- 50 Mio. Euro jährlich für Long-COVID- und ME/CFS-Forschung ab 2026
- 26 Mio. Euro für neue Förderrichtlinie klinischer Studien geplant
- Steuerungskreis berät nur — Entscheidungsbefugnis liegt beim Ministerium
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7275 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Bundestag hat im Haushalt 2026 jährlich 50 Millionen Euro im Einzelplan des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) für eine Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen bereitgestellt. Am 30. Januar 2026 startete das Ministerium die Dekade offiziell und benannte acht Partnerorganisationen. Am 27. Februar 2026 tagte der Steuerungskreis erstmals und einigte sich auf erste Maßnahmen. Die Fraktion Die Linke hatte mit BT-Drs. 21/6613 insgesamt 34 Fragen zur Struktur, Finanzierung und Patientenbeteiligung gestellt.
- 50 Mio. Euro/Jahr — Jährliches Budget im BMFTR-Haushalt für die Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen.
- 26 Mio. Euro — Geplante Fördermittel für die am 1. Juni 2026 veröffentlichte Förderrichtlinie klinischer Studien.
- 14,4 Mio. Euro — Bewilligte Mittel für 7 Verbünde mit 21 Vorhaben zur Erforschung von ME/CFS-Pathomechanismen (Laufzeit 2024–2027).
- 9,98 Mio. Euro — Bewilligte Mittel für die Nationale klinische Studiengruppe Post-Covid-Syndrom und ME/CFS, 1. Phase (2022–2026).
- 8 Mio. Euro — Bewilligte Mittel für die 2. Phase der klinischen Studiengruppe (2026–2029).
Im Detail
Eine gesonderte 'Challenge' ist nicht vorgesehen, da die Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen auf einen systematischen Ausbau der Forschungsförderung ausgerichtet ist.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7275, Frage 2
Millionen Menschen in Deutschland leiden nach Infektionen an anhaltenden Beschwerden — Long-COVID und ME/CFS zählen zu den häufigsten Diagnosen. Um diese Erkrankungen systematisch zu erforschen, hat der Bundestag im Haushalt 2026 jährlich 50 Millionen Euro für eine Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen bereitgestellt. Die Bundesregierung hat am 21. Juli 2026 in BT-Drs. 21/7275 auf 34 Fragen der Fraktion Die Linke (ursprüngliche Anfrage: BT-Drs. 21/6613) geantwortet und dabei erstmals detaillierte Zahlen zur Mittelverwendung veröffentlicht.
Was gilt aktuell?
Vor der Einrichtung der Nationalen Dekade existierten bereits einzelne Fördermaßnahmen zu Long-COVID und ME/CFS, jedoch ohne übergeordneten strategischen Rahmen. Mit dem offiziellen Startschuss am 30. Januar 2026 hat das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) acht Partnerorganisationen benannt — darunter das Bundesministerium für Gesundheit, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft, das Netzwerk Universitätsmedizin und das Berlin Institute of Health. Ein Steuerungskreis koordiniert seitdem die inhaltliche Ausgestaltung.
Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen: Die Mittelverwendung
Die beigefügte Anlage zur Drucksache gibt erstmals einen vollständigen Überblick über laufende und neue Fördervorhaben. Fortgeführt werden unter anderem sieben ME/CFS-Verbünde mit insgesamt 21 Einzelvorhaben und bewilligten Mitteln von 14,4 Millionen Euro (Laufzeit bis November 2027) sowie die erste Phase der Nationalen klinischen Studiengruppe für Post-COVID und ME/CFS mit 9,98 Millionen Euro. Neu bewilligt wurden unter anderem eine zweite Phase dieser Studiengruppe mit 8 Millionen Euro bis Januar 2029 und das Datenerweiterungsprojekt PRISM mit 7,7 Millionen Euro. Für eine am 1. Juni 2026 veröffentlichte Förderrichtlinie für klinische Studien werden aktuell rund 26 Millionen Euro eingeplant — mehr als die Hälfte des Jahresbudgets der gesamten Dekade.
Steuerungskreis: Beratung ohne Entscheidungsbefugnis
Ein zentrales Ergebnis der Anfrage betrifft die Rolle des Steuerungskreises. Die Bundesregierung stellt klar, dass dieser ausschließlich als Beratungsgremium fungiert — ohne Stimmrechte, ohne Mehrheitsentscheidungen und ohne Zuständigkeit für konkrete Mittelverwendungen. Entscheidungen trifft allein das BMFTR. Die Mitarbeit im Steuerungskreis erfolgt ehrenamtlich. Die nächsten Sitzungen sind für das vierte Quartal 2026 und das zweite Quartal 2027 geplant.
