Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8317 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- 187 Active-Club-Ortsgruppen weltweit in 27 Ländern dokumentiert
- Razzia Oktober 2025: Waffen bei mutmaßlichen Mitgliedern in NRW sichergestellt
- 19 neue deutsche Ortsgruppen seit 2023, Minderjährige gezielt rekrutiert
Hintergrund
Active Clubs entstanden ursprünglich in den USA und verbreiteten sich seit etwa 2022 international. Sie nutzen Kampfsporttraining als Organisationsform, um rechtsextreme Ideologie zu verbreiten und vor allem junge Männer zu rekrutieren. Der Verfassungsschutzbericht 2025 des Bundes nennt Active Clubs ausdrücklich als Beispiel für eine zunehmend junge Radikalisierung. Die Bundesregierung hatte bereits im Juni 2024 auf eine Schriftliche Frage (BT-Drs. 20/11887) das Bedrohungspotenzial als ‚potentiell erheblich‘ eingestuft. Seitdem beobachten BfV, BKA und Landesbehörden eine weitere Ausbreitung des Netzwerks.
- 187 Ortsgruppen — weltweite Active-Club-Gruppen in 27 Ländern laut NGO GPAHE, Stand Juni 2025
- 25 Prozent Zuwachs — Wachstum der weltweiten Ortsgruppen gegenüber Ende 2023
- 19 neue Ortsgruppen — allein in Deutschland seit 2023 hinzugekommen
- 3 Gruppen in NRW — AC Niederrhein, AC Nordrhein und AC Ostwestfalen gegründet allein im Jahr 2024
- 6 Durchsuchungsorte — Razzia am 1. Oktober 2025 in Porta Westfalica, Selm, Bielefeld, Enger, Spenge und Minden
Im Detail
Bereits im Juni 2024 hatte die Bundesregierung das von 'Active Clubs' ausgehende Gewalt- und Bedrohungspotenzial sowie die starken Rekrutierungsbemühungen junger Männer für das gewaltorientierte rechtsextreme Spektrum als 'potentiell erheblich' bewertet.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/8317
Rechtsextreme Kampfsportnetzwerke unter dem Namen Active Clubs breiten sich in Deutschland und weltweit weiter aus. Im Juni 2025 zählte die Nichtregierungsorganisation Global Project Against Hate and Extremism (GPAHE) bereits 187 aktive Ortsgruppen in 27 Ländern — ein Zuwachs von 25 Prozent gegenüber Ende 2023. In Deutschland allein sind laut GPAHE seit 2023 mindestens 19 neue Ortsgruppen entstanden; in einschlägigen Telegram-Kanälen werden rund 22 lokale Gruppierungen gelistet, darunter in Hamburg, Köln, dem Erzgebirge, Güstrow und Bayern. Mit BT-Drs. 21/8317 vom 2. Oktober 2026 erkundigt sich die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in 22 Fragen nach dem aktuellen Kenntnisstand der Bundesregierung.
Active Clubs: Struktur und Rekrutierung
Active Clubs operieren dezentral und nutzen Kampfsporttraining gezielt zur Rekrutierung — laut Vorbemerkung der Fragesteller auch von Minderjährigen. Die Gruppen verstehen ihr Training nach Einschätzung des Bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz als Vorbereitung auf einen vermeintlich bevorstehenden ideologischen Kampf. Der Verfassungsschutzbericht 2025, vorgestellt von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und BfV-Präsident Sinan Selen, nennt Active Clubs ausdrücklich als Beispiel für eine zunehmend junge Radikalisierung (S. 107–108). Personelle Überschneidungen bestehen laut GPAHE mit Organisationen wie „Der III. Weg“, den „Jungen Nationalisten“ und der „Identitären Bewegung“.
Razzia in Ostwestfalen: Waffenfunde belegen Gewaltpotenzial
Wie konkret das Gewaltpotenzial der Active Clubs ist, zeigt eine Durchsuchungsaktion vom 1. Oktober 2025 in Ostwestfalen. Bei sechs mutmaßlichen Mitgliedern des „Active Club Ostwestfalen“ wurden in Porta Westfalica, Selm, Bielefeld, Enger, Spenge und Minden Messer, eine Machete, eine Armbrust, ein Luftgewehr und eine scharfe Pistole sichergestellt. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministeriums hatten sich allein in NRW im Jahr 2024 drei Active Clubs gegründet. Das Bundeskriminalamt hatte bereits Mitte 2025 darauf hingewiesen, dass die Gruppen zunehmend durch Veranstaltungen, Störaktionen und Straftaten in Erscheinung treten.
