- GKV-Defizit 2027: 18 bis 19 Mrd. Euro erwartet
- 42 Autobahnabschnitte mit Hitzeschäden im ersten Halbjahr 2026
- Stuttgart 21: rund 100 km von 2.800 km verlegter Kabel fehlerhaft
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6834 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Schriftliche Fragen sind ein zentrales parlamentarisches Kontrollinstrument: Abgeordnete können schriftliche Einzelfragen jederzeit einreichen; das Kontingent beträgt vier pro Kalendermonat. Die Bundesregierung beantwortet sie grundsätzlich innerhalb einer Woche nach Eingang beim Bundeskanzleramt. Die Drucksache 21/6834 vom 3. Juli 2026 bündelt 145 solcher Fragen aus der 21. Wahlperiode. Themenschwerpunkte dieser Woche waren die geplante GKV-Reform mit dem Beitragssatzstabilisierungsgesetz, die Debatte um Abschiebungen nach Afghanistan, Hitzeschäden an der Infrastruktur sowie Bauprojekte wie Stuttgart 21. Mehrere Fragen betreffen auch den Peene-Werft-Komplex nach dem Abbruch des Fregattenprojekts F126.
- 18–19 Mrd. Euro — Erwartetes GKV-Defizit für das Jahr 2027 laut Bundesregierung (Frage 117/120)
- 42 Autobahnabschnitte — Hitzeschäden im ersten Halbjahr 2026; zum Vergleich: 0 Abschnitte in 2020–2024 (Frage 102)
- 170 Abschiebungen — Afghanen abgeschoben zwischen Juni 2025 und 24. Juni 2026 laut Bundespolizei (Frage 20)
- 100 km Kabel — Müssen bei Stuttgart 21 ausgetauscht werden; entspricht 3,57 % der verlegten 2.800 km (Frage 96)
- 2,96 Mrd. Euro — Aus dem Bundeshaushalt in 2025 an die GIZ ausgezahlte Mittel (Frage 137)
Im Detail
Für das Jahr 2027 ist nach vorläufigen neuen Ausgabendaten der Krankenkassen von einem Defizit in Höhe von rund 18 bis 19 Mrd. Euro auszugehen.
— Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Tino Sorge, BT-Drs. 21/6834, Frage 120
Jeden Donnerstag veröffentlicht der Bundestag die Antworten der Bundesregierung auf schriftliche Fragen der Woche – und die Drucksache 21/6834 vom 3. Juli 2026 zeigt, welche Themen Parlamentarier im Sommer 2026 besonders bewegen: die drohende GKV-Finanzlücke, zunehmende Hitzeschäden auf Autobahnen, den Stand der Abschiebungen nach Afghanistan und die Folgen des gestoppten Fregattenprojekts F126 für eine ostdeutsche Werft.
GKV-Finanzierung: 18 bis 19 Mrd. Euro Defizit erwartet
Den thematischen Schwerpunkt der schriftlichen Fragen bildet die Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung. Gleich mehrere Abgeordnete – darunter Dr. Kirsten Kappert-Gonther (Grüne), Achim Köhler und Rocco Kever (beide AfD) – befragten die Bundesregierung zu den Auswirkungen des geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Die Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Tino Sorge ist eindeutig: Für 2027 ist nach vorläufigen Ausgabendaten der Krankenkassen ein Defizit von rund 18 bis 19 Mrd. Euro zu erwarten. Um dieses auszugleichen, müsste der Zusatzbeitragssatz um rund 0,9 Prozentpunkte steigen. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das am 29. April 2026 vom Kabinett beschlossen wurde, sieht unter anderem eine Deckelung des Pflegebudgets und eine Begrenzung von Vergütungssteigerungen vor. Bürger, die gesetzlich krankenversichert sind, müssen sich auf steigende Beiträge einstellen, sofern das Gesetz die parlamentarischen Beratungen unverändert übersteht. Mehr zu den GKV-Ausgaben lesen Sie auch in unserem Beitrag zur GKV-Immobilienfonds-Debatte.
Abschiebungen nach Afghanistan: 170 Fälle seit Juni 2025
Dr. Gottfried Curio (AfD) fragte nach den Abschiebezahlen nach Afghanistan. Laut Bundespolizei-Statistik wurden zwischen Juni 2025 und dem 24. Juni 2026 insgesamt 170 afghanische Staatsangehörige abgeschoben. Die monatlichen Zahlen schwankten dabei erheblich: Im Juli 2025 wurden 81 Personen abgeschoben, in mehreren Monaten dagegen gar keine. Die Bundesregierung erklärt, sie habe die Voraussetzungen für regelmäßige Rückführungen durch die Länder geschaffen. Parallel dazu thematisierte Lukas Benner (Grüne) die Kapazitäten für Asylgrenzverfahren an Flughäfen: Laut Regierungsantwort stehen derzeit insgesamt rund 277 Plätze zur Verfügung, davon 200 am Frankfurter Flughafen. Die EU-Kommission hat für Deutschland 374 Plätze als Pflichtzahl festgelegt.
Schriftliche Fragen KW 27: Autobahnen unter Hitzestress
42 Autobahnabschnitte mit Hitzeschäden – diese Zahl für das erste Halbjahr 2026 nennt die Bundesregierung auf Anfrage von Swantje Henrike Michaelsen (Grüne). In den Jahren 2020 bis 2024 gab es laut Regierungsangaben jeweils null bekannte Schäden durch sogenannte Blowups (Aufwölbungen im Betonbelag). Bereits 2025 waren es wieder neun Abschnitte. 2026 hat sich die Zahl dramatisch erhöht. Der Bund erfasst Fahrstreifensperrungen nicht gesondert, verfolgt aber den Anstieg nach eigenen Angaben. Für Pendler und Fernreisende bedeutet das mehr Staus und Umleitungen. Passend dazu fragte Carina Schießl (AfD) nach dem GSM-R-Ausfall bei der Deutschen Bahn am 23. Juni 2026: Laut Bundesregierung war eine rund 90-minütige Störung des Bahnfunks durch Wartungsarbeiten an Systemkomponenten verursacht worden.
