- Sachsen-Anhalt: 1.168 Männer je 1.000 Frauen (18–29 Jahre)
- Bund investiert 13,25 Mrd. Euro in Kitas bis 2034
- 2025 zogen noch 41.333 Frauen von Ost- nach Westdeutschland
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7653 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Seit der deutschen Wiedervereinigung 1990 verlieren ländliche Regionen Ostdeutschlands überproportional viele junge Frauen. Die Abwanderung hat zwar deutlich nachgelassen — von 123.859 Wegzügen im Jahr 1991 auf 41.333 im Jahr 2025 —, doch das strukturelle Geschlechterungleichgewicht bleibt bestehen. Laut Destatis-Daten zur Bevölkerungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2022 kamen zum 31.12.2025 bundesweit in der Altersgruppe 18–29 Jahre auf 1.000 Frauen bereits 1.096 Männer; in Sachsen-Anhalt lag dieser Wert bei 1.168, in Brandenburg bei 1.161 und in Thüringen bei 1.154. Als Hauptursachen gelten bessere Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten im Westen sowie Unterschiede in der Infrastruktur.
- 1.168 Männer je 1.000 Frauen (18–29 J.) — Sachsen-Anhalt weist zum 31.12.2025 den höchsten Männerüberschuss bei Jungerwachsenen aller Bundesländer auf (Destatis, Basis Zensus 2022).
- 41.333 Wegzüge 2025 — So viele Frauen zogen von Ostdeutschland (ohne Berlin) nach Westdeutschland; 1991 waren es noch 123.859.
- 9,25 Mrd. Euro (2027–2034) — Geplante Bundesmittel für die Länder über die Umsatzsteuerverteilung zur Finanzierung des SCQEG (Kita-Qualitätsgesetz).
- 4 Mrd. Euro (2026–2029) — Investitionsprogramm Kindertagesbetreuung aus dem Sondervermögen ‚Infrastruktur und Klimaneutralität‘ für Neubau, Sanierung und Ausstattung von Kitas.
- 1.429 Männer je 1.000 Frauen — Spitzenwert im Ilm-Kreis (Thüringen) für die Altersgruppe 18–29 Jahre; bundesweit die stärkste Schieflage auf Kreisebene.
Im Detail
Der selektive Wegzug junger Frauen ist gegenüber den 1990er Jahren zurückgegangen. Dennoch ist festzustellen: Leben weniger junge Frauen vor Ort, werden weniger Kinder geboren.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7653, S. 8
In Sachsen-Anhalt kommen auf 1.000 junge Frauen im Alter von 18 bis 29 Jahren bereits 1.168 Männer — kein anderes Bundesland weist ein größeres demografisches Ungleichgewicht in dieser Altersgruppe auf. Die Bundesantwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/7653, 18. August 2026) dokumentiert dieses Phänomen mit umfangreichem Datenmaterial des Statistischen Bundesamts und beschreibt, mit welchen Programmen der Bund gegensteuern will.
Frauenabwanderung Ostdeutschland: Ausmaß und Entwicklung
Seit der Wiedervereinigung wandern junge Frauen überproportional aus den ostdeutschen Ländern ab — vor allem in Städte und nach Westdeutschland. Laut der in der Drucksache veröffentlichten Destatis-Tabelle (Basis Zensus 2022, Stand 31.12.2025) liegt das bundesweite Geschlechterverhältnis in der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen bei 1.096 Männern je 1.000 Frauen. In Brandenburg beträgt dieser Wert 1.161, in Thüringen 1.154. Auf Kreisebene ist die Schieflage noch ausgeprägter: Der Ilm-Kreis in Thüringen führt mit 1.429 Männern je 1.000 Frauen die Statistik an, es folgen Schweinfurt (1.422) und Darmstadt (1.350). Umgekehrt zeigen Universitätsstädte wie Freiburg im Breisgau (794) oder Münster (840) einen starken Frauenüberschuss in derselben Altersgruppe — ein deutliches Zeichen für die Bildungswanderung.
Die absolute Zahl der Wegzüge hat sich gegenüber den frühen 1990er-Jahren drastisch verringert. Im Jahr 1991 wanderten noch 123.859 Frauen von Ostdeutschland (ohne Berlin) nach Westdeutschland ab, im Jahr 2025 waren es mit 41.333 noch knapp ein Drittel davon. Auch der Rückzug aus dem Westen ist schwächer geworden: Zogen 1995 noch 61.272 Frauen von West nach Ost, waren es 2025 nur noch 37.482.
Was gilt aktuell? Bundesförderung für Kitas und Strukturwandel
Um die Lebensbedingungen in strukturschwachen ostdeutschen Regionen attraktiver zu gestalten und damit einer der Hauptursachen der Frauenabwanderung entgegenzuwirken, setzt die Bundesregierung auf mehrere Hebel. Zentrales Instrument ist der massive Ausbau der Kindertagesbetreuung: Aus dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“ stehen den Ländern von 2026 bis 2029 insgesamt 4 Milliarden Euro für Neubau, Sanierung und Ausstattung von Kitas bereit. Die Verwaltungsvereinbarung dazu trat am 28. Juli 2026 in Kraft. Darüber hinaus plant der Bund, das bisherige Kita-Qualitäts- und -Teilhabeverbesserungsgesetz (KiQuTG) durch ein Kita-Startchancen- und -Qualitätsentwicklungsgesetz (SCQEG) abzulösen, das bundesweite Standards setzt. Die Mehrkosten für die Länder sollen über eine Änderung der vertikalen Umsatzsteuerverteilung gedeckt werden — mit einem Volumen von rund 9,25 Milliarden Euro für die Jahre 2027 bis 2034.
