- 516 Mio. Euro Bundesförderung an Unicef Germany seit 2020
- 496 Mio. Euro als Sammelposten ohne Projektaufschlüsselung verbucht
- 18 Fragen zu Projekten, Vergabe und Verwendungsnachweisen gestellt
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7411 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Diese Kleine Anfrage knüpft an die Antwort der Bundesregierung auf BT-Drs. 21/5178 an, die nach Einschätzung der Fragesteller keine ausreichende Aufschlüsselung der Unicef-Förderungen enthielt. Das Auswärtige Amt weist im Einzelplan 05 für den Zeitraum 2020 bis 2025 sechsmal Ausgaben als ‚mehrere Projektförderungen im Rahmen der humanitären Hilfe‘ aus, ohne die Einzelprojekte zu benennen. Bei anderen Zuwendungsempfängern wurden laut Anfrage teils deutlich detailliertere Angaben gemacht. Die Gesamtsumme dieser Sammelposten beträgt 496.619.000 Euro.
- 516.616.000 Euro — Gesamtförderung des Auswärtigen Amts an Unicef Germany von 2020 bis 2026
- 496.619.000 Euro — Als Sammelposten ohne Projektaufschlüsselung ausgewiesene Förderungen (rund 96 % der Gesamtsumme)
- 319.909.000 Euro — Förderungen allein in der 20. Legislaturperiode (2022–2024)
- 115.288.000 Euro — Höchste Jahressumme, im Jahr 2022 gezahlt
- 31.212.000 Euro — Niedrigste Jahressumme im betrachteten Zeitraum, im Jahr 2020 gezahlt
Im Detail
Angesichts der erheblichen Fördersummen besteht aus Sicht der Fragesteller ein besonderes öffentliches und parlamentarisches Interesse an einer detaillierten Offenlegung der Mittelverwendung.
— Begründung BT-Drs. 21/7411, AfD-Fraktion
Das Auswärtige Amt hat Unicef Germany zwischen 2020 und 2026 insgesamt rund 516,6 Millionen Euro an Fördermitteln gezahlt. Den weitaus größten Anteil — 496,6 Millionen Euro — weist der Bundeshaushalt lediglich als Sammelposten unter dem Verwendungszweck „mehrere Projektförderungen im Rahmen der humanitären Hilfe“ aus, ohne die einzelnen Projekte, Förderbeträge oder konkreten Leistungen zu benennen. Diese fehlende Aufschlüsselung ist der Ausgangspunkt der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7411, die Abgeordneter Raimond Scheirich und die AfD-Fraktion am 29. Juli 2026 eingereicht haben.
Unicef Germany Förderung: Sammelposten statt Einzelnachweise
Bereits eine frühere Anfrage der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/5178) hatte die Bundesregierung um Auskunft zu den Zahlungen an Unicef Germany gebeten. Die damalige Antwort enthielt laut Drucksache 21/7411 eine Anlage 1d mit Zahlungsübersichten, ließ nach Einschätzung der Fragesteller aber zentrale Fragen offen: Welche Projekte wurden tatsächlich gefördert? Wer waren die Endbegünstigten? Welche Leistungen wurden erbracht? Die neue Anfrage richtet sich mit 18 Einzelfragen an die Bundesregierung, um diese Lücken zu schließen.
Die jährlichen Förderbeträge im Einzelnen: Im Jahr 2020 wurden 31,2 Millionen Euro gezahlt, 2021 stiegen die Mittel auf 102,3 Millionen Euro. Den Höchststand erreichte die Förderung 2022 mit 115,3 Millionen Euro, gefolgt von 100,1 Millionen Euro (2023) und 102,0 Millionen Euro (2024). Im Jahr 2025 sanken die Mittel auf 45,7 Millionen Euro. Für die restlichen vier Posten — also nicht unter den Sammelposten fallende Zahlungen — ergab sich eine Summe von lediglich 19,997 Millionen Euro für den gesamten Zeitraum.
Deutlicher Anstieg in der 20. Legislaturperiode
Besonders auffällig ist der starke Anstieg der Förderungen in der 20. Legislaturperiode (2022–2024): In diesen drei Jahren flossen zusammen 319,9 Millionen Euro an Unicef Germany — deutlich mehr als in den übrigen Jahren des betrachteten Zeitraums (2020–2021 und 2025–2026) mit zusammen rund 196,7 Millionen Euro. Die Fragesteller wollen von der Bundesregierung wissen, ob und welche konkreten humanitären Krisen diesen Anstieg begründen und warum die Summen danach wieder sanken.
