- Bund soll Auskunft zu genetischen Erhaltungsbeständen heimischer Bäume geben
- Eschentriebsterben und Klimastress bedrohen die Waldresilienz in Deutschland
- Forschungsförderung zu forstlichen Genressourcen seit 2010 wird abgefragt
Hintergrund
Heimische Baumarten stehen in Deutschland unter zunehmendem Druck durch invasive Schadorganismen, Klimastress und veränderte Landnutzung. Das Eschentriebsterben, verursacht durch den Pilz Hymenoscyphus fraxineus, hat seit den frühen 2000er Jahren erhebliche Bestände der Gemeinen Esche dezimiert. Auf europäischer Ebene koordiniert das European Forest Genetic Resources Programme (EUFORGEN) die Erhaltung forstlicher Genressourcen und unterstützt Staaten bei der Identifikation genetisch bedeutsamer Bestände. Deutschland ist an EUFORGEN beteiligt; wie weit Bund und Länder eigene Monitoring- und Schutzprogramme etabliert haben, ist Gegenstand der vorliegenden Anfrage.
Im Detail
Die genetische Vielfalt innerhalb von Baumarten stellt eine grundlegende Voraussetzung für die Anpassungsfähigkeit und Stabilität von Waldökosystemen dar.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/8783
Die genetische Vielfalt heimischer Baumarten bestimmt maßgeblich, ob Wälder Krankheiten, Schädlingsbefall und den Klimawandel überstehen. Je breiter das genetische Spektrum einer Baumart, desto größer die Chance, dass einzelne Individuen mit neuen Stressfaktoren zurechtkommen und überleben. Diesen Zusammenhang nimmt die AfD-Fraktion zum Ausgangspunkt ihrer Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/8783, die am 26. Oktober 2026 beim Deutschen Bundestag eingegangen ist.
Genetische Vielfalt heimischer Baumarten unter Druck
Das Dokument benennt konkrete Bedrohungsszenarien: Das Eschentriebsterben durch den Pilz Hymenoscyphus fraxineus hat seit den frühen 2000er Jahren großflächig Bestände der Gemeinen Esche geschädigt. Forschungsergebnisse zeigen, dass einzelne Eschen genetisch bedingte Resistenzen aufweisen — ein Hinweis darauf, dass das Überleben der Art von der Erhaltung genetischer Vielfalt abhängt. Ähnliches gilt für weitere Baumarten, die unter Klimastress, invasiven Schädlingen oder Veränderungen der Landnutzung leiden. Die Anfrage fragt deshalb, welche Erkenntnisse der Bundesregierung über genetische Resistenzmechanismen vorliegen und welche Maßnahmen zur gezielten Vermehrung resistenter Individuen ergriffen wurden.
Was gilt aktuell?
Auf europäischer Ebene koordiniert EUFORGEN (European Forest Genetic Resources Programme) die Erhaltung forstlicher Genressourcen. Deutschland beteiligt sich an diesem Netzwerk. Auf nationaler Ebene sind nach geltendem Forstrecht die Bundesländer für den Waldschutz zuständig; Bundesinstitutionen wie das Thünen-Institut und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) forschen zu forstlichen Genressourcen, ohne jedoch eine einheitliche bundesweite Koordinierungsstelle darzustellen. Ob und in welchem Umfang ein bundesweit einheitliches Monitoring der genetischen Vielfalt von Waldbaumarten existiert, bleibt eine der zentralen offenen Fragen dieser Anfrage.
