Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8095 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- 130 rechtsextreme Musikveranstaltungen in Deutschland, Januar bis Juni 2026
- 51 weitere Veranstaltungen konspirativ vorbereitet — Standorte geheim
- Insgesamt rund 13.000 Besucher bei offen erfassten Veranstaltungen
Hintergrund
Der Verfassungsschutz erfasst rechtsextremistische Musikveranstaltungen seit Jahren als einen der zentralen Aktivierungskanäle der Szene. Die Fraktion Die Linke stellt regelmäßig entsprechende Kleine Anfragen; die vorliegende Drucksache 21/8095 ist die Antwort auf die Anfrage 21/7935. Als Vergleichswert nennt die Bundesregierung für das zweite Halbjahr 2025 nach Nachmeldungen 121 Veranstaltungen (21 Konzerte, 100 Liederabende). Die Sicherheitsbehörden nutzen für die Erfassung das Nachrichtendienstliche Informationssystem NADIS-WN sowie den Kriminalpolizeilichen Meldedienst in Fällen politisch motivierter Kriminalität (KPMD-PMK).
- 130 — rechtsextremistische Musikveranstaltungen im Bundesgebiet, Januar bis Juni 2026 (16 Konzerte, 114 Liederabende)
- 51 — weitere konspirativ angekündigte oder vorbereitete Veranstaltungen (9 Konzerte, 42 Liederabende)
- 2.280 — Besucher bei 15 der 16 Konzerte (Durchschnitt 152 Personen pro Konzert)
- 4.282 — Besucher bei 94 der 114 Liederabende (Durchschnitt ca. 46 Personen)
- 9 — Auslandsauftritte deutscher rechtsextremer Bands/Liedermacher in sechs Ländern (Ungarn, Schweiz, Brasilien, Spanien, Finnland, Tschechien)
Im Detail
Nach Kenntnis der Bundesregierung fanden von Januar bis Juni 2026 im Bundesgebiet 130 rechtsextremistische Musikveranstaltungen (16 Konzerte und 114 Auftritte von Solo-Interpreten/Liederabende) statt.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8095, S. 2
Im ersten Halbjahr 2026 hat der Verfassungsschutz in Deutschland 130 rechtsextremistische Musikveranstaltungen erfasst — 16 Konzerte und 114 Auftritte von Solo-Interpreten und Liederabende. Hinzu kommen 51 Veranstaltungen, die konspirativ angekündigt oder vorbereitet wurden. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/7935) hervor, die das Bundesministerium des Innern am 21. September 2026 übermittelt hat (BT-Drs. 21/8095).
Rechtsextreme Musikveranstaltungen: Zahlen und Besucherstruktur
Bei den 15 Konzerten, für die Besucherzahlen vorlagen, wurden insgesamt 2.280 Personen gezählt — ein Durchschnitt von 152 Personen pro Veranstaltung. Die 94 Liederabende mit bekannten Zahlen verzeichneten zusammen 4.282 Besucher (Durchschnitt ca. 46). Darüber hinaus gab es nach Angaben der Bundesregierung 58 sonstige Veranstaltungen mit Musikdarbietungen; die 45 davon mit bekannten Zahlen zählten insgesamt 6.620 Besucher (Durchschnitt ca. 147). Addiert man alle drei Kategorien, ergibt sich eine Gesamtbesucherzahl von rund 13.000 bei den offen erfassten Veranstaltungen — ohne die konspirativen Events.
Einen auffälligen geografischen Schwerpunkt zeigt die Anlage zur Drucksache: Auengrund-Brattendorf in Thüringen taucht als Veranstaltungsort besonders häufig auf — allein dort fanden in den sechs Monaten Dutzende Liederabende statt. Weitere Konzentrationspunkte liegen in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Die Bundesregierung verweigert jedoch eine vollständige regionale Aufschlüsselung der konspirativen Veranstaltungen, da die rechtsextreme Szene daraus Rückschlüsse auf den Erkenntnisstand der Sicherheitsbehörden ziehen könnte — und weil damit eingesetzte Vertrauenspersonen (V-Personen) gefährdet werden könnten.
Welche Organisationen traten als Veranstalter auf?
Sieben der erfassten rechtsextremen Musikveranstaltungen wurden laut Bundesregierung von der Partei „Die Heimat“ (ehemals NPD) oder einer ihrer Untergliederungen organisiert — ausschließlich Liederabende. Bei sechs weiteren Veranstaltungen dieser Partei lagen offene Erkenntnisse zu musikalischen Darbietungen vor, darunter Auftritte von „Flak“ in Berlin (17. Januar 2026), Frank Rennicke in Eisenach (7. Februar 2026) sowie „Hier und Jetzt“ und „Flak“ in Essen (1. Mai 2026). Für die Vereinigung „Freie Sachsen“ dokumentiert die Drucksache drei Veranstaltungen in Sachsen, unter anderem mit Frank Rennicke am 1. Mai 2026 in Aue-Bad Schlema.
