- Rund 10.444 libanesische Asylanträge in Deutschland von 2017 bis Juni 2026
- Bundesregierung sieht keine spezifische Bedrohung für Christen im Libanon
- Religiöse Daten: Über 90 % der libanesischen Asylbewerber gaben Islam an
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7521 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Libanon befindet sich seit 2019 in einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise. Hinzu kommen strukturelle Schwächen staatlicher Institutionen, die Folgen der Hafenexplosion in Beirut 2020 sowie militärische Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah, die laut Bundesregierung vor allem den Süden des Landes belasten. Der Libanon hat seit 1932 keine landesweite Volkszählung durchgeführt, weshalb belastbare Aussagen über konfessionsspezifische demografische Entwicklungen nicht möglich sind. Das politische System des Landes basiert auf einem konfessionellen Proporz, der 18 anerkannte Religionsgemeinschaften einschließt.
- 10.444 — Asylanträge von Personen mit libanesischer Staatsangehörigkeit in Deutschland von 2017 bis Juni 2026 (Summe aller Jahreswerte).
- 1.945 (2022) — Höchstwert libanesischer Asylanträge in einem einzelnen Jahr; danach kontinuierlicher Rückgang auf 733 (2025).
- Über 90 % — Anteil der libanesischen Asylbewerber, die auf freiwilliger Basis Islam als Religionszugehörigkeit angaben; Christen stellten pro Jahr zwischen 33 und 84 Personen dar.
- 18 — Anzahl der offiziell anerkannten Religionsgemeinschaften im Libanon, auf deren Proporz das politische System aufbaut.
- 1932 — Jahr der letzten landesweiten Volkszählung im Libanon; seitdem gibt es keine belastbaren Daten zur konfessionellen Bevölkerungsverteilung.
Im Detail
Der Bundesregierung liegen keine belastbaren Erkenntnisse vor, wonach sich die allgemeine Krisenlage oder die Folgen der bewaffneten Auseinandersetzungen spezifisch zulasten der christlichen Gemeinden auswirken.
— Vorbemerkung der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7521
Christen im Libanon leiden nach Einschätzung der Bundesregierung nicht spezifisch stärker unter der anhaltenden Staats- und Wirtschaftskrise als andere Bevölkerungsgruppen. Das geht aus der Antwort des Auswärtigen Amts vom 7. August 2026 auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor (BT-Drs. 21/7521). Die Anfrage, ursprünglich als BT-Drs. 21/7318 eingebracht, umfasste 19 Fragen zur Lage christlicher Gemeinden im Libanon im Kontext von Staatskrise, bewaffneten Konflikten und demografischen Veränderungen.
Christen im Libanon: Bundesregierung verneint spezifische Betroffenheit
Die Bundesregierung erklärt in ihrer Vorbemerkung, dass sich Wirtschaftskrise, Staatszerfall und der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah grundsätzlich auf alle Bevölkerungsgruppen im Libanon auswirken. Für eine spezifische Schlechterstellung christlicher Gemeinden liegen ihr nach eigenen Angaben keine belastbaren Erkenntnisse vor. Im Gegenteil stellt sie fest, dass beim bewaffneten Konflikt der Jahre 2024 bis 2026 angesichts der geographischen Schauplätze vor allem schiitische Bevölkerungsgruppen überproportional betroffen waren. Schäden an christlichen Kirchen oder Klöstern durch militärische Auseinandersetzungen sind der Bundesregierung nicht konkret bekannt; eine Zuordnung von Schäden zu einzelnen Konfliktparteien ist ihr nicht in allen Fällen möglich.
Zur politischen Stellung der Christen im Libanon hält die Bundesregierung fest, dass ihre Rolle im konfessionell geprägten System durch die Verfassung weiterhin verankert ist — ungeachtet langfristiger demografischer Entwicklungen. Eine eigene Positionierung zur langfristigen Entwicklung des konfessionellen Gleichgewichts nimmt die Bundesregierung ausdrücklich nicht vor. Der Libanon erkennt 18 Religionsgemeinschaften offiziell an und verteilt Staatsämter nach einem konfessionellen Proporz.
Asylzahlen aus dem Libanon seit 2017
Einen konkreten Datensatz liefert die Drucksache bei den Asylanträgen: Zwischen 2017 und Ende Juni 2026 stellten insgesamt rund 10.444 Personen mit libanesischer Staatsangehörigkeit in Deutschland einen Asylantrag. Den Höchstwert verzeichnete das Jahr 2022 mit 1.945 Anträgen — ein Jahr nach der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise und im Zuge der anhaltenden Folgen der Beiruter Hafenexplosion von 2020. Danach sanken die Zahlen: 2023 waren es 1.471, 2024 noch 1.299, 2025 noch 733. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 412 Anträge registriert.
Die Altersstruktur zeigt über alle Jahre hinweg, dass die Gruppe der 18- bis 30-Jährigen die größte Antragstellergruppe bildet. Männer überwiegen dabei deutlich: Im Jahr 2025 etwa kamen 523 männliche auf 210 weibliche Antragsteller.
