- 169.141 Anschreiben im Q2 2026 versandt, 86.560 Fragebögen zurück
- 5.984 Kriegsdienstverweigerungsanträge im zweiten Quartal 2026
- 24 Musterungszentren sollen Sommer 2027 Kapazität für 300.000 pro Jahrgang bieten
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7894 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz (WDModG) ist am 1. Januar 2026 in Kraft getreten und führt nach der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 wieder Pflichtbestandteile ein: Alle nach dem 31. Dezember 2007 geborenen Männer müssen einen Bereitschaftsfragebogen ausfüllen; ab Juli 2027 ist für diesen Jahrgang die Musterung verpflichtend. Die Fraktion Die Linke hat mit Drucksache 21/7467 eine Kleine Anfrage zum Umsetzungsstand im zweiten Quartal 2026 gestellt; die vorliegende Antwort (BT-Drs. 21/7894) wurde vom Bundesministerium der Verteidigung am 7. September 2026 übermittelt. Es ist bereits die dritte Antwort-Drucksache zu diesem Themenkomplex; frühere Daten finden sich in BT-Drs. 21/6256 und 21/7573.
- 169.141 — Anschreiben zur Bereitschaftserklärung im Q2 2026 (86.962 an Männer, 82.179 an Personen anderen Geschlechts)
- 86.560 — Zurückgegebene Bereitschaftserklärungen im Q2 2026 (83.483 von Männern, 3.077 von anderen)
- 5.984 — Kriegsdienstverweigerungsanträge im Zeitraum 1. April bis 30. Juni 2026 (davon 5.571 von Ungedienten)
- 24.707 — Personen, die Bereitschaft zu Freiwilligem Wehrdienst (6–11 Monate) bekundet haben (22.726 Männer, 1.981 andere)
- 24 — Musterungszentren geplant; vollständige Kapazität für rund 300.000 Wehrpflichtige pro Jahrgang ab Sommer 2027 angestrebt
Im Detail
Die allgemeine Verwaltungsvorschrift zu Bußgeldverfahren gemäß § 45 Absatz 1 WPflG wird derzeit noch abgestimmt.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7894, S. 5
Das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz läuft seit Jahresbeginn 2026 — und die Bundesregierung legt jetzt erstmals umfangreiche Quartalsdaten zu seiner Umsetzung vor. Laut BT-Drs. 21/7894 hat das Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBW) im zweiten Quartal 2026 insgesamt 169.141 Anschreiben versandt: 86.962 an Männer und 82.179 an Personen anderen Geschlechts. Zurück kamen 86.560 ausgefüllte Bereitschaftserklärungen — überwiegend von Männern (83.483), nur 3.077 von Personen anderen Geschlechts.
Wehrdienst-Modernisierungsgesetz: Was gilt aktuell?
Das WDModG ist am 1. Januar 2026 in Kraft getreten. Es verpflichtet alle nach dem 31. Dezember 2007 geborenen Männer, einen Bereitschaftsfragebogen auszufüllen und ihre prinzipielle Dienstbereitschaft anzugeben. Wer der Aufforderung nicht nachkommt, kann polizeilich vorgeführt oder nach Aktenlage gemustert werden. Die verpflichtende Musterung dieses Jahrgangs beginnt ab Juli 2027. Bußgelder wurden im zweiten Quartal 2026 noch nicht verhängt — die Verwaltungsvorschrift dazu wird laut Regierung noch abgestimmt. Rund vier Prozent der angeschriebenen Männer haben die Frist für die Bereitschaftserklärung verpasst.
Auf einer Skala von 1 (kein Interesse) bis 10 (hohes Interesse) verteilten sich die Angaben stark: Den Wert 1 wählten 4.838 Personen, den Wert 10 immerhin 2.346. Die meisten Nennungen entfielen auf die Werte 1, 5 und 11 — letzteres bei der Dienstbereitschaft nach Monaten, die mit 666 Nennungen am häufigsten gewählt wurde.
Bereitschaft und Wunsch-Truppengattungen
Zum Stichtag 2. Juli 2026 haben 22.726 Männer und 1.981 Personen anderen Geschlechts Bereitschaft zum Freiwilligen Wehrdienst (6 bis 11 Monate) bekundet. Weitere 2.491 Männer und 252 Personen anderen Geschlechts zeigten Interesse an einem Zeitsoldatenverhältnis von 12 bis 23 Monaten; 4.099 Männer und 582 andere interessieren sich für mehr als 23 Monate. Bei den gewünschten Truppengattungen liegt das Heer mit 18.533 Interessierten vorn, gefolgt von der Luftwaffe (12.338), dem Unterstützungsbereich (10.485), dem Cyber- und Informationsraum (6.827) und der Marine (6.329). Mehrfachnennungen waren möglich.
Bis zum 30. Juni 2026 haben 1.073 Personen tatsächlich ihren Dienst als Freiwillig Wehrdienstleistende angetreten. Für das Gesamtjahr 2026 sind laut Regierung zum Stichtag 31. Juli 2026 insgesamt 824 Einplanungen für Wehrdienst von sechs bis 23 Monaten vorgesehen — ein noch überschaubarer Anlauf im ersten Jahr.