20 Fragen zu Daten, Förderung und Strategie
Die Fragesteller Marcel Queckemeyer, Andreas Bleck und weitere Abgeordnete der AfD-Fraktion richten insgesamt 20 Fragen an die Bundesregierung. Sie erkundigen sich unter anderem danach, wie viele genetische Erhaltungsbestände in Deutschland ausgewiesen sind und welche Fläche diese umfassen — aufgeschlüsselt nach Baumart und Bundesland. Außerdem fragen sie nach dem Umfang bundesweit geförderter Forschungsvorhaben zur genetischen Vielfalt von Waldbaumarten seit 2010, inklusive Fördersummen. Ein weiterer Fragenkomplex betrifft die Rolle genetischer Kriterien bei Aufforstungsprogrammen nach Schadereignissen wie Sturm oder Dürre. Gerade nach den extremen Trockenjahren der vergangenen Dekade ist Wiederbewaldung in Deutschland ein drängendes Thema, bei dem die Wahl der richtigen Herkünfte über den langfristigen Erfolg entscheidet. Auch die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt und die Umsetzung europäischer Programme zum Schutz forstlicher Genressourcen werden thematisiert. Die abschließende Frage verlangt eine direkte Ja-oder-Nein-Antwort: Plant die Bundesregierung den Aufbau oder Ausbau eines bundesweit einheitlichen Monitorings der genetischen Vielfalt von Waldbaumarten — und wenn ja, bis wann?
Thematisch verwandt ist der Bereich des Schutzes ökologischer Ressourcen, wo ebenfalls Bundesinstitutionen eine zentrale Koordinierungsrolle übernehmen sollen. Der parlamentarische Informationsbedarf zu Naturschutzthemen zeigt sich auch in anderen aktuellen Anfragen, etwa zur Klimaanpassungsförderung für Kommunen in Höhe von 34,6 Millionen Euro.
Eine Antwort der Bundesregierung liegt noch nicht vor. Sobald sie als Drucksache veröffentlicht wird, lässt sich beurteilen, ob Deutschland über ausreichende Datengrundlagen und Schutzmaßnahmen für die genetische Vielfalt seiner Wälder verfügt.
Betroffen sind Forstbetriebe, Waldeigentümer und die breite Öffentlichkeit, die auf stabile Waldökosysteme angewiesen ist. Besonders relevant ist das Thema für Regionen mit hohem Eschen- oder Ulmenanteil sowie für Aufforstungsprojekte nach Sturmschäden oder Dürren der vergangenen Jahre.
Die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/8783 ist am 26. Oktober 2026 eingegangen. Die Bundesregierung muss die Fragen schriftlich beantworten; § 104 GO-BT sieht hierfür grundsätzlich 14 Tage nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vor. Sobald die Antwort als Bundestagsdrucksache veröffentlicht wird, ist das Verfahren abgeschlossen.
- EUFORGEN
- Das European Forest Genetic Resources Programme ist ein europäisches Netzwerk zur Erhaltung genetischer Ressourcen von Waldbaumarten und berät Mitgliedstaaten bei der Sicherung genetisch wertvoller Bestände.
- Genetischer Erhaltungsbestand
- Ausgewiesener Waldbestand, der eine möglichst breite genetische Vielfalt einer Baumart repräsentiert und gezielt vor genetischer Verarmung geschützt wird.
- Herkunft (forstlich)
- Bezeichnet die geographische Herkunft von Saatgut oder Pflanzenmaterial; genetisch angepasste Herkünfte sind für die Widerstandsfähigkeit neuer Waldbestände entscheidend.
Was ist das Eschentriebsterben?
Das Eschentriebsterben wird durch den Pilz Hymenoscyphus fraxineus verursacht und hat seit den frühen 2000er Jahren zu erheblichen Schäden bei der Gemeinen Esche in Europa geführt. Einzelne Eschen zeigen genetisch bedingte Resistenzen gegen den Erreger.
Was sind genetische Erhaltungsbestände?
Genetische Erhaltungsbestände sind ausgewiesene Waldflächen, in denen Baumarten mit möglichst breiter genetischer Variabilität erhalten werden, um die langfristige Anpassungsfähigkeit der Art zu sichern.
Welche Bundesbehörden sind für forstliche Genressourcen zuständig?
Laut Anfrage spielen das Thünen-Institut und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) eine Rolle bei Erforschung und Sicherung genetischer Ressourcen von Waldbaumarten; konkrete Zuständigkeiten soll die Bundesregierung in ihrer Antwort klären.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8783 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































