- Angebotsmieten in Niedersachsen: von 6,31 auf 9,69 Euro/m² seit 2015
- Sozialwohnungsbestand halbiert: von 90.637 (2015) auf 50.920 (2025)
- Wohnungslose in Niedersachsen: von 10.860 (2022) auf 33.380 (2026)
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7303 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Fraktion Die Linke hatte die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7082 zur wohnungs- und mietenpolitischen Lage in Niedersachsen eingereicht. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen hat die Antwort am 21. Juli 2026 übermittelt. Grundlage der Mietdaten sind BBSR-Auswertungen auf Basis von Internetinseraten aus über 120 Immobilienportalen (IDN ImmoDaten GmbH). Das BBSR hat 2025 eine Revision der Datenselektion vorgenommen und die Zeitreihe rückwirkend neu berechnet, was Vergleiche mit älteren Veröffentlichungen einschränkt. Für Bestandsmieten liefert der Zensus 2022 erstmals eine Vollerhebung: Die durchschnittliche Bestandsmiete in Niedersachsen betrug zum Stichtag 15. Mai 2022 laut Bundesregierung 6,56 Euro je Quadratmeter nettokalt.
- 9,69 Euro/m² — Durchschnittliche Angebotsmiete in Niedersachsen 2025 (2015: 6,31 Euro/m²; +4,4 % p.a.)
- 50.920 Sozialwohnungen — Bestand Ende 2025 gegenüber 90.637 im Jahr 2015 (-44 %)
- 33.380 wohnungslose Personen — untergebracht in Niedersachsen zum 31. Januar 2026 (2022: 10.860)
- 132.025 Wohngeldhaushalte — Ende 2024 in Niedersachsen (2020: 62.265)
- 375,8 Mio. Euro — Bundesfinanzhilfen für sozialen Wohnungsbau in Niedersachsen im Programmjahr 2026
Im Detail
In Niedersachsen ist die Anzahl geförderter Wohneinheiten im Sozialen Wohnungsbau allein im Jahr 2025 um rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.
— Vorbemerkung der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7303
In Niedersachsen sind die Angebotsmieten in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. Die durchschnittliche Erst- und Wiedervermietungsmiete für inserierte Wohnungen kletterte landesweit von 6,31 Euro je Quadratmeter im Jahr 2015 auf 9,69 Euro im Jahr 2025 — ein jährliches Plus von 4,4 Prozent. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/7303, beantwortet am 21. Juli 2026) hervor. Im selben Zeitraum hat sich der Bestand an Sozialwohnungen annähernd halbiert.
Mietentwicklung Niedersachsen: Regionale Unterschiede erheblich
Die Mietentwicklung verlief in Niedersachsen nicht gleichmäßig. Laut Bundesregierung führten die Landkreise Cuxhaven mit 6,1 Prozent jährlicher Steigerung, Grafschaft Bentheim und Wittmund mit je 5,9 Prozent sowie Emsland mit 5,6 Prozent zwischen 2015 und 2025 die Rangliste der stärksten Zuwächse an. Beim absoluten Mietniveau lag 2025 der Landkreis Harburg mit 12,31 Euro je Quadratmeter vorn, dahinter folgen die Stadt Oldenburg mit 11,68 Euro und der Landkreis Lüneburg mit 11,53 Euro. Auch Regionen, die traditionell günstig galten, blieben nicht verschont: Im Landkreis Holzminden stiegen die Angebotsmieten zwischen 2015 und 2025 jährlich um 4,5 Prozent.
Anders entwickelten sich die Bestandsmieten — also die Mieten in laufenden Mietverhältnissen. Der Index der Nettokaltmieten stieg zwischen 2015 und 2025 von 93,6 auf 108,3 Punkte (Basis 2020 = 100), was einer Gesamtsteigerung von rund 15,7 Prozent entspricht. Die Angebotsmieten legten im gleichen Zeitraum um über 53 Prozent zu. Für Haushalte in bestehenden Mietverhältnissen ist die Bestandsmiete freilich die maßgebliche Größe — und die Zensus-Vollerhebung 2022 ermittelte dafür in Niedersachsen einen Durchschnitt von 6,56 Euro je Quadratmeter nettokalt.
Sozialwohnungsbestand gesunken — Neubauförderung zieht an
Der Bestand an Sozialmietwohnungen in Niedersachsen ist seit 2015 von 90.637 auf 50.920 Ende 2025 gesunken, ein Rückgang um rund 44 Prozent. Ursache ist vor allem, dass auslaufende Sozialbindungen nicht durch ausreichend neu geförderte Wohnungen ausgeglichen werden konnten. Zuletzt zeigten die Neubauförderungszahlen aber nach oben: Im Jahr 2025 wurden laut Bundesregierung 1.356 neue Mietwohnungen im sozialen Wohnungsbau bewilligt, rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr.
Parallel dazu weitete der Bund seine Finanzhilfen für den sozialen Wohnungsbau in Niedersachsen erheblich aus. Der Verpflichtungsrahmen stieg von rund 95,8 Millionen Euro im Programmjahr 2020 auf 375,8 Millionen Euro im Programmjahr 2026. Hinzu kommen Fördermittel aus KfW-Programmen: Allein im Programm „Klimafreundlicher Neubau“ (KFN) wurden seit 2023 für Niedersachsen Kredite in Höhe von insgesamt rund 2,86 Milliarden Euro zugesagt.
