- Mindestens 143 Christen im Iran 2026 festgenommen
- IRGC zerstörte evangelisches Kirchengebäude in Maschhad
- Neues Spionagegesetz sieht Todesstrafe für Konvertiten vor
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7469 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Iran gilt laut USCIRF-Jahresbericht 2026 als eines der Länder mit den weltweit schwerwiegendsten Einschränkungen der Religionsfreiheit; die USA stufen ihn als „Country of Particular Concern“ ein. Nach der Tötung des Obersten Führers Ali Khamenei im Februar 2026 und der Machtübernahme durch Mojtaba Khamenei berichten Menschenrechtsorganisationen von einer weiteren Verschärfung der Lage religiöser Minderheiten. Am 4. Juni 2026 zerstörte die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) ein evangelisches Kirchengebäude in Maschhad, am 10. Juni 2026 wurde die St.-Nikolaus-Kirche in Teheran überfallen, und am 3. Juli 2026 kündigte die IRGC die Beschlagnahme der historischen St.-Peter-Kirche an.
- Mindestens 143 — Festnahmen von Christen im Iran laut USCIRF-Jahresbericht 2026.
- Mindestens 50 — Verhaftungen von Christen allein im unmittelbaren Nachgang des Iran-Israel-Konflikts 2025, laut Article 18.
- Rang 10 / 87 Punkte — Platzierung des Iran auf der Open Doors World Watch List 2026 (Skala 0–100).
- 3. Juli 2026 — Ankündigung der IRGC, die historische St.-Peter-Kirche in Teheran zu beschlagnahmen und rund 20 Gemeindefamilien zu räumen.
- Seit 2017 — Zeitraum, für den die Anfrage Asylzahlen iranischer Staatsangehöriger, Religionszugehörigkeit und Rückführungsquoten erfragt.
Im Detail
Im Iran gilt der christliche Glaube den Behörden als gefährlicher westlicher Einfluss.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/7469
Christliche Minderheiten im Iran sind nach Angaben internationaler Menschenrechtsorganisationen 2026 einer verschärften staatlichen Verfolgung ausgesetzt. Die Drucksache 21/7469, eingereicht am 4. August 2026 von Abgeordneten der AfD-Fraktion, thematisiert diese Entwicklung und stellt der Bundesregierung 15 konkrete Fragen zu ihrer Kenntnis der Lage, zu diplomatischen Maßnahmen und zu Asylstatistiken.
Christenverfolgung Iran: Festnahmen, Kirchenzerstörungen, Todesstrafe
Laut USCIRF-Jahresbericht 2026 wurden im Berichtszeitraum mindestens 143 Christen im Iran festgenommen. Allein im Nachgang des Iran-Israel-Konflikts vom Juni 2025 sollen nach Angaben der Organisation Article 18 mindestens 50 weitere Christen verhaftet worden sein. Das iranische Parlament hat zudem ein neues Spionagegesetz verabschiedet, das die Todesstrafe für weit gefasste Tatbestände vorsieht – eine Regelung, die laut Menschenrechtsorganisationen besonders christliche Konvertiten bedroht, die ohnehin bereits wegen „Verbrechen gegen die nationale Sicherheit“ strafrechtlich verfolgt werden können.
Die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) hat ihre Aktionen gegen Kirchen zuletzt auch auf staatlich registrierte Gemeinden ausgeweitet: Am 4. Juni 2026 zerstörte sie ein evangelisches Kirchengebäude in Maschhad, am 10. Juni 2026 wurde die St.-Nikolaus-Kirche in Teheran überfallen. Am 3. Juli 2026 kündigte die IRGC die Beschlagnahme der St.-Peter-Kirche in Teheran an – 1876 eingeweiht und Sitz der ältesten protestantischen Gemeinde des Iran. Den rund 20 auf dem Kirchengelände lebenden Familien drohte laut Gemeindeleitung innerhalb von drei Wochen Räumung oder Inhaftierung.
Iran-USA-Abkommen: Schutzschirm oder Freifahrtschein für Repression?
Am 17. Juni 2026 unterzeichneten der Iran und die USA ein Rahmenabkommen zur schrittweisen Kriegsbeendigung, das eine gegenseitige Nichteinmischungsklausel enthält. Die Anfrage fragt die Bundesregierung, ob sie einen Zusammenhang zwischen diesem Abkommen und der danach gemeldeten Zunahme von Übergriffen auf christliche Kirchen sieht. Laut den Fragestellern werten sowohl ein ehemaliger Pastor der St.-Peter-Gemeinde als auch die Synode der iranischen Evangelischen Kirche die jüngsten Vorfälle als Folge dieses Abkommens – das Regime nutze die Nichteinmischungsklausel, um ungestört gegen Kirchen vorzugehen.
