- 4,7 Mio. Pflegebedürftige in Deutschland ungeschützt bei Krisen
- Berliner Blackout zeigt Schwachstellen in der Pflegeversorgung
- Grüne fordern bundesweite Notfallpläne und Notstromversorgung
Krisenresilienz: Grüne wollen Pflege auf Blackouts vorbereiten
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6344 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Antrag entstand nach dem großflächigen Stromausfall in Berlin im Januar 2026, bei dem besonders pflegebedürftige Menschen betroffen waren. Dabei zeigte sich, dass Deutschland keine systematische Krisenvorsorge für die 4,7 Millionen pflegebedürftigen Menschen hat. Während Krankenhäuser durch Notstromaggregate abgesichert sind, blieben Pflegeheime ohne Strom und pflegebedürftige Menschen mussten in ungeeignete Notunterkünfte.
- 4,7 Millionen — pflegebedürftige Menschen leben in Deutschland und sind bei Krisen besonders gefährdet
- 820.000 Menschen — leben in stationären Pflegeeinrichtungen, die oft keine Notstromversorgung haben
- 3,9 Millionen — werden zu Hause gepflegt und sind bei Stromausfällen schwer erreichbar
Im Detail
Rettungskräfte und Verantwortliche hatten keine ausreichenden Informationen darüber, wer akut Hilfe brauchte, etwa aufgrund einer Abhängigkeit von Beatmungsgeräten.
— Antragsbegründung BT-Drs. 21/6344
Der großflächige Stromausfall in Berlin im Januar 2026 machte eine Situation sichtbar: 4,7 Millionen pflegebedürftige Menschen in Deutschland sind bei Krisen wie Stromausfällen, Hochwasser oder Pandemien weitgehend ohne besonderen Schutz. Während Krankenhäuser über Notstromaggregate verfügten, blieben mehrere Pflegeheime ohne Strom. Pflegebedürftige mussten in Notunterkünfte gebracht werden. Pflegedienste warfen Schneebälle gegen Fensterscheiben, weil Klingeln und Handys nicht funktionierten.
Die Grünen-Fraktion legte daraufhin einen Antrag zur Stärkung der Krisenresilienz in der Pflege vor. Das Dokument BT-Drs. 21/6344 vom 9. Juni 2026 fordert die Bundesregierung auf, einen bundespolitischen Maßnahmenplan zu entwickeln. Stromausfälle, Hitzelagen, Hochwasser, Pandemien und Verteidigungsfälle sollen systematisch berücksichtigt werden.
Was gilt aktuell?
Bisher gibt es keine systematische Krisenvorsorge für pflegebedürftige Menschen. Von den 4,7 Millionen Betroffenen leben etwa 820.000 in stationären Einrichtungen, 3,9 Millionen werden zu Hause gepflegt. Während für Krankenhäuser klare Vorgaben zur Notstromversorgung existieren, fehlen solche Standards für Pflegeheime und ambulante Dienste weitgehend. Die Verantwortlichkeiten sind bei Krisen unklar. Kommunikationswege sind unzureichend und die Finanzierung von Vorsorgemaßnahmen ungeklärt.
Konkrete Forderungen der Grünen
Der Antrag umfasst elf detaillierte Forderungen. Die Bundesregierung soll gemeinsam mit den Ländern ein bundesweites Musternotfallhandbuch entwickeln und Pflegeeinrichtungen besser in kommunale Krisenstäbe einbinden. Relevant ist die rechtliche Klärung, wie Informationen über pflegebedürftige Menschen im Krisenfall datenschutzkonform genutzt werden können – etwa bei Abhängigkeit von Beatmungsgeräten.
Zur technischen Ausstattung fordert der Antrag dauerhafte Finanzierung von Notstromanschlüssen, mobiler Ersatzstromversorgung und stromunabhängigen Kommunikationswegen. Barrierefreie und mehrsprachige Informationen sollen auch bei Strom- und Internetausfällen verfügbar bleiben. Dazu gehören Informationen in Leichter Sprache. Gebärdensprachdolmetschung und assistive Kommunikationsformen sind einzubeziehen.
Finanzierung und Ausbildung
Ein zentraler Punkt ist die Finanzierung: Die Kosten für Krisenvorsorge, technische Ausstattung und Schulungen sollen nicht einseitig bei Pflegebedürftigen, Angehörigen oder einzelnen Einrichtungen verbleiben. Stattdessen soll gemeinsam mit Ländern, Kommunen und Sozialversicherungsträgern eine verlässliche Finanzierung geschaffen werden.
Gleichzeitig soll Krisen- und Katastrophenvorsorge stärker in die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Pflegefachpersonen integriert werden. Die Grünen forderten den Ausbau pflegewissenschaftlicher Forschung. Die Weiterentwicklung spezieller Kompetenzen wie „Disaster Nursing“ und „Advanced Practice Nursing“ ist notwendig.
Häusliche Pflege besonders betroffen
Die Situation in der häuslichen Pflege stellt sich schwierig dar: Ein großer Teil pflegebedürftiger Menschen wird außerhalb stationärer Strukturen versorgt und ist bei Krisen nicht automatisch in behördlichen Lagebildern sichtbar. Die Erreichbarkeit und Identifikation dieser Menschen ist eine zentrale Herausforderung. Pflegende Angehörige sollen daher stärker in die Krisenvorsorge einbezogen werden.
Der Antrag macht deutlich, dass Krisenresilienz in der Pflege eine dauerhafte Aufgabe öffentlicher Daseinsvorsorge darstellt. Nach den Erfahrungen mit der Corona-Pandemie, der Flutkatastrophe im Ahrtal und wiederholten Stromausfällen wird eine systematische Vorbereitung auf Krisen gefordert. Diese soll besonders vulnerable Gruppen schützen.
Weiterlesen:
- 2.500 Todesfälle: Grüne wollen nationalen Hitzeschutz durchsetzen
- Finanzielle Entlastung: THW kann Kommunen bei Großveranstaltungen helfen
Betroffen sind die rund 4,7 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland, davon etwa 820.000 in stationären Einrichtungen und 3,9 Millionen in häuslicher Pflege. Besonders gefährdet sind Menschen mit stromabhängigen Hilfsmitteln wie Beatmungsgeräten, die kontinuierliche Unterstützung benötigen oder auf gekühlte Medikamente angewiesen sind.
Der Antrag wird zunächst dem zuständigen Gesundheitsausschuss überwiesen. Dort wird er beraten, bevor eine Beschlussempfehlung an das Plenum geht. Die abschließende Abstimmung im Bundestag steht noch aus. Bei Annahme müsste die Bundesregierung die geforderten Maßnahmen umsetzen.
- Krisenresilienz
- Fähigkeit eines Systems, Krisen zu überstehen und sich schnell zu erholen. In der Pflege bedeutet dies, dass die Versorgung auch bei Stromausfällen oder anderen Notfällen funktioniert.
- Eingliederungshilfe
- Unterstützungsleistungen für Menschen mit Behinderungen, damit sie selbstbestimmt leben können. Umfasst ambulante Dienste und besondere Wohnformen.
Was passierte beim Berliner Stromausfall im Januar 2026?
Pflegeheime blieben ohne Strom, pflegebedürftige Menschen mussten in ungeeignete Notunterkünfte und Pflegedienste warfen Schneebälle gegen Fenster, weil Klingeln nicht funktionierten.
Welche Krisen soll der Plan berücksichtigen?
Stromausfälle, Hochwasser, Hitzeperioden, Pandemien und Verteidigungsfall werden systematisch einbezogen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6344 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.






































