Was gilt aktuell?
Die Active Clubs sind bislang nicht als Organisation verboten. BfV und BKA beobachten das Netzwerk seit dem Frühjahr 2024. Im Juni 2024 hatte die Bundesregierung auf eine Schriftliche Frage (BT-Drs. 20/11887) das Gewalt- und Bedrohungspotenzial der Active Clubs bereits als „potentiell erheblich“ eingestuft. Ob und wie sich diese Einschätzung angesichts der seither dokumentierten Ausbreitung verändert hat, ist eine der zentralen Fragen der neuen Anfrage. Zu den weiteren Fragekomplexen zählen internationale Vernetzungen — insbesondere in die USA, Kanada und skandinavische Länder —, die Finanzierung über Merchandise und Musiklabels sowie die Frage, ob Active Clubs als Auffangstruktur für Mitglieder bereits verbotener rechtsextremer Vereinigungen dienen.
Parlamentarische Kontrolle: 22 Fragen zu Active Clubs
Die Anfrage der Grünen-Fraktion zielt auf Transparenz über den Kenntnisstand der Sicherheitsbehörden. Gefragt wird unter anderem nach der Zahl bekannter Mitglieder und Sympathisanten — aufgeschlüsselt nach Altersgruppen und Geschlecht —, nach laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren sowie nach der Anzahl von Löschersuchen an Plattformbetreiber wie Telegram, TikTok und Instagram. Weitere Fragen betreffen den Austausch zwischen Bund und Ländern mit Sportverbänden und Kampfsportvereinen sowie gezielte Präventions- und Ausstiegsprogramme. Auch die Rolle von Patrick Schröder beim Aufbau des Active-Club-Netzwerks in Deutschland wird explizit abgefragt. Die Förderung zivilgesellschaftlicher Strukturen zur Demokratiestärkung bildet dabei den breiteren politischen Kontext, in dem diese Anfrage steht.
Weiterlesen:
Betroffen sind vor allem Jugendliche und junge Männer, die von Active Clubs gezielt angesprochen und rekrutiert werden — laut Anfrage auch Minderjährige. Mittelbar betroffen sind Sportverbände und Kampfsportvereine, die für eine mögliche Unterwanderung sensibilisiert werden sollen, sowie die Allgemeinheit angesichts des dokumentierten Gewaltpotenzials.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/8317) wurde am 2. Oktober 2026 im Bundestag eingereicht. Nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt ist die Antwort der Bundesregierung innerhalb von 14 Tagen vorgesehen. Die schriftliche Antwort steht noch aus.
- Active Clubs
- Dezentral organisierte rechtsextreme Gruppen, die Kampfsport als Rekrutierungs- und Vernetzungsinstrument nutzen und ideologisch dem gewaltorientierten Rechtsextremismus zuzurechnen sind.
- BfV
- Bundesamt für Verfassungsschutz — inländischer Nachrichtendienst, der verfassungsfeindliche Bestrebungen beobachtet und bewertet.
- IMK
- Innenministerkonferenz — regelmäßiges Treffen der Innenministerinnen und Innenminister von Bund und Ländern zur Koordinierung der inneren Sicherheit.
Was sind Active Clubs?
Active Clubs sind dezentral organisierte rechtsextreme Gruppen, die Kampfsporttraining nutzen, um Mitglieder zu rekrutieren, die Szenebindung zu stärken und sich international zu vernetzen.
Wie viele Active Clubs gibt es in Deutschland?
Laut Vorbemerkung der Fragesteller sind in einschlägigen Telegram-Kanälen rund 22 deutsche Ortsgruppen dokumentiert; seit 2023 sollen laut NGO GPAHE 19 neue hinzugekommen sein.
Was wurde bei der Razzia in Ostwestfalen gefunden?
Bei einer Razzia am 1. Oktober 2025 gegen mutmaßliche Mitglieder des Active Club Ostwestfalen wurden unter anderem Messer, eine Machete, eine Armbrust, ein Luftgewehr und eine scharfe Pistole sichergestellt.





































































