- 52.640 Grundsicherungsfälle im Alter und bei Erwerbsminderung in Hamburg 2025
- 21,3 Prozent der Frauen ab 65 Jahren sind laut Paritätischem Armutsbericht armutsgefährdet
- Hamburger Rentnerinnen erhalten im Bestand durchschnittlich 1.046 Euro Altersrente pro Monat
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7358 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Altersarmut ist in Deutschland ein wachsendes Problem. Laut Paritätischem Armutsbericht 2026 waren im Jahr 2025 über 13,3 Millionen Menschen in Deutschland von Armut betroffen. Besonders Frauen ab 65 Jahren sind überdurchschnittlich häufig betroffen, was unter anderem auf geringere Erwerbseinkommen und höhere Teilzeitquoten in der Erwerbsbiografie zurückzuführen ist. Die Fraktion Die Linke hat mit der Kleinen Anfrage 21/7101 umfangreiche Daten zur Situation in Hamburg und Deutschland abgefragt, die das Bundesministerium für Arbeit und Soziales am 24. Juli 2026 beantwortet hat.
- 52.640 — Grundsicherungsempfänger im Alter und bei Erwerbsminderung in Hamburg Ende 2025 (2016: 41.443)
- 1.283.860 — Grundsicherungsempfänger bundesweit Ende 2025, davon 764.065 ab Regelaltersgrenze
- 1.266 Euro — Durchschnittlicher Altersrentenzahlbetrag im Rentenzugang 2025 für Männer in Hamburg; Frauen erhalten im Zugangsjahr 1.062 Euro
- 7.914.008 — Geringfügig Beschäftigte bundesweit (Stichtag 30.06.2025), davon 193.057 in Hamburg
- 19.965.405 — Rentnerinnen und Rentner in Deutschland am 1.7.2025, davon 338.808 in Hamburg
Im Detail
Der beste Schutz gegen Altersarmut sind eine gute Ausbildung, durchgehende Erwerbsbiografien mit anständigen Löhnen und die Absicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung flankiert durch betriebliche Altersversorgung und private Zusatzvorsorge.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7358, S. 7
Altersarmut in Deutschland trifft besonders Frauen: Rund jede fünfte Frau ab 65 Jahren gilt als armutsgefährdet. In Hamburg ist die Lage besonders angespannt — Ende 2025 bezogen dort 52.640 Menschen Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf BT-Drs. 21/7358 vom 27. Juli 2026 hervorgeht. Das Dokument umfasst 20 Fragen der Fraktion Die Linke zur Altersarmut und Alterssicherung.
Altersarmut in Hamburg: Zahlen im Detail
Hamburgs Grundsicherungsquote ab Regelaltersgrenze liegt mit 10,5 Prozent (2024) deutlich über dem Bundesschnitt von 4,1 Prozent. Damit gehört Hamburg neben Berlin (8,8 Prozent) und Bremen (8,7 Prozent) zu den Stadtstaaten mit besonders hoher Belastung. Die Zahl der Grundsicherungsempfänger in Hamburg ist seit 2016 (damals 41.443) kontinuierlich gestiegen. Bundesweit bezogen Ende 2025 insgesamt 1.283.860 Personen Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung — 2016 waren es noch 1.025.903.
Die Altersarmut zeigt sich auch in den Rentenzahlbeträgen: Im Rentenzugang 2025 erhielten Männer in Hamburg im Durchschnitt 1.266 Euro monatliche Altersrente, Frauen hingegen nur 1.062 Euro. Im Rentenbestand lag der Wert bei Männern bei 1.435 Euro und bei Frauen bei 1.046 Euro. Das geschlechtsspezifische Rentengefälle ist dabei kein Hamburger Sonderproblem — bundesweit erhalten Männer im Bestand durchschnittlich 1.531 Euro, Frauen 1.025 Euro.
Was gilt aktuell?
Wer im Alter oder bei dauerhafter Erwerbsminderung seinen Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestreiten kann, hat Anspruch auf Grundsicherung nach dem 4. Kapitel SGB XII. Die Leistung ergänzt vorhandene Renteneinkünfte auf das soziale Existenzminimum. Daneben besteht die Möglichkeit, Wohngeld zu beantragen: In Hamburg nutzten 2024 rund 11.974 Rentnerinnen und Rentner diese Leistung — ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr (12.092), während bundesweit die Zahl der wohngeldberechtigten Rentner auf 709.345 stieg.
Beschäftigung und Rentenanwartschaften
Ein wesentlicher Treiber der Altersarmut liegt in der Erwerbsbiografie: Geringfügige Beschäftigung ohne volle Rentenversicherungsbeiträge schwächt die spätere Altersversorgung. Laut den Daten zur Antwort auf BT-Drs. 21/7358 waren in Hamburg am 30. Juni 2025 insgesamt 193.057 Personen geringfügig beschäftigt — von diesen zahlten lediglich 40.972 den vollen Rentenbeitrag, während 148.692 nur den Pauschalbeitrag leisteten. Bundesweit waren es 7.914.008 geringfügig Beschäftigte. Hinzu kommt: In Hamburg gehen 6,5 Prozent der über 60-Jährigen ausschließlich einer geringfügigen Beschäftigung nach — bei denjenigen unter der Regelaltersgrenze sind es 5,5 Prozent, bei denen darüber 5,1 Prozent. Dieses Muster deutet auf Erwerbstätigkeit im Rentenalter zur Einkommenssicherung hin, wie es auch der Bericht zur KfW-Klimastrategie als strukturelles Risiko für Altersvorsorgekapazitäten benennt.