Mietbelastung und Wohnungslosigkeit nehmen zu
Die finanzielle Belastung durch Mieten ist für viele Haushalte erheblich. Im Jahr 2022 wendeten Mieterhaushalte in Niedersachsen im Durchschnitt 28 Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens für die Bruttokaltmiete auf — leicht über dem Bundesdurchschnitt. 527.000 Haushalte, das entspricht 34 Prozent aller Hauptmieterhaushalte, zahlten mindestens 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete; 253.000 Haushalte, also 16 Prozent, sogar mindestens 40 Prozent. Da die Einkommen zwischen 2015 und 2024 in einzelnen Jahren langsamer wuchsen als die Mieten — 2015 etwa betrug das Einkommenswachstum 2,0 Prozent, während die Angebotsmieten um 4,5 Prozent stiegen —, hat sich die Erschwinglichkeit von Wohnraum für Neumieter seither verringert.
Die Zahl der als wohnungslos untergebrachten Personen in Niedersachsen ist laut Bundesregierung von 10.860 im Januar 2022 auf 33.380 im Januar 2026 gestiegen. Den höchsten Einzelwert verzeichnet die Region Hannover mit 7.535 Personen im Jahr 2026. Zu berücksichtigen ist dabei, dass seit 2022 auch anerkannte Geflüchtete ohne eigenen Mietvertrag in dieser Statistik erfasst werden, was die Gesamtzahl erhöht. Die Zahl der Wohngeldhaushalte stieg zwischen 2022 und 2024 von 66.870 auf 132.025 — ein deutlicher Hinweis darauf, dass mehr Haushalte staatliche Unterstützung für die Miete in Anspruch nehmen. Zum Thema Bürgergeld und Jobcenter-Zugangsprobleme gibt es weitere Informationen auf dieser Seite.
Was gilt aktuell?
Der Bundesregierung liegen keine Daten zur Anzahl der Wohnberechtigungsschein-Berechtigten in Niedersachsen vor (Frage 12) und auch keine Informationen zu regionalen „schlüssigen Konzepten“ für Bürgergeld-Unterkunftskosten (Frage 13) — diese Zuständigkeiten liegen bei den Kommunen. Zahlen zu Zwangsräumungen (Frage 19) sind ebenfalls nicht verfügbar. Bei den Fertigstellungszahlen ergibt sich folgendes Bild: Zwischen 2020 und 2025 wurden in Niedersachsen insgesamt 161.998 Wohnungen fertiggestellt. Nach dem Höchststand von 32.520 Einheiten im Jahr 2022 sank die Zahl auf 17.875 im Jahr 2025 — ein deutlicher Rückgang der Bautätigkeit. Leser, die sich für die energetische Dimension des Wohnens interessieren, finden weiterführende Informationen im Beitrag zum Energieeffizienzgesetz und den Zielen bis 2030.
Weiterlesen:
- Jobcenter-Digitalisierung: Zugangsprobleme beim Bürgergeld-Antrag
- Energieeffizienzgesetz: Ziele 2030 und EU-Vertragsverletzungsverfahren
Betroffen sind Mieterhaushalte in ganz Niedersachsen — insbesondere in den Landkreisen mit überdurchschnittlichen Preissteigerungen wie Cuxhaven, Grafschaft Bentheim und Emsland sowie in Großstädten wie Oldenburg und der Region Hannover. Besonders belastet sind Haushalte mit niedrigen Einkommen: 253.000 Mieterhaushalte (16 Prozent) wendeten 2022 mindestens 40 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Miete auf. Wohngeldbeziehende stiegen von 62.265 (2020) auf 132.025 Haushalte (2024).
Die Bundesregierung hat die meisten Fragen vollständig mit konkreten Datentabellen beantwortet. Bei einzelnen Fragen — etwa zur Anzahl der Wohnberechtigungsschein-Berechtigten (Frage 12), zu Zwangsräumungszahlen (Frage 19) und zur Anzahl der Wohngeldanträge (Frage 17) — verwies sie auf fehlende eigene Daten oder Länderzuständigkeiten.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 21.07.2026) Mietentwicklung Niedersachsen: 16 % Anstieg seit 2021 →
- Angebotsmiete
- Mietpreis, der für eine neu anzumietende Wohnung in Inseraten verlangt wird — im Gegensatz zur Bestandsmiete, die in laufenden Mietverhältnissen gilt.
- Mietbelastungsquote
- Anteil der Bruttokaltmiete am Haushaltsnettoeinkommen. Eine Quote über 30 Prozent gilt als hohe Mietbelastung.
- Sozialmietwohnung
- Öffentlich geförderte Mietwohnung mit Belegungsbindung, die nur an Haushalte mit Wohnberechtigungsschein (WBS) vermietet werden darf.
Wo sind die Mieten in Niedersachsen 2025 am höchsten?
Laut Bundesregierung lag der Landkreis Harburg 2025 mit 12,31 Euro/m² an der Spitze, gefolgt von Oldenburg (Stadt) mit 11,68 Euro und dem Landkreis Lüneburg mit 11,53 Euro.
Wie viele Sozialwohnungen gibt es noch in Niedersachsen?
Ende 2025 waren es laut Bundesregierung rund 50.920 Sozialmietwohnungen — gegenüber 90.637 im Jahr 2015.
Wie hoch ist die Mietbelastungsquote in Niedersachsen?
Im Jahr 2022 lag die durchschnittliche Mietbelastungsquote bei 28 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens. 527.000 Haushalte (34 Prozent) zahlten mindestens 30 Prozent, 253.000 Haushalte (16 Prozent) mindestens 40 Prozent ihres Einkommens für die Miete.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7303 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































