- Lebensmittelpreise stiegen seit 2020 um über 35 Prozent
- Vier Handelsgruppen kontrollieren über 85% des Marktes
- Nominallöhne stiegen nur um 17,5% — Reallohnverlust für Haushalte
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6508 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Vor 2020 galten Nahrungsmittel als sogenannte Inflationsbremsen. Seit der Coronapandemie und dem russischen Angriff auf die Ukraine ab 2022 übersteigen die Lebensmittelpreise den allgemeinen Verbraucherpreisindex deutlich. Laut dem Sondergutachten 84 der Monopolkommission aus dem Jahr 2025 ist die Marktkonzentration der vier größten Handelsgruppen im deutschen Lebensmitteleinzelhandel auf über 85 Prozent gestiegen. Gleichzeitig liegen die deutschen Teuerungsraten im Lebensmittelbereich nach Angaben der Fragesteller deutlich über dem EU-Durchschnitt.
- +35% — Anstieg der Lebensmittelpreise in Deutschland seit 2020 (Statista-Daten, zitiert in Drucksache).
- +17,5% — Anstieg der Nominallöhne zwischen 2020 und 2024, deutlich unter der Lebensmittelteuerung (Statistisches Bundesamt).
- über 85% — Marktkonzentration der vier größten Lebensmitteleinzelhandelsgruppen laut Sondergutachten 84 der Monopolkommission (2025).
- ca. 90% — Anteil der Bevölkerung, der sich laut einer Umfrage von foodwatch zu Beginn der Legislaturperiode 2025 Maßnahmen der Bundesregierung für bezahlbare Lebensmittel wünschte.
- fast 50% — Anteil der Preissteigerungen in der Eurozone 2023, der laut IMF-Studie auf gestiegene Unternehmensgewinne zurückzuführen war.
Im Detail
Die Lebensmittelpreise sind in Deutschland seit 2020 um über 35 Prozent gestiegen. Zwischen 2020 und 2024 sind die Nominallöhne dabei lediglich um 17,5 Prozent gestiegen.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/6508
Lebensmittel sind für Millionen Haushalte in Deutschland spürbar teurer geworden: Seit 2020 stiegen die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke um über 35 Prozent — während die Nominallöhne im gleichen Zeitraum lediglich um 17,5 Prozent zulegten. Dieser Kaufkraftverlust trifft Menschen mit niedrigem Einkommen besonders hart, weil sie einen größeren Teil ihres Einkommens für Grundbedürfnisse ausgeben müssen.
Die Fraktion Die Linke hat dazu am 12. Juni 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/6508 eingereicht und stellt der Bundesregierung 16 Fragenkomplexe zu Lebensmittelpreisen, Marktmacht im Einzelhandel und dem Schutz von Landwirten. Die Antwortfrist läuft bis zum 7. Juli 2026.
Lebensmittelpreise: Ursachen und EU-Vergleich
Die Anfrage erkundigt sich nach der Preisentwicklung seit 2020, aufgeschlüsselt nach Produktgruppen, Bio- und Konventionalware sowie nach Saisonalität. Zudem soll die Bundesregierung erklären, warum die Teuerungsraten in Deutschland nach Angaben der Fragesteller deutlich über dem EU-Durchschnitt liegen und die Entwicklung seit 2006 im Ländervergleich darstellen. Parallel dazu wird nach der Entwicklung der Nährstoffqualität von Lebensmitteln seit dem Jahr 2000 gefragt.
Shrinkflation und Skimpflation: Versteckte Preiserhöhungen
Ein eigener Fragenkomplex widmet sich versteckten Preiserhöhungen. Die Anfrage erkundigt sich nach dem Ausmaß von Shrinkflation — der Verringerung von Füllmengen bei gleichbleibendem Preis — sowie von Skimpflation, dem Ersetzen hochwertiger Zutaten durch günstigere Alternativen. Die Fraktion fragt auch, welche Maßnahmen die Bundesregierung zur Verbraucheraufklärung plant und wie sie die im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD angekündigte Transparenz bei versteckten Preiserhöhungen umsetzen will.
Marktkonzentration: Vier Gruppen dominieren 85 Prozent
Das Sondergutachten 84 der Monopolkommission zum Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette (2025) stellt fest, dass die vier größten Handelsgruppen — Aldi-Nord und -Süd, die Schwarzgruppe (Lidl, Kaufland), Rewe und Edeka — zusammen über 85 Prozent des deutschen Lebensmitteleinzelhandels kontrollieren. Die Anfrage fragt die Bundesregierung, welche Schlüsse sie daraus zieht, ob sie die Fusionskontrolle des Bundeskartellamts stärken will und wie sie die laufende Übernahme von tegut durch Edeka und Rewe bewertet. Auch eine mögliche Sektoruntersuchung durch das Bundeskartellamt ist Gegenstand der Anfrage. Vergleichbare Themen zur strukturellen Reform von Märkten werden im Bundestag derzeit in verschiedenen Zusammenhängen debattiert.
