Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8262 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- Schweinebetriebe sanken 2020–2023 von 31.852 auf 27.600
- Selbstversorgungsgrad 2025 bei 139 Prozent — trotz Importverboten
- Chinabann seit 2020 trifft deutsches Schweinefleisch weiterhin
Hintergrund
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) wurde im September 2020 erstmals in Deutschland nachgewiesen. Seitdem haben unter anderem China, Südafrika, Malaysia und Thailand Einfuhrbeschränkungen für deutsches Schweinefleisch erlassen. Gleichzeitig ist die Schweineproduktion in Deutschland strukturell rückläufig, während andere EU-Länder wie Spanien ihre Kapazitäten ausgebaut haben. Der daraus resultierende Wettbewerbsdruck und der Wegfall wichtiger Exportmärkte belasten die Erzeugerpreise in Deutschland erheblich.
- 31.852 → 27.600 — Rückgang der schweinehaltenden Betriebe in Deutschland zwischen 2020 und 2023 (Agrarstrukturerhebung).
- 26,3 → 22,4 Mio. Tiere — Schweinebestand Deutschland 2020 vs. 2023; jährliche Veränderungsrate Betriebe: –5,7 %, Bestände: –3,7 %.
- 139 % — Selbstversorgungsgrad Deutschlands mit Schweinefleisch im Jahr 2025.
- 93,3 Mio. Euro — bewilligte Investitionsförderung im Bundesprogramm Umbau der Tierhaltung (BUT), Zeitraum März–Dezember 2024.
- 562,6 Mio. Euro — beantragte Investitionsförderung im BUT, Januar bis September 2026; davon 430 Anträge noch nicht beschieden.
Im Detail
Der rechnerische Selbstversorgungsgrad Deutschlands mit Schweinefleisch lag im Jahr 2025 bei rund 139 Prozent.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8262, Frage 19
Zwischen 2020 und 2023 ist die Zahl der schweinehaltenden Betriebe in Deutschland von 31.852 auf 27.600 gesunken — ein Rückgang von rund 13 Prozent. Gleichzeitig fiel der Gesamtschweinebestand von 26,3 auf 22,4 Millionen Tiere. Diese Zahlen hat die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/8262, 29. September 2026) bestätigt. Die Anfrage umfasst 21 Fragen zur strukturellen Krise der deutschen Schweinehaltung, zu Preisverfall, zur Afrikanischen Schweinepest und zu Wettbewerbsnachteilen im EU-Binnenmarkt.
Betriebe verschwinden schneller als Tiere
Ein zentraler Befund der Drucksache: Die Zahl der Betriebe schrumpft stärker als der Tierbestand. Laut Bundesregierung betrug die jährliche Veränderungsrate der schweinehaltenden Betriebe –5,7 Prozent, während der Schweinebestand sich nur um –3,7 Prozent verringerte. Daraus ergibt sich, dass die verbliebenen Betriebe im Durchschnitt größere Bestände halten. Die Schweinehaltung konzentriert sich strukturell auf weniger, dafür größere Einheiten. Ob und wie sich das auf Familienbetriebe, regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit auswirkt, lasse sich laut Bundesregierung aus den Bestandszahlen allein nicht ableiten.
Afrikanische Schweinepest blockiert Exportmärkte
Seit dem ersten ASP-Ausbruch in Deutschland im September 2020 haben mehrere Drittländer Importverbote für deutsches Schweinefleisch erlassen. Betroffen sind laut Bundesregierung insbesondere China, Südafrika, Malaysia und Thailand. Für den wichtigen chinesischen Markt besteht das Importverbot seit 2020 ununterbrochen. Eine belastbare Quantifizierung der dadurch entstandenen Exportverluste ist nach Angaben der Bundesregierung nicht möglich, da sich die Marktbedingungen seither grundlegend verändert haben und hypothetische Exportmengen nicht berechnet werden können.
Im Januar 2026 unterzeichneten Bundeskanzler Friedrich Merz und der chinesische Ministerpräsident Li Qiang ein Memorandum of Understanding über den Abschluss eines Regionalisierungsabkommens zur ASP. Im Juni 2026 reiste Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer nach China, um die nächsten Schritte abzustimmen. Als unmittelbar bevorstehend nennt die Bundesregierung Besuche chinesischer Expertendelegationen in Deutschland zur Bewertung der epidemiologischen Lage. Einen verbindlichen Abschlusstermin kann die Bundesregierung aufgrund der Komplexität des Verfahrens nicht nennen. Gespräche über Marktöffnungen laufen derzeit auch mit Südafrika, Malaysia, Indonesien, Thailand und den USA.
Wettbewerbsnachteile im EU-Vergleich: keine Zahlen
Mehrere Fragen der Anfrage zielen auf den Wettbewerbsnachteil deutscher Betriebe gegenüber Produzenten in Spanien, Dänemark, Polen, Frankreich und den Niederlanden ab. Die Bundesregierung räumt ein, dass national unterschiedliche Anforderungen in den Bereichen Tierhaltung, Bau, Genehmigung, Dokumentation und Kontrolle bestehen. Eine pauschale Bewertung der Wettbewerbswirkung oder eine Quantifizierung der Mehrkosten je Mast- oder Sauenplatz sei jedoch nicht möglich, da vergleichbare Daten nicht vorliegen. Damit bleibt die politisch relevante Frage, ob Deutschland mit nationalen Überstandards seinen eigenen Landwirten schadet, offiziell unbeantwortet.