Konvertiten im Iran besonders gefährdet
Die größte und am stärksten verfolgte Gruppe unter iranischen Christen sind Konvertiten, die sich vom Islam abgewandt haben. Ihnen droht die Verurteilung wegen „Verbrechen gegen die nationale Sicherheit“. Besonders relevant sind laut Anfrage die Neufassungen der Artikel 499 und 500 des iranischen Strafgesetzbuchs sowie das neue Spionagegesetz. Open Doors stuft Iran im World Watch List 2026 auf Rang 10 mit 87 von 100 möglichen Punkten ein – ein Wert, der extreme Verfolgung anzeigt. Die traditionellen armenischen und assyrischen Kirchen sind zwar staatlich anerkannt, ihre Mitglieder werden laut Fragesteller jedoch als Bürger zweiter Klasse behandelt.
Was die Bundesregierung wissen soll
Die 15 Fragen der Drucksache richten sich auf mehrere Themenbereiche: Die ersten sechs Fragen zielen auf die Erkenntnislage der Bundesregierung zur Sicherheitslage, zu Verhaftungszahlen (aufgeschlüsselt nach Jahren 2023 bis 2026), zur Rechtslage von Konvertiten und zur Bewertung der politischen Umbrüche nach dem Tod Ali Khameneis. Fragen 7 bis 13 betreffen die außenpolitische Reaktion – welche Berichte die Bundesregierung auswertet, welche Maßnahmen sie bilateral und in internationalen Gremien ergreift, und ob Entwicklungszusammenarbeit an Fortschritte beim Minderheitenschutz geknüpft ist. Die Fragen 14 und 15 schließlich fragen nach Fluchtbewegungen und Asylstatistiken: Die Anfrage will wissen, wie viele Iraner seit 2017 in Deutschland Asyl beantragt haben, welcher Religionszugehörigkeit sie sind, wie sich die Alters- und Geschlechtsstruktur darstellt und wie hoch die Rückführungsquote ist.
Die Frage nach schutzbedürftigen Personengruppen und staatlicher Verantwortung stellt sich auch in anderen Kontexten immer wieder. Die Bundesregierung hat 21 Tage Zeit zu antworten; die Frist läuft bis zum 25. August 2026.
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Betroffen sind primär christliche Konvertiten im Iran, denen wegen ihres Glaubenswechsels Strafverfolgung droht, sowie Mitglieder traditioneller armenischer, assyrischer und evangelischer Kirchen. Mittelbar betroffen sind auch iranische Asylbewerber in Deutschland, deren Schutzstatus von der Verfolgungslage im Iran abhängt.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7469) wurde am 4. August 2026 eingereicht. Die Bundesregierung hat nun 21 Tage Zeit, die 15 Fragen schriftlich zu beantworten; die Antwortfrist läuft bis zum 25. August 2026.
- USCIRF
- U.S. Commission on International Religious Freedom – unabhängige US-Behörde, die jährlich Länder mit schwerwiegenden Einschränkungen der Religionsfreiheit bewertet und dem US-Kongress Empfehlungen vorlegt.
- Konvertiten
- Personen, die vom Islam zu einer anderen Religion übergetreten sind. Im Iran gilt dieser Schritt als verboten und kann als 'Verbrechen gegen die nationale Sicherheit' strafrechtlich verfolgt werden.
- IRGC
- Islamische Revolutionsgarde (Islamic Revolutionary Guard Corps) – bewaffnete Elitetruppe des Iran, die direkt dem Obersten Führer untersteht und neben militärischen auch innenpolitische Aufgaben wahrnimmt.
Wie viele Christen wurden 2026 im Iran festgenommen?
Laut USCIRF-Jahresbericht 2026 wurden im Berichtszeitraum mindestens 143 Christen im Iran festgenommen, teils mit mehrjährigen oder jahrzehntelangen Haftstrafen.
Was ist das neue iranische Spionagegesetz?
Das iranische Parlament hat nach Angaben der Fragesteller ein Spionagegesetz verabschiedet, das die Todesstrafe für weit gefasste Tatbestände vorsieht und laut Menschenrechtsorganisationen besonders Christen und Konvertiten trifft.
Welchen Rang hat Iran auf der Open Doors Weltverfolgungsliste?
Open Doors führt den Iran im World Watch List 2026 auf Rang 10 mit einer Wertung von 87 von 100 Punkten.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7469 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































