Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8133 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- Spanien erhält EU-Genehmigung für 550 Mio. Euro Agrarhilfen
- METSAF-Rahmen erlaubt Krisenbeihilfen für Energie, Dünger und Kraftstoffe
- Bundesregierung hat bislang kein nationales Programm angemeldet
Hintergrund
Die Europäische Kommission hat im Zuge der wirtschaftlichen Auswirkungen der Nahost-Krise das sogenannte Middle East Crisis Temporary State Aid Framework (METSAF) eingeführt. Es erlaubt EU-Mitgliedstaaten, zeitlich befristete staatliche Beihilfen für besonders belastete Wirtschaftsbereiche zu gewähren — darunter ausdrücklich die Landwirtschaft. Spanien hat unter diesem Rahmen ein Programm über 550 Millionen Euro genehmigt bekommen, das Landwirten gestiegene Kosten für Düngemittel und Kraftstoffe teilweise erstattet. Deutschland hat nach Angaben der Antragsteller bisher kein vergleichbares Programm bei der EU-Kommission eingereicht.
Im Detail
Die Bundesregierung hat bislang keine vergleichbaren Maßnahmen für die deutsche Landwirtschaft angekündigt oder bei der Europäischen Kommission angemeldet.
— Antrag BT-Drs. 21/8133, Feststellungsteil
Deutsche Landwirte zahlen seit dem Ausbruch der Krise im Nahen Osten deutlich mehr für Mineraldünger, Diesel und Energie — zentrale Betriebsmittel, die kurzfristig weder ersetzt noch durch Effizienzgewinne vollständig ausgeglichen werden können. Gleichzeitig profitieren Konkurrenten in anderen EU-Ländern bereits von staatlichen Krisenbeihilfen. Spanien etwa erhält unter dem EU-Krisenrahmen METSAF ein genehmigtes nationales Unterstützungsprogramm in Höhe von 550 Millionen Euro für seine Landwirtschaft. Deutschland hat nach Angaben der AfD-Fraktion bislang kein vergleichbares Programm bei der Europäischen Kommission angemeldet.
Was ist der METSAF-Krisenrahmen?
Die Europäische Kommission hat mit dem Middle East Crisis Temporary State Aid Framework (METSAF) eine Sonderregelung des EU-Beihilferechts geschaffen, die zeitlich befristete staatliche Zuschüsse an besonders betroffene Branchen erlaubt. Der Rahmen richtet sich ausdrücklich an energie- und kostenintensive Wirtschaftszweige — darunter an erster Stelle die Landwirtschaft. Zulässig sind Beihilfen zur Abfederung krisenbedingter Mehrkosten bei Energie, Kraftstoffen und Düngemitteln, sowohl als individuelle Kostenkompensation als auch als pauschalierte Branchenhilfe. Die Instrumente sind als zeitlich begrenzte Stabilisierungshilfen konzipiert und sollen schwerwiegende wirtschaftliche Verwerfungen im europäischen Binnenmarkt verhindern.
Was gilt aktuell?
Ohne ein nationales Programm unter dem METSAF-Rahmen erhalten deutsche Landwirte keine krisenbedingten Sonderbeihilfen. Das allgemeine EU-Beihilferecht lässt staatliche Zuschüsse an Unternehmen nur in engen Grenzen zu — der METSAF öffnet explizit zusätzliche Spielräume, die Deutschland laut Antrag bislang ungenutzt lässt. Die Bundesregierung hat weder ein nationales Programm angekündigt noch eines bei der EU-Kommission zur Genehmigung angemeldet, wie in der Drucksache 21/8133 festgestellt wird.
METSAF-Krisenbeihilfen: Fünf Forderungen an die Bundesregierung
Die AfD-Fraktion unter Federführung von Bernd Schattner und Stephan Protschka fordert die Bundesregierung in fünf Punkten auf zu handeln: Erstens soll sie die METSAF-Möglichkeiten umfassend nutzen. Zweitens soll unverzüglich ein nationales Hilfsprogramm bei der EU-Kommission angemeldet werden, das die gestiegenen Kosten für Mineraldünger, Energie und Kraftstoffe abfedert. Drittens sollen die Hilfen unbürokratisch, zielgerichtet und zeitnah bei den Betrieben ankommen. Viertens sollen die bereitgestellten Mittel den tatsächlichen wirtschaftlichen Belastungen entsprechen und die beihilferechtlichen Höchstgrenzen vollständig ausschöpfen. Fünftens soll dem Bundestag zeitnah ein Konzept vorgelegt werden, wie die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft gegenüber Mitgliedstaaten gesichert werden kann, die METSAF bereits nutzen.
