- 223 km Gleise und 162 Weichen werden auf Lehrte–Berlin ersetzt
- Fernverkehr-Pünktlichkeit lag vor Sperrung bei nur 44 Prozent
- ETCS-Einbau erst in den 2030er Jahren in zweiter Baustufe geplant
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7817 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Strecke Lehrte–Berlin ist eine der meistbefahrenen Bahnachsen Deutschlands und verbindet den Großraum Hannover mit der Hauptstadt. Laut InfraGO-Zustandsbericht verschlechterte sich die Gesamtzustandsnote des Korridors von 2,4 im Jahr 2021 auf 2,9 im Jahr 2025. Besonders kritisch sind Weichen mit der Note 4,2 und Bahnübergangssicherungsanlagen mit 5,2 im Jahr 2025. Die Generalsanierung folgt dem von der Deutschen Bahn eingeführten Konzept der Korridorsanierung, bei dem Strecken gebündelt und in einer langen Vollsperrung grundlegend erneuert werden, statt über viele Jahre in Einzelmaßnahmen.
- 223 km — Gleise werden im Rahmen der Generalsanierung erneuert (Gesamtbestand auf dem Korridor: 742 km).
- 162 Weichen — werden ersetzt; auf dem Korridor befinden sich insgesamt 450 Weichen.
- 44,28 % — Einbruchspünktlichkeit im Schienenpersonenfernverkehr im Juli 2026; im Güterverkehr lag sie bei nur 34,04 %.
- 21 Bahnhöfe — werden nach dem Zielbild „Zukunftsbahnhof“ modernisiert, darunter Wolfsburg, Gifhorn, Rathenow und Berlin-Staaken.
- 40 Busse / 100 Mitarbeiter — sind für den Schienenersatzverkehr ab Oktober 2026 vorgesehen.
Im Detail
Eine Ausstattung mit ETCS zum jetzigen Zeitpunkt wäre technisch und wirtschaftlich nicht sinnvoll. Im Rahmen der Korridorsanierung wird deshalb kein ETCS realisiert.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7817
Auf einer der verkehrsreichsten Bahnachsen Deutschlands beginnt am 2. Oktober 2026 eine der größten Bahnsanierungen der vergangenen Jahre: Die DB InfraGO AG sperrt die Strecke Lehrte–Berlin bis voraussichtlich zum 11. Dezember 2027 vollständig. In dieser Zeit erneuert sie nach Angaben der Bundesregierung (BT-Drs. 21/7817) insgesamt 223 km Gleise und 162 Weichen und modernisiert 21 Bahnhöfe nach dem Zielbild „Zukunftsbahnhof“.
Generalsanierung Lehrte–Berlin: Was wird konkret gemacht?
Der Korridorzustand hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verschlechtert. Die Gesamtzustandsnote stieg von 2,4 im Jahr 2021 auf 2,9 im Jahr 2025. Besonders auffällig: Weichen erreichten 2025 die Note 4,2, Bahnübergangssicherungsanlagen sogar 5,2 — auf einer Skala, bei der höhere Werte schlechteren Zustand bedeuten. Die Zahl der Weichenstörungen stieg von 22.003 im Jahr 2021 auf 75.940 im Jahr 2025. Störungen in der Leit- und Sicherungstechnik verdreifachten sich im gleichen Zeitraum auf über 42.000 Fälle im Jahr 2025.
Neben Gleisen und Weichen werden laut Drucksache auch Schallschutzwände (13 km), 29 von 50 Bahnsteigen sowie vier Anlagen der Höhenfördertechnik ersetzt. Fünf Bahnhöfe erhalten vollständige Barrierefreiheit: Elstal, Oebisfelde, Uchtspringe, Vinzelberg und Immensen-Arpke.
Kein ETCS — Digitalausstattung erst in den 2030ern
Ein zentraler Streitpunkt der Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen war das Fehlen des modernen Zugsicherungssystems ETCS in den Sanierungsplänen. Die Bundesregierung bestätigt: Im Rahmen der Generalsanierung wird kein ETCS realisiert. Begründung: Eine Ausstattung wäre „technisch und wirtschaftlich nicht sinnvoll“. Die ETCS-Ausstattung der Strecke — geplant als Level 2 ohne Signale (L2oS) — ist erst in der zweiten Baustufe des Bedarfsplanprojekts ABS Hannover–Berlin für die 2030er Jahre vorgesehen. Auch Stellwerke werden im Rahmen der Korridorsanierung nicht erneuert; dieser Schritt ist ebenfalls der zweiten Baustufe vorbehalten.
Ähnlich verhält es sich mit anderen Kapazitätserweiterungen: Es werden keine neuen Überholgleise errichtet, keine Blockverdichtung vorgenommen und keine Geschwindigkeiten in Hauptgleisen erhöht. Die Kapazitätssteigerung erfolgt laut Bundesregierung durch die Aufhebung bestehender Langsamfahrstellen dank parallellaufender Arbeiten an der Festen Fahrbahn sowie durch den Ausbau der Lehrter Stammbahn im Rahmen der ABS Hannover–Berlin, der ab Dezember 2027 den Nah- und Güterverkehr auf diese Strecke verlagern soll.