Die Anfrage thematisiert auch die Frage der Vergabeverfahren: In welchen Fällen wurden Förderungen an Unicef Germany ohne vorheriges Interessenbekundungs- oder Wettbewerbsverfahren bewilligt? Zudem fragen die Abgeordneten nach dem Verhältnis zwischen administrativen Kosten und dem Anteil der Mittel, der tatsächlich in Projektmaßnahmen vor Ort geflossen ist — aufgeschlüsselt nach Jahren.
Verwendungsnachweise, Evaluierungen und Rückforderungen
Weitere Fragen richten sich auf die Kontrollmechanismen: Welche Berichtspflichten und Verwendungsnachweise musste Unicef Germany erbringen? Wurden die geförderten Projekte evaluiert, und wenn ja, mit welchem Ergebnis? Hat es seit 2020 Beanstandungen, Hinweise auf Unregelmäßigkeiten oder Rückforderungen gegeben? Diese Fragen berühren grundlegende Anforderungen an die Kontrolle von Bundesmitteln, die auch bei anderen Zuwendungsempfängern gelten.
Die AfD-Fraktion begründet die Anfrage damit, dass bei anderen Empfängern von Haushaltsmitteln teils deutlich kleinteiligere Angaben gemacht wurden, während bei Unicef Germany der überwiegende Teil der Zahlungen als Sammelposten geführt werde. Aus Sicht der Fragesteller besteht angesichts der Größenordnung von über einer halben Milliarde Euro ein besonderes öffentliches und parlamentarisches Interesse an Transparenz.
Einen weiteren Kontext liefert der Blick auf ähnliche Anfragen zu anderen Förderprogrammen: So hat der Bundestag zuletzt auch die Fördersummen des Programms „Demokratie leben!“ in Brandenburg sowie die Förderung des Abraham Accords Institute parlamentarisch überprüft. Auch die humanitäre Hilfe für den Südsudan war Gegenstand einer Anfrage. Zu den Grundlagen staatlicher Förderung und Haushaltssystematik bietet der Beitrag zum Bundeszuschuss weiterführende Informationen.
Die Bundesregierung hat nun bis zum 19. August 2026 Zeit, auf die 18 Fragen zu antworten. Wie umfassend und detailliert diese Antwort ausfällt, wird zeigen, ob das Auswärtige Amt die geforderte Transparenz zu den Unicef Germany Förderungen herstellen kann oder will.
Weiterlesen:
- Südsudan-Krise: 84,5 Mio. Euro humanitäre Hilfe seit 2022
- Abraham Accords Institute: 2,7 Mio. Euro Bundesförderung unter Prüfung
- Demokratie leben! Brandenburg: Fördersummen für NGOs gefragt
Betroffen sind in erster Linie Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, da es sich um Bundesmittel handelt. Darüber hinaus ist Unicef Germany als Förderempfänger direkt betroffen. Die Anfrage richtet sich auf die Transparenz staatlicher Mittelverwendung im Bereich humanitärer Hilfe.
Die Kleine Anfrage wurde am 29. Juli 2026 eingereicht. Die Bundesregierung hat eine gesetzliche Antwortfrist von 21 Tagen, die Antwort ist demnach bis zum 19. August 2026 fällig. Nach Eingang der Antwort kann die Anfrage im Bundestag weiter thematisiert werden.
- Einzelplan 05
- Der Einzelplan 05 ist der Haushaltsplan des Auswärtigen Amts im Bundeshaushalt und enthält alle Ausgaben des Ministeriums.
- Humanitäre Hilfe
- Staatliche Mittel, die in akuten Krisen zur Versorgung von Betroffenen mit Nahrung, Wasser, Unterkunft und medizinischer Hilfe eingesetzt werden.
- Sammelposten
- Ein Haushaltsposten, unter dem mehrere Einzelzahlungen zusammengefasst werden, ohne die jeweiligen Empfänger oder Zwecke einzeln auszuweisen.
Wie viel Geld erhielt Unicef Germany insgesamt vom Bund?
Laut Drucksache zahlte das Auswärtige Amt im Zeitraum 2020 bis 2026 insgesamt 516.616.000 Euro an Unicef Germany, davon 496.619.000 Euro als Sammelposten.
Warum werden die Projekte nicht einzeln aufgeführt?
Das ist Gegenstand der Anfrage. Das Auswärtige Amt führte die Zahlungen unter dem Sammelbegriff 'mehrere Projektförderungen im Rahmen der humanitären Hilfe' ohne Einzelaufschlüsselung auf.
Was ist der Unterschied zwischen den Legislaturperioden?
In der 20. Legislaturperiode (2022–2024) wurden laut Drucksache 319.909.000 Euro gezahlt, in den übrigen Jahren (2020–2021 und 2025–2026) zusammen 196.707.000 Euro.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7411 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