Zur AfD hält die Bundesregierung fest: Im ersten Halbjahr 2026 trat die Partei bei keiner der als rechtsextremistisch eingestuften Konzertveranstaltungen als Mitveranstalterin auf. Allerdings gab es zwei AfD-Veranstaltungen mit Musikdarbietungen, die im Verfassungsschutz-System NADIS-WN erfasst wurden: eine Wahlkampfauftaktveranstaltung des AfD-Landesverbands Rheinland-Pfalz am 16. Januar 2026 in Idar-Oberstein (Auftretende: „Julia Juls“) sowie eine Musik- und Rednerveranstaltung unter dem Motto „Märkische Klangnacht“ am 13. Juni 2026 in Blankenfelde-Mahlow (Auftretende: „Wutbürger Akustik“), organisiert vom AfD-Ortsverband und dem AfD-Landesverband Brandenburg.
Auslandsauftritte und Straftaten
Deutsche rechtsextreme Bands und Liedermacher traten im ersten Halbjahr 2026 bei neun Konzerten im Ausland auf — in Ungarn, der Schweiz, Brasilien, Spanien, Finnland und Tschechien. Erkenntnisse über eine maßgebliche Beteiligung aus Deutschland an rechtsextremistischen Musikveranstaltungen im Ausland lagen der Bundesregierung hingegen nicht vor. Zu rechtsextremistischen Straftaten im unmittelbaren Zusammenhang mit Musikveranstaltungen konnten per Stichwortsuche zwei Fälle identifiziert werden: ein Verstoß gegen § 86a StGB am 31. Januar 2026 in Eggesin (Mecklenburg-Vorpommern) sowie ein Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte am 28. Februar 2026 in Reinstädt (Bayern). Eine systematische bundesweite Erfassung solcher Fälle existiert laut Bundesregierung nicht.
Vergleich mit dem Vorhalbjahr
Für das zweite Halbjahr 2025 hatte die Bundesregierung in einer früheren Antwort (BT-Drs. 21/4244) zunächst niedrigere Zahlen gemeldet. Nach Nachmeldungen erhöhte sich die Gesamtzahl für diesen Zeitraum auf 121 Veranstaltungen (21 Konzerte, 100 Liederabende). Die 130 rechtsextremen Musikveranstaltungen im ersten Halbjahr 2026 liegen damit leicht über dem Vorhalbjahreswert. Außerdem wurden nachträglich drei Auslandskonzerte mit deutschen Bands für das zweite Halbjahr 2025 bekannt.
Zu Streaming-Plattformen teilt die Bundesregierung mit, dass für das erste Halbjahr 2026 keine Statistiken über Löschungsanregungen für rechtsextremistische Musikinhalte geführt wurden und auch keine Entfernungsanordnungen für diesen Bereich vorlagen. Erkenntnisse zu Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem Spektrum „Reichsbürger und Selbstverwalter“ lagen ebenfalls nicht vor.
Weiterlesen:
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Betroffen sind vor allem Jugendliche in Regionen mit aktiver rechtsextremer Szene, insbesondere in Thüringen, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen, wo die Anlage zur Drucksache eine Häufung von Veranstaltungen zeigt. Sicherheitsbehörden auf Bundes- und Landesebene sind mit der Beobachtung und Dokumentation befasst.
Die Bundesregierung beantwortet die Gesamtzahlen vollständig, verweigert aber die geforderte Aufschlüsselung nach Bundesländern für konspirative Veranstaltungen sowie Angaben zu Einzelpersonen. Als Begründung nennt sie den Schutz operativer Maßnahmen, den Schutz von V-Personen und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Diese Einschränkungen werden ausführlich verfassungsrechtlich begründet.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Rechtsrock-Konzerte 2026: Linke fragt Bundesregierung →
- NADIS-WN
- Nachrichtendienstliches Informationssystem und Wissensnetz — die gemeinsame Verbunddatei der deutschen Verfassungsschutzbehörden zur Speicherung nachrichtendienstlich relevanter Erkenntnisse.
- KPMD-PMK
- Kriminalpolizeilicher Meldedienst in Fällen Politisch motivierter Kriminalität — das bundesweite Meldesystem für politisch motivierte Straftaten, das beim Bundeskriminalamt zentral ausgewertet wird.
- V-Person
- Vertrauensperson — eine von Verfassungsschutzbehörden geführte Quelle, die innerhalb einer extremistischen Szene Informationen beschafft, ohne selbst Beamter zu sein.
Wie viele rechtsextreme Konzerte gab es in H1 2026?
Nach Kenntnis der Bundesregierung fanden von Januar bis Juni 2026 insgesamt 130 rechtsextremistische Musikveranstaltungen statt — 16 Konzerte und 114 Liederabende. Weitere 51 Veranstaltungen wurden konspirativ angekündigt.
Warum nennt die Regierung keine regionalen Aufschlüsselungen?
Die Bundesregierung begründet dies mit dem Schutz laufender nachrichtendienstlicher Maßnahmen und dem Schutz eingesetzter Vertrauenspersonen, deren Enttarnung deren Leben gefährden könnte.
Waren AfD-Veranstaltungen darunter?
Laut Drucksache gab es zwei Veranstaltungen von AfD-Gliederungen mit Musikdarbietungen, beide wurden im Verfassungsschutz-Datensystem NADIS-WN erfasst. Als Mitveranstalter rechtsextremistischer Konzerte trat die AfD nach Angaben der Bundesregierung nicht in Erscheinung.



































