Die Antragsbegründung verweist darauf, dass landwirtschaftliche Erzeuger ihre Verkaufspreise aufgrund der Marktstruktur nur eingeschränkt an steigende Produktionskosten anpassen können. Die Preissteigerungen bei Düngemitteln und Energie im Vergleich zu den Vorkrisenniveaus wirkten sich deshalb unmittelbar auf die betriebliche Liquidität und die Investitionsfähigkeit der Höfe aus.
Wettbewerbsverzerrung im EU-Binnenmarkt
Der Antrag hebt hervor, dass die ungleiche Inanspruchnahme von METSAF-Beihilfen innerhalb der EU zu unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen führt. Betriebe in Mitgliedstaaten, die staatliche Krisenunterstützung erhalten, können ihre gestiegenen Kosten teilweise kompensieren — deutsche Betriebe hingegen tragen die Kostensteigerungen ohne vergleichbare Ausgleichsleistung. Laut Drucksache handelt es sich bei den vorgeschlagenen Maßnahmen ausdrücklich nicht um dauerhafte Marktinterventionen, sondern um zeitlich befristete Stabilisierungshilfen zur Sicherung fairer Wettbewerbsbedingungen.
Einen ähnlichen Blick auf staatliche Förderung und Transparenzanforderungen wirft auch der Beitrag zur BMFTR-Förderung gesellschaftspolitischer Projekte. Im Kontext von EU-Binnenmarktfragen und Sanktionsrecht ist zudem der Beitrag zu Nord Stream 2 und US-Sanktionen einschlägig.
Weiterlesen:
Betroffen sind landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland, die aufgrund der Nahost-Krise mit deutlich gestiegenen Preisen für Mineraldünger, Energie und Kraftstoffe konfrontiert sind. Da Landwirte ihre Verkaufspreise aufgrund der Marktstruktur nur eingeschränkt weitergeben können, wirken sich die Kostensteigerungen laut Antrag direkt auf die betriebliche Liquidität und Investitionsfähigkeit aus.
Der Antrag (BT-Drs. 21/8133) ist am 22. September 2026 eingebracht worden und wird zunächst einem Fachausschuss überwiesen. Dort findet die inhaltliche Beratung statt, bevor der Bundestag im Plenum abstimmt. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse ist eine Ablehnung wahrscheinlich, da die AfD als einzige antragstellende Fraktion auftritt.
- METSAF
- Middle East Crisis Temporary State Aid Framework — befristeter EU-Beihilferahmen, der Mitgliedstaaten ermöglicht, von der Nahost-Krise betroffene Branchen mit staatlichen Zuschüssen zu unterstützen.
- Staatliche Beihilfe
- Finanzielle Unterstützung eines Staates für Unternehmen oder Branchen, die grundsätzlich EU-beihilferechtlichen Regeln unterliegt und meist einer Genehmigung der EU-Kommission bedarf.
- Betriebsmittel
- In der Landwirtschaft verbrauchte Produktionsfaktoren wie Düngemittel, Kraftstoffe und Energie, die kurzfristig kaum durch andere Mittel ersetzt werden können.
Was ist das METSAF?
Das Middle East Crisis Temporary State Aid Framework ist ein befristeter EU-Beihilferahmen, der Mitgliedstaaten erlaubt, besonders von der Nahost-Krise betroffene Wirtschaftsbereiche — insbesondere die Landwirtschaft — durch staatliche Zuschüsse zu unterstützen.
Welche Länder nutzen METSAF bereits?
Laut Antrag hat die EU-Kommission für Spanien bereits ein umfangreiches nationales Unterstützungsprogramm für die Landwirtschaft genehmigt, das Berichten zufolge 550 Millionen Euro umfasst. Weitere Mitgliedstaaten haben entsprechende Programme eingereicht.
Was konkret fordert der Antrag?
Die AfD fordert die Bundesregierung auf, unverzüglich ein nationales Hilfsprogramm bei der EU-Kommission anzumelden, das gestiegene Kosten für Mineraldünger, Energie und Kraftstoffe für deutsche Landwirte teilweise ausgleicht.

































































