- 34 % der Berufssoldaten sind ostdeutscher Herkunft
- Bei Generälen und Admiralen kaum ostdeutsche Repräsentation
- Bundesverwaltung insgesamt: 16,3 % ostdeutsche Führungskräfte
Hintergrund
Der 35. Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit (2025) der Ostbeauftragten Elisabeth Kaiser hatte eine deutliche Unterrepräsentation gebürtiger Ostdeutscher in Führungspositionen der obersten Bundesbehörden festgestellt und einen rückläufigen Trend bei Führungskräften aus den neuen Ländern beschrieben. Laut dem sogenannten Elitenmonitor waren 2023 und 2018 keine der 72 definierten Top-Positionen in der Bundeswehr mit Ostdeutschen besetzt. Die Fraktion Die Linke wollte daraufhin mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/8206 detaillierte Zahlen für die gesamte Bundeswehr und ihre Teilstreitkräfte erheben.
- 20.146 (34 %) — Berufssoldatinnen und Berufssoldaten ostdeutscher Herkunft in der Bundeswehr, Stand 31. August 2026.
- 29.202 (26 %) — Soldatinnen und Soldaten auf Zeit ostdeutscher Herkunft.
- 1.343 (25 %) — Freiwillig Wehrdienstleistende ostdeutscher Herkunft.
- 0 (0 %) — Admirale der Marine ostdeutscher Herkunft; beim Heer und der Luftwaffe je 1 General.
- 16,3 % — Anteil ostdeutscher Führungskräfte in den obersten Bundesbehörden gesamt (2026), +2,4 Prozentpunkte gegenüber 2022.
Im Detail
In den obersten Bundesbehörden kommen über alle Ressorts hinweg heute im Gesamtschnitt bereits 16,3 Prozent Führungskräfte gebürtig aus Ostdeutschland (+2,4 Prozent ggü. 2022).
— Vorbemerkung der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8521
Mehr als drei Jahrzehnte nach der deutschen Wiedervereinigung sind ostdeutsche Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr auf den unteren und mittleren Dienstebenen gut vertreten — in den Generalrängen hingegen kaum. Das zeigt die Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 21/8521) vom 12. Oktober 2026 auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke. Das Bundesministerium der Verteidigung hat detaillierte Zahlen für alle Teilstreitkräfte mit Stand 31. August 2026 vorgelegt.
Ostdeutsche in der Bundeswehr: Die aktuellen Zahlen
Gesamtbundeswehrweit stellen ostdeutsche Berufssoldatinnen und Berufssoldaten mit 20.146 Personen einen Anteil von 34 Prozent — das liegt deutlich über dem Bevölkerungsanteil der neuen Bundesländer von rund 20 Prozent. Bei Zeitsoldaten beträgt der Anteil 26 Prozent (29.202 Personen), bei freiwillig Wehrdienstleistenden 25 Prozent (1.343 Personen). Auf den unteren Ebenen ist die Repräsentation also beachtlich; je höher der Dienstgrad, desto geringer wird sie jedoch.
Beim Heer dient laut Drucksache nur ein einziger General ostdeutscher Herkunft. Auf Stabsoffiziersebene (Majore, Oberstleutnante, Oberste) sind es 836 Personen, bei den Leutnanten bis Stabshauptleuten 1.305. Die zahlenmäßig stärkste Gruppe bilden die Mannschaften mit 7.719 ostdeutschen Soldatinnen und Soldaten. Ein ähnliches Muster zeigt sich bei der Luftwaffe: 1 General (4 Prozent), 421 Stabsoffiziere (22 Prozent) und 1.175 Mannschaften (20 Prozent). Bei der Marine ist das Bild am deutlichsten: Kein einziger Admiral ist ostdeutscher Herkunft (0 Prozent). Auf den mittleren Ebenen hingegen sind Ostdeutsche überproportional vertreten — etwa 37 Prozent der Unteroffiziere mit Portepee bei der Marine stammen aus den neuen Bundesländern.
Was gilt aktuell beim Thema Repräsentation im Bund?
Der 35. Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit (2025) hatte eine anhaltende Unterrepräsentation ostdeutscher Führungskräfte in den obersten Bundesbehörden dokumentiert und sogar einen rückläufigen Trend festgestellt. Die Bundesregierung widerspricht dieser Bewertung in ihrer Vorbemerkung zur Antwort ausdrücklich und verweist auf eigene Daten: Demnach liegt der Anteil ostdeutscher Führungskräfte in den obersten Bundesbehörden 2026 bei 16,3 Prozent — ein Plus von 2,4 Prozentpunkten gegenüber 2022. Unter den Referatsleitungen sind es sogar 17,6 Prozent, bei den Abteilungsleitungen erstmals über zehn Prozent (11,2 Prozent). Auf Referentenebene, also bei Nachwuchskräften für künftige Führungspositionen, liegt der Anteil bei 24,9 Prozent und damit über dem Bevölkerungsanteil.
