- Bundeswehr emittierte 2021 laut Studie rund 10 Mio. Tonnen CO₂
- Offiziell meldete die Bundesregierung nur 1,7 Mio. Tonnen für 2021
- Antrag fordert verbindliche Systemgrenzen und unabhängige Prüfung
Hintergrund
Militärische Treibhausgasemissionen sind international weitgehend von Klimaschutzpflichten ausgenommen. Das Kyoto-Protokoll und das Pariser Übereinkommen überlassen es den Staaten, ob sie Militäremissionen in ihren Klimazielen berücksichtigen. Eine Studie zu den Emissionen des Jahres 2021 schätzt die Bundeswehr-Emissionen auf rund 10 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente, während die damalige Bundesregierung in BT-Drs. 20/1829 nur 1,7 Millionen Tonnen angab. Das EU-Parlament forderte 2023 (P9_TA[2023]0407) die Mitgliedstaaten auf, Militäremissionen vollständig in nationale Klimaziele zu integrieren. Mit dem Sondervermögen Bundeswehr und steigenden Verteidigungsausgaben dürften die Emissionen der Bundeswehr weiter zunehmen.
- 10 Mio. Tonnen CO₂ — Geschätzte Bundeswehr-Emissionen für das Jahr 2021 laut unabhängiger Studie.
- 1,7 Mio. Tonnen CO₂ — Offiziell von der Bundesregierung gemeldete Bundeswehr-Emissionen für 2021 (BT-Drs. 20/1829).
- 5,5 % — Globaler Anteil militärischer Emissionen an den weltweiten Treibhausgasemissionen.
- unter 10 % — Anteil der tatsächlichen Emissionen, den viele Staaten laut Antrag in ihren Klimaberichten ausweisen.
- 5 % des BIP — Verteidigungsausgabenerhöhung, deren Mittel laut Antrag stattdessen in Klimaschutz und Infrastruktur fließen sollen.
Im Detail
Die Klimaziele sind ohne vollständigen Einbezug des Militärs nicht zu erreichen. Das Ziel der Klimaneutralität wird ausgehöhlt, wenn ein wesentlicher Teil staatlicher Emissionen nicht in Bilanzen und Klimaziele einfließt.
— Antragsbegründung BT-Drs. 21/8930, Fraktion Die Linke
Militärische Treibhausgasemissionen gelten international als blinder Fleck der Klimapolitik. Für Deutschland zeigt sich die Problematik besonders deutlich: Während eine unabhängige Studie die Bundeswehr-Emissionen für das Jahr 2021 auf rund 10 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente schätzt, gab die damalige Bundesregierung in BT-Drs. 20/1829 lediglich 1,7 Millionen Tonnen an. Die Differenz beträgt knapp das Sechsfache. Genau dieses Missverhältnis steht im Mittelpunkt des Antrags BT-Drs. 21/8930 der Fraktion Die Linke vom 3. November 2026.
Militäremissionen: Lücke in der Klimabilanz
Weltweit machen militärische Emissionen nach Angaben der Antragsteller rund 5,5 Prozent der gesamten globalen Treibhausgasemissionen aus. Dennoch berichten viele Staaten weniger als zehn Prozent ihrer tatsächlichen militärischen Emissionen. Der Grund: Sowohl das Kyoto-Protokoll als auch das Pariser Übereinkommen überlassen es den Staaten freiwillig, ob sie Militäremissionen in ihren Klimazielen erfassen. Diese Ausnahmeregelung wurde laut Antrag beim COP3 aus Sicherheitsbedenken politisch durchgesetzt, obwohl Militärausgaben, Flottenstrukturen und Personalzahlen öffentlich zugänglich und laut Fraktion deutlich sensibler seien als Emissionsdaten. Das EU-Parlament forderte 2023 (P9_TA[2023]0407) die Mitgliedstaaten auf, Militäremissionen vollständig in nationale Klimaziele einzubeziehen.
Was gilt aktuell?
Deutschland meldet bisher nur Teile der Militäremissionen. Es existieren keine verbindlichen Systemgrenzen, keine Reduktionsziele für die Gesamtemissionen der Bundeswehr und keine unabhängige Prüfinstanz für die Bundeswehr-Klimabilanz. Emissionen aus Übungen und Auslandseinsätzen fließen weder in die Bilanz des entsendenden noch des Ziellandes ein. Mit den steigenden Verteidigungsausgaben, insbesondere aus dem Sondervermögen Bundeswehr, dürften die tatsächlichen Emissionen weiter steigen.