Stuttgart 21: 100 km Kabel müssen ersetzt werden
Lars Haise (AfD) fragte nach dem Umfang fehlerhaft verlegter Kabel beim Bahnprojekt Stuttgart 21. Die Bundesregierung teilt mit: Von rund 2.800 km bereits verlegten Kabeln müssen nach aktueller Bestandsanalyse rund 100 km ausgetauscht werden – das entspricht einem Anteil von 3,57 Prozent. Insgesamt sind im Projekt 3.350 km Kabel zu verlegen. Das Thema belastet das ohnehin verspätete und über Kostenziele hinausgewachsene Projekt weiter.
Peene-Werft: Fregatte F126 gestoppt, offene Fragen
Mehrere Fragen von Enrico Komning (AfD) befassen sich mit den Folgen des Abbruchs des Fregattenprojekts F126 für die Peene-Werft in Wolgast. Die Bundesregierung räumt ein, dass die Abwicklung des bestehenden Vertrags derzeit in Bearbeitung ist und daher keine Auskunft zu Kosten oder möglichem Schadensersatz erteilt werden kann. Zugleich stellt sie klar, dass der Bund keinen Vertrag direkt mit der Peene-Werft oder deren Mutterkonzern hält. Verbindliche Unterauftragnehmer-Klauseln für den neuen Fregattauftrag über acht MEKO-A-200-Einheiten an ThyssenKrupp Marine Systems sind nicht vorgesehen.
Weitere Themen im Überblick
Stephan Brandner (AfD) fragte nach den Kosten der Reise von Bundeskanzlerin a. D. Angela Merkel zur Einweihung des Obama Presidential Center in Chicago: Fahrt, Flug und Unterkunft kosteten 6.593,38 Euro für Merkel sowie 5.030,75 Euro für ihre Begleitung im Rahmen der Amtsausstattung. Rocco Kever (AfD) erfuhr, dass die GIZ im Haushaltsjahr 2025 rund 2,96 Mrd. Euro aus dem Bundeshaushalt in Anspruch genommen hat. Tobias Matthias Peterka (AfD) fragte nach konkreten Entlastungsmaßnahmen für Pendler nach dem Auslaufen der Energiesteuersenkung auf Kraftstoffe zum 30. Juni 2026 – die Regierung antwortete, konkrete Planungen existierten nicht. Laut ifo-Institut habe die Senkung die Inflationsrate 2026 um rund 0,1 Prozentpunkte verringert.
Die vollständige Drucksache 21/6834 steht auf der Website des Deutschen Bundestages zur Verfügung.
Weiterlesen:
- Schriftliche Fragen Juni 2026: 99 Antworten der Bundesregierung
- Schriftliche Fragen Juni 2026: 157 Antworten im Überblick
Betroffen sind GKV-Versicherte und Beitragszahler durch die drohende Beitragssatzerhöhung, Pendler und Autofahrer durch Hitzeschäden auf Autobahnen, Bahnreisende durch den GSM-R-Ausfall im Juni 2026, Afghanen mit Aufenthaltstitel durch die Abschiebedebatte sowie Beschäftigte der Peene-Werft in Wolgast durch den Rüstungsprojektabbruch.
Die Bundesregierung hat bei mehreren Fragen auf frühere Drucksachen verwiesen (z. B. Fragen 8, 44, 100) oder die Auskunft mit Hinweis auf laufende Ermittlungsverfahren oder unzumutbaren Aufwand verweigert (z. B. Fragen 24, 25, 35). Bei Fragen zur EZB-Bilanz und zu Kabelfehlern bei Stuttgart 21 erfolgten inhaltliche Antworten mit Datenverweis.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet.
- GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz
- Geplantes Gesetz zur Begrenzung des Anstiegs der GKV-Ausgaben; soll das erwartete Defizit der gesetzlichen Krankenkassen ab 2027 begrenzen.
- GSM-R
- Digitales Funksystem der Deutschen Bahn für die Zugkommunikation; Ausfall am 23. Juni 2026 führte zu bundesweiten Zugverspätungen.
- Peene-Werft
- Werft in Wolgast (Mecklenburg-Vorpommern), die als Unterauftragnehmer für die abgebrochene Fregatte F126 tätig war.
Wie hoch ist das erwartete GKV-Defizit 2027?
Laut Bundesregierung ist für 2027 mit einem Defizit von rund 18 bis 19 Mrd. Euro bei den gesetzlichen Krankenkassen zu rechnen, was einen Anstieg des Zusatzbeitragssatzes um etwa 0,9 Prozentpunkte erfordern würde.
Wie viele Afghanen wurden seit Juni 2025 abgeschoben?
Laut Polizeilicher Eingangsstatistik der Bundespolizei wurden zwischen Juni 2025 und dem 24. Juni 2026 insgesamt 170 afghanische Staatsangehörige abgeschoben, davon allein 81 im Juli 2025.
Wie viele Autobahnabschnitte hatten 2026 Hitzeschäden?
Im ersten Halbjahr 2026 wiesen 42 Autobahnabschnitte Hitzeschäden (sog. Blowups) auf – deutlich mehr als in den Vorjahren seit 2016.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6834 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