Zur Förderung ostdeutscher Führungskräfte verweist die Bundesregierung auf das 2023 beschlossene Bundeskonzept zur Steigerung des Anteils von Ostdeutschen in der Bundesverwaltung sowie auf die Diversitätsstrategie aus 2025. Das Verteidigungsministerium stehe dazu in kontinuierlichem Austausch mit der Ostbeauftragten der Bundesregierung.
Politischer Kontext: Einheit als unvollendetes Projekt
Die Anfrage der Fraktion Die Linke greift ein strukturelles Problem auf, das in der politischen Debatte seit Jahren präsent ist. Der sogenannte Elitenmonitor hatte für 2023 und 2018 keine Ostdeutschen unter den 72 definierten Top-Positionen der Bundeswehr gezählt. Die vorgelegten Zahlen belegen, dass ostdeutsche Soldatinnen und Soldaten zwar zahlreich in der Bundeswehr dienen, der Aufstieg in die obersten militärischen Führungsränge aber nach wie vor selten gelingt. Die Bundesregierung widerspricht der Einschätzung der Fragesteller, dass sich die Lage verschlechtert habe, und sieht die Entwicklung insgesamt positiv. Vergleichbar diskutiert wird das Thema auch bei anderen staatlichen Institutionen — so etwa bei der Frage nach gleichwertiger Repräsentation in der Bundespolitik.
Die Daten zeigen zudem, dass die ostdeutsche Repräsentation in der Bundeswehr auf unteren Ebenen teils deutlich über dem Bevölkerungsanteil liegt. Das deutet auf eine hohe Attraktivität des Soldatenberufs in den neuen Bundesländern hin, während der Aufstieg in Führungspositionen strukturelle Hürden aufzuweisen scheint. Ähnliche Fragen nach Ressourceneinsatz und Wirksamkeit staatlicher Programme stellen sich auch in anderen Bereichen — wie etwa bei der Kontrolle öffentlicher Mittel in Bundesbehörden.
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Betroffen sind ostdeutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, die eine Laufbahn bei der Bundeswehr anstreben oder bereits dienen — rund 50.000 laut den vorgelegten Daten. Die Zahlen sind auch gesellschaftspolitisch relevant für alle Bürgerinnen und Bürger in den neuen Bundesländern, da die Repräsentation in staatlichen Institutionen ein Indikator für gesellschaftliche Chancengleichheit 36 Jahre nach der Wiedervereinigung ist.
Die Bundesregierung hat die konkreten Zahlenfragen zu allen Teilstreitkräften vollständig beantwortet und umfangreiche Tabellen geliefert. Zur Frage 2 (Heer) fehlen prozentuale Anteile, da laut Fragestellung die Prozentangaben den Fragestellern bereits vorlagen. Die allgemeinen politischen Wertungen in der Vorbemerkung der Fragesteller hat die Bundesregierung ausdrücklich zurückgewiesen.
Die Anfrage ist mit der Antwort des Bundesministeriums der Verteidigung vom 12. Oktober 2026 (BT-Drs. 21/8521) abgeschlossen. Ein weiteres parlamentarisches Verfahren ist nicht vorgesehen; die Bundesregierung hat auf laufende Maßnahmen und den Bericht der Ostbeauftragten verwiesen.
- Berufssoldatin / Berufssoldat
- Soldat auf Lebenszeit, der auf Grundlage eines unbefristeten Dienstverhältnisses dient — im Gegensatz zum Soldaten auf Zeit oder freiwillig Wehrdienstleistenden.
- Elitenmonitor
- Wissenschaftliche Langzeitstudie, die regelmäßig die Herkunft von Personen in gesellschaftlichen Spitzenpositionen in Deutschland untersucht, u. a. in Politik, Wirtschaft und Militär.
- Ostbeauftragte
- Die Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland koordiniert Maßnahmen zur Förderung gleichwertiger Lebensverhältnisse in den neuen Bundesländern und legt jährlich den Bericht zum Stand der Deutschen Einheit vor.
Wie viele ostdeutsche Berufssoldaten gibt es in der Bundeswehr?
Laut BT-Drs. 21/8521 dienen mit Stand 31. August 2026 insgesamt 20.146 Berufssoldatinnen und Berufssoldaten ostdeutscher Herkunft in der Bundeswehr, das entspricht 34 Prozent.
Gibt es ostdeutsche Admirale in der Marine?
Nein. Laut der Antwort der Bundesregierung sind bei der Marine mit Stand August 2026 keine Admirale ostdeutscher Herkunft vertreten (0, 0 Prozent).
Wie ist die Repräsentation ostdeutscher Führungskräfte in der Bundesverwaltung insgesamt?
Die Bundesregierung gibt an, dass in den obersten Bundesbehörden 2026 im Gesamtschnitt 16,3 Prozent der Führungskräfte gebürtig aus Ostdeutschland stammen, ein Anstieg von 2,4 Prozentpunkten gegenüber 2022.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8521 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.




































