Schutz für Landwirte und das Höfesterben
Während Verbraucherpreise steigen, sinken nach Darstellung der Fragesteller die Erzeugerpreise für Landwirtinnen und Landwirte — viele müssen Preise unterhalb ihrer Produktionskosten akzeptieren. Die Anfrage erkundigt sich nach geplanten Maßnahmen gegen das sogenannte Höfesterben und zunehmende Verschuldung landwirtschaftlicher Betriebe. Gefragt wird auch, ob die Bundesregierung das spanische Modell eines Einkaufsverbots unterhalb der Produktionskosten kennt und wie sie es bewertet. Thematisch verwandt ist auch die Diskussion um faire Strukturen in verschiedenen Rechtsbereichen, die Die Linke in dieser Legislaturperiode vorantreibt.
Ombudsperson für faire Handelspraktiken noch nicht eingerichtet
Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD sieht eine unabhängige, weisungsfreie Ombudsperson zur Bekämpfung unfairer Praktiken entlang der Agrar- und Lebensmittelwertschöpfungskette vor. In einer Antwort auf eine Schriftliche Frage vom 6. Februar 2026 hatte die Bundesregierung erklärt, die Einrichtung werde noch geprüft. Die Anfrage hakt nach: Ist die Prüfung abgeschlossen? Wie viele Fälle wurden bearbeitet? Welche Befugnisse soll die Person gegenüber Unternehmen erhalten? Und können sich auch Betroffene aus dem EU-Ausland an sie wenden?
Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel
Abschließend fragt Die Linke, ob die Bundesregierung plant, die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel zu senken, nach welchen Kriterien der ermäßigte Steuersatz vergeben wird und ob die Liste der begünstigten Produkte im Sinne gesunder Ernährung angepasst werden soll. Auch die Frage nach gewinngetriebenen Preissteigerungen — laut einer IMF-Studie aus dem Sommer 2023 waren fast 50 Prozent der Teuerung in der Eurozone auf gestiegene Unternehmensgewinne zurückzuführen — ist Teil der umfangreichen Anfrage. Das Thema Lebensmittelpreise berührt damit nicht nur Verbraucherschutz, sondern auch Fragen der Wettbewerbspolitik und sozialen Gerechtigkeit, wie sie auch im parlamentarischen Geschehen rund um den 16. Juni 2026 eine Rolle spielen.
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Besonders stark betroffen sind Haushalte mit geringem Einkommen, die einen überproportionalen Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel aufwenden müssen. Auch Landwirtinnen und Landwirte sind betroffen, da ihre Erzeugerpreise teils unter den Produktionskosten liegen, während die Verbraucherpreise steigen. Verbraucherinnen und Verbraucher insgesamt sind durch Phänomene wie Shrinkflation und Skimpflation betroffen.
Die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/6508 ist am 16. Juni 2026 beim Deutschen Bundestag eingegangen. Die Bundesregierung hat nun 21 Tage Zeit, die Anfrage schriftlich zu beantworten — die Frist läuft bis zum 7. Juli 2026. Nach Eingang der Antwort wird diese als separate Drucksache veröffentlicht.
- Shrinkflation
- Praxis, bei der die Füllmenge eines Produkts verringert wird, während der Preis gleich bleibt — eine versteckte Form der Preiserhöhung.
- Skimpflation
- Praxis, bei der nährstoffreiche oder hochwertige Zutaten in einem Produkt durch billigere Zutaten von oft minderer Qualität ersetzt werden, ohne den Preis zu senken.
- AgrarOLgK
- Agrar-Organisationen-und-Lieferketten-Gesetz — deutsches Gesetz zur Umsetzung der EU-Richtlinie gegen unfaire Handelspraktiken in der Lebensmittelversorgungskette.
Um wie viel sind Lebensmittel seit 2020 teurer geworden?
Laut Vorbemerkung der Fragesteller sind die Lebensmittelpreise in Deutschland seit 2020 um über 35 Prozent gestiegen, während die Nominallöhne im gleichen Zeitraum nur um 17,5 Prozent zulegten.
Wie konzentriert ist der Lebensmitteleinzelhandel?
Nach dem Sondergutachten 84 der Monopolkommission kontrollieren die vier größten Handelsgruppen (Aldi, Schwarzgruppe/Lidl/Kaufland, Rewe und Edeka) über 85 Prozent des deutschen Lebensmitteleinzelhandels.
Was ist Shrinkflation?
Shrinkflation bezeichnet die Praxis, die Füllmenge eines Produkts zu verringern, während der Preis gleich bleibt — eine versteckte Form der Preiserhöhung, nach der Die Linke in der Anfrage fragt.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6508 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