Religionszugehörigkeit der Asylbewerber
Auf freiwilliger Basis gaben die überwältigende Mehrheit der libanesischen Asylbewerber Islam als Religionszugehörigkeit an. Im Jahr 2022 — dem Jahr mit den meisten Anträgen — erklärten sich 1.765 von 1.945 Antragstellern als Muslime und 84 als Christen. In den anderen Jahren lagen die christlichen Antragsteller zwischen 33 (2018) und 84 (2022). Für das erste Halbjahr 2026 wurden lediglich 5 Personen als Christen erfasst. Der Anteil der Personen mit unbekannter Religionszugehörigkeit lag je nach Jahr zwischen 36 und 71 Personen. Die Bundesregierung weist darauf hin, dass diese Angaben auf freiwilligen Selbstauskünften während des Asylverfahrens beruhen.
Keine gezielten Förderprojekte für christliche Gemeinden
Die humanitäre Hilfe der Bundesregierung für den Libanon folgt nach eigenen Angaben humanitären Grundsätzen und wird bedarfsorientiert vergeben — unabhängig von der Konfession der Begünstigten. Projekte, die gezielt auf den Erhalt oder Schutz christlicher Gemeinden ausgerichtet sind, fördert die Bundesregierung nicht. Sie verweist stattdessen auf ihren allgemeinen Ansatz: Stärkung staatlicher Institutionen, Förderung von Rechtsstaatlichkeit und Schutz der Menschenrechte — auch im Rahmen der EU und der Vereinten Nationen. Gegenüber der libanesischen Regierung bringe sie die Erwartung von Fortschritten bei Staatsführung, Rechtsstaatlichkeit und Schutz religiöser Vielfalt regelmäßig zum Ausdruck.
Zur Rückführungsquote libanesischer Asylbewerber nach Religionszugehörigkeit liegen der Bundesregierung keine Daten vor. Sie verweist darauf, dass aufenthaltsbeendende Maßnahmen Ländersache sind. Informationen zur Abwanderung christlicher Bevölkerungsteile aus dem Libanon — Umfang und Ursachen — liegen der Bundesregierung ebenfalls nicht vor, da der Libanon seit 1932 keine landesweite Volkszählung durchgeführt hat und belastbare konfessionelle Bevölkerungsdaten fehlen.
Weitere Entwicklungen zu deutschen Außenpolitikthemen finden sich auch in der Berichterstattung zur Sudan-Konferenz 2026.
Weiterlesen:
Betroffen von der Antwort sind potenzielle Asylbewerber aus dem Libanon in Deutschland sowie christliche und andere religiöse Gemeinschaften im Libanon. Die humanitäre Hilfe der Bundesregierung richtet sich an alle schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen ohne Ansehen der Konfession.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen mit dem Verweis, keine Erkenntnisse im Sinne der Fragestellung zu besitzen, und verweist wiederholt auf ihre eigene Vorbemerkung. Bei Frage 7 (genutzte internationale Berichte) und Frage 14 (Flüchtlingsauswirkungen auf konfessionelles Gleichgewicht) bleibt die Antwort inhaltlich leer und verweist ausschließlich auf die Vorbemerkung. Zur Rückführungsquote nach Religionszugehörigkeit liegen laut Bundesregierung keine Daten vor.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Christen im Libanon: 19 Fragen zur Lage religiöser Minderheiten →
- Konfessioneller Proporz
- Politisches System im Libanon, bei dem Staatsämter nach einem festen Schlüssel auf verschiedene Religionsgemeinschaften verteilt werden, etwa das Präsidentenamt für Maroniten und das Parlamentspräsidium für Schiiten.
- Asylgesetz § 55 Abs. 1
- Vorschrift, nach der ausländischen Staatsangehörigen während eines laufenden Asylverfahrens der Aufenthalt in Deutschland gestattet ist.
- Hisbollah
- Schiitische Miliz und politische Partei im Libanon, die von der EU als Terrororganisation eingestuft wird und im Südlibanon militärisch aktiv ist.
Wie viele Libanesen haben seit 2017 in Deutschland Asyl beantragt?
Zwischen 2017 und Ende Juni 2026 wurden insgesamt rund 10.444 Asylanträge von Personen mit libanesischer Staatsangehörigkeit gestellt. Den Höchstwert gab es 2022 mit 1.945 Anträgen.
Sind Christen im Libanon laut Bundesregierung besonders betroffen?
Nein. Die Bundesregierung erklärt, dass ihr keine Erkenntnisse vorliegen, die eine spezifische Betroffenheit christlicher Gemeinden belegen. Die Krise treffe alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen.
Welche Religionen geben libanesische Asylbewerber in Deutschland an?
Die überwiegende Mehrheit gibt Islam an. Zum Beispiel erklärten sich 2022 von 1.945 Antragstellern 1.765 als Muslime und 84 als Christen. Die Angaben beruhen auf freiwilligen Selbstauskünften.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7521 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































