- Bayern: 364 Krankenhäuser (2014) auf 347 (2024) gesunken
- 19,2 % der Bayern wohnen mehr als 40 Minuten von Abtreibungseinrichtung entfernt
- 120 Mio. Euro jährlich für Geburtshilfe-Standorte seit 2023
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7631 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die laufende Krankenhausreform, die im Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) kodifiziert ist, sieht eine stärkere Spezialisierung und Konzentration der Klinikenlandschaft vor. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat öffentlich erklärt, Schließungen und Zusammenlegungen von Kliniken seien ein Ziel der Reform. In Deutschland haben sich laut Statistischem Bundesamt seit 1989 die Krankenhausnummern um über 20 Prozent verringert; rund 40 Prozent der Häuser befinden sich inzwischen in privater Trägerschaft. Die Fraktion Die Linke hatte mit der Kleinen Anfrage 21/7211 konkrete Zahlen und Maßnahmen für Bayern angefordert.
- 347 Krankenhäuser — Anzahl der Kliniken in Bayern im Jahr 2024; 2014 waren es noch 364 (Destatis).
- 558,9 Betten je 100.000 Einwohner — Bettenquote in Bayern 2024; 2014 lag sie noch bei 600,2.
- 121 Fachabteilungen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe — in Bayern 2024; 2010 waren es noch 154.
- 19,2 % — Anteil der bayerischen Bevölkerung, die mehr als 40 Minuten zur nächsten Einrichtung für einen Schwangerschaftsabbruch fährt (ELSA-Studie).
- 76,9 % der Schwangerschaftsabbrüche in Bayern 2020 erfolgten in Einrichtungen mit mehr als 250 Eingriffen pro Jahr (ELSA-Studie).
Im Detail
Die Sicherstellung einer flächendeckenden, bedarfsgerechten stationären Versorgung mit leistungsfähigen und eigenverantwortlich wirtschaftenden Krankenhäusern ist Aufgabe der Länder.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7631, S. 2
In Bayern ist die Zahl der Krankenhäuser zwischen 2014 und 2024 von 364 auf 347 gesunken — ein Rückgang um 17 Häuser. Gleichzeitig fiel die Bettenquote von 600,2 auf 558,9 je 100.000 Einwohner. Diese Zahlen lieferte das Statistische Bundesamt (Destatis) als Anlage zur Antwort der Bundesregierung vom 14. August 2026 (BT-Drs. 21/7631) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke.
Krankenhausschließungen im ländlichen Raum Bayerns
Die Linke hatte in ihrer Anfrage (BT-Drs. 21/7211) 19 Einzelfragen zu Schließungen, Bettenabbau, Notfallversorgung, Geburtshilfe und Schwangerschaftsabbrüchen in Bayern gestellt. Die Bundesregierung beantwortet dabei einen Teil der Fragen mit Destatis-Statistiken auf Landesebene — detailliertere regionale Aufschlüsselungen nach Landkreisen oder kreisfreien Städten verweigert sie unter Hinweis darauf, dass entsprechende Daten beim Statistischen Bundesamt nicht unterhalb der Landesebene vorliegen. Konkrete Erkenntnisse zu Rettungsdienstkapazitäten in Landkreisen wie Weilheim-Schongau, Roding oder Tirschenreuth besitzt die Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht — diese Fragen seien an die zuständigen bayerischen Behörden zu richten.
Was gilt aktuell bei der Krankenhausfinanzierung?
Das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) hat die Grundlagen der Krankenhausfinanzierung reformiert. Kernstück ist die Einführung einer Vorhaltevergütung: Krankenhäuser erhalten künftig einen Anteil ihrer Vergütung unabhängig von der tatsächlichen Fallzahl — allein dafür, dass sie bestimmte Kapazitäten bereithalten. Für bedarfsnotwendige Kliniken im ländlichen Raum wurden die Sicherstellungszuschläge mit dem KHVVG um 25 Prozent erhöht. Jedes Krankenhaus, das die Voraussetzungen erfüllt, erhält zudem mindestens 500.000 Euro pro Jahr als Sicherstellungszuschlag; für jede weitere basisversorgungsrelevante Fachabteilung kommen 250.000 Euro hinzu.
Für Geburtshilfeleistungen fließen seit 2023 jährlich 120 Millionen Euro an Krankenhäuser mit einer Fachabteilung für Geburtshilfe oder Gynäkologie und Geburtshilfe. Ab 2028 sollen diese Mittel mit der neuen Leistungsgruppensystematik gezielt an die Häuser verteilt werden, denen die Länder eine geburtshilfliche Leistungsgruppe zugewiesen haben.