Kriegsdienstverweigerung: 5.984 Anträge in einem Quartal
Parallel zur wachsenden Erfassung steigt auch die Zahl der Kriegsdienstverweigerungsanträge (KDV). Im Zeitraum 1. April bis 30. Juni 2026 gingen in der Bundeswehr 5.984 KDV-Anträge ein — davon 5.571 von Ungedienten, 380 von Reservistinnen und Reservisten, 32 von Soldatinnen und Soldaten auf Zeit sowie einer von einer Berufssoldatin bzw. einem Berufssoldaten. Kein einziger Antrag stammte von Freiwillig Wehrdienstleistenden. Bis zum 31. Juli 2026 wurden im Jahr 2026 insgesamt 310 vor einer Musterung gestellte KDV-Anträge abgelehnt. Von den 1.490 Angehörigen des Jahrgangs 2008, die im Q2 2026 zum militärischen Assessment eingeladen wurden, stellte niemand einen KDV-Antrag — alle erklärten Bereitschaft zum freiwilligen Wehrdienst.
Eine Frage blieb unbeantwortet: Wie viele der individuell angeschriebenen Männer einen KDV-Antrag gestellt haben (Frage 10), konnte die Regierung wegen unzumutbaren Aufwands nicht beantworten — die händische Auswertung von rund 6.000 Datensätzen erfordere laut Verteidigungsministerium etwa 295 Stunden Bearbeitungszeit und würde die Arbeitsfähigkeit des BAPersBW erheblich einschränken.
Musterungszentren und Organisationsaufbau
Im zweiten Quartal 2026 wurden laut Drucksache 1.131 Personen als wehrdienstfähig gemustert, 359 als wehrdienstunfähig. Förmliche Ladungen zur Musterung wurden im Q2 2026 noch nicht ausgesprochen. Der vollständige Aufbau der Musterungsorganisation mit insgesamt 24 Zentren — darunter acht neue Standorte in Bielefeld, Braunschweig, Dortmund, Jena, Kempten, Offenburg, Regensburg und Würzburg — ist für den Sommer 2027 geplant. Die Gesamtkapazität soll ausreichen, um rund 300.000 Wehrpflichtige eines Geburtsjahrgangs flächendeckend zu mustern. Fragen zu Personalkapazitäten und Kosten verwies die Regierung auf frühere Drucksachen und eigene Pressemitteilungen.
Für Personen mit ausländischem Wehrdienst gilt: Eine Anrechnung abgeleisteter Dienste im Ausland findet derzeit nicht statt, da die entsprechende Vorschrift (§ 8 Abs. 2 WPflG) nur im Spannungs- und Verteidigungsfall greift. Ebenso entfaltet eine im Ausland anerkannte Kriegsdienstverweigerung keine Rechtswirkung nach deutschem Recht — wer hierzulande anerkannt werden möchte, muss das Verfahren nach dem deutschen Kriegsdienstverweigerungsgesetz durchlaufen.
Weiterlesen:
- Antisemitische Straftaten: 1.366 (2015) auf 6.548 (2025)
- Agentische KI in der Bundesverwaltung: 3,4 Mio. Euro investiert
Unmittelbar betroffen sind alle in Deutschland lebenden Männer der Jahrgänge 2008 und jünger, die als Deutsche im Sinne des Grundgesetzes gelten. Darüber hinaus erhalten auch Personen anderen Geschlechts Anschreiben zur freiwilligen Bereitschaftserklärung. Mittelbar sind Arbeitgeber, Ausbildungsbetriebe und Bildungseinrichtungen betroffen, die mit potenziellen Einberufungen ihrer Auszubildenden und Studierenden rechnen müssen.
Zu Frage 10 (individuelle KDV-Anträge angeschriebener Männer) verweigert die Bundesregierung die Antwort mit Verweis auf unzumutbaren Aufwand (rund 295 Stunden für ca. 6.000 Datensätze). Zu Personalkapazitäten für Musterungen (Fragen 20/21), KDV-Bearbeitungszeiten (Frage 28) und weiteren Einzelaspekten verweist die Regierung pauschal auf frühere Drucksachen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Wehrdienst-Modernisierungsgesetz: 35 Fragen zur Umsetzung 2026 →
- WDModG
- Wehrdienst-Modernisierungsgesetz, seit 1. Januar 2026 in Kraft; führt Erfassungs- und Musterungspflichten für Männer der Jahrgänge ab 2008 wieder ein.
- Kriegsdienstverweigerung (KDV)
- Verfassungsrechtlich garantiertes Recht (Art. 4 Abs. 3 GG), den Kriegsdienst mit der Waffe aus Gewissensgründen zu verweigern; geregelt im Kriegsdienstverweigerungsgesetz (KDVG).
- BAPersBW
- Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr; zuständig für Erfassung, Anschreiben und Auswertung der Bereitschaftserklärungen im Rahmen des WDModG.
Müssen auch Frauen den Fragebogen ausfüllen?
Laut Drucksache wurden im Q2 2026 auch 82.179 Personen anderen Geschlechts angeschrieben; die Wehrpflicht im engeren Sinne gilt nach § 1 Wehrpflichtgesetz nur für Männer ab 18 Jahren.
Was passiert, wenn man den Fragebogen nicht ausfüllt?
Laut Antwort der Bundesregierung haben rund vier Prozent der angeschriebenen Männer die Frist versäumt. Bußgelder wurden im Q2 2026 noch nicht verhängt; die entsprechende Verwaltungsvorschrift wird noch abgestimmt.
Wann beginnen die verpflichtenden Musterungen?
Ab Juli 2027 müssen alle Männer des Jahrgangs 2008 zur Musterung. Die 24 Musterungszentren sollen laut Bundesregierung im Sommer 2027 vollständig betriebsbereit sein.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7894 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































