- 1.514 KfW-Kredite mit 109,3 Mio. Euro für Genossenschaftsanteile seit 2022
- Zu Leerstandsquoten in Genossenschaften liegen der Bundesregierung keine Daten vor
- Städtebauförderung zahlt bis zu 140 Euro pro m² für Wohnungsrückbau
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7231 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Das KfW-Förderprogramm 134 unterstützt seit 2022 Privatpersonen beim Erwerb von Genossenschaftsanteilen mit zinsgünstigen Darlehen und Tilgungszuschüssen. Es ist im Haushaltstitel 661 01 des Einzelplans 25 (Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen) veranschlagt. Gleichzeitig kämpfen Wohnungsbaugenossenschaften in ostdeutschen Bundesländern — besonders in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen — mit strukturell hohem Leerstand, der auf den Rückgang der Bevölkerung und die hohe Siedlungsdichte des ehemaligen DDR-Wohnungsbestands zurückzuführen ist. Laut Zensus 2022 liegt die Leerstandsquote von Genossenschaften in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen geringfügig über dem jeweiligen Landesdurchschnitt.
- 109,3 Mio. Euro — Gesamtvolumen der KfW-Kredite im Programm 134 seit Programmstart 2022 bis 30. Juni 2026 (1.514 Kredite).
- 1.934.007,88 Euro — Kassenmittelabfluss beim Haushaltstitel 661 01 im Haushaltsjahr 2026 bis zum Berichtsdatum.
- 77 Prozent — Anteil der bisherigen Förderbewilligungen, die für den Neubau von Genossenschaftswohnungen vergeben wurden.
- 140 Euro pro m² — Maximale Rückbauförderung durch die Verwaltungsvereinbarung Städtebauförderung 2026/27 (je 50 % Bund und Land).
- 45,7 Prozent — Anteil Bayerns an allen KfW-Förderzusagen im Jahr 2025, mit Abstand der größte Empfänger bundesweit.
Im Detail
Ein Rückbau von Wohnungen widerspricht den Programmzielen.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7231, S. 4
Wohnungsbaugenossenschaften stehen in Deutschland vor zwei sehr unterschiedlichen Herausforderungen: In wachstumsstarken Regionen fehlt es an Mitgliedern und Wohnraum, in strukturschwachen ostdeutschen Ländern dagegen stehen Tausende Genossenschaftswohnungen leer. Die Bundesregierung hat am 20. Juli 2026 eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/7046) zu diesem Spannungsfeld beantwortet — und dabei erstmals konkrete Zahlen zum Bundesförderprogramm für Genossenschaftsanteile vorgelegt.
KfW-Förderung: 109,3 Mio. Euro für Genossenschaftsanteile
Seit dem Start des KfW-Programms 134 im Jahr 2022 wurden bis zum 30. Juni 2026 insgesamt 1.514 Kredite mit einem Gesamtvolumen von über 109,3 Mio. Euro vergeben. Das Programm unterstützt Privatpersonen beim Erwerb von Genossenschaftsanteilen — über zinsgünstige Darlehen und Tilgungszuschüsse. Rund 77 Prozent der Bewilligungen entfielen bisher auf Neubauprojekte; der Anteil der Bestandsinvestitionen ist laut Bundesregierung im Zeitverlauf auf etwa 23 Prozent gestiegen.
Geografisch zeigt sich ein deutliches Ungleichgewicht: Bayern erhielt im Jahr 2025 mit 164 Förderzusagen und 13,2 Mio. Euro allein 45,7 Prozent aller bundesweiten Mittel. Im ersten Halbjahr 2026 entfiel mit 97 Zusagen (7,4 Mio. Euro, 31,5 Prozent) erneut der größte Anteil auf Bayern. Thüringen und Sachsen-Anhalt verzeichneten im gesamten Jahr 2025 keine einzige Förderzusage; im Saarland und in Sachsen gab es im gesamten Berichtszeitraum keine Bewilligungen. Mehr zu bezahlbarem Wohnen und sozialen Sicherungssystemen findet sich im Beitrag über Altersarmut in Deutschland: Grundsicherung auf Rekordhoch.
Leerstand im Osten: Keine Daten beim Bund
Auf die Frage, wie hoch die Leerstandsquoten in Wohnungsbaugenossenschaften seit 2022 nach Bundesländern sind und welche Kosten der Betrieb leerstehender Wohnungen verursacht, antwortete die Bundesregierung in beiden Fällen knapp: „Entsprechende Daten liegen der Bundesregierung nicht vor.“ Damit fehlen zentrale Zahlen, um den von der AfD-Fraktion beschriebenen Widerspruch zwischen Leerstandsproblemen und staatlicher Förderung des Genossenschaftswachstums objektiv einzuordnen.
Laut Zensus 2022 liegt die Leerstandsquote von Genossenschaften in den meisten Bundesländern unter dem jeweiligen Landesdurchschnitt. Nur in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen überschreitet sie den landesweiten Wert geringfügig. Die Fragesteller hatten etwa auf die Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Meerane mbH verwiesen, die für 2020 eine Leerstandsquote von 22,93 Prozent angegeben hatte — ein Wert, der in prosperierenden Regionen kaum vorstellbar wäre.
Was gilt aktuell?
