2 Prozent aller neu zugehenden Erwerbsminderungsrenten Abschläge — im Schnitt 129 Euro monatlich brutto. Diese Abschläge entstehen, weil Betroffene vor der regulären Altersgrenze in Rente gehen müssen. Seit 2016 ist der durchschnittliche Abschlagsbetrag von 89 Euro auf 129 Euro gestiegen, der Anteil der betroffenen Renten ist hingegen leicht gesunken (von 98,4 auf 95,2 Prozent).
Geringfügige Beschäftigung und Rentenlücken
Eine weitere Ursache niedriger Rentenansprüche ist geringfügige Beschäftigung. Am 30. Juni 2025 arbeiteten in Deutschland 7.914.008 Menschen in Minijobs. Davon zahlten 6.093.787 nur den Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung, der keinen vollständigen Rentenanspruch aufbaut. Nur 1.573.421 Minijobbende entrichteten den vollen Rentenversicherungsbeitrag. In Berlin waren es 242.584 geringfügig Beschäftigte insgesamt, davon 65.417 mit vollem Beitrag.
Bundesweit lag das Verhältnis von Pflichtversicherten zu Rentnerinnen und Rentnern Ende 2024 bei 1,74 zu 1 — in Berlin bei 2,03, in ostdeutschen Ländern wie Mecklenburg-Vorpommern dagegen nur bei 1,19. Diese demographische Schere ist eine Herausforderung für die langfristige Finanzierbarkeit des Rentensystems, wie auch die laufenden Debatten über Haushaltsprioritäten zeigen.
Bundesregierung lehnt Länderprogramme ab
Auf die Frage, ob die Bundesregierung ein besonderes Armutsgefährdungsrisiko in Berlin sieht und welche Maßnahmen sie plant, antwortete die Bundesregierung: „Bundeslandspezifische Maßnahmen gegen Altersarmut sind seitens der Bundesregierung grundsätzlich nicht vorgesehen.“ Als allgemeinen Schutzwall verwies sie auf gute Ausbildung, durchgehende Erwerbsbiografien und das System der gesetzlichen Rentenversicherung.
Einen vollständigen Überblick über die parlamentarische Arbeit zu Rentenfragen bieten auch die aktuellen Bundestags-Drucksachen vom 31. Juli 2026. Weitere Hintergründe zur sozialpolitischen Debatte finden sich auch im Beitrag zu Kostenkontrolle bei staatlichen Ausgaben.
Weiterlesen:
- KI und Arbeitsmarkteinstieg: 9 Fragen an die Bundesregierung
- Kinder-Psychotherapie: 34 Fragen zur Versorgungslage 2026
- Bundestag 31.07.2026: Die wichtigsten Drucksachen
Betroffen sind vor allem ältere Menschen ab 65 Jahren, insbesondere Frauen (Armutsquote laut Fragesteller-Vorbemerkung: 21,3 Prozent), Menschen mit lückenhaften Erwerbsbiografien sowie Rentnerinnen und Rentner in Großstädten wie Berlin, wo der Anteil der Grundsicherungsempfängerinnen und -empfänger ab Regelaltersgrenze mit 7,4 Prozent (2025) bundesweit am höchsten ist. Auch Erwerbsminderungsrentnerinnen und -rentner sind stark betroffen: Bundesweit bezogen Ende 2025 rund 170.760 von ihnen gleichzeitig Grundsicherung.
Die Bundesregierung hat bei mehreren Fragen auf frühere Drucksachen verwiesen, anstatt die Daten vollständig zu reproduzieren (Fragen 1, 2, 6, 7, 15). Bei den Armutsgefährdungsquoten (Fragen 12 und 13) wurden lediglich Links zu externen Statistikportalen angegeben. Zur Frage 19 nach bundeslandspezifischen Maßnahmen erklärte die Regierung, solche seien grundsätzlich nicht vorgesehen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Altersarmut in Berlin: 21,3 % der Frauen ab 65 betroffen →
- Grundsicherung im Alter
- Sozialleistung nach dem 4. Kapitel SGB XII für Menschen ab Regelaltersgrenze oder dauerhaft voll Erwerbsgeminderte, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen bestreiten können.
- Armutsrisikoquote (ARQ)
- Statistischer Indikator: Anteil der Bevölkerung mit einem Nettoäquivalenzeinkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens. Sie misst Einkommensverteilung, nicht individuelle Bedürftigkeit.
- Nettoäquivalenzeinkommen
- Das nach Haushaltsgröße und -zusammensetzung gewichtete Nettoeinkommen eines Haushalts, das jedem Haushaltsmitglied als persönliches Einkommen zugerechnet wird.
Wie viele Menschen erhalten in Deutschland Grundsicherung im Alter?
Ende 2025 bezogen bundesweit 1.283.860 Menschen Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung, davon 764.065 ab der Regelaltersgrenze.
Warum ist Altersarmut bei Frauen besonders hoch?
Geringere Erwerbseinkommen, häufigere Teilzeitarbeit und Erwerbsunterbrechungen durch Kinderbetreuung führen zu niedrigeren Rentenansprüchen — besonders in Westdeutschland.
Plant die Bundesregierung spezifische Maßnahmen gegen Altersarmut in Berlin?
Nein. Laut Bundesregierung sind bundeslandspezifische Maßnahmen gegen Altersarmut grundsätzlich nicht vorgesehen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7353 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































