- EU importiert Blutplasma-Arzneimittel stark aus den USA
- Verbrauch von Immunglobulinen steigt seit Jahren kontinuierlich an
- 12 Fragen zu Lieferengpässen, Spendebereitschaft und Krisenvorsorge gestellt
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7151 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Das Paul-Ehrlich-Institut hat in seinem Bericht zur Blutprodukteversorgung 2024 dokumentiert, dass der Verbrauch von Immunglobulinen in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. WHO und Europäische Arzneimittelagentur (EMA) stufen Blutplasmaprodukte als versorgungskritische Arzneimittel ein. Bereits in der 20. Wahlperiode thematisierte die CDU/CSU-Fraktion mit BT-Drs. 20/4072 mögliche Versorgungsengpässe und die Importabhängigkeit. Da die CDU/CSU seit Mai 2025 das Bundesgesundheitsministerium führt, fragen die Grünen nun nach dem Umsetzungsstand der damals identifizierten Maßnahmen.
Im Detail
Da Blutplasma nicht synthetisch hergestellt werden kann, sind Patientinnen und Patienten auf ein ausreichendes Spendenaufkommen sowie auf stabile Produktions- und Lieferketten angewiesen.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7151
Blutplasma ist der Ausgangsstoff für Medikamente, die für Hunderttausende Patienten in Deutschland lebensnotwendig sind – und er lässt sich nicht im Labor herstellen. Die Versorgungssicherheit mit Blutplasma und Plasmaderivaten hängt damit vollständig von menschlichen Spenden und stabilen internationalen Lieferketten ab. Genau diese Abhängigkeit rückt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7151 vom 16. Juli 2026 in den Mittelpunkt.
Steigende Nachfrage, wachsende Importabhängigkeit
Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts ist der Verbrauch von Immunglobulinen – einer zentralen Gruppe der Plasmaderivate – in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Gleichzeitig ist die Europäische Union bei der Versorgung mit Plasma und daraus hergestellten Arzneimitteln stark auf Importe aus Drittstaaten angewiesen, insbesondere aus den Vereinigten Staaten von Amerika. WHO und EMA haben Blutplasmaprodukte deshalb bereits auf Listen versorgungskritischer Arzneimittel aufgenommen. Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen, möglicher Handelskonflikte und der Erfahrungen aus der COVID-19-Pandemie stellt diese Abhängigkeit aus Sicht der Grünen ein erhebliches Versorgungsrisiko dar.
Blutplasma-Versorgung: Was gilt aktuell?
Deutschland verfügt über eigene Plasmaspendezentren, deckt seinen Bedarf aber nicht vollständig aus inländischen Quellen. Die Herstellung von Plasmaderivaten ist ein aufwändiger industrieller Prozess, der große Mengen an gesammeltem Plasma erfordert. Lieferengpässe bei plasmabasierten Arzneimitteln traten in der Vergangenheit bereits auf und haben einzelne Patientengruppen direkt getroffen. Ein gesetzlicher Rahmen zur systematischen Krisenvorsorge für diese Arzneimittelgruppe befindet sich laut Drucksache noch in der Planung – das sogenannte Gesundheitssicherstellungsgesetz ist noch nicht verabschiedet.
Zwölf Fragen an die Bundesregierung
In ihrer Anfrage stellen die Abgeordneten Dr. Janosch Dahmen, Simone Fischer, Dr. Armin Grau, Linda Heitmann, Dr. Kirsten Kappert-Gonther und Johannes Wagner insgesamt zwölf Fragen. Sie wollen wissen, wie sich die Blut- und Plasmaspendebereitschaft in Deutschland entwickelt hat und welche Maßnahmen die Bundesregierung seit 2025 ergriffen hat, um das Spendeaufkommen zu steigern. Gefragt wird auch nach konkreten Daten zur Herstellung, zum Verbrauch und zur Importabhängigkeit – aufgeschlüsselt nach Jahren und Produktgruppen für die vergangenen zehn Jahre. Zudem erkundigen sich die Grünen, ob und wie die Bundesregierung die Risiken aus der US-Importabhängigkeit bewertet, welche Versorgungsziele sie verfolgt und anhand welcher Indikatoren sie deren Erreichung misst.
