- Über 50 % der Lkw-Fahrer überschreiten laut Umfragen regelmäßig das Tempolimit
- Bundesrechnungshof bezifferte Schäden durch überladene Lkw 2017 auf dreistellige Millionenhöhe jährlich
- CO₂-Emissionen des Straßengüterverkehrs stiegen seit 1995 bis 2025 um 14,6 Prozent
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7473 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Straßengüterverkehr legt in Deutschland jährlich rund 59 Milliarden Kilometer zurück. Trotz Effizienzgewinnen bei Motoren und Fahrzeugtechnik sind die CO₂-Emissionen des Sektors seit 1995 bis 2025 um 14,6 Prozent gestiegen. Eine Umfrage des Verkehrsdienstleisters Geotab gibt an, dass mehr als die Hälfte der Lkw-Fahrer in Deutschland regelmäßig Tempolimits überschreitet. Der Bundesrechnungshof hatte bereits 2017 Straßenschäden durch überladene Lkw an Bundesfernstraßen in dreistelliger Millionenhöhe jährlich dokumentiert (BT-Drs. 18/8100).
- 59,054 Mrd. Kilometer — Fahrleistung der Lkw über 3,5 Tonnen in Deutschland (2024, Kraftfahrtbundesamt)
- +14,6 Prozent — Anstieg der CO₂-Emissionen im Straßengüterverkehr von 1995 bis 2025
- Dreistellige Millionenhöhe jährlich — Schäden durch überladene Lkw an Bundesfernstraßen laut Bundesrechnungshof (2017, BT-Drs. 18/8100)
- Mehr als 50 % — Anteil der Lkw-Fahrer in Deutschland, die laut Geotab-Umfrage regelmäßig Tempolimits überschreiten
Im Detail
So bezifferte der Bundesrechnungshof die Schäden durch überladene Lastkraftwagen an Bundesfernstraßen 2017 in dreistelliger Millionenhöhe jährlich.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/7473, unter Verweis auf BT-Drs. 18/8100, Seite 6
Lkw-Tempokontrollen auf deutschen Bundesstraßen und Autobahnen sind nach Angaben der Fragesteller selten — und die Folgen möglicherweise teuer. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat am 5. August 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7473 eingereicht und stellt der Bundesregierung elf konkrete Fragen zur Kontrolldichte, zu Unfallzahlen, CO₂-Emissionen und Infrastrukturschäden im Schwerlastverkehr.
Lkw-Tempokontrollen: Was die Anfrage konkret fragt
Im Kern geht es darum, ob der Staat seinen eigenen Regeln im Güterverkehr Geltung verschafft. Die Grünen fragen zunächst, wie häufig Geschwindigkeitskontrollen speziell bei Lkw auf Bundesautobahnen und Bundesstraßen überhaupt stattfinden (Frage 1) und welche Statistiken der Bundesregierung zu Verstößen in den letzten fünf Jahren vorliegen (Frage 2). Darüber hinaus wollen die Fragesteller wissen, wie viele Lkw in den vergangenen fünf Jahren an Unfällen auf Bundesfernstraßen beteiligt waren und wie viele davon die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten hatten (Frage 5). Für die letzten zehn Jahre erfragt die Anfrage die Zahl verhängter Verwarnungen und Bußgeldbescheide gegen Lkw wegen überhöhter Geschwindigkeit, aufgeschlüsselt pro Jahr (Frage 11).
CO₂, Straßenschäden und Wettbewerb Straße vs. Schiene
Lkw-Tempokontrollen sind nicht nur eine Frage der Verkehrssicherheit. Laut Vorbemerkung der Anfrage stiegen die CO₂-Emissionen des Straßengüterverkehrs seit 1995 bis 2025 um rund 14,6 Prozent — trotz technischer Effizienzgewinne bei Motoren und Fahrzeugtechnik. Hauptursache ist das gestiegene Verkehrsvolumen: 59,054 Milliarden Kilometer legten Lkw über 3,5 Tonnen allein im Jahr 2024 zurück. Die Anfrage fragt die Bundesregierung nach dem von ihr gesehenen Zusammenhang zwischen Fahrgeschwindigkeit, Kraftstoffverbrauch und CO₂-Emissionen (Frage 3) sowie danach, inwieweit diese Zusammenhänge in der Verkehrspolitik berücksichtigt werden (Frage 10).
Hinzu kommen Straßenschäden: Der Bundesrechnungshof hatte in BT-Drs. 18/8100 bereits für das Jahr 2017 Schäden durch überladene Lkw an Bundesfernstraßen in dreistelliger Millionenhöhe jährlich beziffert. Die Fragesteller erkundigen sich, welche Studien zu den Auswirkungen erhöhter Lkw-Geschwindigkeiten auf den Straßenverschleiß vorliegen (Frage 6). Schienenverbände wie der VDV argumentieren laut Vorbemerkung zudem, dass konsequentere Kontrollen auch den Wettbewerb zwischen Straße und Schiene fairer gestalten könnten — weil Zeitvorteile des Lkw gegenüber dem Gütertransport auf anderen Wegen teilweise auf Tempoüberschreitungen beruhen.