Für den Rückbau dauerhaft nicht mehr benötigter Wohngebäude kann die Städtebauförderung des Bundes genutzt werden. Im Programm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“, das besondere Konditionen für ostdeutsche Länder vorsieht, ist der Rückbau ohne kommunalen Eigenanteil förderfähig. Die Verwaltungsvereinbarung Städtebauförderung 2026/27 erhöht die Förderung auf bis zu 140 Euro pro Quadratmeter rückgebauter Wohnfläche (je 50 Prozent Bund und Land). Bis 2029 soll die Städtebauförderung schrittweise auf 1,6 Mrd. Euro jährlich ausgebaut werden.
Das KfW-Programm 134 hingegen ist für Rückbauvorhaben ausdrücklich nicht nutzbar: Die Bundesregierung stellt in ihrer Antwort klar, dass ein Rückbau von Wohnungen den Programmzielen widerspricht. Eine Erweiterung des Förderzwecks lehnt sie ab. Das Programm soll gezielt Impulse für Neubau und Bestandsverbesserung setzen — nicht für die Verkleinerung des Wohnungsbestands. Hintergründe zur Haushaltslage des Bundes erläutert der Beitrag Begriff erklärt: Haushaltsnotlageklausel.
Wohnungsbaugenossenschaft: Politisch relevante Debatte
Die Anfrage beleuchtet ein strukturpolitisches Problem: Staatliche Förderung fließt überwiegend in Regionen mit wachsendem Wohnungsbedarf, während schrumpfende Regionen im Osten zwar auf Städtebaumittel zurückgreifen können, aber kaum von den KfW-Kreditprogrammen profitieren. Im Haushaltsjahr 2026 sind beim Programmtitel 661 01 bisher 1.934.007,88 Euro an Kassenmitteln abgeflossen; die Verpflichtungsermächtigung von 10,09 Mio. Euro ist laut Bundesregierung nahezu vollständig gebunden. Die täglich aktuellen parlamentarischen Vorgänge sind in der Übersicht Bundestag 01.08.2026: Die wichtigsten Drucksachen zusammengefasst.
Weiterlesen:
- Altersarmut in Deutschland: Grundsicherung auf Rekordhoch
- Begriff erklärt: Haushaltsnotlageklausel
- Bundestag 01.08.2026: Die wichtigsten Drucksachen
Betroffen sind zum einen potenzielle Genossenschaftsmitglieder, die durch das KfW-Programm beim Einstieg in bezahlbares Wohnen unterstützt werden. Zum anderen sind es bestehende Mitglieder und Genossenschaften in strukturschwachen ostdeutschen Regionen, die mit den Kosten des Leerstands umgehen müssen. Kommunen und Länder in den neuen Bundesländern sind auf die Städtebauförderung des Bundes angewiesen, um Rückbaumaßnahmen zu finanzieren.
Zu den Fragen 3 und 4 — Betriebskosten und Leerstandsentwicklung bei Wohnungsbaugenossenschaften nach Bundesländern — erklärt die Bundesregierung, dass entsprechende Daten nicht vorliegen. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Widerspruch zwischen Förderung und gleichzeitigem Leerstand findet nur in der Vorbemerkung der Regierung statt.
Berlin, 22. Juli 2026. Wir als AfD-Bundestagsfraktion fordern ein Ende der Förderung von Nichtregierungsorganisationen durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und setzen uns stattdessen für die Einrichtung eines „Heimatfonds“ ein, der Traditionshandwerk und duale Ausbildung in Hochtechnologieberufen gezielt stärkt. Das BMAS verteilt derzeit Steuergelder an einen linksorientierten NGO-Komplex, der… …
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Wohnungsbaugenossenschaften: Leerstand im Osten und KfW-Förderung →
- Tilgungszuschuss
- Ein Tilgungszuschuss ist ein Nachlass auf die Kreditsumme, den der Kreditnehmer nicht zurückzahlen muss — er reduziert die Gesamtschulden.
- Verpflichtungsermächtigung
- Eine haushaltrechtliche Ermächtigung, mit der der Bund Zahlungsverpflichtungen für künftige Jahre eingehen darf, auch wenn die Mittel noch nicht im laufenden Haushaltsplan stehen.
- Städtebauförderung
- Gemeinsames Förderprogramm von Bund, Ländern und Kommunen zur Verbesserung städtebaulicher Strukturen, unter anderem für Rückbau, Sanierung und Aufwertung von Wohngebieten.
Was fördert das KfW-Programm für Genossenschaftsanteile?
Das KfW-Programm 134 vergibt zinsgünstige Kredite und Tilgungszuschüsse an Privatpersonen, die Anteile an einer Wohnungsgenossenschaft erwerben möchten — für Neugründungen und Bestandsgenossenschaften.
Warum ist Leerstand in ostdeutschen Genossenschaften ein Problem?
Leerstehende Wohnungen verursachen Betriebs- und Erhaltungskosten, schränken den finanziellen Spielraum der Genossenschaften ein und können zu einem Teufelskreis aus sinkender Wohnzufriedenheit und weiterem Wegzug führen.
Fördert der Bund auch den Rückbau von Genossenschaftswohnungen?
Über die Städtebauförderung im Programm 'Wachstum und nachhaltige Erneuerung' werden Rückbaumaßnahmen mit bis zu 140 Euro pro Quadratmeter gefördert. Das KfW-Programm 134 für Genossenschaftsanteile schließt Rückbau hingegen ausdrücklich aus.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7231 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