Ein eigener Fragenkomplex widmet sich den Lieferengpässen der vergangenen fünf Jahre: Welche Patientengruppen waren besonders betroffen? Welche Gegenmaßnahmen wurden ergriffen? Und welche Rolle spielt die Blutplasma-Versorgung im geplanten Gesundheitssicherstellungsgesetz? Abschließend fragen die Abgeordneten nach Maßnahmen zur Stärkung der europäischen Eigenversorgung sowie nach Forschungs- und Fördervorhaben zur Verbesserung der Lieferkettenresilienz.
Politischer Kontext: CDU/CSU im Gesundheitsministerium
Die Anfrage hat auch eine innenpolitische Dimension: Die CDU/CSU-Fraktion hatte bereits in der 20. Wahlperiode mit BT-Drs. 20/4072 nach Versorgungsrisiken bei Blutplasmapräparaten gefragt. Seit Mai 2025 stellt die CDU/CSU die Bundesgesundheitsministerin. Die Grünen fragen nun, welche der damals identifizierten Risiken die neue Regierung seitdem konkret adressiert hat – und welche Maßnahmen noch ausstehen. Ähnliche Fragen nach Transparenz und Datenverfügbarkeit in der Gesundheitsversorgung haben zuletzt auch andere Drucksachen aufgeworfen, etwa zur Pflegeversorgung, bei der ebenfalls belastbare Daten fehlen.
Die Antwortfrist für die Bundesregierung beträgt 21 Tage ab Einreichung; eine Stellungnahme ist bis zum 6. August 2026 zu erwarten.
Weiterlesen:
Unmittelbar betroffen sind Patienten mit Immundefekten, Gerinnungsstörungen und neurologischen Erkrankungen, die auf plasmabasierte Arzneimittel angewiesen sind und bei Lieferengpässen keine gleichwertigen Alternativen erhalten können. Mittelbar betrifft das Thema alle Bürgerinnen und Bürger, da die Versorgungssicherheit mit diesen Arzneimitteln auch zur zivilen Krisenvorsorge zählt.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7151) wurde am 16. Juli 2026 eingereicht. Die Bundesregierung hat eine gesetzliche Antwortfrist von 21 Tagen; die Antwort ist damit bis zum 6. August 2026 zu erwarten. Nach Eingang der Antwort kann die Drucksache im Bundestag weiter beraten werden.
- Plasmaderivate
- Arzneimittel, die aus menschlichem Blutplasma gewonnen werden, darunter Immunglobuline, Gerinnungsfaktoren und Albumin.
- Immunglobuline
- Antikörper-Präparate aus Blutplasma, die zur Behandlung von Immundefekten und bestimmten Infektionskrankheiten eingesetzt werden.
- Gesundheitssicherstellungsgesetz
- Geplantes Bundesgesetz zur Sicherstellung der Gesundheitsversorgung in Krisensituationen, das in der Drucksache als Referenzrahmen genannt wird.
Warum ist Blutplasma so schwer zu ersetzen?
Blutplasma kann nicht synthetisch hergestellt werden. Für die Produktion lebenswichtiger Arzneimittel wie Immunglobuline oder Gerinnungsfaktoren ist die Medizin ausschließlich auf menschliche Spenden angewiesen.
Welche Patienten sind besonders auf Plasmaderivate angewiesen?
Betroffen sind laut Drucksache Menschen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten, Gerinnungsstörungen, neurologischen Erkrankungen sowie verschiedenen entzündlichen Erkrankungen.
Woher bezieht die EU einen Großteil ihres Blutplasmas?
Laut Drucksache ist die Europäische Union in erheblichem Umfang auf Importe aus Drittstaaten angewiesen, insbesondere aus den Vereinigten Staaten von Amerika.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7151 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































