- 26,2 Millionen Euro Gesamtkosten für abgeschalteten Datenatlas Bund
- Bundesregierung wertet Projekt als erfolgreich — Kritiker sehen Scheitern
- Nachfolgelösung GovData und künftige Metadatenprojekte geplant
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6478 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Datenatlas Bund war als ressortübergreifende Metadatenbank der Bundesverwaltung konzipiert und in die Datenstrategie des Kabinetts Olaf Scholz eingebettet. Ziel war es, Verwaltungsdaten verschiedener Behörden zentral auffindbar und verknüpfbar zu machen. BMF und BMI führten die Projektsteuerung gemeinsam; die Bundesdruckerei übernahm die Entwicklung, das ITZBund den Betrieb. Nach der Pilotierungsphase bis Ende 2024 und einem verlängerten Betrieb bis Ende 2025 wurde das Portal abgeschaltet. Die AfD-Fraktion hatte mit Kleiner Anfrage BT-Drs. 21/6176 nach Kosten, Gründen und Konsequenzen gefragt.
- 2.102 T Euro (2022) — Erste Ausgaben für den Datenatlas Bund im Startjahr des Projekts.
- 12.485 T Euro (2024) — Höchste Jahresausgabe; fiel mit der Fertigstellung des MVP und der Pilotierungsphase zusammen.
- 26.181 T Euro Gesamt — Gesamtkosten des Projekts über die Jahre 2022 bis 2026 (brutto).
- 31. Dezember 2025 — Datum der endgültigen Abschaltung des Datenatlas-Portals.
- 200 T Euro (2026) — Noch in 2026 verbuchte Restleistungen aus dem Vorjahr.
Im Detail
Ein ressortübergreifender Metadatenkatalog bildet eine wichtige Grundlage für eine effiziente Datennutzung in der Bundesverwaltung. Deshalb ist das BMDS bestrebt, die gewonnen Erkenntnisse und die Bedarfe an einen Metadatenkatalog der Bundesverwaltung in zukünftige Projekte des Ministeriums zu integrieren.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/6478, S. 4
Rund 26,2 Millionen Euro hat der Bund in das Digitalisierungsprojekt „Datenatlas Bund“ investiert — ein Portal, das Verwaltungsdaten verschiedener Bundesbehörden zentral auffindbar machen sollte. Ende 2025 wurde es abgeschaltet. Die Bundesregierung hat nun auf die Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/6176) geantwortet und damit erstmals eine vollständige Kostenaufschlüsselung sowie ihre Bewertung des Projektendes vorgelegt. Die Antwort trägt das Datum 11. Juni 2026 und liegt als BT-Drs. 21/6478 vor.
Was war der Datenatlas Bund?
Der Datenatlas Bund war als ressortübergreifende Metadatenbank für die gesamte Bundesverwaltung konzipiert. Behörden sollten dort eintragen können, welche Datensätze sie besitzen — ähnlich einem digitalen Bibliothekskatalog. Das Projekt war Teil der Datenstrategie des Kabinetts Scholz und sollte Transparenz sowie Effizienz in der Verwaltung steigern. Federführend waren das Bundesfinanzministerium (BMF) und das Bundesinnenministerium (BMI), die Entwicklung übernahm die Bundesdruckerei, den geplanten Betrieb das ITZBund.
Kosten und Zeitverlauf
Die Bundesregierung legt in ihrer Antwort eine jahresgenaue Kostentabelle vor: 2022 fielen 2,1 Millionen Euro an, 2023 rund 6,1 Millionen Euro, 2024 — dem Jahr der Fertigstellung des sogenannten MVP (Minimum Viable Product) — mit 12,5 Millionen Euro der größte Jahresbetrag. 2025 kamen weitere 5,3 Millionen Euro hinzu, 2026 noch Restleistungen von 200.000 Euro. Der Gesamtbetrag beläuft sich damit auf 26,181 Millionen Euro brutto. Alle Ausgaben liefen über das Haushaltskapitel 0812, Titel 532 01.
Datenatlas Bund: Erfolg oder Scheitern?
Hier besteht eine deutliche Bewertungsdifferenz. Die Bundesregierung beschreibt das Projektende durchgehend als „erfolgreich“: Das Produkt sei zum 31. Dezember 2024 eingeführt worden, das BMF habe den Betrieb kollegialiterweise über den Legislaturbeginn hinaus bis Ende 2025 fortgeführt. Die AfD-Fraktion hingegen wertet die Einstellung als Scheitern und fragt nach personellen Konsequenzen und Transparenzpflichten. Bei der Frage nach einer Kosten-Nutzen-Analyse, die der Abschaltungsentscheidung zugrunde lag, verweist die Bundesregierung lediglich auf das Projektende — eine inhaltliche Analyse nennt sie nicht. Bei der Frage nach Konsequenzen für künftige IT-Projekte verweist sie pauschal auf die Bundeshaushaltsordnung (BHO) und deren Verpflichtung zur Wirtschaftlichkeitsprüfung.