Pünktlichkeit und Umleitungen während der Sperrung
Wie dringend die Sanierung ist, zeigen die Pünktlichkeitsdaten aus dem Juli 2026: Im Schienenpersonenfernverkehr erreichten nur 44,28 Prozent der Züge die Strecke pünktlich, im Schienengüterverkehr waren es lediglich 34,04 Prozent. Während der Generalsanierung werden Fernzüge über Braunschweig–Magdeburg–Berlin sowie über Fulda–Erfurt–Halle–Berlin umgeleitet. Nahverkehrslinien nutzen die Strecke Berlin–Wittenberge–Stendal. Für den Güterverkehr stehen mehrere elektrifizierte Ausweichstrecken zur Verfügung.
In der ersten Bauphase (Oktober bis Dezember 2026) fällt die Linie 56 (Norddeich–Leipzig/Berlin) zwischen Hannover und Berlin aus. Mehrere Regionalexpresse werden auf Stundentakt reduziert, darunter RE 60/70 zwischen Hannover und Braunschweig sowie RE 50 zwischen Braunschweig und Wolfsburg. Für den Schienenersatzverkehr sind rund 40 Busse und etwa 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorgesehen.
Kosten und Wirtschaftlichkeit: Einblick verweigert
Zu den Gesamtkosten der Sanierung, zur Wirtschaftlichkeitsuntersuchung und zur Losaufteilung verweigert die Bundesregierung die öffentliche Auskunft. Diese Informationen seien als VS-Vertraulich eingestuft und in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages hinterlegt — mit der Begründung, eine Veröffentlichung könnte Baufirmen ermöglichen, Rückschlüsse auf kalkulierte Vergabepreise zu ziehen. Die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung für den Korridor Lehrte–Berlin ist nach Auskunft der Bundesregierung noch nicht abgeschlossen. Auch Angaben zu Blockabschnittslängen und Überleitmöglichkeiten werden aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht — das Bundesministerium für Verkehr verweist auf den Schutz Kritischer Infrastrukturen.
Die Finanzierung der Weichenerneuerungen erfolgt über LuFV-Mittel (Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund und DB InfraGO AG). Mehrere Leistungspakete für den Streckenabschnitt Wustermark–Berlin-Spandau sind zum Zeitpunkt der Anfrage noch nicht vergeben.
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Betroffen sind alle Reisenden im Fern- und Nahverkehr zwischen Hannover und Berlin sowie die Güterverkehrswirtschaft auf dieser zentralen Ost-West-Achse. Pendler und Pendlerinnen in der Region müssen auf Umleitungen, verlängerte Fahrzeiten und Schienenersatzverkehr ausweichen. Auch mehrere Regionalbahnlinien in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt werden zeitweise ausgedünnt oder umgeleitet.
Die Bundesregierung hat mehrere Fragen zu Gesamtkosten, Losaufteilung, Wirtschaftlichkeitsprüfung und Streckendetails als Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse bzw. aus Sicherheitsgründen als VS-Vertraulich eingestuft und in der Geheimschutzstelle hinterlegt. Der Großteil der technischen Fragen wurde jedoch inhaltlich beantwortet.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Bahnstrecke Lehrte–Berlin: Generalsanierung ab Oktober 2026 →
- ETCS (European Train Control System)
- Europäisches Zugsicherungssystem, das Züge automatisch überwacht und bremst. Es soll langfristig die nationalen Systeme ablösen und grenzüberschreitenden Bahnverkehr vereinfachen.
- Korridorsanierung
- Sanierungskonzept der Deutschen Bahn, bei dem eine Strecke in einer langen Vollsperrung gebündelt und grundlegend erneuert wird, statt schrittweise über viele Jahre.
- LuFV-Mittel
- Finanzmittel aus der Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund und DB InfraGO AG zur Erhaltung und Erneuerung der Schieneninfrastruktur.
Wann beginnt die Sperrung der Strecke Lehrte–Berlin?
Die Totalsperrung beginnt am 2. Oktober 2026 und dauert voraussichtlich bis zum 11. Dezember 2027.
Wird ETCS im Rahmen der Generalsanierung eingebaut?
Nein. Die Bundesregierung erklärt, ein ETCS-Einbau wäre technisch und wirtschaftlich derzeit nicht sinnvoll. Die Ausstattung mit ETCS Level 2 ohne Signale ist erst in einer zweiten Baustufe des Ausbauprojekts ABS Hannover–Berlin in den 2030er Jahren vorgesehen.
Wie pünktlich waren Züge auf der Strecke vor der Sperrung?
Im Juli 2026 lag die Einbruchspünktlichkeit im Fernverkehr bei 44,28 Prozent und im Güterverkehr bei nur 34,04 Prozent. Der Nahverkehr erreichte 86,71 Prozent.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7817 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































