- 750 von 1.572 Bahnsteigen in Bayern vollständig barrierefrei
- An den Top-20-Bahnhöfen fiel ein Aufzug im Schnitt 48 Tage pro Jahr aus
- 521 Aufzugs- und Rolltreppenanlagen in Bayern, 206 täglich außer Betrieb
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7649 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Barrierefreiheit der Deutschen Bahn ist seit Jahren politisch umstritten. Eine frühere Schriftliche Frage (BT-Drs. 20/6070) hatte ergeben, dass damals nur 234 von 919 bayerischen Bahnstationen alle Kriterien weitreichender Barrierefreiheit erfüllten. Die DB InfraGO AG betreibt in Bayern nach aktuellem Stand 922 Verkehrsstationen. Der Bund finanziert Umbaumaßnahmen über die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung III sowie ein Sonderprogramm zur Attraktivitätssteigerung und Barrierefreiheit an Bahnhöfen. Maßgeblicher Rahmen sind die Europäische Technische Spezifikation für Interoperabilität im Bereich Personen mit eingeschränkter Mobilität (TSI PRM) und der nationale Umsetzungsplan.
- 750 von 1.572 Bahnsteigen — weisen alle neun auswertbaren Merkmale weitreichender Barrierefreiheit auf (Bayern, Stand 2026).
- 77 von 1.572 Bahnsteigen — erfüllen weniger als sechs der elf Merkmale weitreichender Barrierefreiheit.
- 192 von 922 Stationen — verfügen über mindestens einen Aufzug; an 93 davon fiel er 2026 länger als einen Tag aus.
- 521 Höhenfördertechnikanlagen — betreibt die DB InfraGO AG in Bayern; durchschnittlich 206 davon waren täglich außer Betrieb.
- 48 Kalendertage — so lange war im Jahresdurchschnitt an den 20 verkehrsstärksten bayerischen Stationen mindestens ein Aufzug oder eine Rolltreppe ausgefallen (Zeitraum 2021–2026).
Im Detail
An den 20 verkehrsstärksten bayerischen Stationen war im betrachteten Zeitraum durchschnittlich an 48 Kalendertagen pro Station und Jahr mindestens ein Aufzug oder eine Rolltreppe außer Betrieb.
— BT-Drs. 21/7649, Antwort zu Frage 6
Barrierefreie Bahnhöfe sind für Millionen Menschen in Deutschland keine Komfortfrage, sondern Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. In Bayern zeigt eine aktuelle Regierungsantwort, wie weit die Realität noch vom Ziel entfernt ist: Nur 750 von 1.572 Bahnsteigen erfüllen alle neun derzeit auswertbaren Merkmale weitreichender Barrierefreiheit. An den größten Bahnhöfen des Freistaats fiel im Jahresdurchschnitt mindestens ein Aufzug oder eine Rolltreppe an 48 Kalendertagen aus — fast sieben Wochen pro Station und Jahr.
Was gilt aktuell?
Die DB InfraGO AG betreibt in Bayern insgesamt 922 Verkehrsstationen. Maßgeblicher Barrierefreiheitsstandard ist ein Merkmalskatalog mit 11 Kriterien für 7 Nutzergruppen, von denen aktuell 9 statistisch auswertbar sind. Dieser Standard wird als „weitreichende Barrierefreiheit“ bezeichnet und geht über den reinen stufenfreien Zugang hinaus — er schließt etwa taktile Handlaufschilder und korrekte Bahnsteighöhen ein. Der Bund finanziert Umbaumaßnahmen über die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung III sowie ein Sonderprogramm zur Attraktivitätssteigerung und Barrierefreiheit an Bahnhöfen.
Barrierefreiheit Bahn Bayern: Zahlen im Detail
Die Bundesregierung hat am 17. August 2026 die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/7339) mit der Drucksache 21/7649 beantwortet. Neben den 750 vollständig ausgerüsteten Bahnsteigen weisen 77 von 1.572 Bahnsteigen weniger als sechs Merkmale auf — diese Stationen haben also erheblichen Nachholbedarf. An den 20 verkehrsstärksten Stationen — darunter München Hbf, Nürnberg Hbf, Augsburg Hbf und Würzburg Hbf — sieht die Lage besser aus: Hier weisen 56 von 86 Bahnsteigen alle auswertbaren Merkmale auf, und kein einziger Bahnsteig fällt unter die Sechs-Merkmale-Grenze.
Aufzüge: Häufige Ausfälle an vielen Stationen
Besonders aussagekräftig sind die Ausfallzahlen für Fahrstühle und Rolltreppen. Von den 922 bayerischen Stationen verfügen 192 über mindestens einen Aufzug, 17 über mindestens eine Rolltreppe. Im Jahr 2026 war an 93 Stationen mindestens ein Aufzug länger als einen Tag außer Betrieb, an 29 Stationen sogar länger als sieben Tage. Bei Rolltreppen verzeichneten 14 Stationen einen Ausfall von mehr als einem Tag, 7 Stationen einen Ausfall von mehr als sieben Tagen. Insgesamt betreibt die DB InfraGO AG in Bayern 521 Höhenfördertechnikanlagen; nach Angaben der Bahn waren davon im Durchschnitt täglich 206 außer Betrieb — das entspricht rund 40 Prozent des Bestands.