Zuständigkeit und geplante Maßnahmen
Die Anfrage greift auch die Frage der Zuständigkeit auf: Welche Behörden sind für die Geschwindigkeitskontrolle bei Lkw verantwortlich, und wie bewertet die Bundesregierung die aktuelle Kontrolldichte (Frage 7)? Außerdem wird gefragt, welche Maßnahmen die Regierung aktuell ergreift (Frage 8) und ob zusätzliche Schritte geplant sind — etwa automatisierte Geschwindigkeitsmessungen oder digitale Kontrollsysteme (Frage 9). Hintergrund ist die in der Vorbemerkung zitierte Geotab-Umfrage, wonach mehr als die Hälfte der Lkw-Fahrer in Deutschland nach eigenen Angaben regelmäßig die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschreitet.
Verkehrssicherheit: Unfallfolgen besonders schwer
Lkw-Tempokontrollen haben auch einen direkten Bezug zur Verkehrssicherheit. Aufgrund der Fahrzeugmasse fallen Unfälle mit Beteiligung von Schwerlasttransportern besonders schwer aus. Die Anfrage fragt explizit nach der Einschätzung der Bundesregierung zu den Auswirkungen von Tempoüberschreitungen auf Unfallhäufigkeit und -folgen (Frage 4). Dieser Aspekt berührt alle Verkehrsteilnehmer auf Bundesstraßen und Autobahnen unmittelbar — von Pkw-Fahrern über Motorradfahrer bis hin zu Fahrern von Kleintransportern.
Die Antwort der Bundesregierung muss bis spätestens 26. August 2026 vorliegen. Ob und in welchem Umfang belastbare Daten zur Kontrolldichte und zu Verstößen vorhanden sind, wird sich erst mit der Antwort zeigen — ebenso wie die Frage, ob die Bundesregierung eigene Maßnahmen plant oder auf die Zuständigkeit der Länder verweist. Mehr zur aktuellen Verkehrspolitik und ihren Folgen für Infrastruktur und Umwelt findet sich auch im Überblick der wichtigsten Drucksachen vom 5. August 2026.
Weiterlesen:
- Historisch niedrige Gasspeicher – Bundesregierung gefährdet Versorgung und Wirtschaftsstandort
- Bundestag 05.08.2026: Die wichtigsten Drucksachen
Betroffen sind alle Verkehrsteilnehmer auf Bundesautobahnen und Bundesstraßen durch erhöhte Unfallrisiken sowie Steuerzahler durch Infrastrukturschäden. Schienenverkehrsunternehmen sehen sich einem Wettbewerbsnachteil gegenüber, wenn Lkw durch Tempoüberschreitungen faktische Zeitvorteile gegenüber dem Schienengüterverkehr erzielen.
Die Kleine Anfrage wurde am 5. August 2026 beim Deutschen Bundestag eingereicht. Die Bundesregierung hat nun bis zum 26. August 2026 (21 Tage) Zeit, schriftlich zu antworten. Nach Eingang der Antwort wird diese als eigene Drucksache veröffentlicht.
- Bundesfernstraßen
- Bundesautobahnen und Bundesstraßen — Straßen des überregionalen Verkehrs, für die der Bund die Baulast trägt.
- Kontrolldichte
- Maß dafür, wie häufig Fahrzeuge oder Fahrer tatsächlich kontrolliert werden im Verhältnis zur Gesamtzahl der Fahrten oder Fahrzeuge.
- Schwerlastverkehr
- Kraftfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen, insbesondere Lkw und Sattelzüge.
Wer ist für Lkw-Tempokontrollen zuständig?
Die Anfrage fragt die Bundesregierung genau das — zuständig sind in der Regel die Landesbehörden, insbesondere Polizei und Gewerbeaufsicht. Die genaue Zuständigkeitsverteilung ist Gegenstand von Frage 7 der Anfrage.
Wie stark sind Lkw-CO₂-Emissionen gestiegen?
Laut Vorbemerkung der Anfrage stiegen die gesamten CO₂-Emissionen des Straßengüterverkehrs von 1995 bis 2025 um rund 14,6 Prozent, trotz technischer Effizienzgewinne.
Wie viele Kilometer legen Lkw in Deutschland zurück?
Nach aktuellen Zahlen des Kraftfahrtbundesamts belief sich die Fahrleistung der Lkw über 3,5 Tonnen auf 59,054 Milliarden Kilometer (Stand 2024).
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7473 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