Verhältnis Beitragszahler zu Rentnern — Hamburg besonders gut aufgestellt
Hamburg weist mit einem Verhältnis von 2,40 Pflichtversicherten je Rentner (Stand 31.12.2024) den bundesweit günstigsten Wert auf. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 1,74. Ostdeutsche Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern (1,19) und Sachsen (1,35) haben dagegen bereits heute eine deutlich ungünstigere demografische Relation. Dies bedeutet, dass dort das gesetzliche Rentensystem besonders unter Druck steht — eine Entwicklung, die auch in der Debatte um die Kostenkontrolle staatlicher Leistungen zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Keine bundeslandspezifischen Maßnahmen geplant
Auf die direkte Frage, ob die Bundesregierung ein überdurchschnittliches Armutsgefährdungsrisiko in Hamburg sehe und mit welchen Maßnahmen sie gegensteuern wolle, antwortet die Regierung knapp: „Bundeslandspezifische Maßnahmen gegen Altersarmut sind seitens der Bundesregierung grundsätzlich nicht vorgesehen.“ Als allgemeinen Schutz verweist sie auf eine gute Ausbildung, durchgehende Erwerbsbiografien und die Absicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung. Zur Frage der Auswirkungen einer möglichen Kopplung der Rentenaltersgrenze an die Lebenserwartung — wie von der Alterssicherungskommission vorgeschlagen — erklärt die Regierung, eine pauschale Abschätzung sei nicht möglich. Konkrete Schutzmaßnahmen für Hamburg nennt sie nicht. Ähnliche Fragen zu strukturellen Risiken für staatliche Leistungen werden auch bei der Versorgungslage bei der Kinder-Psychotherapie diskutiert.
Die vollständigen Tabellen — darunter detaillierte Aufschlüsselungen nach Geschlecht, Bundesland und Rentenart — sind auf der Internetseite des Deutschen Bundestages unter BT-Drs. 21/7358 abrufbar. Die Versichertenstatistik für das Jahr 2025 liegt laut Regierung noch nicht vor.
Weiterlesen:
- Entwicklungszusammenarbeit: GIZ und KfW unter Kostenkontrolle
- Kinder-Psychotherapie: 34 Fragen zur Versorgungslage 2026
- KI und Arbeitsmarkteinstieg: 9 Fragen an die Bundesregierung
Betroffen sind vor allem ältere Menschen in Deutschland, insbesondere Frauen ab 65 Jahren mit einer Armutsquote von 21,3 Prozent laut Fragesteller. In Hamburg bezogen Ende 2025 rund 52.640 Personen Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Besonders städtische Ballungsräume wie Hamburg und Berlin weisen im bundesweiten Vergleich höhere Grundsicherungsquoten auf.
Die Bundesregierung beantwortet viele Fragen durch Verweis auf frühere Drucksachen (20/12534, 21/1421) und externe Statistikportale, statt vollständig direkt zu antworten. Zu bundeslandspezifischen Maßnahmen gegen Altersarmut erklärt sie, solche seien grundsätzlich nicht vorgesehen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Altersarmut in Hamburg: 21,3 % der Frauen ab 65 betroffen →
- Grundsicherung im Alter
- Staatliche Sozialleistung nach dem 4. Kapitel SGB XII für Menschen ab der Regelaltersgrenze, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen bestreiten können.
- Armutsrisikoquote (ARQ)
- Statistisches Maß für den Anteil der Bevölkerung mit einem Nettoeinkommen unterhalb von 60 Prozent des mittleren Einkommens. Sie misst relative Einkommensarmut, nicht absolute Bedürftigkeit.
- Mehrfachrentner
- Personen, die gleichzeitig mehrere Rentenarten beziehen, etwa eine Altersrente und eine Hinterbliebenenrente.
Wie viele Menschen in Hamburg erhalten Grundsicherung im Alter?
Ende 2025 bezogen in Hamburg insgesamt 52.640 Personen Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung — davon 25.355 Männer und 27.285 Frauen.
Wie hoch ist die durchschnittliche Altersrente in Hamburg?
Im Rentenbestand zum 31. Dezember 2025 betrug der durchschnittliche Altersrentenzahlbetrag bei Männern in Hamburg 1.435 Euro und bei Frauen 1.046 Euro pro Monat.
Plant die Bundesregierung spezifische Maßnahmen gegen Altersarmut in Hamburg?
Nein. Die Bundesregierung erklärt, bundeslandspezifische Maßnahmen gegen Altersarmut seien grundsätzlich nicht vorgesehen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7358 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