Geburtshilfe: Rückgang um ein Viertel seit 2010
Die Datenlage zur Geburtshilfe ist eindeutig: In Bayern gab es 2010 noch 154 Fachabteilungen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe — 2024 waren es nur noch 121. Das entspricht einem Rückgang von rund 21 Prozent. Deutschlandweit schrumpfte die Zahl im gleichen Zeitraum von 925 auf 681. Die Bundesregierung verweist auf den Krankenhausatlas des Statistischen Bundesamtes für aktuellere Erreichbarkeitsanalysen. Ein älteres IGES-Gutachten aus dem Jahr 2019 errechnete, dass die durchschnittliche Fahrzeit zur nächsten Geburtsklinik in Deutschland je nach Modell zwischen 10,2 und 17,6 Minuten liegt.
Schwangerschaftsabbrüche: Konzentration auf wenige Einrichtungen
Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Bayern ist laut Destatis von 11.660 (2015) über 12.365 (2020) auf 12.455 (2025) leicht gestiegen. Gleichzeitig zeigt das ELSA-Projekt des Bundesgesundheitsministeriums eine starke Konzentration des Angebots: 76,9 Prozent aller Eingriffe in Bayern im Jahr 2020 fanden in sogenannten großen Meldestellen mit jeweils mehr als 250 Abbrüchen jährlich statt. Zudem sind laut ELSA-Erreichbarkeitsanalyse 19,2 Prozent der bayerischen Bevölkerung mehr als 40 Autominuten von der nächsten entsprechenden Einrichtung entfernt — ein Wert, der auf erhebliche regionale Versorgungsungleichheiten hinweist. Die Zahl der Einrichtungen, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen, wird statistisch nicht systematisch erfasst; die Liste der Bundesärztekammer ist freiwillig und daher unvollständig.
Krankenhausstrukturfonds: Rund 202 Millionen Euro für Bayern
Aus dem Krankenhausstrukturfonds I wurden in Bayern fünf Konzentrationsvorhaben mit einem Gesamtvolumen von rund 76,9 Millionen Euro gefördert. Der Struktufonds II finanzierte 25 weitere Vorhaben mit zusammen rund 125,0 Millionen Euro — darunter 13 Maßnahmen zur Informationssicherheit, sieben zur Schaffung von Ausbildungskapazitäten, vier Konzentrationsvorhaben und ein Umwandlungsvorhaben. Der überwiegende Teil dieser Projekte ist noch nicht abgeschlossen. Mehr zum Thema Krankenhausstrukturpolitik und ländliche Versorgung findet sich auch im Beitrag zur demografischen Entwicklung mit einer Geburtenziffer von 1,32 (2025), die den Reformdruck im Gesundheitssystem mitbestimmt.
Weiterlesen:
Patientinnen und Patienten in ländlichen Landkreisen Bayerns sind von der rückläufigen Krankenhausdichte direkt betroffen — insbesondere bei Notfällen, Geburten und reproduktiver Gesundheitsversorgung. 19,2 Prozent der bayerischen Bevölkerung leben laut ELSA-Studie mehr als 40 Fahrminuten von einer Einrichtung für Schwangerschaftsabbrüche entfernt.
Bei mehreren Fragen — insbesondere zu regionalen Schließungsdetails (Fragen 1–3, 6–8, 15, 17), Rettungsdienstkapazitäten und der Lage in konkreten Landkreisen — verweist die Bundesregierung pauschal auf die Planungshoheit der Länder und erklärt, keine eigenen Erkenntnisse zu haben. Inhaltliche Antworten mit Zahlen liefert sie nur dort, wo Destatis-Daten auf Landesebene vorliegen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Krankenhausschließungen in Bayern: 19 Fragen zur Versorgungslage →
- Vorhaltevergütung
- Vergütung für Krankenhäuser, die bestimmte Strukturen und Kapazitäten vorhalten, unabhängig davon, wie viele Patienten tatsächlich behandelt werden.
- KHVVG
- Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz — das zentrale Gesetz der aktuellen Krankenhausreform, das u. a. Leistungsgruppen und Vorhaltevergütung einführt.
- Sicherstellungszuschlag
- Finanzieller Aufschlag für defizitäre, aber versorgungsnotwendige Krankenhäuser im ländlichen Raum, um ihre Schließung zu verhindern.
Wie viele Krankenhäuser gibt es noch in Bayern?
Laut Destatis gab es 2024 noch 347 Krankenhäuser in Bayern — 2014 waren es noch 364.
Wie hat sich die Bettenzahl in Bayern entwickelt?
Die aufgestellten Betten je 100.000 Einwohner sanken von 600,2 (2014) auf 558,9 (2024); bundesweit fiel der Wert von 618,3 auf 566,2.
Wie weit ist der Weg zur nächsten Geburtsklinik in Deutschland?
Laut einem IGES-Gutachten von 2019 beträgt die durchschnittliche Fahrzeit zur nächsten Geburtsklinik je nach Geschwindigkeitsmodell 10,2 bis 17,6 Minuten.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7631 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