Die Fraktion Die Linke hatte in ihrer Anfrage auch gefragt, warum weder die Bundesärztekammer noch eine Patientenorganisation unter den offiziellen Dekade-Partnern gelistet ist — anders als bei der Nationalen Dekade gegen Krebs. Die Bundesregierung antwortet, die Einbindung erfolge nicht nach standesrechtlichen Vertretungen, sondern funktionsbezogen. Betroffenenorganisationen seien gleichberechtigt im Steuerungskreis und in den Arbeitsgruppen vertreten. Als zweite Betroffenenorganisation neben der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS e. V. nennt die Regierung die Stabsstelle Patientenbeteiligung im Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss.
Psychosomatik: kein genereller Ausschluss, aber kein Förderschwerpunkt
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär hatte im März 2026 im Forschungsausschuss erklärt, der Fokus der Dekade liege auf biomedizinischer Forschung und „nicht auf der Psychosomatik“. Die Bundesregierung erläutert, dies bedeute eine Priorisierung biologischer Krankheitsmechanismen und diagnostischer Verfahren — ohne andere Fachgebiete generell auszuschließen. Konkrete Fördermaßnahmen für psychosomatische Projekte sind derzeit nicht geplant. Das Thema psychische Gesundheit fließe jedoch im Sinne einer holistischen Betrachtung in den Austausch ein.
Zum Beteiligungsformat für Betroffenenorganisationen, das Ministerin Bär für alle offenstehenden Gruppen angekündigt hatte, gibt die Bundesregierung an, dass am 9. Juni 2026 ein erster mehrstündiger virtueller Austausch unter Beteiligung von 16 Betroffenenorganisationen stattgefunden habe. Die Ergebnisse wurden dem Steuerungskreis übermittelt. Der Dialog soll fortgeführt werden.
Keine Informationen liegen der Bundesregierung zu möglichen Eigenbeiträgen der Partnerorganisationen vor, die über die Gremienarbeit hinausgehen. Auch zu Mittelplanungen der Länder oder privater Akteure im Rahmen der Dekade gibt es keine Angaben.
Weiterlesen:
- BAMF-Integrationskurse Thüringen: 427 Kurse, 2,8 Mio. Euro
- Wohnungsbaugenossenschaften: 109 Mio. Euro KfW-Förderung seit 2022
- Südsudan-Krise: 84,5 Mio. Euro humanitäre Hilfe seit 2022
Betroffen sind in erster Linie Patientinnen und Patienten mit Long-COVID, ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) und anderen postinfektiösen Erkrankungen sowie deren Angehörige. Darüber hinaus betrifft die Förderstruktur Forschungseinrichtungen, Universitätskliniken und Betroffenenorganisationen, die sich an Ausschreibungen und Gremienarbeit beteiligen können.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen inhaltlich. Bei den Fragen zur Mittelverwendung verweist sie auf eine beigefügte tabellarische Anlage. Zu Frage 30 (Ländermittel und private Akteure) gibt sie an, keine Informationen zu haben.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Long-COVID-Forschung: 50 Mio. Euro jährlich für Nationale Dekade →
- ME/CFS
- Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom — eine schwere neuroimmunologische Erkrankung, die häufig nach Infektionen auftritt und mit extremer Erschöpfung einhergeht.
- Postinfektiöse Erkrankungen
- Erkrankungen, die nach einer Infektion (z. B. COVID-19) dauerhaft bestehen bleiben, darunter Long-COVID und ME/CFS.
- Steuerungskreis
- Das zentrale Expertengremium der Nationalen Dekade — ein Beratungsgremium ohne Entscheidungsbefugnisse, das das BMFTR bei der Ausgestaltung der Dekade berät.
Was ist die Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen?
Eine bis 2036 angelegte Forschungsinitiative des Bundes mit jährlich 50 Millionen Euro, die Ursachen, Diagnostik und Therapien von Erkrankungen wie Long-COVID und ME/CFS erforschen soll.
Wer sitzt im Steuerungskreis der Dekade?
Im Steuerungskreis sind Vertreter aus Wissenschaft, Universitätsmedizin, Bundesministerien, Ländern sowie Patienten- und Betroffenenorganisationen vertreten, darunter die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS.
Hat der Steuerungskreis Entscheidungsbefugnisse?
Nein. Laut Bundesregierung handelt es sich um ein reines Beratungsgremium ohne Entscheidungsbefugnisse. Die Entscheidungen trifft das Bundesforschungsministerium.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7275 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