Für die 20 meistfrequentierten Bahnhöfe ergibt sich ein noch deutlicheres Bild: Dort fiel im Betrachtungszeitraum 2021 bis 2026 pro Station und Jahr durchschnittlich an 48 Kalendertagen mindestens eine Anlage aus. Die Bundesregierung weist darauf hin, dass aus datentechnischen Gründen nur Daten ab 2021 vorliegen; die Frage nach den vergangenen zehn Jahren konnte daher nicht vollständig beantwortet werden. Vergleichbare Transparenzlücken bestehen beim Umgang der Bahn mit vertraulich eingestuften Betriebsdaten.
Widerspruch zwischen Bahn-Zahlen und Bundeszahlen
Die Fraktion Die Linke thematisierte in ihrer Anfrage eine auffällige Diskrepanz: Die DB AG hatte in einer Pressemitteilung vom September 2024 angegeben, 515 bayerische Bahnhöfe seien bereits „barrierefrei ausgebaut“. Demgegenüber hatte eine frühere Regierungsantwort (BT-Drs. 20/6070) nur 234 Stationen als vollständig nach dem weitreichenden Standard ausgewiesen. Die Bundesregierung erklärt diesen Unterschied damit, dass Bayern und die Bayerische Eisenbahngesellschaft für ihre Auswertung lediglich den stufenfreien Zugang und die korrekte Bahnsteighöhe als Hauptkriterium heranziehen. Fehlende Elemente wie taktile Handlaufschilder fallen in dieser Zählung nicht ins Gewicht, werden aber im Bundesstandard als Ausschlusskriterium gewertet. Diese fehlenden Merkmale sollen sukzessive nachgerüstet werden.
Barrierefreiheit Bahn Bayern: Ausbaugrad weiterhin bahnsteigbezogen
Die DB InfraGO AG lehnt eine stationsweite Gesamtbeurteilung ab: Würde an einem einzelnen, selten genutzten Bahnsteig ein taktiles Handlaufschild fehlen, würde die gesamte Station als nicht barrierefrei gewertet — selbst wenn alle übrigen Bahnsteige vollständig ausgestattet sind. Der Ausbaugrad wird daher weiterhin bahnsteigbezogen dargestellt und im Infrastrukturkataster des Eisenbahn-Bundesamtes veröffentlicht. Die Anfrage thematisiert damit ein grundsätzliches Problem: Transparenz und Vergleichbarkeit von Barrierefreiheitsdaten hängen stark von der gewählten Messmethode ab — ähnlich wie beim Zustand des Schienennetzes in Ostdeutschland, wo unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe das Gesamtbild verzerren.
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Betroffen sind vor allem Menschen mit Behinderungen, ältere Reisende sowie Personen mit Kinderwagen oder schwerem Gepäck, die auf Aufzüge und stufenfreie Zugänge angewiesen sind. In Bayern nutzen täglich Hunderttausende die 20 meistfrequentierten Bahnhöfe, an denen Ausfälle besonders spürbar werden.
Die Bundesregierung beantwortet die Fragen überwiegend vollständig, weicht aber bei den historischen Jahreswerten und der Aufschlüsselung nach Regierungsbezirken mit dem Hinweis auf datentechnische Grenzen aus und liefert stattdessen Durchschnittswerte für 2021 bis 2026.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Bahnbarrierefreiheit Bayern: Nur 234 von 919 Stationen vollständig barrierefrei →
- Weitreichende Barrierefreiheit
- Standard der DB InfraGO AG mit 11 Merkmalen (davon 9 auswertbar) für 7 Nutzergruppen, der über den stufenfreien Zugang hinausgeht und etwa taktile Handlaufschilder und bestimmte Bahnsteighöhen einschließt.
- TSI PRM
- Europäische Technische Spezifikation für die Interoperabilität im Bereich Personen mit eingeschränkter Mobilität — verbindliche EU-Norm für barrierefreie Bahnanlagen.
- Höhenfördertechnikanlage
- Oberbegriff für Aufzüge und Rolltreppen an Bahnhöfen, die Niveauunterschiede zwischen Zugang und Bahnsteig überbrücken.
Wie viele Bahnsteige in Bayern sind barrierefrei?
750 von 1.572 Bahnsteigen weisen alle neun aktuell auswertbaren Merkmale weitreichender Barrierefreiheit auf; 77 Bahnsteige erfüllen weniger als sechs Merkmale.
Warum gelten in Bayern 515 Bahnhöfe als barrierefrei, aber nur 234 erfüllten früher alle Kriterien?
Die Diskrepanz entsteht durch unterschiedliche Definitionen: Bayern und die Bayerische Eisenbahngesellschaft zählen bereits stufenfreien Zugang und korrekte Bahnsteighöhe als ausreichend; die weitreichende Barrierefreiheit des Bundes verlangt zusätzlich unter anderem taktile Handlaufschilder.
Wie oft fallen Aufzüge an bayerischen Bahnhöfen aus?
An 93 der 192 Stationen mit mindestens einem Aufzug fiel dieser 2026 länger als einen Tag aus; an 29 Stationen war der Ausfall länger als sieben Tage.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7649 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