Folgen für die Verwaltungsdigitalisierung
Nach Angaben der Bundesregierung hat die Abschaltung des Datenatlas Bund keine weitreichenden Auswirkungen auf andere Digitalisierungsvorhaben. Das Nationale Once-Only-Technical-System (NOOTS), das eine föderale Dateninfrastruktur aufbauen soll, läuft unabhängig weiter — zuständig ist dabei die FITKO (Föderale IT-Kooperation). Als Ersatz für den Datenatlas nennt die Bundesregierung das Portal GovData, das bereits offene Verwaltungsdaten zentral zugänglich macht. Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) beabsichtigt zudem, die gewonnenen Erkenntnisse in künftige Metadaten-Projekte einzubringen.
Als verbindlichen Projektmanagement-Standard für künftige IT-Vorhaben nennt die Bundesregierung PMflex, der seit 2023 verfügbar und seit 2026 der empfohlene Standard der Bundesverwaltung ist. Ergänzend steht für Softwareentwicklungsprojekte das V-Modell XT zur Verfügung. Ob diese Standards das Risiko ähnlicher Projektabbrüche in der Zukunft reduzieren, lässt die Antwort offen. Zum Thema Haushaltsausgaben und parlamentarischer Kontrolle finden sich auf drucksachlich.de weitere Hintergrundartikel. Wer sich für aktuelle Digitalpolitik interessiert, findet auch den Beitrag zur KI-Regulierung durch die Bundesregierung lesenswert.
Weiterlesen:
- Begriff erklärt: Haushaltsausgabe
- Bundesregierung und KI-Modelle: Exportkontrollen der USA
- Bundestag 17.06.2026: Die wichtigsten Drucksachen
Betroffen sind zunächst Beschäftigte in Bundesbehörden, die das Tool für Datentransparenz und ressortübergreifende Zusammenarbeit nutzen sollten. Mittelbar sind Steuerzahlerinnen und Steuerzahler betroffen, deren Mittel in Höhe von über 26 Millionen Euro für das Projekt eingesetzt wurden. Auch die Verwaltungsdigitalisierung insgesamt ist tangiert, da ein zentrales Metadaten-Instrument nun fehlt.
Die Bundesregierung weicht bei mehreren Fragen aus: Auf die Frage nach einer Kosten-Nutzen-Analyse antwortet sie inhaltsleer mit dem Hinweis auf das Projektende. Bei der Frage nach personellen Konsequenzen verweist sie pauschal auf die Bundeshaushaltsordnung, ohne konkrete Maßnahmen zu nennen. Die Bewertung als 'erfolgreich beendetes Projekt' steht im Widerspruch zur Abschaltung des Portals Ende 2025.
Berlin, 13. Juni 2026. Einem Bericht des „Focus” zufolge verzichtet Deutschland im Streit um Rückzahlungen aus der Europäischen Friedensfazilität (EPF) in einer Gesamthöhe von 6,6 Milliarden Euro auf Milliardenrückzahlungen für zuvor getätigte Waffenlieferungen an die Ukraine. Stattdessen sollen diese erstattungsfähigen Beträge nach dem Willen der Bundesregierung sofort wieder der Ukraine… …
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 11.06.2026) 25-Millionen-Flop: Digitalisierungsprojekt des Bundes eingestellt →
- Metadatenkatalog
- Ein strukturiertes Verzeichnis, das beschreibt, welche Daten in einer Organisation vorhanden sind — ähnlich einem Bibliothekskatalog für Datensätze.
- MVP (Minimum Viable Product)
- Die erste funktionsfähige Version eines IT-Produkts, die grundlegende Funktionen erfüllt und als Basis für Weiterentwicklungen dient.
- PMflex
- Der seit 2023 verfügbare und seit 2026 empfohlene Projektmanagement-Standard der Bundesverwaltung für IT- und andere Projekte.
Was kostete der Datenatlas Bund insgesamt?
Laut Bundesregierung beliefen sich die Gesamtkosten auf 26,181 Millionen Euro (brutto), verteilt auf die Jahre 2022 bis 2026.
Warum wurde der Datenatlas Bund abgeschaltet?
Die Bundesregierung bezeichnet das Projekt als erfolgreich zum 31. Dezember 2024 beendet. Das BMF führte den Betrieb des Portals bis Ende 2025 fort; danach wurde es eingestellt.
Gibt es ein Nachfolgeprojekt für den Datenatlas Bund?
Ein direktes Nachfolgeprojekt ist nicht konkret benannt. Das Portal GovData bietet bereits offene Verwaltungsdaten an; das BMDS will Erkenntnisse in künftige Projekte einbringen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6478 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