Bundesprogramm Umbau der Tierhaltung: 562 Mio. Euro beantragt
Die Anlage zur Frage 14 enthält detaillierte Daten zum Bundesprogramm Umbau der Tierhaltung (BUT). Für investive Vorhaben wurden im Zeitraum Januar bis September 2026 insgesamt 615 Anträge mit einem beantragten Fördervolumen von 562,6 Millionen Euro gestellt. Bewilligt wurden davon bislang 185 Anträge mit 169,1 Millionen Euro; 430 Anträge sind noch nicht beschieden. Die Antragsfrist für investive Förderung endete am 31. August 2026. Seither ist die Investitionsförderung für Schweinestallbauten wieder im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) verfügbar. Ob die verfügbaren Haushaltsmittel insgesamt ausreichen, um den Investitionsbedarf der Schweinehaltung zu decken, kann die Bundesregierung laut Drucksache nicht beurteilen.
Beim Förderstrang für laufende Mehrkosten wurden im Jahr 2025 insgesamt 6,4 Millionen Euro beantragt und 4,6 Millionen Euro bewilligt. Im laufenden Jahr 2026 beläuft sich das beantragte Fördervolumen bereits auf rund 18 Millionen Euro bei 344 beteiligten Betrieben.
Selbstversorgungsgrad und Marktkonzentration
Trotz des Bestandsrückgangs lag der Selbstversorgungsgrad Deutschlands mit Schweinefleisch im Jahr 2025 bei rund 139 Prozent. Deutschland erzeugt also deutlich mehr Schweinefleisch als es verbraucht und ist auf Nettobasis Exporteur. Zur Frage der Marktmacht großer Schlachtunternehmen verweist die Bundesregierung auf das Bundeskartellamt: Dieses hat 2025 die geplante Übernahme von Vion-Schlachthöfen durch Tönnies untersagt, weil eine zu starke Konzentration auf der Herstellungsebene drohte. Derzeit prüft das Kartellamt den Erwerb der Vion Waldkraiburg GmbH durch OSI Europe Foodworks — allerdings nur für den Bereich Rind.
Zur Verteilung der Wertschöpfung zwischen Erzeugern, Schlachtung, Verarbeitung und Lebensmitteleinzelhandel liegen der Bundesregierung nach eigenen Angaben keine belastbaren aktuellen Daten vor. Die politische Frage, ob Schweinehalter im Vergleich zu nachgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette benachteiligt werden, bleibt damit datenseitig offen. Hintergründe zu aktuellen Fragen der Verteilungswirkungen in der Agrarpolitik werden auch in weiteren parlamentarischen Anfragen beleuchtet.
Die Bundesregierung hat keine konkrete Zielgröße für die künftige Schweinehaltung in Deutschland festgelegt. Weder eine stabile Bestandsgröße noch eine gezielte Reduzierung sieht der Koalitionsvertrag vor. Die künftige Entwicklung soll den Marktentscheidungen der Betriebe überlassen bleiben. Zu ähnlichen Strukturfragen in der Landwirtschaft bietet auch der Beitrag zu Agrardrohnen und KI-Potenzialen weiterführende Einordnung.
Weiterlesen:
Direkt betroffen sind die rund 27.600 schweinehaltenden Betriebe in Deutschland, insbesondere Familienbetriebe in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern — den drei Bundesländern mit den größten Schweinebeständen. Mittelbar betroffen sind auch Schlachtbetriebe, die verarbeitende Industrie sowie Verbraucher, die langfristig von einer veränderten Marktstruktur betroffen sein könnten.
Bei mehreren Fragen verweist die Bundesregierung auf fehlende eigene Daten oder externe Quellen (Eurostat), so etwa zur Quantifizierung der Exportverluste durch den China-Bann und zu Mehrkosten je Mastplatz im EU-Vergleich. Kernfragen zur Wettbewerbswirkung nationaler Auflagen wurden nicht beziffert.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Schweinehaltung: Preisverfall und ASP-Krise unter 1,50 Euro/kg →
- Afrikanische Schweinepest (ASP)
- Hochansteckende Viruserkrankung bei Haus- und Wildschweinen, für Menschen ungefährlich, aber wirtschaftlich folgenreich durch Handelsverbote.
- Regionalisierungsabkommen
- Handelsvertrag, der Importe aus seuchenfreien Teilregionen eines Landes erlaubt, auch wenn andere Regionen von einer Tierseuche betroffen sind.
- Selbstversorgungsgrad
- Anteil der inländischen Erzeugung am inländischen Verbrauch in Prozent; ein Wert über 100 bedeutet, dass mehr erzeugt als verbraucht wird.
Wie viele Schweinebetriebe gibt es noch in Deutschland?
Laut Agrarstrukturerhebung 2023 gibt es noch 27.600 Betriebe mit Schweinehaltung — 2020 waren es 31.852.
Warum darf Deutschland kein Schweinefleisch nach China exportieren?
Seit dem ersten Auftreten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland im September 2020 hat China ein Importverbot verhängt. Ein Regionalisierungsabkommen ist in Vorbereitung, aber noch nicht abgeschlossen.
Was fördert das Bundesprogramm Umbau der Tierhaltung?
Das Programm fördert Investitionen in tiergerechte Stallbauten sowie laufende Mehrkosten für höhere Haltungsstandards. Bis September 2026 wurden investive Anträge mit einem beantragten Volumen von rund 808 Mio. Euro gestellt.



































