Für den wirtschaftlichen Strukturwandel in Kohleregionen wie dem Mitteldeutschen und dem Lausitzer Revier greift zusätzlich das Investitionsgesetz Kohleregionen, das Hochschulen, Kulturangebote und Daseinsvorsorge fördert. Gesamtostdeutschland (außer Teilen Berlins) bleibt vollständig im GRW-Fördergebiet, das gewerbliche Investitionen und wirtschaftsnahe Infrastruktur unterstützt. Auch das im Jahr 2026 gestartete Portal „Lebenskarte“ (www.lebenskarte.info) zielt auf ökonomische Bildung und wirtschaftliche Eigenständigkeit von Frauen ab.
Folgen für Daseinsvorsorge und Gesellschaft
Die Bundesregierung sieht im Wegzug junger Frauen einen direkten Treiber für sinkende Fahrgastzahlen im ÖPNV, Kita-Schließungen und langfristig für einen verschärften Fachkräftemangel. Wo weniger junge Frauen leben, werden weniger Kinder geboren — und sinkende Kinderzahlen lösen wiederum Anpassungen der Betreuungsinfrastruktur aus, die weitere Abwanderung begünstigen können. Gleichzeitig verändert der Zuzug älterer Menschen die Anforderungen an die Pflege- und Unterstützungsinfrastruktur.
Auf drei der 23 Fragen konnte die Bundesregierung keine Antwort liefern: Zum jährlichen Wanderungssaldo 18- bis 29-jähriger Frauen von ländlichen ostdeutschen Kreisen in Großstädte, zur Berufsausbildungsmobilität nach Geschlecht und Bundesland sowie zu Erstarbeitsstellen außerhalb des Ausbildungs-Bundeslandes lagen laut Drucksache keine Erkenntnisse vor. Damit bleiben wichtige Datenlücken in der Analyse der Bildungs- und Erwerbswanderung bestehen — auch der Abbau des ostdeutschen Schienennetzes um 2.600 km seit 1990 verschlechtert die Erreichbarkeit und damit die Bleibeperspektiven junger Menschen in der Fläche.
Weiterlesen:
Betroffen sind vor allem junge Frauen und Familien in ländlichen Kreisen Ostdeutschlands, die mit schwindenden Kita-Angeboten, eingeschränkter Mobilität und einem Rückgang der lokalen Daseinsvorsorge konfrontiert sind. Mittelbar betroffen sind Kommunen und Landkreise, die durch sinkende Kinderzahlen und zunehmende Überalterung unter Haushaltsdruck geraten sowie Arbeitgeber, die unter dem regionalen Fachkräftemangel leiden.
Die Bundesregierung hat bei drei Fragen (Fragen 14, 17, 18) angegeben, dass ihr hierzu keine Erkenntnisse vorliegen — darunter der regional aufgeschlüsselte Wanderungssaldo junger Menschen von ländlichen Kreisen in Großstädte sowie Berufsausbildungs- und Berufseinstiegsmobilität. Bei den übrigen 20 Fragen wurden inhaltliche Antworten geliefert, teils mit Verweis auf beigefügte Anlagen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Frauenabwanderung Ostdeutschland: 23 Fragen an die Bundesregierung →
- GRW
- Gemeinschaftsaufgabe 'Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur' — ein Förderprogramm von Bund und Ländern für strukturschwache Regionen. Ganz Ostdeutschland (außer Teilen Berlins) zählt zum GRW-Fördergebiet.
- KiQuTG / SCQEG
- Das Kita-Qualitäts- und -Teilhabeverbesserungsgesetz (KiQuTG) soll durch das Kita-Startchancen- und -Qualitätsentwicklungsgesetz (SCQEG) abgelöst werden, das bundesweite Standards für frühkindliche Bildung setzt.
- Geschlechterverhältnis (Destatis)
- Statistisches Maß: Anzahl der Männer je 1.000 Frauen. Ein Wert über 1.000 bedeutet einen Männerüberschuss, unter 1.000 einen Frauenüberschuss.
Wo ist der Männerüberschuss bei Jungen am stärksten?
In der Altersgruppe 18–29 Jahre liegt der Ilm-Kreis (Thüringen) mit 1.429 Männern je 1.000 Frauen bundesweit an der Spitze, gefolgt von Schweinfurt (1.422) und Darmstadt (1.350).
Wie viele Frauen wandern noch von Ost nach West?
Im Jahr 2025 zogen laut Destatis 41.333 Frauen von Ostdeutschland (ohne Berlin) nach Westdeutschland — gegenüber 123.859 im Jahr 1991 ein Rückgang um fast zwei Drittel.
Was plant der Bund gegen Kita-Schließungen in Ostdeutschland?
Seit dem 28. Juli 2026 können Länder aus dem Sondervermögen 'Infrastruktur und Klimaneutralität' Mittel für Neubau, Sanierung und Ausstattung von Kitas abrufen. Der Bund stellt hierfür 4 Milliarden Euro bis 2029 bereit.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7653 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