Militäremissionen vollständig erfassen: Was der Antrag fordert
Die Fraktion Die Linke verlangt von der Bundesregierung, Militäremissionen vollständig in den jährlichen Klimaschutzbericht und die nationalen Klimaziele zu integrieren. Als Vorbild nennt der Antrag Norwegen, das bereits umfangreiche Militäremissionsdaten veröffentlicht. Konkret sollen verbindliche Systemgrenzen definiert werden, die Liegenschaften, Fuhrpark, Beschaffung, Rüstungsunternehmen (Scope 3), Übungen, Auslandseinsätze und Rüstungsexporte abdecken. Zudem soll die Bundeswehr-Klimabilanz – analog zu zivilen Sektoren – einer unabhängigen Prüfung durch das Umweltbundesamt unterliegen. Auf internationaler Ebene fordert der Antrag, die UN-Klimarahmenkonvention so weiterzuentwickeln, dass alle Staaten sämtliche Militäremissionen verpflichtend und überprüfbar melden.
Neben der reinen Erfassung enthält der Antrag weitreichende sicherheitspolitische Forderungen: Die Rüstungsausgaben sollen erheblich gesenkt, Rüstungsexporte beendet und Auslandseinsätze der Bundeswehr gestoppt werden. Die für eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts vorgesehenen Mittel sollen stattdessen in Infrastruktur, Klimaschutz und Bevölkerungsschutz fließen. Dieser Teil des Antrags verknüpft die Klimaschutzforderung direkt mit einer Abrüstungsagenda und geht damit deutlich über eine technische Reformforderung hinaus. Thematisch berührt der Antrag auch Fragen der Transparenz staatlicher Ausgaben und deren gesellschaftlicher Kontrolle.
Die Lücke zwischen offiziell gemeldeten und tatsächlich entstehenden Militäremissionen hat direkte Auswirkungen auf die Verlässlichkeit nationaler Klimaziele. Wenn ein wesentlicher Teil staatlicher Emissionen aus der Bilanz herausfällt, verzerrt das die Datenbasis für die gesamte Klimapolitik – und erschwert die öffentliche Debatte darüber, wie weit Deutschland seinen eigenen Klimaverpflichtungen tatsächlich nachkommt.
Betroffen ist die gesamte Bevölkerung, da unvollständige Emissionsbilanzen die Erreichbarkeit nationaler Klimaziele beeinflussen. Direkt betroffen sind die Bundeswehr als Institution sowie die Rüstungsindustrie, die laut Antrag in die Emissionserfassung (Scope 3) einbezogen werden soll. Auch die Bevölkerung in Ländern mit Bundeswehr-Auslandseinsätzen wäre von einer Beendigung dieser Einsätze betroffen.
Der Antrag wurde am 3. November 2026 eingebracht und ist beim Deutschen Bundestag eingegangen. Als nächste Schritte stehen Zuweisung an einen oder mehrere Ausschüsse sowie die Beratung im Plenum aus. Eine Abstimmung im Bundestag ist noch nicht terminiert.
- Scope 3
- Bezeichnet indirekte Treibhausgasemissionen entlang der Lieferkette, also etwa Emissionen durch Zulieferer und Rüstungsunternehmen, die nicht direkt beim Militär selbst entstehen.
- CO₂-Äquivalente
- Maßeinheit, die verschiedene Treibhausgase anhand ihrer Klimawirkung in eine vergleichbare CO₂-Menge umrechnet, um Gesamtemissionen einheitlich darzustellen.
- UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC)
- Internationales Abkommen von 1992, das die Grundlage für globale Klimaverhandlungen bildet und unter dessen Rahmen Kyoto-Protokoll und Pariser Abkommen abgeschlossen wurden.
Wie groß ist die Lücke bei den gemeldeten Bundeswehr-Emissionen?
Laut einer Studie lagen die Bundeswehr-Emissionen 2021 bei rund 10 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten, während die damalige Bundesregierung nur 1,7 Millionen Tonnen angab – eine Differenz von etwa dem Sechsfachen.
Welchen Anteil haben Militäremissionen weltweit?
Laut dem Antrag umfassen militärische Treibhausgasemissionen global rund 5,5 Prozent der gesamten Emissionen, werden aber von vielen Staaten kaum oder gar nicht in Klimazielen erfasst.
Warum melden viele Staaten kaum Militäremissionen?
Laut dem Kyoto-Protokoll und dem Pariser Abkommen ist die Einbeziehung von Militäremissionen freiwillig. Die Freiwilligkeit wurde laut Antrag aus angeblichen Sicherheitsbedenken beim COP3 politisch entschieden.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8930 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.




































































